Die meisten Bildbetrachter genügen völlig, um sich schnell mal durch eine Bildsammlung zu klicken. Sobald aber die Ansprüche steigen, stoßen sie an Grenzen. So ist es etwa mit Eye of Gnome (Eog), dem Standardbildbetrachter des Gnome-Desktops, nicht möglich, die Bilder einer Diashow in zufälliger Reihenfolge anzusehen. Sie können lediglich die Frequenz festlegen, in der die Bilder sich abwechseln. Hier glänzt Gthumb: Das Programm zeigt nicht nur die Bilder der Sammlung zufällig an, es bringt auch gleich einen Überblendeffekt mit. So macht Gthumb bei öffentlichen Vorführungen von Bildern die bessere Figur. Aber damit enden die Fähigkeiten des Bildbetrachters noch nicht, Gthumb kennt zudem eine Reihe von Funktionen der Bildbearbeitungssoftware Gimp. Das Tool entfernt rote Augen (Abbildung 1), erzeugt im Vorbeigehen Vorschaubilder und Web-Gallerien und schreibt auf Knopfdruck Copyright-Informationen in ein Bild. Damit schafft Gthumb den Spagat zwischen einem einfachen Bildbetrachter und einer umfassenden Software wie Gimp.

Abbildung 1: Per Mausklick entfernen Sie in Gthumb rote Augen aus Fotos.

Installation

Gthumb ist ein Gnome-Programm, läuft aber auch unter KDE. Sie installieren Gthumb unter OpenSuse 10.3/11.0 und Kubuntu 8.04 über den Paketmanager.

  1. In Kubuntu rufen Sie dazu aus dem Startmenü den Punkt System / Adept Manager - Paketverwaltung auf.
  2. Klicken Sie auf Aktualisierungen holen, um Adept auf den neuesten Stand zu bringen, und geben Sie dann gthumb in die Suchzeile des Programms ein.
  3. Taucht Version 2.10.8 in den Suchergebnissen auf, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Bildbetrachter und wählen Installation anfordern. Dasselbe wiederholen Sie mit dem Paket language-pack-gnome-de-base, das Gthumb (größtenteils) die deutsche Sprache beibringt.
  4. Über einen Klick auf Änderungen anwenden in der Symbolleiste installieren Sie die ausgewählte Software.

Unter OpenSuse 10.3/11.0 installieren Sie die Software über YaST.

  1. Rufen Sie aus dem Startmenü Computer / YaST - Systemeinstellungen auf und dann Software / Software installieren oder löschen.
  2. Auch hier finden Sie wieder eine Suchzeile, in die Sie nacheinander gthumb und language-pack-gnome-de-base eingeben. Versehen Sie beide Funde jeweils mit einem Häkchen.
  3. Klicken Sie auf Akzeptieren, um die Software abschließend einzuspielen. YaST löst die Paketabhängigkeiten automatisch auf.

Nutzen Sie OpenSuse 10.3, erhalten Sie Gthumb noch in der Vorgängerversion 2.7.9. Nur wenige der hier vorgestellten Features fehlen darin, so etwa die Möglichkeit, per Knopfdruck Skripte auszuführen und weiche Bildübergänge für die Diashow einzustellen.

Im nächsten Schritt öffnen Sie den Konqueror und manövrieren in das Verzeichnis mit Ihren Bildern. Dort klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eines davon und wählen Öffnen mit / gThumb Bildbetrachter. Nun zeigt die Software Ihr Bild in der Bildansicht, die Sie auch über [Alt]+[3] erreichen (Abbildung 2). Um zum nächsten Bild zu gelangen, klicken Sie auf Nächstes, zum Vorgängerbild geht es über Vorheriges. Unter dem Bild listet Gthumb die Eckdaten des gerade gezeigten Objekts auf, etwa die Bildgröße, die Zahl der Bilder im Ordner, die Auflösung und die momentane Vergrößerung. Über die Symbolleiste stellen Sie das Bild im Vollbildmodus dar und passen es größentechnisch Ihren Wünschen an.

Abbildung 2: Gthumb in der Bildansicht: Über "Nächstes" und "Vorheriges" durchblättern Sie Ihre Bildsammlung.

Gthumb als Standardbildbetrachter

Damit sich Gthumb automatisch um Bilder aller Art kümmert, klicken Sie im Konqueror mit der rechten Maustaste auf ein Bild im JPG-Format und wählen Öffnen mit / Sonstige. Unterhalb des Menüeintrags Graphic wählen Sie Gthumb und setzen ein Häkchen bei Programm diesem Dateityp fest zuordnen. Ein Klick auf OK ordnet sämtliche JPEG-Bilder dem Bildbetrachter Gthumb zu. Soll dieser auch PNG-Bilder anzeigen, wiederholen Sie die Schritte mit einem PNG-Bild.

Ein Klick auf Schließen bringt Sie von der Bild- in die Ordneransicht (Abbildung 3). Die zeigt im linken Bereich die vorhandenen Ordner auf dem Rechner und rechts die darin befindlichen Bilder als Vorschaubilder an. Ein Doppelklick auf eines der Bilder bringt Sie zurück in die Bildansicht.

Abbildung 3: Die Ordneransicht von Gthumb. Sie zeigt für sämtliche Bilder in einem Ordner Vorschaubilder an.

Diashow

Um mit der Familie Ihre Urlaubsfotos zu teilen, drücken Sie [F12] und starten eine Diashow. Damit diese etwas lebendiger wirkt, ändern Sie zuvor über Bearbeiten / Einstellungen / Diashow die Parameter, mit denen Gthumb die Show aufführt. Zunächst halbieren Sie die Sekunden der Verzögerung bis zum Bildwechsel. Wenn Sie viele Bilder zeigen, ersparen Sie den Betrachtern so ein längeres Warten auf das nächste Bild. Alternativ springen Sie manuell über einen Klick mit der linken Maustaste zum nächsten Foto und beschleunigen so den Abspielvorgang. Zusätzlich können Sie beim Bildwechsel einen Ausblendeeffekt verwenden, was meist recht elegant wirkt. Nicht zuletzt bestimmen Sie, ob Gthumb die Bilder vorwärts, rückwärts oder in zufälliger Reihenfolge abspielt und ob die Software nach Ende der Vorführung neu beginnt.

Oma rotiert

Bilder lassen sich mit der Software nicht nur betrachten, sondern auch transformieren. Das ergibt Sinn, wenn Oma Ilse auf einem der Fotos ungewollt Kopf steht. Mit Gthumb drehen Sie das Bild in die richtige Position und stellen so die Oma wieder auf die Füße. Leider erweist sich Gthumb hier als redundant: Es gibt zwei Wege, um Bilder zu drehen bzw. zu spiegeln. Der schnellere führt über den Menüeintrag Bild / Transformieren und erlaubt Ihnen das Rotieren in alle Richtungen, aber auch das Spiegeln an der vertikalen und horizontalen Achse.

Etwas mehr Optionen bietet der zweite Weg über Werkzeuge / Rotate Images (Bilder drehen). Hier transformieren Sie das gewählte Bild über einen der vier selbsterklärenden Symbolpfeile. Um einen ganzen Batzen von Bildern zu drehen oder zu spiegeln, setzen Sie ein Häkchen bei Auf alle Bilder anwenden. Ein abschließender Klick auf Anwenden setzt die getroffene Wahl in die Tat um.

Größe zeigen

Um die Größe eines Bildes zu ändern, wählen Sie den Menüpunkt Werkzeuge / Bilder skalieren. Im oberen Bereich bestimmen Sie die anvisierte Auflösung in Pixeln oder wahlweise in Prozent. Wollen Sie das Seitenverhältnis beibehalten, versehen Sie die entsprechende Option mit einem Häkchen. Hier gibt es aber einen Bug in Gthumb: Wenn Sie den oberen Wert ändern, sollte sich der untere Wert automatisch anpassen. Das passiert nicht, aber die erzeugte Grafik bringt dennoch das korrekte Seitenverhältnis mit.

Im Bereich darunter legen Sie fest, welchen Dateityp das neue Bild erhält. Das spielt eine Rolle, wenn Sie Vorschaubilder erstellen – einige Online-Gallerien akzeptieren nur bestimmte Bildtypen. Im unteren Bereich des Dialogfelds legen Sie zudem fest, wo Gthumb das neue Bild ablegt. Über das Drop-down-Menü Falls vorhanden bestimmen Sie, was Gthumb tut, wenn es bereits ein Bild mit diesem Namen gibt. In der Voreinstellung Nenne um legt Gthumb die in der Größe veränderten Bilder unter einem anderen Namen ab.

Über den Eintrag Bild / Größe ändern skalieren Sie auch Bilder – eine weitere Redundanz. Hier klappt, was weiter oben als Bug angekreidet wurde: Behalten Sie das Seitenverhältnis bei, passt sich der zweite Wert der Auflösung automatisch dem ersten an. Allerdings fehlt ein Button zum Speichern der Änderung – nach dem Klick auf Skalieren müssen Sie also Datei / Speichern wählen.

Eine weitere nützliche Funktion, für die sonst meist Gimp herhält, offeriert der Menüpunkt Bild / Zuschneiden: Über ihn begrenzen Sie den Ausschnitt des Fotos auf die wirklich wichtigen Details (Abbildung 4). Unmotiviert ins Bild hängende Arme und Beine schneiden Sie so kurzerhand weg. Die Funktion, die Sie alternativ über [Alt]+[C] erreichen, präsentiert Ihnen das Foto in einem kleinen Fenster. Mit gedrückter linker Maustaste umreißen Sie den Wunschbereich, klicken dann oben links auf Zuschneiden und anschließend auf Speichern. Aber Vorsicht: Sie überschreiben so das Originalbild. Um es zu behalten, wählen Sie im zweiten Schritt Anwenden und dann Datei / Speichern unter.

Abbildung 4: Auch das Zuschneiden von Bildern erledigen Sie aus Gthumb heraus.

Glühende Augen löschen

Rote Augen sind auf Fotos noch immer ein Problem, daran ändern auch moderne Kameras wenig. Sie lassen sich aber nachträglich leicht entfernen. Rufen Sie das Foto mit dem Rote-Augen-Motiv in der Bildansicht auf und klicken Sie auf Bild / Redeye Removal (Rote Augen entfernen; Abbildung 1). Ein Fenster mit einer kleineren Ansicht des Bildes sowie einem Fadenkreuz als Cursor öffnet sich. Klicken Sie mit dem Fadenkreuz auf die roten Augen, übermalt Gthumb den betroffenen Bereich mit Schwarz. Das sieht ziemlich überzeugend aus, aber klicken Sie dann nicht nur auf Anwenden, sondern auch auf Speichern – andernfalls merkt sich das Foto die Änderungen nicht dauerhaft.

Effektiv

Einige der Effekte von Gthumb bringen erstaunlich gute Ergebnisse hervor. Die Einstellung Bild / Histogramm angleichen verwandelt flaue Schnappschüsse in farblich schön anzusehende Motive (Abbildung 5). Allerdings klappt das nicht in jedem Fall: Einige Motive wirken im Anschluss eher wie eine Postkarte aus den 50er Jahren. Sie sollten den Effekt also jeweils testen. Weniger drastisch beeinflusst der Menüpunkt Bild / Aufpeppen Ihre Fotos. Er verstärkt die Farben, streicht die Kontraste in Bildern hervor und nimmt so eine behutsame Modernisierung vor. So retten Sie mit Gthumb auch flaue Landschaftsschnappschüsse.

Abbildung 5: Links vorher, rechts nachher: Nette optische Veränderungen erzeugen Sie mit der Gthumb-Funktion "Histogramm angleichen".

Scripting für Profis

Fortgeschrittenen Anwendern dürfte die freie Belegung der numerischen Tasten mit Aktionen viel Freude bereiten. Um eigene Routinen zu erstellen, sollten Sie sich ein wenig mit der Funktionsweise von Kommandozeilen-Tools zur Bildbearbeitung auskennen. Drücken Sie zum Beispiel die [6] im Nummernblock, erstellt ein einzeiliges Skript ein Vorschaubild eines Fotos. Die Aktionen konfigurieren Sie über Bearbeiten / Einstellungen im Register Tastenkombinationen. Die Nummern vor den Zeilen geben die zu drückende Taste im Nummernblock an. Rechts daneben steht der zugehörige Kommandozeilenbefehl. Tragen Sie zum Testen in das leere Feld neben der 6

convert -resize 80x80 %f %n_vorschau%e

ein und verlassen Sie das Menü über Schließen. Dann wählen Sie in der Ordneransicht von Gthumb ein Bild aus und drücken [6] auf dem Nummernblock der Tastatur. Gthumb erstellt nun von dem in der Bildansicht gezeigten Foto (%f) ein Vorschaubild in der Größe von 80x80 Pixeln (convert -resize 80x80), wobei Gthumb das Seitenverhältnis beibehält. Und noch ein Schmankerl: Markieren Sie mehrere Bilder in der Ordneransicht und drücken [6], erzeugt Gthumb für alle ausgewählten Fotos Vorschaubilder.

Das Kommando convert stammt aus dem ImageMagick-Paket und erlaubt es, Bilder über die Konsole zu vergrößern und zu verkleinern. Der Name des neuen Bildes besteht aus dem Originaldateinamen ohne Endung (%n), dann folgt eine von Ihnen festzulegende Namensergänzung (_vorschau) und abschließend die Erweiterung der Originaldatei (%e), etwa jpg. Die Variablen repräsentieren hier den vorderen und hinteren Teil des Namens der Originaldatei – Sie quetschen lediglich noch ein _vorschau dazwischen. Einen Einstieg in das Thema "Bildbearbeitung über die Kommandozeile" gibt etwa der EasyLinux-Artikel unter [1].

Fazit

Trotz doppelter Menüpunkte und einiger Design-Probleme können Sie mit Gthumb die eigene Sammlung nicht nur ansehen, sondern auch optisch aufpeppen. Zwar gibt es Bildbetrachter mit ähnlichen Fähigkeiten, wem aber die Standardtools nicht ausreichen, der sollte Gthumb eine Chance geben.

Infos

[1] Kommandozeilen-Tool Convert, Heike Jurzik: "Zauberhafte Bildbearbeitung", EasyLinux 06/2006, S. 89 f., http://www.easylinux.de/2006/06/089-guru-convert/

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