Es gibt Aufgaben, die erledigt ein erfahrener Linux-Benutzer auf der Kommandozeile wesentlich schneller als über eine grafische Oberfläche. Dazu gehört auch das Paketmanagement. OpenSuse, Ubuntu und Mandriva Linux benutzen dafür jeweils unterschiedliche Programme: zypper (OpenSuse), apt-get (Ubuntu) und urpmi (Mandriva Linux).
Verwechseln Sie diese Tools nicht mit dem eigentlichen Paketsystem: OpenSuse und Mandriva basieren auf dem RPM-System (Red Hat Package Management), Ubuntu setzt das DEB-Paketsystem von Debian ein. Im Unterschied zu den Befehlen rpm und dpgk, mit denen Sie zwar Pakete abfragen, installieren und löschen können, sind urpmi, zypper und apt-get darauf spezialisiert, automatisch mehrere Pakete zu installieren und dabei auftretende Paketabhängigkeiten automatisch aufzulösen sowie über Paketkonflikte zu informieren.
OpenSuse: Zypper
Möchten Sie unter OpenSuse ein neues Programm installieren, starten Sie dazu in der Regel das Paketmanagement-Modul von YaST, tippen dann in der Suchmaske den gewünschten Begriff ein, markieren das Paket und klicken auf Anwenden. Der komplette Vorgang dauert selbst auf einem schnellen Rechner zwei bis drei Minuten. Erfahrene Anwender kennen in der Regel den Namen des gewünschten Pakets auswendig. Sie starten über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu konsole ein Terminal mit Root-Rechten und geben hier den Befehl
zypper install Paketname
ein. (Paketname müssen Sie dazu durch den Namen des zu installierenden Pakets ersetzen).
Der komplette Vorgang dauert je nach Anzahl der Paketquellen nur wenige Sekunden. Neben der Geschwindigkeit hat zypper noch weitere Vorteile. So können Sie mit dem Programm auch Installationsquellen verwalten, ohne dazu YaST zu starten. Für die tägliche Arbeit benötigen Sie in der Regel nur die zwei Befehle zypper search und zypper install. Beiden Kommandos geben Sie als Parameter den gewünschten Paketnamen mit. Zum Beispiel sucht
zypper search amarok
in sämtlichen Paketquellen nach der KDE-Jukebox Amarok. Zypper unterstützt zudem die Option -d (description) und sucht damit nicht nur nach Paketnamen, sondern auch in den Beschreibungen. Um ein Paket zu installieren, genügt der Befehl
zypper install Paketname
Abhängigkeiten löst das Kommandozeilentool automatisch. Findet zypper mehrere Pakete mit dem Namen amarok, versucht es, das neueste zu installieren. Um eine ältere Version oder eine Version aus einer bestimmten Paketquelle einzuspielen, müssen Sie zurzeit noch YaST benutzen. Dieses Feature steht aber auf der To-do-Liste der Zypper-Entwickler.
Möchten Sie ein Paket löschen, geben Sie
zypper remove Paketname
ein, wobei Sie den richtigen Paketnamen einsetzen, z. B. zypper remove amarok.
Das Kommandozeilentool von OpenSuse hilft Ihnen auch, Aktualisierungen abzufragen und einzuspielen. Eine Liste sämtlicher Updates gibt Ihnen der Befehl zypper lu (list updates) aus. Um die Updates einzuspielen, genügt der Befehl zypper update oder dessen Kurzform zypper up.
Arbeiten mit Katalogen
Zypper nennt Installationsquellen Services bzw. Kataloge. Um eine Liste der verfügbaren Quellen anzuzeigen, geben Sie den Befehl zypper repos in einer Konsole ein. Für diese reine Informationsausgabe benötigen Sie übrigens keine Root-Rechte. Abbildung 2 zeigt die Ausgabe des Befehls nach einer Installation vom EasyLinux Starter Kit mit verschiedenen Internet-Quellen für das Online-Update und die proprietären Pakete von OpenSuse 11.0. In der ersten Spalte sehen Sie die Nummer der Quelle. Die letzten zwei Spalten zeigen an, ob der Paketmanager diese Quellen benutzt (Enabled) und regelmäßig aktualisiert (Refresh).
Steht bei einer Quelle in der Spalte Aktiviert der Eintrag Nein, benutzt das System diese nicht zur Installation. Sie müssen die Quelle dann in YaST über Software / Installationsquelle wechseln einschalten.
Möchten Sie eine neue Installationsquelle hinzufügen, rufen Sie Zypper mit dem Befehl
zypper addrepo URI Name
auf. Als URI geben Sie die Adresse der Quelle an, den Namen können Sie frei wählen. Anstelle von addrepo können Sie auch die Kurzform ar benutzen. Ein spezielles OpenSuse-Repository mit X-Server-Paketen richten Sie zum Beispiel mit dem Befehl
zypper addrepo http://download.opensuse.org/repositories/X11:/XOrg/openSUSE_11.0/ X-Server-Repo
ein. Die Repository-Informationen holt zypper erst bei der nächsten Paketsuche (oder bei einem Installationsversuch) aus dem Internet; suchen Sie darum nach einem Beispielpaket (etwa: zypper search xorg), um die Informationen direkt zu aktualisieren. Der Paketmanager liest dann die Informationen zur Quelle ein und fragt Sie am Schluss, ob Sie dem Schlüssel der Paketbauer vertrauen und diesen in den Schlüsselring importieren möchten. Geben Sie zweimal ja ein, um den Schlüssel zu übernehmen.
Möchten Sie eine Installationsquelle löschen, lassen Sie sich zunächst mit zypper repos die Liste ausgeben und merken sich die Nummer des Katalogs. Danach rufen Sie
zypper removerepo Nummer
auf; anstelle der Nummer können Sie auch den Aliasnamen verwenden, und die Option removerepo hat mit rr auch eine komfortable Kurzform:
# zypper rr "X-Server-Repo" Entferne Repository 'X-Server-Repo' [fertig] Repository 'X-Server-Repo' wurde entfernt.
Über die aufgezeigten Funktionen hinaus beherrscht zypper noch einige weitere. Am besten lesen Sie sich mit man zypper das Handbuch des Tools durch. Eine Übersicht über die wichtigsten Befehle zeigt auch die Tabelle Vergleich der wichtigsten Funktionen.
Vergleich der wichtigsten Funktionen
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| OpenSuse | Ubuntu | Mandriva |
|---|---|---|---|
| Suchen | zypper search Paketname
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apt-cache search Paketname
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urpmi -y Paketname
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| Installieren | zypper install Paketname
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apt-get install Paketname
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urpmi Paketname
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| Löschen | zypper remove Paketname
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apt-get remove Paketname
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| Quelle hinzufügen | zypper addrepo URL Name
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für CD/DVD: apt-cdrom add
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urpmi.addmedia Name URL with hdlist.cz
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| Quellen auffrischen | zypper refresh
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apt-get update
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urpmi.update -a
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| Updates einspielen | zypper update
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apt-get upgrade
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urpmi --auto-select
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