Augenschmaus

Mächtig ins Zeug gelegt haben sich die KDE-Entwickler schließlich bei der Implementierung von neuen "Eye Candies" – so nennt man Funktionen, die ganz besonders schön gestaltet sind und für einen "Aha!"-Effekt sorgen. Der KDE-Fenstermanager KWin unterstützt nun eine Funktion, die per Tastendruck den Inhalt aller virtuellen Arbeitsflächen gleichzeitig anzeigt. Durch das Feature, für das offenbar Apples "Spaces" Pate gestanden ist, finden Sie Fenster wesentlich schneller, wenn Sie nicht mehr wissen, auf welcher der virtuellen Arbeitsflächen Sie sie abgelegt haben.

Wenn Sie unter Windows Vista die Funktion zum Wechseln zwischen Programmen mit [Alt]+[Tab] mögen, wird Ihnen auch die KDE-4.1-Variante gefallen: Drücken Sie hier [Alt]+[Tab], zegit der Desktop die verfügbaren Fenster wie unter Vista an. Außerdem stehen weitere Darstellungsmöglichkeiten zur Auswahl. Und noch ein neues Feature bekam der KDE-Windowmanager spendiert: Fenster, die Sie minimieren, werden auf Ihren Wunsch hin künftig von der Task-Leiste "weggesaugt", also in einer Form, die einem Trichter ähnelt, in die Taskleiste weg vom Desktop verschoben.

Das bunte Treiben hat natürlich seinen Preis: Eine aktuelle Grafikkarte mit 3D-Beschleunigung sowie halbwegs aktuelle Rechnerhardware sollte dem System schon zur Verfügung stehen. Wer eine ältere Maschine verwendet, tut also gut daran, entweder sämtliche Effekte in KDE 4 abzudrehen oder gleich bei KDE 3 zu bleiben.

Fazit

KDE 4.1 hat uns im Test überrascht: Viele der Ungereimtheiten, die in Version 4.0 die Arbeit beschwerlich machten, sind verschwunden. Erstmals kann Plasma seine Vorteile gebührend ausspielen, denn der Desktop wirkt insgesamt wie aus einem Stück und nicht mehr wie ein zusammengewürfelter Haufen von kleinen Programmen. Die Stabilität hat sich im Vergleich zu KDE 4.0 um ganze Lichtjahre verbessert, und mit der Verfügbarkeit von Kdepim schickt KDE 4 sich an, ein brauchbarer Nachfolger für KDE 3 zu werden. OpenSuse und Kubuntu bieten Pakete an, die Sie praktischerweise parallel zu KDE 3 verwenden können. Ihren eigenen ersten Tests mit dem renovierten Desktop steht also nichts im Weg.

Die nächste KDE-Major-Release, Version 4.2, ist für Januar 2009 in Planung, sie soll ein eigenes VoIP-Framework enthalten, außerdem soll Plasma weiter verbessert werden – und einen "Add-On-Creator" kriegen, mit dem Sie selbst Applets für den Desktop erstellen können. Wenn den Entwicklern in KDE 4.2 ein vergleichbarer Quantensprung wie zwischen den Versionen 4.0 und 4.1 gelingt, dürfen Sie gespannt sein.

Glossar

VoIP

Voice over IP (deutsch: Sprache über das Internet-Protokoll) ist der Standardbegriff für Telefonie übers Internet.

Infos

[1] OpenSUSE-Wiki zu KDE 4.1: http://de.opensuse.org/KDE4

[2] Hans-Georg Eßer, "DVD und MP3 – nein danke?", EasyLinux 09/2004, S. 64 ff., http://www.easylinux.de/2004/09/064-basics/

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