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DVB-T-Adapter unter Linux im Test

TV-Feuerwerk

Bei der Einführung von DVB-T wurde das digitale TV als Überall-Fernsehen angepriesen. Zwischenzeitlich kann man tatsächlich fast überall fernsehen, Linux-Nutzer müssen jedoch bei der Wahl des Empfangsgeräts gut hinschauen.

Eigentlich war für diese Ausgabe ein größerer Test aktueller DVB-T-Adapter geplant. Von den 15 getesteten USB-Sticks, Expresscard-Adaptern und PCI-Karten funktionierte jedoch nur ein einziges Gerät ohne zusätzliche Treiberinstallation. Dieser Artikel beschränkt sich deshalb darauf, die drei Geräte zu beschreiben, welche am besten und am einfachsten mit den EasyLinux-Distributionen zusammenarbeiten. Die übrigen Testgeräte, die nur teilweise mit Linux zusammenarbeiten, stellt der Kasten "Unter ferner liefen" vor.

Wenn Sie jetzt vor dem Kauf eines DVB-T-Geräts stehen, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie einen nur digitalen oder einen Hybrid-Adapter erwerben möchten. Letztere empfangen neben DVB-T auch herkömmliches Analog-Fernsehen, zum Beispiel aus der Satellitenanlage oder vom Videorecorder.

Unter ferner liefen

Für den Artikel testete die EasyLinux-Redaktion neben den detailliert beschriebenen Geräten noch zahlreiche andere USB-Sticks, PCI-Karten und Expresscard-Adapter. Noch keine Linux-Treiber gibt es für folgende Geräte:

  • X3M HE2500 Expresscard (Analog und DVB-T)
  • Pinnacle 340e Hybird Pro Stick
  • Hama 00062757 Hybrid USB-Stick
  • Trekstor TS-DVBT-01 USB-Stick
  • Pinnacle PCTV Dual Hybrid Pro PCI Express
  • Technotrend TT-budget T-3000 (Hybrid)

Für die Technotrend-Karte ist eigentlich das Kernelmodul saa7135 zuständig. In unseren Tests gelang es aber nicht, die Karte damit zu nutzen.

Der zum Digittrade-Stick passende Treiber [4] bringt neben den für den Stick benötigten Modulen auch noch weitere DVB-Treiber mit. Damit funktionierten in den Tests folgende Geräte:

  • Pinnacle PCTV DVB-T Flash Stick (mit 1 GByte Flash Speicher)
  • X3M TU1100 USB-Stick
  • Hama 00062759 DVB-T USB 2.0 Stick
  • X3M HPC2000 PCI-Karte

In vielen neueren Geräten ist der Chipsatz S810 von Emtech verbaut. Linux zeigt bei diesen Geräten YUANDR als Hersteller an, das Gerät heißt STK7700D. Besitzen Sie einen solchen USB-Stick, dann gibt es im französischen Ubuntu-Forum [5] einen passenden Treiber. Zur Installation müssen Ubuntu-Nutzer nur ein Skript herunterladen und ausführen. Benutzer anderer Distributionen müssen den Treiber von Hand installieren. Er passt zu folgenden Geräten:

  • Hama 00039778 DVB-T USB Stick "mini"
  • Hama 00039777 DVB-T Expresscard

Der Mini-Stick von Hama funktionierte einwandfrei, die Expresscard-Variante scheiterte jedoch beim Sendersuchlauf.

Achten Sie beim Ausprobieren verschiedener Treiber darauf, dass sich die Module teilweise überlappen. Bei einer mehrfachen Installation kann es so zu inkompatiblen Kernelmodulen kommen, wodurch am Schluss gar nichts mehr funktioniert. Ob Linux den DVB-T-Stick erkennt hat, zeigt Ihnen ein Blick in das Dateisystem: Gibt es ein Verzeichnis /dev/dvb/adapter0/, dann hat die Treiberinstallation geklappt (Abbildung 1). In einigen Fällen benötigen Sie jedoch noch eine Firmware-Datei. Hinweise dazu geben Ihnen die Systemmeldungen in der Datei /var/log/messages. Beachten Sie auch, dass der Benutzer Mitglied der Gruppe video sein muss. In den Tests im Hochsommer hatten wir zudem Probleme mit dem Empfang bei geschlossenen Rollläden aus Metall. Falls Kaffeine keine Sender findet, hilft es häufig, einfach die Jalousien öffnen.

Abbildung 1: Zeigt Konqueror im Verzeichnis /dev/dvb/ diese Dateien an, dann ist der DVB-T-Adapter einsatzbereit.

Cinergy Hybrid XS FM

Terratec war die erste Firma, die einen DVB-T-Stick für den Linux-basierten Eee-PC auf den Markt brachte [1]. Dieser Stick funktioniert auch mit anderen Distributionen, der Treiber ist frei verfügbar. Da es von Terratec mehrere USB-Sticks mit der Bezeichnung XS gibt, ist es wichtig, dass Sie beim Kauf auf den genauen Namen achten. Der von uns getestete Stick heißt Cinergy Hybrid T USB XS FM. Er ist 6,5 x 3 x 1,3 cm groß (Abbildung 2) und kostet in diversen Internetshops rund 70 Euro. Der USB-Stecker befindet sich nicht in der Mitte, so dass Sie den Stick je nach Anordnung der USB-Ports an Ihrem Rechner sehr gut oder nur mit Verlängerungskabel nutzen können. Ein passendes Kabel liegt bei.

Abbildung 2: Der Hybrid-Stick Cinergy XS FM empfängt analoges und digitales Fernsehen.

Um über den Cinergy XS FM TV zu schauen, müssen Sie zunächst den Treiber installieren. Dazu sind je nach Distribution ein paar Vorarbeiten nötig. Details dazu lesen Sie im Kasten "Entwicklerwerkzeuge". Benutzen Sie OpenSuse 10.3 oder 11.0, dann sind Sie aus dem Schneider: Hier gibt es fertige RPM-Pakete im OpenSuse-Build-Service. Sie finden diese auch auf der Heft-DVD. Auch für den Eee-PC 701 gibt es fertig kompilierte Pakete auf der Terratec-Homepage [2]. Unter Ubuntu und Mandriva müssen Sie den Treiber jedoch selbst übersetzen. Dazu gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Kopieren Sie die Datei em28xx-new.tar.bz2 von der Heft-DVD in Ihr Home-Verzeichnis.
  2. Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl konsole das KDE-Terminalfenster.
  3. Entpacken Sie das komprimierte Archiv über den Befehl tar xvfj em28xx-new.tar.bz2
  4. Wechseln Sie über cd em28xx-new ins neue Verzeichnis.
  5. Geben Sie den Befehl make ein. Er startet den Kompiliervorgang. Wenn Sie beim Aufruf von make Fehlermeldungen erhalten, deutet das darauf hin, dass nicht sämtliche Entwicklerwerkzeuge installiert sind. Lesen Sie in einem solchen Fall die Tipps im Kasten "Entwicklerwerkzeuge".
  6. Verlief der Kompiliervorgang erfolgreich, installieren Sie den Treiber über den Befehl sudo make install, unter Mandriva Linux müssen Sie sich dazu erst mit su als Root anmelden, danach genügt ein make install.

Der Terratec-Treiber unterstützt zudem auch die meisten Tasten der Fernbedienung ohne manuelle Installation. So können Sie bequem vom Sofa aus den Sender wechseln. Zudem empfängt der Hybrid-Stick auch Radio und zeigt analoges TV an.

Digittrade DVB-T USB Stick

Linux-Nutzer freuen sich über jedes Tux-Logo, das sie auf einer Hardware-Verpackung sehen. Ein solches Logo bringt auch der DVB-T-Stick der Firma Digittrade [3] mit. Allerdings funktioniert auch dieser Adapter nicht out-of-the-box, die nötigen Treiber liefert Digittrade aber auf CD mit, zudem sind sie über das Service Center [4] auch als freier Download erhältlich. Das Besondere am Digittrade-Stick sind nicht nur die Linux-Treiber: Der Stick funktioniert als einziges Testgerät auch über die USB 1.1-Schnittstelle, eignet sich somit auch für ältere Rechner. Der schwarze Stick mit einer matten Oberfläche (Abbildung 3) ist gleich groß wie das Cinergy-Gerät, er bewegt sich somit in puncto Größe im Mittelfeld (Abbildung 4). Vom Preis her gehört er mit rund 50 Euro zu den günstigeren Geräten.

Der USB-Stecker befindet sich genau in der Mitte, bei zwei nebeneinander liegenden USB-Ports bleibt somit kein Platz für ein zweites Gerät. Der Verpackung liegt aber ein USB-Verlängerungskabel bei, so dass Sie den Stick auch dann nutzen können, wenn am USB-Port nicht genügend freier Platz zur Verfügung steht. Zum Lieferumfang des Digittrade-Sticks gehört auch eine Fernbedienung. Die Linux-Treiber bieten dafür allerdings noch keinen Support.

Abbildung 3: Auch ohne Internetverbindung nutzbar: Der Digittrade-Stick bringt die Linux-Treiber auf CD mit.
Abbildung 4: Der neue "Mini"-Stick von Hama (oben) funktioniert unter Linux und ist deutlich kleiner als der Hama-Hybrid-Stick ganz unten. In der Mitte zum Vergleich der Digittrade-Adapter.

Für die Installation benötigen Sie je nach Distribution ein anderes Treiberpaket. Sie finden dieses auf der Treiber-CD im Verzeichnis Installationsdateien/linux/. Auch hier müssen Sie den Treiber aus den Quellen kompilieren, die im Kasten "Entwicklerwerkzeuge" geschilderten Schritte sind somit auch für diesen Stick als Vorarbeit nötig. Eine Ausnahme bildet der Eee-PC 701: Hierfür bietet Technotrend ein fertiges Paket an.

  1. Benutzen Sie OpenSuse, kopieren Sie die Datei suse.tar.gz von der Treiber-CD in Ihr Home-Verzeichnis, als Ubuntu-Anwender benötigen Sie das Paket ubuntu.tar.gz. Für Mandriva gibt es kein spezielles Paket, hier kopieren Sie treiber.tar.gz ins Home-Verzeichnis.
  2. Entpacken Sie das Paket per Rechtsklick im Dateimanager und Auswahl von Entpacken / Hier entpacken.
  3. Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu konsole das KDE-Terminalfenster mit Administratorrechten und starten Sie die Installation über den Befehl sh install.sh. Haben Sie das generische Paket treiber.tar.gz gewählt, dann wechseln Sie über cd af9015-74e494a94960 ins neue Verzeichnis und führen hier make und als Root make install aus. Der Kompiliervorgang dauert je nach Rechenleistung zwischen 10 Minuten und einer Stunde.
  4. Kopieren Sie die Firmware-Datei dvb-usb-af9015.fw ins Verzeichnis /lib/firmware. Unter Ubuntu müssen Sie die Datei in /lib/firmware/Kernelversion ablegen. Welche Kernelversion Sie benutzen, verrät die Ausgabe des Befehls uname -r in einem Terminalfenster.

Nach diesen Schritten müssen Sie den Rechner neu starten, da der DVB-Treiber einige Module überschreibt, die der Kernel neu laden muss. Nach dem Reboot ist der Stick einsatzbereit. Der Digittrade-Treiber bringt neben dem Afatech-Support auch Unterstützung für ein paar weitere verbreitete DVB-Sticks mit. So arbeiten damit zum Beispiel auch Geräte mit einem Dib-007-Chipsatz (siehe Kasten "Unter ferner liefen").

Entwicklerwerkzeuge

Bevor Sie einen Treiber aus dem Quellcode übersetzen können, müssen Sie auf Ihrem Linux-System diverse Entwicklerwerkzeuge installieren. Dazu gehören zum Beispiel die Kernelquellen oder zumindest Teile davon, der C-Compiler gcc und das Kompiliertool make. Benutzen Sie OpenSuse, starten Sie zur Installation dieser Werkzeuge YaST über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu yast2. Wählen Sie in YaST das Modul Software / Software installieren oder löschen und stellen Sie den Filter auf Schemata. Markieren sie nun den Eintrag Linux-Kernel-Entwicklung zur Installation und klicken Sie auf Akzeptieren.

Unter Ubuntu installieren Sie über die Paketverwaltung folgende Pakete:

  • build-essential: Dieses Paket enthält alle wichtigen Werkzeuge, die Sie brauchen, um aus Quellcode ein lauffähiges Programm zu bilden.
  • linux-headers-Versionsnummer: Die so genannten Header-Dateien des Kernels enthalten wichtige Informationen zum benutzten Systemkern. Achten Sie darauf, dass die Versionsnummer mit der Version des benutzten Kernels übereinstimmt. Die passende Nummer gibt Ihnen der Befehl uname -r aus.

Auf der Kommandozeile erledigen Sie die Installation dieser Pakete über den Befehl

sudo apt-get install linux-headers-$(uname -r) build-essential

Benutzen Sie Mandriva Linux 2008, starten Sie die Paketverwaltung über Installieren & Entfernen von Software aus dem Hauptmenü. Hier stellen Sie den Filter links oben von Programme mit GUI auf Alle, geben kernel-source in das Suchfeld ein und drücken [Eingabe]. Markieren Sie danach unter den Treffern das Paket kernel-source-latest und klicken Sie auf Anwenden. Fragen zu Abhängigkeiten beantworten Sie jeweils mit Ja. Mandriva Linux installiert so die Kernelquellen und die wichtigsten Entwicklerwerkzeuge.

Sherlock Holmes

Fehler beim Kompiliervorgang treten meistens dann auf, wenn ein Entwickler nicht sauber gearbeitet hat und/oder auf Ihrem System Entwicklerwerkzeuge fehlen. Der make-Befehl schließt dann mit einer Fehlermeldung Error 1 oder ähnlich ab. In vielen Fällen sagt die Fehlermeldung wenig Konkretes darüber aus, warum es zum Abbruch kam. Scrollen Sie aber im Terminalfenster ein paar Zeilen weiter hoch, findet sich in der Regel ein Hinweis auf Dateien, die der Compiler nicht gefunden hat. Betroffen davon sind meistens Dateien mit der Endung .h – die so genannten Header-Dateien. Beklagt sich make zum Beispiel, dass es die Datei xyz.h nicht gefunden hat, suchen Sie am besten im Internet, zu welchem Paket diese Datei gehört, und installieren dieses Paket nach. Danach rufen Sie make erneut auf. In einigen Fällen benötigen Sie zum Lösen sämtlicher Rätsel viel Geduld und Linux-Know-how. Manchmal lässt sich ein Treiber gar nicht kompilieren, weil dem Programmierer ein Fehler unterlaufen ist oder der Code nicht zum Kernel passt. Hier hilft es nur, auf eine neue Version des Treibers oder des Kernels zu setzen.

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