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Nette Geste

Mit Mausgesten den Desktop steuern

09.10.2008 Mausgesten beschleunigen und erleichtern die Arbeit auf dem KDE-Desktop. So steuern Sie damit nicht nur KDE-Programme, sondern nutzen das Funktionsplus auch in Firefox und Opera.

Ihre Maus kann mehr als Icons verschieben, Menüs öffnen und Werkzeuge bedienen: Bestimmte Mausbewegungen lassen sich mit beliebigen Funktionen verknüpfen. Mit solchen Gesten können Sie beispielsweise ein Programm fast wie durch einen Fingerzeig aufrufen. Der Gebrauch ist einfach: Zeichnen Sie mit der Maus ein zuvor festgelegtes Symbol auf den Desktop, startet Linux daraufhin die gewünschte Anwendung oder ruft eine Programmfunktion auf. In den Webbrowsern Firefox, Opera und Konqueror erleichtern Mausgesten zudem die Navigation auf Webseiten, öffnen und schließen Tabs oder schalten in den Vollbildmodus.

Mausgesten sind ein besonderes aber nicht sehr bekanntes Feature von KDE. Dabei ist diese Funktion schon seit Version 3.2 (2004) fester Bestandteil der beliebten Desktopumgebung. Auch in KDE 4 setzen die Entwickler die Tradition fort und integrieren Mausgesten. Aber aufgrund des Umbaus der Oberfläche und der Umgestaltung von Menüs sowie Dialogen finden Sie die Konfigurationsfenster an anderer Stelle als bei KDE 3. Außerdem scheint die Integration der Mausgesten in den Konqueror von KDE 4 noch mangelhaft. Der Datei- und Webbrowser reagierte im Test nicht auf Mausgesten.

Wie schon angesprochen, gehören Mausgesten zum Funktionsumfang von KDE. Um Programme der Desktopumgebung wie Konqueror und Amarok zu steuern, ist es also nicht nötig, zusätzliche Software zu installieren. Anders verhält es sich dahingegen bei Firefox: Er bringt dieses Feature nicht von Haus aus mit, wie es beispielsweise Opera schon seit Jahren tut. Für den Mozilla-Abkömmling stehen aber eine ganze Reihe von Add-ons bereit, die ihm den Umgang mit Gesten beibringen. Dazu später mehr.

Mausgesten in KDE

Unter KDE 3, das in Kubuntu 8.04, Mandriva 2008 und OpenSuse 10.3 als Standard-Desktop zum Einsatz kommt und unter OpenSuse 11 eine Alternative zu KDE 4 ist, erreichen Sie den Einstellungsdialog zu Mausgesten im Kontrollzentrum. Um eine Anwendung wie Firefox durch eine Mausbewegung zu starten, erstellen Sie zunächst eine neue Aktion, definieren die auslösende Mausbewegung und geben anschließend den Startbefehl der Anwendung an:

  1. Rufen Sie das KDE-3-Kontrollzentrum über die Eingabe von kcontrol in einem Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) auf. Dann wählen Sie Regionaleinstellungen & Zugangshilfen / Tastenkombinationen (bzw. Barrierefreiheit / Tastenkombination unter Ubuntu 8.04) aus. Unter KDE 4 gehen Sie über das neue Startmenü im Kickoff-Stil und wählen Systemeinstellungen, wechseln danach auf den Reiter Erweitert und rufen das Modul Tastenkombinationen auf.
  2. Das Modul zur Konfiguration von Shortcuts und Mausgesten rechts im Fenster ist in zwei Hälften geteilt. Links unter Aktionen finden Sie einige vorgefertigte Tastenkombinationen und Gesten. Legen Sie eine neue Gruppe mit einem Klick auf die gleichnamige Schaltfläche an und nennen Sie diese Meine Mausgesten. Unter KDE 4 weicht die Konfigurationsoberfläche nur leicht von KDE 3 ab.
  3. Erstellen Sie in der angelegten Gruppe eine neue Aktion (Schaltfläche Neue Aktion) und tragen Sie im Eingabefeld Aktionsname die Bezeichnung Firefox starten ein. Wählen Sie aus dem Drop-down-Menü Aktionstyp den Eintrag Generisch aus. Achten Sie darauf, dass die Checkbox Deaktivieren nicht gesetzt ist.
  4. Wechseln Sie in den Reiter Auslöser. Hier erstellen Sie eine Mausgeste, indem Sie aus dem Drop-down-Menü Neu den Eintrag Gestischer Auslöser wählen. Im erscheinenden Fenster zeichnen Sie die Geste mit gedrückter linker Maustaste jeweils dreimal nacheinander und bestätigen mit einem Klick auf OK. Stimmen die drei Gesten nicht überein, weist Sie das Programm darauf hin, und Sie müssen die Prozedur wiederholen.
  5. Im Reiter Aktion legen Sie jetzt die auszuführende Operation fest. In unserem Beispiel ist es ein Befehl. Wählen Sie also den Eintrag Befehl/Adresse aus dem Drop-down-Menü Neu aus und tragen Sie im erscheinenden Fenster firefox ein.

Damit ist eine erste Mausgeste erstellt. Um sicherzustellen, dass diese aktiviert ist, prüfen Sie, ob KDE Gesten generell erlaubt. Das erledigen Sie in den globalen Konfigurationspunkten im Reiter Gesten-Einstellungen (Abbildung 1, rot umrandet). Dort wählen Sie die Checkbox Mausgesten global deaktivieren ab. In diesem Reiter legen Sie außerdem fest, welche Maustaste Sie gedrückt halten müssen, wenn Sie eine Geste auf dem Desktop zeichnen. Belassen Sie am besten die Voreinstellung auf der mittleren Taste (Scrollrad). Außerdem muss der Khotkey-Daemon im Hintergrund seinen Dienst tun. Ob dieser bei jedem KDE-Start aktiviert wird, sehen Sie im Reiter Allgemeine Einstellungen.

Abschließend übernehmen Sie alle Änderungen mit einem Klick auf Anwenden. Führen Sie jetzt die neue Geste bei gedrückter mittlerer Maustaste durch, sollte Firefox starten. Passiert dies nicht, liegt der Grund oft in zu komplizierten und ungenau gezeichneten Mausgesten. Verwenden Sie zunächst einfache Bewegungen wie einen waage- oder senkrechten Strich.

Abbildung 1: Mausgesten aktivieren Sie in KDE über die globalen Einstellungen.

Kennen Sie den Startbefehl der Anwendung nicht, können Sie auch einfach einen Startmenüeintrag als auszuführende Aktion nutzen. Dazu wählen Sie in Schritt 5 der oben genannten Anleitung nicht den Eintrag Befehl/Adresse aus, sondern K-Menü-Eintrag. In das Textfeld des darauf erscheinenden Fensters ziehen Sie aus dem KDE-Startmenü heraus einen Eintrag hinein.

Programme steuern

Auch spezielle Programmfunktionen lassen sich steuern. So können Sie die Wiedergabe im KDE-Musikplayer Amarok mit einer Mausbewegung anhalten, zum nächsten Titel springen und vieles mehr. Dazu ist unter KDE 3 ein DCOP-Befehl notwendig, der sich aber recht schnell herausfinden lässt. Gehen Sie wie folgt vor, um Amarok zu steuern:

  1. Legen Sie unter der Gruppe Meine Mausgesten eine neue Aktion an und geben Sie ihr einen aussagekräftigen Namen. Der Aktionstyp bleibt auf Generisch.
  2. Wechseln Sie zum Reiter Aktion. Klicken Sie auf die Schaltfläche Neu und danach auf DCOP-Aufruf.
  3. Im jetzt geöffneten Fenster sind drei Angaben notwendig: In das erste Eingabefeld gehört der Programmname, also amarok. Bevor Sie das zweite und dritte Feld ausfüllen, klicken Sie auf die Schaltfläche KDCOP starten. Das grafische Werkzeug Kdcop listet alle DCOP-Funktionen sämtlicher laufender Anwendungen auf. Das heißt, Amarok müssen Sie jetzt auch starten.
  4. Abbildung 2 zeigt Ihnen, wie Sie die gewünschte Amarok-Funktion finden und in das richtige Eingabefeld eintragen. Klicken Sie in Kdcop auf das kleine Pluszeichen vor dem Eintrag amarok und danach vor player (Voreinstellungen). Schreiben Sie in das zweite Eingabefeld (Objekt auf Fremdrechner) den Begriff player.

    Abbildung 2: Die Pfeile zeigen Ihnen, in welches Textfeld die entsprechenden Dcop-Angaben hineingehören.

  5. Um das Abspielen eines Titels zu pausieren, benötigen Sie die Funktion mit der Bezeichnung void pause (). Tragen Sie in das dritte Textfeld pause () ein, das letzte lassen Sie leer.

Mit dieser Anleitung können Sie der Maus noch weitere Funktionen beibringen. Die Anwendung der Mausgesten ist dabei nicht an Amarok gebunden: Alle laufenden KDE-Programme und deren Funktionen, die KDCOP anzeigt, können Sie durch Mausgesten ansteuern.

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