VirtualBox 2.0

VirtualBox [4] hat gegenüber dem Konkurrenten VMware Workstation einen wichtigen Vorteil: Das Programm ist für die private Nutzung kostenlos. Auf der Webseite gibt es passende Download-Pakete für eine große Zahl von Linux-Distributionen, darunter auch für die von EasyLinux unterstützten Versionen OpenSuse 11.0/10.3 und Ubuntu 8.04. Die Installation des passenden Pakets ist damit schnell erledigt.

Im Test gelang der Versuch, Windows Vista in einer virtuellen Maschine zu installieren, erst, nachdem das DVD-Laufwerk in den so genannten Pass-through-Modus geschaltet wurde, in dem VirtualBox dem Gastsystem direkten Zugriff auf das Laufwerk gestattet – im Standardbetrieb blieb die Installation wegen einer unlesbaren Datei auf dem Datenträger stecken. Nach dem Nehmen dieser Hürde lief die Installation aber fehlerfrei durch.

Die wichtigste Neuigkeit bei VirtualBox 2.0 betrifft eher professionelle Anwender: Es ist jetzt möglich, 64-Bit-Versionen von Windows und Linux als Gastsysteme zu verwenden – sofern der Hostrechner auch ein 64-Bit-Rechner ist, auf dem eine 64-Bit-Version von Linux läuft.

An der Oberfläche sichtbar ist der Wechsel zur Version 4 des GUI-Toolkits Qt, welche auch die Basis von KDE 4.x ist: So passt sich VirtualBox 2 besser in die neue Desktop-Version ein (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Menüs mit ihren Icons und den runden Umrandungen verraten es: KDE 4.0 (links mit "kpatience") und VirtualBox 2.0 verwenden beide die Version 4 der Qt-Bibliothek.

Die in VMware neue Funktion Unity heißt in VirtualBox "Nahtloser Mode" (Seamless Mode), und dieses Feature gibt es hier bereits seit Version 1.6. Es funktioniert genau wie unter VMware zuverlässig, verlangsamt aber ebenfalls die Ausführung ein wenig. Was den Zugriff auf das Startmenü des Gastsystems angeht, verfolgt VirtualBox einen anderen Ansatz: Hier erscheint einfach eine komplette weitere Startleiste, über die Sie nun die Programme des Gastsystems aufrufen können (Abbildung 4).

Abbildung 4: Jetzt nicht den Überblick verlieren: Im nahtlosen Modus zeigt VirtualBox die Startleiste des Gastsystems zusätzlich an.

Medien managen

VirtualBox verwaltet übrigens die virtuellen Festplatten und CD-/DVD-Images (sowie bei Bedarf auch noch Disketten-Images) in einem separaten Manager für virtuelle Medien (Abbildung 5). Neue Platten können Sie (wie bei VMware) während der Einrichtung einer neuen virtuellen Maschine erzeugen, oder Sie tun das vorab im Medien-Manager. Bei der Konfiguration einer Maschine stehen dann alle bekannten virtuellen Platten zur Verfügung, so dass etwa ohne Aufwand eine Maschine neben ihrer "eigenen" Platte auch noch die Platte einer zweiten Maschine als Zusatzlaufwerk einbinden kann – zumindest in der Theorie: Auf unserem Testrechner stürzte VirtualBox reproduzierbar bei jedem Versuch ab, eine Platte zu ergänzen.

Abbildung 5: Konfiguration – VirtualBox (links) setzt auf einen Medien-Manager, der für alle Maschinen zuständig ist, während VMware Workstation dies separat in den Einstellungen einer Maschine erledigt.

Zumindest das Einbinden von CD-/DVD-Images klappte über den Medien-Manager aber gut, und die Möglichkeit, jederzeit auf bereits verwendete Images neu zugreifen zu können, machte die Arbeit deutlich leichter.

Der Medien-Manager kann dabei auch virtuelle Platten anderer Emulatoren verwenden, etwa von VMware – allerdings scheiterte in unseren Tests der Versuch, ein unter VMware installiertes Windows-System unter VirtualBox zu booten: Schließlich unterscheiden sich die Eigenschaften der simulierten Maschinen.

Ein hübsches Feature von VirtualBox ist die Möglichkeit der Fernsteuerung von virtuellen Maschinen: Nachdem Sie in einer laufenden Maschine den Menüpunkt Geräte / Fernsteuerung aktivieren ausgewählt haben, können Sie auf einem anderen Rechner mit dem Kommando rdesktop rechnername den Desktop betrachten und aktiv ins Geschehen eingreifen (Abbildung 6). Das erlaubt VMware auch, aber nicht über das RDP-Protokoll, sondern via VNC, einen alternativen Standard für dieselbe Aufgabe. In beiden Programmen funktioniert die Fernbedienung zuverlässig.

Abbildung 6: Virtuelle Maschinen von einem anderen Rechner aus zu kontrollieren, erlauben beide PC-Emulatoren – hier VirtualBox und ein "rdesktop"-Fenster auf demselben Desktop.

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