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Automagie

Neue Dateien automatisch bearbeiten lassen

09.10.2008 Magie: Sie laden eine Datei aus dem Internet herunter, und je nach Dateityp landet sie automatisch in Ihrer MP3-Sammlung, der Drucker gibt sie aus, oder der PC konvertiert sie ins PDF-Format. Das Tool "fsniper" ermöglicht diese Automatisierung.

Endlich haben Sie das gesuchte Dokument gefunden: Die verschwundene Anleitung zur Digitalkamera liegt auf einem Download-Server des Herstellers, und nach einem Klick auf die PDF-Datei geht alles ganz schnell – ein geeignetes Download-Verzeichnis auswählen und speichern, dann den Acrobat Reader starten, im Öffnen-Dialog zum richtigen Ordner navigieren, die Anleitung öffnen, aus dem Menü den Eintrag Drucken wählen, nochmal alle Einstellungen überprüfen, und schon landet das Dokument im Papierfach.

Richtig schnell ist das nicht. Wie wäre stattdessen eine Variante, in der Sie im Speichern-Dialog des Browsers den Ordner ~/drucken in Ihrem Home-Verzeichnis auswählen und der Rechner automatisch den Druckauftrag absetzt?

Alles automatisch

Mit dem von Andrew Yates und David A. Foster entwickelten Tool fsniper[1] weisen Sie Ihren Linux-PC an, diese und andere Vorgänge automatisch zu erledigen – immer dann, wenn Sie Dateien in einem dafür eingerichteten Ordner ablegen. Auch was anschließend mit den Dateien passiert, legen Sie hier bequem fest; Sie können die Dateien einfach an Ort und Stelle liegen lassen oder für eine übersichtlichere Archivierung sorgen, indem Sie etwa abhängig vom Dateityp spezielle Ablageordner vorgeben.

Keine der großen Distributionen liefert fsniper mit, und die Programmierer bieten nur die Programmquellen an. EasyLinux hat darum RPM- und Debian-Archive erstellt, mit denen Sie das Programm bequem unter OpenSuse 10.3/11.0 und Ubuntu 8.04 installieren. Sie finden die Pakete auf der Heft-DVD. Nach dem Einbinden des Datenträgers wählen Sie im Paketmanager das Paket fsniper aus. (Wollen Sie alle Beispiele aus diesem Artikel nachvollziehen, installieren Sie auch gleich das Paket wipe, das ein Programm enthält, welches Dateien besonders sicher löscht, siehe Abschnitt Super-Shredder mit "wipe".)

Wenn Sie das Programm installiert haben, rufen Sie es einmalig aus einer Konsole heraus auf, die Sie über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole starten – geben Sie in der Konsole den Befehl fsniper ein. Wenn die Einrichtung geklappt hat, antwortet das Programm mit einer Fehlermeldung:

error: could not open config file: /home/esser/.config/fsniper/config

Das ist in Ordnung – der erste Aufruf diente nur dazu, das Unterverzeichnis .config/fsniper/ zu erzeugen: Hier legen Sie in den nächsten Schritten eine Konfigurationsdatei für fsniper an, die dessen Verhalten bestimmt.

Erstes Beispiel: Druck mich

Als erstes Beispiel dient das bereits erwähnte automatische Drucken von Dokumenten. Wenn Sie alle PDF-Dateien, die im Verzeichnis ~/drucken landen, zum Drucker schicken wollen, erzeugen Sie eine fsniper-Konfigurationsdatei mit folgendem Inhalt:

watch {
  ~/drucken {
    *.pdf {
      handler = lpr %%
    }
  }
}

Der Aufbau dieser Datei ist übersichtlich: Sie besteht aus mehreren ineinander geschachtelten Blöcken, deren Grenzen Sie an öffnenden und schließenden geschweiften Klammern erkennen. So begrenzen die erste Zeile (watch {) und die letzte Zeile (}) den äußersten Block.

Es dürfen nun mehrere Verzeichnisangaben für zu überwachende Ordner folgen; im obigen Beispiel gibt es nur einen solchen Eintrag, der in der zweiten Zeile mit ~/drucken { beginnt und in der vorletzten Zeile mit } endet. Der Block teilt fsniper mit, dass es das Verzeichnis ~/drucken – also den Ordner drucken in Ihrem Home-Verzeichnis – überwachen soll.

Der innerste Block besteht aus den drei Zeilen

*.pdf {
  handler = lpr %%
}

und regelt das gewünschte Verhalten, wenn im Verzeichnis Dateien mit der Endung .pdf auftauchen. Über handler = geben Sie einen Befehl an, den fsniper ausführen soll – in diesem Fall lpr %%. Die beiden Prozentzeichen ersetzt das Tool durch den vollen Pfad zur neu gespeicherten Datei.

Insgesamt hat diese Konfigurationsdatei die folgende Wirkung: Wenn Sie eine Datei test.pdf ins Verzeichnis ~/drucken/ schieben, führt fsniper den Befehl lpr /home/user/drucken/test.pdf aus, und lpr druckt die übergebene PDF-Datei auf dem Standarddrucker aus.

So erzeugen Sie die Konfigurationsdatei:

  1. Öffnen Sie ein Konqueror-Fenster, entweder über das Menü, ein passendes Icon in der Startleiste oder über [Alt]+[F2] und Eingabe von konqueror.
  2. Falls Konqueror nicht bereits Ihr Home-Verzeichnis anzeigt, klicken Sie auf das Icon mit dem Haussymbol in der Symbolleiste.
  3. Können Sie in der Ansicht Ihres Home-Verzeichnisses den Unterordner .config nicht sehen, zeigt Konqueror keine versteckten Dateien an. Rufen Sie dann den Menüpunkt Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen auf. Jetzt sollte es einen Eintrag .config geben.

  4. Wechseln Sie nun in das Verzeichnis .config und dann in dessen Unterordner fsniper. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle in der Verzeichnisansicht und wählen Sie aus dem erscheinenden Kontextmenü den Eintrag Neu erstellen / Textdatei. Als Dateinamen geben Sie config ein.
  5. Wählen Sie nach einem Rechtsklick auf die neue Datei im Kontextmenü Öffnen mit und darunter einen Editor Ihrer Wahl aus, z. B. KWrite.
  6. Es öffnet sich ein Editorfenster, in dem Sie nun das obige Listing eingeben. Speichern Sie die Datei; lassen Sie den Editor aber noch geöffnet, damit Sie später schnell Änderungen an der Konfigurationsdatei vornehmen können.

Nun können Sie das Programm testen – erzeugen Sie zunächst im Konqueror das Unterverzeichnis drucken/ in Ihrem Home-Verzeichnis. Öffnen Sie dann mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster und geben Sie darin den Befehl fsniper ein. Wenn das Tool keine Fehlermeldung ausgibt, hat es die Konfigurationsdatei eingelesen und betrachtet sie als brauchbar.

Schalten Sie den Drucker ein und kopieren Sie eine PDF-Datei in das Verzeichnis drucken/ – nach wenigen Sekunden sollte der Ausdruck starten.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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