Mancher Anwender stöhnt, wenn er bei der Softwaresuche im Internet wieder auf ein Quelltextpaket gestoßen ist: Lässt sich doch Software in Quelltextform nur installieren, indem dieser lesbare Programmcode umständlich mit Hilfe von Compiler und weiteren Werkzeugen in ein ausführbares Programm übersetzt wird. Doch was hier zunächst als anwenderfeindlich erscheint, ist die große Stärke von freier Software und Open-Source-Software wie etwa Linux selbst oder auch vielen Anwendungen, z. B. OpenOffice, Firefox, Thunderbird, KDE etc.
Offene Quellen bedeuten, dass Sie im Internet nicht nur die fertige Software, sondern eben auch den Quellcode finden – quasi die Bauanleitung für die Programme. Ein wichtiger Aspekt des Open-Source-Konzepts ist, dass Sie diese Quellen (bei Bedarf) nicht nur herunterladen, ansehen und übersetzen dürfen; die Lizenz, die den Umgang mit den Quellen regelt, gestattet es auch, Veränderungen am Programmcode vorzunehmen. Vermissen Sie also bei einem Ihrer Lieblingsprogramme ein bestimmtes Feature oder sind Sie auf einen Programmfehler gestoßen, müssen Sie nicht darauf hoffen, dass die Hersteller irgendwann eine aktualisierte Version herausbringen, sondern können selbst aktiv werden. Programmierkenntnisse vorausgesetzt, ändern Sie die Programmquellen selbst, oder Sie beauftragen einen Programmierer damit. Das ist für reine Anwender zwar keine übliche Option, aber für den Einsatz in einem Unternehmen kann diese Möglichkeit den entscheidenden Ausschlag geben, sich für quelloffene Software zu entscheiden.
Sicherheit
Ein anderer Aspekt ist die Sicherheit der Software – hier geht es um zwei Fragen:
- Wie sieht es mit Fehlerkorrekturen im Programm aus? Durch offene, für jeden zugängliche Quellen werden Fehler in freier Software sehr schnell gefunden. Das ist gerade bei kritischen Fehlern wichtig, wenn der Einsatz des (nicht fehlerbereinigten) Programms potenziellen Angreifern eine Tür öffnet.
- Vertrauen Sie Ihrem Software-Hersteller? In den letzten Jahren sind vermehrt Programme entdeckt worden, die ungefragt "nach Hause telefonieren", also übers Internet Informationen über den Einsatz der Software, die Konfiguration des Rechners und andere potenziell sensible Daten an einen Hersteller-Server übertragen – letzterer wertet diese dann aus, vielleicht nur, um seine Software zu verbessern, vielleicht um nach Raubkopierern zu fahnden, und vielleicht auch mit ganz anderen Motiven. Eingebaute "Features", die solche Informationen weitergeben oder dem Benutzer in anderer Weise schaden, sind in Programmen nur schwer zu erkennen. Bei freier Software gibt es dieses Problem nicht: Eine Inspektion der Programmquellen würde unerwartete (und unerwünschte) Funktionen schnell entdecken.
Langfristig benutzbar
Die meisten Programme entwickeln sich über einen Zeitraum von vielen Jahren oder gar Jahrzehnten. Anwender, die diese Software regelmäßig nutzen, werden mit der Zeit zu Experten, und sie haben vielleicht Tausende Dokumente damit erstellt. In der Konsequenz werden viele dauerhaft mit dieser Software arbeiten wollen und auch neue Programmversionen installieren, die verbesserte Funktionen bieten oder alte Fehler beheben. Doch was tun, wenn es sich um Software ohne verfügbare Quellen handelt und der Hersteller plötzlich entscheidet, die Anwendung nicht mehr weiter zu entwickeln, oder gar Konkurs anmeldet? In einem solchen Fall bleibt den Anwendern nur die Wahl, die letzte gekaufte Programmversion noch solange weiter zu verwenden, wie es geht, und irgendwann auf ein Alternativprodukt umzusteigen.
Bei quelloffener Software ist die Gefahr eines solchen Szenarios deutlich geringer: Solange es noch irgendwo auf der Welt Programmierer gibt, die sich für das Projekt interessieren, ist eine Weiterentwicklung möglich, auch wenn der ursprüngliche Programmierer schon lange nicht mehr an der Software arbeitet. Zudem verwenden freie Programme meist "sinnvolle" oder zumindest gut dokumentierte Dateiformate, die es im Fall eines Programmwechsels erlauben, die alten Dateien in ein neues Format zu konvertieren.



