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Shell-Tipps

Know-how für die Kommandozeile

09.10.2008
Erfahrene Linux-Nutzer schwören auf flexible Kommandozeilentools, mit denen sich manche Aufgabe schneller bewältigen lässt als in grafischen Programmen. Wir stellen die wichtigsten Anwendungen vor, um auch Einsteiger zu einem Ausflug in die Shell zu ermutigen.

Tipp: Zeichenchaos im Terminal aufräumen

Das Programm cat gibt nicht nur Dateien auf der Standardausgabe aus, sondern hilft auch dabei, mehrere Files "aneinanderzukleben" (englisch "to concatenate"). Der Befehl

cat /etc/resolv.conf

schickt den Inhalt der Datei auf den Bildschirm – praktisch, um kurze Textdateien anzuschauen, ohne den Umweg über einen Texteditor gehen zu müssen. Ein unvorsichtiges cat auf eine binäre Datei sorgt allerdings für Zeichensalat im Terminal (Abbildung 1). Auch das Kommando clear (Tastaturkürzel [Strg]+[L]) räumt das Terminal nicht auf; es bleibt bei wirren Sonderzeichen. Bevor Sie das Handtuch werfen und das Terminalprogramm schließen, versuchen Sie es mit dem Befehl reset. Diesen geben Sie "blind" am Prompt ein und schicken ihn mit der Eingabetaste ab. In der Regel erscheint danach wieder der vertraute Prompt, und Sie können weiterarbeiten.

Abbildung 1: Das Programm "cat" eignet sich prima dazu, Textdateien anzuzeigen, schreibt allerdings nur Zeichensalat ins Terminal, wenn Sie ein ausführbares Programm erwischen.

Tipp: Abkürzungen für die Bash

Manche Benutzer haben keinerlei Schwierigkeiten, sich auch komplizierteste Befehle zu merken, oder sie haben sogar sämtliche Aufrufparameter ihrer Lieblingskommandos im Kopf. Wer lange Shell-Befehle nicht behalten kann oder will, greift zur Bash-eigenen Notizbuchfunktion alias und erstellt Abkürzungen für häufig benötigte Kommandos und eventuelle Optionen. Wenn Sie einfach nur alias am Prompt tippen, sehen Sie eine Übersicht der vorhandenen Abkürzungen:

$ alias
alias ls='ls --color=auto'
alias xterm='xterm -bg black -fg white &'

Den ersten Alias finden Sie auf vielen Linux-Distributionen. Das Kommando ls, das Verzeichnisse und Dateien auf der Shell auflistet, ist hier so definiert, dass der einfache Aufruf von ls die Ausgabe automatisch einfärbt. Der zweite Alias im Beispiel ist eine Eigenkonstruktion und sorgt dafür, dass beim Aufruf von xterm das Terminal mit weißer Schrift (-fg white) auf schwarzem Hintergrund (-bg black) gestartet wird.

Einen neuen Alias erstellen Sie mit dem gleichnamigen Kommando alias, gefolgt vom Namen für den Shortcut, einem Gleichheitszeichen und dem vollständigen Befehlsaufruf. Befinden sich in diesem Leer- oder Sonderzeichen, schließen Sie ihn in Anführungszeichen ein. Wer beispielsweise die tar-Optionen zum Auspacken eines mit gzip komprimierten Archivs [1] nicht immer wieder eingeben möchte, kann einen Alias namens unpack dafür einrichten:

alias unpack='tar xvfz'

Der neue Alias ist sofort aktiv – allerdings nur in dieser einen Shell-Sitzung. Öffnen Sie ein weiteres Terminalfenster oder wechseln Sie auf eine andere Konsole, wissen diese nichts von dem Alias. Um ihn dauerhaft für alle Shells zur Verfügung zu stellen, tragen Sie die entsprechende Zeile daher in die Bash-Konfigurationsdatei .bashrc im eigenen Home-Verzeichnis ein:

  1. Öffnen Sie die Konfigurationsdatei mit einem Texteditor Ihrer Wahl, zum Beispiel über den Schnellstarter [Alt]+[F2] und Eingabe von gedit ~/.bashrc oder kate ~/.bashrc.
  2. Suchen Sie nach dem Begriff alias. Ihre eigenen Abkürzungen können Sie direkt hinter den Vorgaben des Distributors platzieren. Jede alias-Definition steht dabei in einer eigenen Zeile:

    alias unpack='tar xvfz'
    alias pack='tar cfvz'
  3. Um die eigenen Einträge von den Voreinstellungen zu unterscheiden, können Sie den alias-Definitionen einen Kommentar voranstellen. Diese Zeile beginnt mit einem Rautezeichen, zum Beispiel:

    # meine eigenen "alias"-Einträge:
  4. Speichern Sie die Änderungen und schließen Sie den Texteditor. Neu gestartete Shell-Sitzungen kennen die neuen Abkürzungen. Mit einem Trick machen Sie diese auch mit einer laufenden Bash bekannt. Dazu tippen Sie im Terminalfenster:

    source ~/.bashrc

Dass die Shell die neuen Definitionen kennt, verrät die Eingabe des Kommandos alias ohne weitere Optionen. Nun sind die Abkürzungen einsatzbereit:

$ pack test.tgz *.png
bild1.png
bild2.png
bild3.png
…

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