Als Asus im Oktober 2007 mit dem Eee-PC 4G das erste Gerät der neuen Hardwarekategorie Netbook auf den Markt brachte, gab es die Minirechner nur mit Linux. Inzwischen ist auch Microsoft auf den populären Netbook-Zug aufgesprungen und bietet den Hardwareherstellern Windows XP zu Sonderkonditionen an. Dass Linux auf den Minirechnern trotzdem nicht mehr wegzudenken ist, hängt unter anderem damit zusammen, dass sich das freie Betriebssystem sehr einfach und gut anpassen lässt.
Dieser Artikel stellt Ihnen die am weitesten verbreiteten Linux-Distributionen für Netbooks etwas genauer vor, so dass Sie sich ein Bild davon machen können, was Sie beim Netbook-Kauf erwartet.
Eee-PC mit Xandros
Die drei "E" im Eee-PC-Namen stehen für Easy to Learn, Easy to Play und Easy to Work. Bei der Xandros-Version auf dem Eee-PC handelt es sich denn auch um eine stark angepasste Version mit dem Fenstermanager IceWM, Reitern zur einfachen Orientierung und großen Symbolen als Programmstarter (Abbildung 1). Das Ganze nennt sich Asus Launcher. Nötig war diese Anpassung auch wegen des doch sehr kleinen Displays bei den ersten Modellen, das für ein traditionelles Menü kaum genug Platz bietet.
Um die einzelnen Reiter anzupassen, bietet Xandros keine Bordmittel an. Auch unter den Favoriten können Sie nur Programme hinzufügen, die sich in einer von Xandros festgelegten Liste befinden. Zum Glück gibt es mit Emeditor [1] eine grafische Oberfläche, über die Sie per Mausklick die einzelnen Schnellstarter löschen, anpassen oder erweitern können. In der Grundeinstellung dürfen Programmfenster die Kontrollleiste am unteren Bildschirmrand nicht überdecken. Möchten Sie den Platz zusätzlich nutzen, schiebt ein Klick auf das schwarze Dreieck in der rechten unteren Bildschirmecke das KDE-Panel zur Seite, und maximierte Fenster vergrößern sich automatisch auf die volle Bildschirmgröße. Sehr gut hat Xandros auch die Anzeige für Caps- und Numlock gelöst. Mangels entsprechender LED sehen Sie am Netbook nicht, ob Sie die Feststelltaste oder den Nummernblock aktiviert haben. Zwei kleine Symbole in der Kontrollleiste zeigen diesen Status aber an. Ein weiteres Icon auf der Kontrollleiste informiert Sie über anstehende Updates.
Wer schon einmal mit Linux gearbeitet hat, kennt die virtuellen Arbeitsflächen. Damit lassen sich Programmfenster auf mehrere Arbeitsflächen verteilen, was für mehr Ordnung sorgt. Auch die Easy-Oberfläche des Eee-PCs unterstützt solche Arbeitsflächen, vier sind bereits eingerichtet. Allerdings gibt es kein grafisches Tool, um diese zu verwalten oder umzuschalten. Drücken Sie [Strg]+[Alt]+[PfeilRechts], landen Sie auf der nächsten Arbeitsfläche, mit [Strg]+[Alt]+[PfeilLinks] kommen Sie wieder zurück. Von der vierten Arbeitsfläche wechseln Sie automatisch zur ersten.
Wem die Standardoberfläche des Eee-PCs nicht zusagt, kann auch die klassische KDE-3-Oberfläche aktivieren. Dazu müssen Sie zunächst übers Internet zwei zusätzliche Programme installieren:
- Öffnen Sie über [Strg]+[Alt]+[T] das XFCE-Terminal und geben Sie hier den Befehl
sudo apt-get updateein. Er frischt die Liste der verfügbaren Pakete auf. Der Eee-PC muss dazu online sein. - Installieren Sie die KDE-Kontrollleiste und einige Erweiterungen über den Befehl
sudo apt-get install ksmserver kicker.
Drücken Sie nun auf den Einschaltknopf, zeigt das Menü einen neuen Eintrag Voller Desktop an. Wählen Sie diesen, startet Xandros neu, und Sie erhalten den normalen KDE-Desktop von Xandros (Abbildung 2). Beim nächsten Start wechselt Xandros aber wieder in den Easy-Modus. Möchten Sie den vollen Modus permanent nutzen, klicken Sie auf den Reiter Einstellungen und wählen Persönliche Einstellungen. Im neuen Dialog markieren Sie die Option Full desktop mode. Ein Wechsel ohne Neustart ist nicht möglich.
Die meisten Eee-PC-Nutzer bevorzugen jedoch den Easy-Modus. Dies hat Asus dazu bewogen, auch für Windows XP eine ähnliche Oberfläche zu entwickeln, die noch Ende 2008 mit den neuesten Geräten ausgeliefert werden soll.
Aspire One mit Linpus Lite
Die taiwanesische Distribution Linpus Lite basiert auf Fedora Linux und ist hierzulande kaum bekannt. Die Lite-Version ist eine speziell auf schwächere Hardware optimierte Variante. Allerdings gibt es auch hier nochmals starke Unterschiede zwischen dem offiziellen, frei zum Download verfügbaren Linpus Lite und der Version, welche auf dem Aspire One von Acer läuft (Abbildung 3). Die auf XFCE basierende und mit diversen KDE- und Gtk-Programmen gespickte grafische Oberfläche ist einfach zu bedienen, die Programmauswahl hat Acer allerdings stark beschränkt. Auch ein Wechsel zu einem kompletten XFCE-Desktop mit Dock ist nicht möglich, der Nutzer ist auf die vereinfachte Oberfläche beschränkt.
Im direkten Vergleich zum Eee-Xandros fällt auf, dass Linpus auf die klassischen Reiter verzichtet und auf dem Startbildschirm je drei Schnellstarter für die Bereiche Verbinden, Arbeit, Spaß und Dateien anzeigt. Diese Lösung spart unter Umständen ein paar Klicks. Über die vier Dreiecke zeigt das Interface weitere Programme zum jeweiligen Bereich an, und der Benutzer kann weitere Schnellstarter hinzufügen oder die vorhandenen bearbeiten.
Praktisch fanden wir auch das Eingabefeld für die schnelle lokale oder Internetsuche. So muss man nicht zuerst den Browser starten, wenn man nur kurz etwas im Internet suchen möchte. Erfahrene Linux-Nutzer haben bei Linpus Lite aber keine Möglichkeit, zwischen einem einfachen und einem erweiterten Modus zu wechseln. So ist es auf Dauer etwas störend, wenn man ständig über die Home-Taste zum Startbildschirm wechseln muss, um eine Anwendung zu starten.
Der eine oder andere Nutzer dürfte sich über die teilweise haarsträubenden Übersetzungsfehler oder ganz fehlenden Übersetzungen aufregen, den insgesamt guten Eindruck der Linpus-Oberfläche kann dieser Umstand jedoch nicht zunichte machen, und mit einem Update ist hier schnell aufgeräumt. Acer liefert mit Linpus Lite auch eine Reihe kommerzieller Programme aus: Das Mailprogramm One Mail (Abbildung 4) und der Instant Messenger One IM erfüllen ihre Aufgaben zwar gut, aber es gibt zu den Programmen weder eine Produktseite noch den Quellcode. Trotzdem fehlt mit Skype die bei Linux-Nutzern am weitesten verbreitete kommerzielle Anwendung für Videotelefonie.
Auch war unsere Freude über die vielen tollen Spiele bald dahin, als wir bemerkten, dass es sich dabei nur um Demoversionen handelt. Ebenfalls nicht zu überzeugen vermögen Mediaplayer und Bildbetrachter, beides Eigenentwicklungen von Acer. Der Media Master spielt trotz MPlayer-Engine sehr viele Videoformate nicht ab. Zudem gelang es uns nicht, die Filme im Vollbildmodus zu betrachten. Unser Tipp: Starten Sie besser gleich gmplayer auf der Kommandozeile. Der Fotobetrachter bringt ebenfalls nur rudimentäre Funktionen mit, TIF-Bilder wollte er nicht darstellen, weil er das Dateiformat nicht kennt.



