Letzte Rettung
VHS-Kassetten auf den Computer überspielen
Kino
Sie starten das Programm über [Alt]+[F2] und den Befehl kino. Das Programmfenster (Abbildung 1) gliedert sich in drei Teile: Links sehen Sie den Storyboard-Editor, in der Mitte das Player-Fenster mit den Bedienknöpfen und rechts die einzelnen Bearbeitungsmodule von Kino.
Im besten Fall wählen Sie rechts das Modul Aufnahme und klicken auf den roten Aufnahme-Button. Kino zählt dann von 10 auf 0 runter. In dieser Zeit drücken Sie auf dem VHS-Rekorder den Play-Button: Die Aufnahme startet. Über einen Klick auf Stopp halten Sie die Aufnahme auf, mit Stumm schalten Sie den Tonausgang ab (die Aufnahme nimmt weiterhin Ton auf). Um ein Standbild aufzunehmen, klicken Sie auf Pause. Die deutsche Beschriftung ist etwas irreführend, das Symbol stimmt hingegen.
Bei einer Kamera mit AV-Controll-Feature können Sie das Playback über Kino kontrollieren. Klicken Sie auf den Aufnahme-Button, startet automatisch die Wiedergabe, über Stopp halten Sie sie an. Beim Überspielen von einem Videorekorder müssen Sie hingegen die entsprechenden Operationen von Hand vornehmen. Da leider der Teufel oft im Detail liegt, klappt nicht immer alles beim ersten Mal. Lesen Sie in diesem Fall den Kasten Kino einrichten.
Kino speichert die Aufnahmen in der Grundeinstellung unter dem Namen capture.dv im DV-Format in Ihrem Home-Verzeichnis. Weitere Aufnahmen nummeriert das Programm durch. Das Aufnahmeformat und den Standard-Aufnahmeordner ändern Sie über Bearbeiten / Einstellungen / Aufnahme.
Kino einrichten
Für die Aufnahme über Firewire müssen die Kernelmodule dv1394 und raw1394 geladen sein, und der Benutzer, welcher das Programm startet, muss Schreibzugriff auf die Datei /dev/raw1394 haben. Wenn Kino unter Bearbeiten / Einstellungen beim Wechsel auf den Reiter IEEE 1394 eine Fehlermeldung anzeigt (Abbildung 2), dann hat Linux entweder das Firewire-Gerät nicht erkannt, oder die zugehörigen Module sind nicht geladen. Aktuelle Distributionen laden die Firewire-Module automatisch, wenn ein passendes Gerät angeschlossen wird. Trotzdem kann es manchmal helfen, den Rechner mit angeschlossenem A/V-Konverter neu zu starten.
Ob die Firewire-Module geladen sind, zeigt Ihnen die Ausgabe des Befehls
/sbin/lsmod | grep 1394
in einem Terminalfenster an. Starten Sie dazu das KDE-Terminalfenster über [Alt]+[F2] und den Befehl konsole. Danach geben Sie obigen Befehl ein (den senkrechten Strich erzeugen Sie auf einer deutschen Tastatur über [AltGr] und die Größerkleiner-Taste). Sind die Module geladen, sehen Sie in etwa folgende Ausgabe:
marcel@kim:~> /sbin/lsmod | grep 1394 raw1394 29772 4 dv1394 22848 0 ohci1394 35760 3 dv1394 ieee1394 94728 3 raw1394,dv1394,ohci1394
Sollten die Module nicht geladen sein, können Sie versuchen, als Administrator über die Befehle modprobe raw1394 und modprobe dv1394 die benötigten Firewire-Module von Hand zu aktivieren. Danach starten Sie Kino neu und überprüfen unter Bearbeiten / Einstellungen / IEEE 1394, ob das Programm den A/V-Wandler erkannt hat (Abbildung 3).
Ein zweites Hindernis stellen die Rechte der Datei /dev/raw1394 dar. Sie muss für den Benutzer les- und schreibbar sein, der Kino benutzen möchte. Die eingestellten Rechte listet der Befehl ls -l /dev/raw1394 auf. Unter OpenSuse sieht die Ausgabe zum Beispiel folgendermaßen aus:
marcel@kim:~> ls -l /dev/raw1394 crw-rw—- 1 root video 171, 0 17. Sep 10:34 /dev/raw1394
Entscheidend sind die Zeichenfolge crw-rw---- und die Einträge root video. Die beiden rw-Einträge bedeuten, dass die Datei /dev/raw1394 für den Eigentümer der Datei (root) und die Gruppe video les- und schreibbar ist. Um als normaler Benutzer auf das Gerät zugreifen zu können, müssen Sie somit Mitglied der Gruppe video sein oder als Administrator arbeiten. In welchen Gruppen Ihr Benutzer Mitglied ist, verrät Ihnen der Befehl groups in einem Terminalfenster.
Unter Ubuntu ist der Gerätedatei /dev/raw1394 die Gruppe disk zugeordnet. Der Standardbenutzer gehört aber nicht zu dieser Gruppe. Sie müssen sich deshalb über das KDE-Kontrollzentrum dieser Gruppe hinzufügen.
- Öffnen Sie die Systemeinstellungen aus dem K-Menü und wählen Sie unter Rechnerverwaltung den Eintrag Benutzerverwaltung.
- Wechseln Sie über den Button Systemverwaltungsmodus in diesen Modus.
- Klicken Sie auf Bearbeiten und wechseln Sie im neuen Dialog auf den Reiter Berechtigungen und Gruppen.
- Markieren Sie unter Sekundäre Gruppe den Eintrag disk.
Nach diesen Schritten müssen Sie sich unter KDE neu anmelden. Kino sollte jetzt das Firewire-Gerät erkennen – die Aufnahme kann beginnen.
Bearbeiten
Bereits während der Aufnahme zeigt Kino links die einzelnen Schnitte (Szenen) an. Das Programm versucht, diese bei der Übertragung von der Kamera oder einem VHS-Rekorder automatisch zu erkennen. Über einen Klick auf Bearbeiten oder mit [F2] wechseln Sie in die lineare Ansicht: Kino zeigt hier unter dem aktuellen Standbild eine Zeitleiste an, den aktuellen Ausschnitt markiert ein blaues Dreieck. Relativ schwer zu erkennen sind die weißen Abschnitte auf der grauen Zeitachse (Abbildung 4, grün markiert). Sie kennzeichnen den Übergang von einer Szene zur nächsten.
In diesem Modul können Sie nun die Reihenfolge der Schnitte ändern, neue einfügen oder nicht benötigte löschen (zum Beispiel einen Werbeblock). Die Bearbeitungsfunktionen finden Sie in der Werkzeugleiste und in den Menüs Datei und Bearbeiten. Beachten Sie, dass beim Menüpunkt Bearbeiten / Einfügen ein Übersetzungsfehler vorliegt. Der Menüpunkt vereint zwei aufeinanderfolgende Szenen, fügt keine neuen ein. Im englischen Original lautet der Menüeintrag Join. Möchten Sie weiteres Filmmaterial hinzufügen, wählen Sie Datei / Einfügen vor bzw. Danach einfügen.
Per Klick auf den Reiter Zeitaufteilung oder über [F4] zeigt Kino eine Vorschau des im Storyboard ausgewählten Schnittes an. Unter den Vorschaubildern befinden sich zwei Eingabemasken für die Anfangs- und die Endzeit. Je kleiner der Unterschied zwischen Anfangs- und Endzeit ist, desto genauere Standbilder zeigt Kino an, dieses Modul hilft Ihnen somit, Details zu finden, um zum Beispiel Szenen möglichst genau zu trennen. Um eine Übersicht über das komplette Filmmaterial zu bekommen, können Sie die Endzeit auch auf weitere Szenen ausweiten.



