Frisch emuliert
Neue Versionen von VirtualBox und VMware Workstation im Kurztest
Linux und Windows parallel zu betreiben, wünschen sich viele Anwender, denn so manches lieb gewonnene Programm gibt es nur für eines der beiden Systeme. Eine Dual-Boot-Installation ist zwar ein erster Schritt, doch häufige Rechnerneustarts, um von einem System zum anderen zu wechseln, machen auf die Dauer mürbe. Besser ist, echt parallel zu arbeiten, doch das geht nur mit Zusatzsoftware.
Die einfachste Lösung ist der Einsatz eines PC-Emulators: Über diese Programmkategorie haben wir in EasyLinux schon öfter berichtet, erst in der letzten Ausgabe gab es einen Vergleichstest von VMware (Workstation und Server), VirtualBox und Parallels [1]. Bei zwei von diesen vier Programmen hat sich Neues getan: VirtualBox ist in Version 2.0 erschienen, und VMware Workstation hat von der kommenden Version 6.5.0 eine Beta herausgebracht. Von beiden haben wir uns für diesen Kurztest die Linux-Versionen angesehen. Wer es lieber anders herum mag, also Windows auf dem Rechner und Linux und/oder weitere Windows-Installationen als Gastsysteme verwenden will, kann auch diesen Weg gehen, denn beide Produkte sind auch als Windows-Versionen erhältlich.
In jedem Fall gilt: Installieren Sie vor dem Emulator noch die Entwicklungsumgebung für den Linux-Kernel; unter OpenSuse geht das in YaST durch Auswahl des Schemas Linux-Kernel-Entwicklung, Ubuntu-Anwender installieren über den Paketmanager das Paket linux-kernel-devel nach. Wenn Sie als Gastsystem ebenfalls Linux verwenden, müssen Sie später auch dort die Kernel-Quellen nachinstallieren, bevor Sie die Gastsystemerweiterungen installieren können. Das empfiehlt sich übrigens für jedes Gastsystem, egal ob Windows oder Linux, denn ohne Gasterweiterungen funktionieren zahlreiche Features nicht.
VMware Workstation 6.5.0 (Beta)
Die Workstation [2] von VMware ist das älteste Programm in dieser Kategorie und bereits seit 1999 auf dem Markt. In Kürze erscheint die neue Version 6.5.0 – wir haben einen Blick auf deren aktuelle Betaversion (Build 110068) [3] geworfen.
Die für viele Anwender spannende Neuigkeit heißt "Unity" und bezeichnet die Möglichkeit, Anwendungen aus dem Gastsystem in separaten Fenstern auf den Linux-Desktop zu holen. Im Gegensatz zum klassischen Ansatz, bei dem die virtuelle Maschine im Fenster den kompletten Desktop des Gastsystems anzeigt und damit meist die gleichzeitige Nutzung von Host- und Gastanwendungen erschwert, können Sie mit Unity einfach mehrere Anwendungsfenster über den Desktop verteilen – egal ob es sich um nativ laufende Programme oder solche des emulierten Systems handelt. Diese Funktion ist an sich nicht neu (Konkurrent VirtualBox beherrscht dies bereits seit dessen Version 1.6), aber erstmals in VMware zu finden.
Unity hat allerdings seinen Preis – eine deutlich höhere Auslastung des Prozessors, so dass es schon ein recht aktueller PC sein sollte, auf dem Sie die Software einsetzen.
Verschwindet der Desktop, gibt es auch kein Startmenü mehr – denn die Startleiste ist kein (Programm-) Fenster. Darum erzeugt VMware, zunächst in der linken oberen Ecke, ein neues Menü, über das Sie die im Gastsystem installierten Programme starten können. Im normalen Betrieb ist das Menü ausgeblendet und erscheint erst, wenn Sie den Mauszeiger in diese Ecke bewegen.
Laufen mehrere virtuelle Maschinen gleichzeitig, enthält dieses Menü die Programme aller Gastsysteme. Dabei ist es sogar egal, ob in der Maschine Windows oder eine andere Linux-Version läuft. Abbildung 1 zeigt den Einsatz von zwei Gastsystemen unter OpenSuse 11 – eines mit Windows Vista und das zweite mit einem weiteren OpenSuse-System. Links unten sehen Sie das von VMware erzeugte Startmenü – dabei sind die obersten Menüpunkte (hier suse11 und Windows Vista Pro) verschieden gefärbt. Diese Farbkodierung ist sehr nützlich, denn die Programmfenster aus den Gastsystemen erhalten ganz dünne Rahmen in passender Farbe, so dass Sie diese gut voneinander (und auch von direkt auf dem Host-System laufenden Anwendungen) unterscheiden können. Im Beispiel ist die Unterscheidung aber auch ohne diese Hilfe leicht, weil alle Gastfenster die Originalfensterrahmen des jeweiligen Systems verwenden. Sie sehen in der Abbildung auf den ersten Blick den typischen Vista-Rahmen (Fenster rechts unten). Dass im OpenSuse-Gast KDE 4 läuft (mittleres Fenster), während das Hostsystem mit KDE 3.5 arbeitet, bemerkt man aber nicht direkt; hier hilft der grüne Rahmen um das Fenster.
Easy Install
VMware Workstation erkennt einige Betriebssysteme automatisch (Abbildung 2): Mit einem Satz Installations-CDs für Windows Server 2003 fragte die Einrichtungsroutine gleich den Aktivierungscode ab und führte dann automatisch durch das Setup. Wenn Sie dieses "Easy Install" genannte Feature verwenden, gibt es bei der anschließenden Installation keine weiteren Rückfragen. Auch die Vorschläge zu Speicher- und Plattengröße der virtuellen Maschine basieren auf solchen automatisch erkannten Systemen – oder sonst auf den Angaben zum Betriebssystem, die Sie machen. Die Workstation kommt mit sämtlichen Windows- und Linux-Versionen aller Zeiten in 32-Bit- und 64-Bit-Versionen (von Windows 3.1 bis Vista und Server 2008) zurecht; der Betrieb einer 64-Bit-Version ist allerdings nur möglich, wenn sowohl Ihr Rechner, das installierte Linux als auch das VMware-Paket 64-bittig sind.



