Wer seine VHS-Sammlung sehr gut pflegt, die Bänder bei Zimmertemperatur und etwa 50 % Luftfeuchtigkeit lagert und alle zwei Jahre ein Mal hin und her spult, der genießt selbst Aufnahmen aus den 80-er Jahren noch heute in tadelloser Qualität. Denn im Gegensatz zu aktuellen DVD-Rohlingen halten sich die VHS-Kassetten deutlich besser. Wenn Sie also Ihre VHS-Sammlung digitalisieren, um daraus DVD-Scheiben zu brennen, sollten Sie sich eine gute Backup-Strategie überlegen, da einige DVD-Medien bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lesbar sind.
Trotzdem ist es ratsam, die Lieblingsfilme zu digitalisieren, da immer weniger Hersteller VHS-Abspielgeräte herstellen und sich das digitalisierte Material ohne Qualitätsverlust beliebig oft abspielen lässt.
Die passende Hardware
Am einfachsten digitalisieren Sie eine größere VHS-Sammlung über einen DVD-Rekorder. An diesen schließen Sie einfach anstelle des Fernsehers das VHS-Gerät an. Je nach Qualität und Feature-Umfang des DVD-Rekorders erhalten Sie so eine perfekte 1:1-Kopie des Ausgangsmaterials auf DVD oder Festplatte. DVD-Rekorder kosten zwischen 100 und 500 Euro je nachdem, ob Sie ein Gerät mit oder ohne Festplatte kaufen möchten.
Um VHS-Kassetten auf den Computer zu überspielen (zum Beispiel um Filme zusammenzustellen oder das Material noch zu schneiden), benötigen Sie ein Gerät, das das analoge Material in digitales umwandelt (A/V-Wandler, ADVC). Hier können Sie zu einer externen Lösung über USB oder Firewire greifen oder in Ihren Rechner eine zusätzliche PCI-Karte einbauen. EasyLinux empfiehlt ein externes Gerät mit Firewire-Anschluss, da die USB-Geräte unter Linux oft nicht funktionieren. Auch bei den PCI-Karten gibt es nur wenige, die ohne umständliches Setup mit Linux zusammenarbeiten. Als Firewire-Lösung eignet sich zum Beispiel der ADVC 110 von Canopus (rund 250 Euro), der ADS Pyro A/V Link (ca. 110 Euro, zurzeit in Europa nicht lieferbar) oder der ADVC 300 (500 Euro, sehr gute Bildqualität) [1]. Um eine Stunde Film im DV-Format aufzunehmen, benötigen Sie 12 GByte freien Plattenplatz.
Ist das Material einmal auf der Festplatte, möchten Sie es vermutlich ins MPEG2- oder MPEG4-Format umwandeln. Dazu benötigen Sie temporär nochmals 2-3 GByte pro Stunde Ausgangsmaterial. Für eine komplette Kassette mit 240 Minuten Laufzeit müssen Sie somit rund 40 GByte freien Plattenplatz einplanen.
Das Konvertieren von Videodaten ist eine sehr rechenintensive Aufgabe: An einem 60-minütigen MPEG-Film arbeitet ein 1,4 GHz schneller Pentium-M-Prozessor vier bis fünf Stunden, ältere Rechner brauchen bis zu zehn Stunden. Je nach Qualität des Ausgangsmaterials ist das Ergebnis nicht immer optimal. Der Aufwand lohnt sich also nur für selbst gedrehte Filme, und Sie müssen genug Zeit und Rechenkapazität haben. Bei Spielfilmen, die Sie aus dem Fernsehen aufgenommen haben, kaufen Sie besser gleich die Original-DVD.
Die passende Software
Zurzeit gibt es für Linux zwei benutzerfreundliche Programme, um analoge Videokassetten zu digitalisieren: Kino und Kdenlive. Nach einer längeren Pause wird Kino wieder aktiv weiterentwickelt. Kdenlive ist zwar etwas einfacher zu bedienen als Kino, hat jedoch je nach Version einen Hang zu Abstürzen. Dieser Artikel beschreibt deshalb im Folgenden das Programm Kino in Version 1.3.1. Sie finden es für die EasyLinux-Distributionen auf der Heft-DVD, Benutzer von OpenSuse müssen für den MPEG-Export zusätzlich das Paket Mjpegtools von Packman [2] installieren. Die originale Mjpegtools-Version von OpenSuse bringt aus rechtlichen Gründen keine MPEG2-Unterstützung mit.


