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Kubuntu aufsetzen

10.07.2008 Zu den Shooting Stars unter den Linux-Distributionen gehört Ubuntu nun schon länger. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das neue Kubuntu 8.04, die KDE-Version von Ubuntu, auf Ihrem Rechner installieren.

Die Vielzahl an Distributionen auf dem Markt stellt vor allem Einsteiger immer vor die Frage: Welches Linux taugt etwas? Eine Stärke von Kubuntu ist sicherlich das Paketsystem, das auch Debian Linux verwendet: Damit lässt sich Software unter Kubuntu sehr einfach installieren und aktualisieren. Es gewährt Ihnen zudem Zugriff auf ein riesiges Arsenal an Anwendungen. Zugleich sorgen die Programmierer bei Kubuntu dafür, dass sich das System auch Ein- und Umsteigern intuitiv erschließt. Zahlreiche Funktionen erreichen Sie über grafische Oberflächen, der Griff zur Konsole wird seltener (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Kubuntu bringt zahlreiche grafische Tools mit, wie das Konfigurationsmenü für das Netzwerk.

Wenn Ihnen Argumente nicht ausreichen, können Sie sich Kubuntu auch erstmal in Ruhe ansehen. Es genügt, die Heft-DVD einzulegen, um das System direkt von der DVD zu starten. Das Prinzip "Live-DVD" lebt von der enormen Größe der heutigen Arbeitsspeicher. Der Computer lädt die Systemkomponenten komplett ins RAM und lässt die Festplatte des Rechners unberührt. Am Ende sitzen Sie vor einem Kubuntu-Desktop – ohne irgendwas installieren, partitionieren oder formatieren zu müssen. Der Live-Desktop hat noch kleine Macken und arbeitet nicht so schnell wie eine installierte Version, aber zum Ansehen und Ausprobieren genügt er völlig. Um Kubuntu anschließend fest zu installieren, genügt ein Klick auf den gleichnamigen Button auf dem Desktop. Andernfalls fahren Sie das System wieder herunter, und alles ist wie vorher.

Kubuntu 7.10 upgraden

Wer bereits ein Kubuntu 7.10 betreibt, muss die neue Version nicht installieren – hier hilft ein einfaches Upgrade. Wählen Sie dazu im K-Menü den Punkt System / Adept Manager aus. Der Paketmanager startet. Über die Wahl des Menüpunktes Adept / Aktualisierungen holen spielt Adept alle aktuell verfügbaren Updates für Ihre Software ein. Erst dann klicken Sie auf Vollständige Aktualisierung, um die Pakete der neuen Kubuntu-Version aus dem Internet zu laden (Abbildung 2). Das dauert eine Weile, da Kubuntu sehr viele neue Pakete herunterlädt und anschließend einrichtet. Nach dem erfolgreichen Upgrade starten Sie das System einfach neu.

Abbildung 2

Abbildung 2: Über einen Klick auf "Vollständige Aktualisierung" in Adept upgraden Nutzer von Kubuntu 7.10 ihr System auf die aktuelle Version.

Um das Live-System zu starten, muss Ihr Rechner über ausreichend Arbeitsspeicher verfügen – 512 MByte sollten es schon sein (offiziell 384 MByte). Andernfalls dauert es ewig, bis der Desktop zur Verfügung steht. Zur Installation empfehlen die Macher zudem mindestens 3 GByte freien Plattenplatz, nehmen Sie 8 GByte, dann bleibt noch Luft für weitere Software. Erfüllt Ihr System die Anforderungen nicht, lesen Sie den Kasten Ältere Systeme.

Ältere Systeme

Wer einen älteren Rechner betreibt, muss nicht auf Kubuntu verzichten. Beim Booten der Heft-DVD (Abbildung 3) gibt es auch die Optionen Kubuntu installieren und Kubuntu im Textmodus installieren. Letztere startet eine sehr spartanische Variante der Installation, die komplett im Textmodus stattfindet. Wählen Sie Kubuntu installieren, führt Sie ein grafischer Wegweiser durch die Installation. Die Schritte bei diesen beiden Formen der Installation ähneln denen, die Sie bei der im Abschnitt "Zur Sache" beschriebenen Installation aus dem Live-System gehen.

Als Alternative zu Kubuntu bietet sich ansonsten Xubuntu an, das auf den schlankeren XFCE-Desktop setzt. Der verbraucht weniger Arbeitsspeicher und läuft auch auf Rechnern mit 128 MByte RAM – allerdings lässt sich XFCE teilweise nur über die Konsole konfigurieren.

Abbildung 3

Abbildung 3: Das Bootmenü der Kubuntu-DVD bietet auch direkte Installationen an, die sich für ältere und langsamere Systeme eignen.

Was bringt Kubuntu 8.04?

Neben den anfangs erwähnten generellen Vorzügen gibt es natürlich ein paar handfeste Vorteile. Mit KDE 3.5.9 erhalten Sie einen stabilen Desktop. Dank des Kernels 2.6.24 unterstützt Kubuntu mehr Hardware (etwa WLAN-Karten) und geht zugleich sparsamer mit Energieressourcen um. Die neue OpenOffice-Version bringt mehr Features mit, ein Drucker-Applet erkennt angesteckte Drucker und erleichtert so das Einrichten der Geräte.

Auch für das Auge bietet Kubuntu 8.04 einiges: Der 3D-Desktop erzeugt auf Rechnern mit geeigneter Grafikkarte schön anzusehende Effekte, wie halbtransparente Fenster und ein grafisches Feedback beim Wechsel zwischen Anwendungen mit [Alt]+[Tab]. Sie verwandeln den Desktop sogar in einen rotierenden Würfel. Arbeiten lässt sich damit weniger gut, aber Sie können zumindest Freunde beeindrucken.

Ansonsten bringt Kubuntu alles mit, was Sie im Arbeitsalltag brauchen. Sie können im Internet surfen (mit Firefox, Opera oder dem Konqueror), E-Mails lesen (KMail oder Thunderbird), Filme und Musik abspielen (Mplayer, Vlc, Totem oder Amarok), Ihre Büroarbeit erledigen (KOffice und OpenOffice), Ihre Kontakte verwalten (Kontact) oder CDs und DVDs brennen (K3b). Bevor Sie Kubuntu 8.04 installieren oder per Upgrade auf den Rechner spielen, sollten Sie dennoch die wichtigsten Daten auf einer DVD oder einem Netzlaufwerk sichern, falls etwas schief geht.

Zur Sache

Um das System zu installieren, muss Ihr Rechner zunächst von der DVD booten. Dazu drücken Sie nach dem Einschalten des Rechners meist [Esc],[Entf] oder [F1], um in das BIOS zu gelangen. Zwar unterscheiden sich die BIOS-Versionen von Rechner zu Rechner, aber sicher gibt es auch in Ihrem BIOS die Möglichkeit, die Boot-Reihenfolge für die Geräte zu verändern. Sie schieben Ihr DVD-Laufwerk über [F5]/[F6] oder [+]/[-] in der Liste bootfähiger Geräte nach ganz oben, speichern die Änderung und verlassen das BIOS wieder. Nun sollte nach dem erneuten Booten das Menü aus Abbildung 3 erscheinen, das ein Fenster mit einer Auswahl zahlreicher Sprachen überlagert. Steuern Sie mit Hilfe der Pfeiltasten Deutsch als Sprache an, drücken Sie [Eingabe] und wählen Sie den Punkt Kubuntu ausprobieren, der ganz oben steht, um das Live-System zu starten. Alternativ können Sie hier den Installer aufrufen (Punkte 2 und 3) oder die CD auf Beschädigungen überprüfen, wenn Sie glauben, dass die DVD die Reise nicht gut überstanden hat.

Über die F-Tasten erreichen Sie im Bootmenü noch diverse weitere Optionen, die Sie aber nicht unbedingt brauchen. Drücken Sie [Eingabe], lädt Ihr Rechner den Kernel und dann den Kubuntu-Desktop, was – je nach Geschwindigkeit des Rechners – ein paar Minuten dauert. Über einen Klick auf das Desktop-Icon Installieren schieben Sie die Installation an.

Wählen Sie Deutsch als Sprache und Berlin als Zeitzone (Abbildung 4). Dann probieren Sie als Tastaturbelegung zunächst Germany (Deutschland) und Germany (Deutschland) aus. Im Feld unten links tippen Sie ein paar Sonderzeichen (@,ä,ö,ü) ein und erkennen so, ob Kubuntu die Tasten richtig identifiziert.

Abbildung 4

Abbildung 4: Zeitzonen lassen sich in Kubuntu auch durch Klicks auf die kleinen roten Punkte auf der großen Karte einrichten.

Plattentektonik

Ein heikles Thema folgt dann: Das Partitionieren und Einrichten von Kubuntu auf der Festplatte (Abbildung 5). Die Distribution bietet verschiedene Möglichkeiten an. Geführt -- verwende vollständige Festplatte ist sicherlich die einfachste Option: Sie identifiziert Ihre Festplatten und verwendet die von Ihnen ausgewählte einfach vollständig.

Abbildung 5

Abbildung 5: Kubuntu bietet Ihnen verschiedene Optionen an, um Ihr Festplatte auf die Linux-Installation vorzubereiten.

Die oberste Option SCSI1... lässt Sie eine Partition auf der Festplatte vergrößern oder verkleinern. Die wählt der Partitionierer selbst aus, über den grauen Balken in der Mitte verschieben Sie die Gewichtung. Das Vergrößern oder Verkleinern lässt sich nicht rückgängig machen. Nutzen Sie die Option, wenn ein Windows Ihre gesamte Festplatte besetzt, Sie aber gern ein paar Gigabyte für Linux freischaufeln möchten. Kubuntu zwackt sich dann den von Ihnen angegebenen Platz ab und installiert sich dort hinein.

Wählen Sie Geführt -- den größten freien Speicherbereich benutzen, sucht Kubuntu nach freiem, unpartitionierten Speicher auf der Festplatte.

Über die Option Manuell kostet das Einrichten etwas mehr Zeit, Sie behalten aber selbst die Kontrolle über das gewünschte Ergebnis.

Im Test nutzten wir zuerst Option Nummer 1 und verkleinerten eine Windows-XP-Partition um die Hälfte. Dazu schoben wir den in Abbildung 4 gezeigten grauen Balken in die Mitte zwischen Windows und Kubuntu. Würde das klappen? Nach einer Warnmeldung, dass wir den Schritt nicht rückgängig machen könnten, schaufelte das System den Platz frei und ging dann zum Anlegen des Users über (siehe Abschnitt Root-Benutzer bei Ubuntu).

Danach schauten wir, wie Kubuntu 8.04 auf sechs konkurrierende Distributionen reagiert, die sich auf derselben Festplatte drängeln. Eine OpenSuse-10.3-Partition halbierten wir, um Platz für Kubuntu zu schaffen. Nach dem Verkleinern der Partition kehrten wir jedoch über den Zurück-Button zum vorherigen Bildschirm zurück und wählten die Variante Manuell. Das ist nicht die offizielle Methode, aber bei sechs Systemen kann man sonst leicht den Überblick verlieren.

Der Weg über Manuell zeigte, dass Kubuntu einen Teil der ehemaligen OpenSuse-10.3-Partition nun korrekt als free identifizierte (Abbildung 6). Es genügte ein Klick auf diesen freien Teil und dann auf den Knopf New partition, um die Partition für Kubuntu anzulegen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Nach dem Verkleinern der Partition von OpenSuse 10.3 erscheint hinter /dev/hda7 nun freier Platz.

In einem neuen Fenster lesen Sie oben die Größe der Festplatte in MByte ab. Darunter legen Sie fest, ob Sie die Partition am Ende (End) oder Anfang (Beginning) der Platte positionieren. Wir wählten das Ende, damit sich die Nummern der anderen Partitionen nicht nach hinten verschieben. Als Dateisystem passt Ext3-Journaling-Dateisystem, der übliche Einhängepunkt (mount point) für ein Linux-System heißt /. Nach einem Klick auf OK berechnete der Partitionierer die Plattenbelegung neu.

Alternativ wählen Sie für die Installation eine bereits bespielte Partition. In diesem Fall klicken Sie auf Partition bearbeiten, geben neben Benutzen als das gewünschte Dateisystem an, setzen ein Kreuzchen bei Partition formatieren und wählen / als Einhängepunkt.

Nun brauchen Sie noch eine Swap-Partition. Falls der Arbeitsspeicher einmal nicht genügt, hinterlegt die Distribution in der Swap-Partition auf der Festplatte vorübergehend Daten. Gewöhnlich soll er nicht größer als 2 GByte werden. Nutzen Sie – wie wir im Test – mehrere Distributionen auf einer Platte, können Sie für alle denselben Swap-Bereich definieren. Legen Sie entweder über New partition eine neue Partition an oder lassen Sie Kubuntu eine bereits vorhandene Swap-Partition nutzen. Abschließend geht's mit einem Klick auf Vor weiter.

Root-Benutzer bei Ubuntu

Im nächsten Bildschirmfenster legen Sie einen Benutzer an (Abbildung 7). Unter dessen Kennung arbeiten Sie zukünftig unter Kubuntu. Mit dem ausgesuchten Passwort melden Sie sich nicht nur als gewöhnlicher Benutzer beim KDE-Desktop an, es dient Ihnen zugleich als Administrator-Passwort. Ubuntu und Debian verfolgen da ein etwas anderes Konzept als OpenSuse und Windows. Letztere kennen zwei Benutzertypen: einen "normalen" Anwender und einen Superuser (root). Melden Sie sich als Benutzer root an, können Sie neue Software installieren und das komplette System verwalten und verändern – Sie haben Superkräfte. Sind die Verwaltungsaufgaben erledigt, melden Sie sich wieder ab und arbeiten als gewöhnlicher Nutzer weiter – das ist sicherer.

Abbildung 7

Abbildung 7: Unter Kubuntu stellen Sie den Befehlen ein "sudo" oder "kdesu" voran, um Aufgaben mit Administratorrechten zu erledigen.

Unter Kubuntu erledigen Sie solche Aufgaben mit dem Benutzerpasswort. Verwaltungsaufgaben mit Root-Rechten lösen Sie etwa auf der Konsole, indem Sie ein sudo vor den Aufruf setzen. Mit

sudo pico /etc/hostname

bearbeiten und speichern Sie zum Beispiel eine Datei, die dem Benutzer root gehört. Unter KDE starten Sie ein Programm, das Root-Rechte erfordert, indem Sie [Alt]+[F2] drücken und ein kdesu vor den Programmaufruf setzen.

Tragen Sie also in die Benutzermaske einen Benutzernamen, zweimal das Passwort sowie einen Namen für Ihren Rechner ein. Der anschließende Klick auf Vor führt Sie zum letzten Fenster, das noch einmal Ihre getroffenen Entscheidungen auflistet. Ein Klick auf Erweitert lässt Sie den Bootloader konfigurieren oder abschalten. Wählen Sie Installieren, um Kubuntu auf die Platte zu spielen.

Bootloader

Die Einrichtung des Bootloaders ist bei der Neuinstallation von Systemen mitunter ein heikler Punkt. Der Bootloader ermöglicht es Ihnen, nach dem Einschalten des Computers zwischen den verschiedenen Systemen eine Auswahl zu treffen. Diese Informationen schreibt Grub – der Bootmanager von Kubuntu – gewöhnlich in den Bootsektor am Anfang der ersten Festplatte. Geht das schief, befinden sich die Systeme zwar weiterhin auf der Festplatte, Sie müssen den Bootloader allerdings reparieren. Eine ausführliche Beschreibung von Grub finden Sie in älteren EasyLInux-Artikeln [1,2], der Kasten Basteln am Bootloader zeigt, wie Sie Probleme notfalls manuell lösen.

Basteln am Bootloader

Erkennt das zu installierende System nicht sämtliche Nachbarsysteme auf der Platte, können Sie die anderen Systeme zunächst nicht mehr über das Bootmenü aufrufen.

In diesem Fall passen Sie den Bootloader nach dem Hochfahren von Kubuntu manuell an Ihre Bedürfnisse an. Dazu verändern Sie die Datei /boot/grub/menu.lst. Im Abschnitt ### END DEBIAN AUTOMAGIC KERNELS LIST stehen die Einträge, die auch im Bootmenü erscheinen. Rufen Sie über [Alt]+[F2] und die Eingabe von kdesu konsole ein Terminal mit Root-Rechten auf und öffnen Sie die erwähnte Datei. Der Eintrag zum Booten einer Windows-Partition lautet:

title           Microsoft Windows XP Professional
root            (hd0,0)
savedefault
makeactive
chainloader     +1

Um ein Kubuntu 8.04 zu booten, hilft dieser Eintrag:

title           Ubuntu 8.04, kernel 2.6.24-18-generic
root            (hd0,4)
kernel          /boot/vmlinuz-2.6.24-18-generic root=UUID=e0e873eb-236c-478e-97f6-4251cf9502d3 ro quiet splash
initrd          /boot/initrd.img-2.6.24-18-generic

Dem Schema folgen auch die Boot-Einträge für andere Linux-Spielarten. Über den zweiten Eintrag spricht Grub die Root-Partition an. Die erste Festplatte nennt der Bootloader dabei hd0, die zweite hd1 usw. Die erste Partition auf der ersten Festplatte nennt Grub dementsprechend (hd0,0), die zweite (hd0,1) usw. In der dritten Zeile lädt der Bootloader den Kernel, den er im Verzeichnis /boot sucht. Letzterer identifiziert die Root-Partition der Festplatte anhand einer 32-stelligen Nummer (UUID), die Kubuntu ihr während der Installation verpasst. Die vierte Zeile lädt die Datei initrd (Initial Ramdisk), die sich ebenfalls im boot-Verzeichnis befindet.

Schließen Sie Schritt 6 mit einem Klick auf Installieren ab, und schon beginnt die Installation, die ein wenig Zeit in Anspruch nimmt. So hing der Fortschrittsbalken im Test bei 95%, bewegte sich aber nach etwa 10 Minuten wieder.

Reboot – Überraschung

Nach dem Neustart schauten wir zunächst gespannt auf das Boot-Menü: Schön, die Einträge für Windows XP und Ubuntu 8.04 waren beide vorhanden. Windows überprüfte nach dem Booten zwar die – plötzlich halbierte – Festplatte, bootete nach einem weiteren Neustart aber problemlos.

Im zweiten Setting enthielt das Bootmenü nach der Installation etwas mehr als sechs Einträge für die Systeme. Es zeigte die Installationen von OpenSuse 10.2 und 10.3 doppelt an. OpenSuse 10.2, Suse 9.3 und Debian 4.0 (Sarge) konnten wir nicht mehr booten.

Die Probleme ließen sich nach dem Booten von Kubuntu 8.04 schnell über die Datei /boot/grub/menu.lst beheben. Es genügte bei diesen drei Distributionen, in der Zeile kernel aus dem Eintrag root=/dev/sda jeweils ein root=/dev/hda zu machen. Neuere Versionen von Ubuntu bezeichnen sowohl SCSI- als auch IDE-Festplatten nur noch mit sda, sdb, sdc usw., während die älteren Distributionen aber unter /dev/hda nach den Platten fahndeten. Nach der kleinen Korrektur und dem Löschen der doppelten Einträge lief alles wieder.

Der Kubuntu-Desktop

Nach dem Booten von Kubuntu landen Sie beim Anmeldefenster. Dort geben Sie Ihren vorher festgelegten Benutzernamen und das Passwort ein und drücken [Eingabe]. Sie gelangen auf den KDE-Desktop. Links unten befindet sich das K-Menü, über das Sie Programme aufrufen, rechts unten sehen Sie die Systemleiste, die zum Beispiel ein Symbol für die bestehende Internetverbindung anzeigt. Hängen Sie via Netzwerkkabel an einem Router, der IP-Adressen per DHCP vergibt, funktioniert der Zugang ins Internet vermutlich bereits. Andernfalls konfigurieren Sie die Internet-Einstellungen über Systemeinstellungen / Netzwerkeinstellungen. Nicht alle WLAN-Karten lassen sich unter Linux einfach einrichten. Fragen Sie am besten auf der Ubuntu-Mailingliste von EasyLinux [3] um Rat, wenn sich Ihre Karte nicht konfigurieren lässt, oder suchen Sie im Wiki von Ubuntuusers.de [4] nach einer Anleitung zum Einrichten Ihrer Karte.

Paketdienst

Sie installieren Software unter Kubuntu, indem Sie aus dem K-Menü den Punkt System / Adept Manager aufrufen. Der Paketmanager Adept verwaltet unter Kubuntu die Software. Um nach der Installation ein erstes System-Update vorzunehmen, klicken Sie links oben auf das Icon Aktualisierungen holen. Kubuntu schaut nun auf FTP-Servern im Internet nach neuen Versionen der installierten Software (Abbildung 8). Klicken Sie dann auf Vollständige Aktualisierung und Änderungen anwenden, lädt das System die Pakete herunter und installiert sie. Erscheint in der Systemleiste ein blauer runder Pfeil, müssen Sie Ihr System nach dem Aktualisieren neu starten. Das ist nur nötig, wenn ein Software-Update eine aktuellere Kernelversion ausliefert – Kubuntu schreibt dann auch gleich die passenden Bootmenü-Einträge in die Datei /boot/grub/menu.lst.

Und ewig quellt die Software

Neue Software – etwa den Mediaplayer Mplayer – installieren Sie meist nicht als einzelnes Paket. Weil die Pakete wiederum von anderen Paketen abhängen, die jedoch noch fehlen, scheitert die Installation. Darum binden Sie ganze Sammlungen von Software-Paketen ein, so genannte Paketquellen oder Repositories: Die enthalten neben den eigentlichen Programmen auch alle zusätzlich benötigten Pakete.

Medibuntu ist als eine solche inoffizielle Paketquelle die Heimat zahlreicher Multimediapakete für Kubuntu. Die Entwickler integrieren das Repository nicht automatisch in Adept, weil die darin befindliche Software zum Teil nicht frei oder ihr rechtlicher Status zumindest umstritten ist.

Um externe Paketquellen wie Medibuntu einzubinden, rufen Sie den Paketmanager Adept und dort den Punkt Adept / Paketquellen verwalten auf. Wechseln Sie zum Reiter Third-Party-Software und klicken Sie auf Hinzufügen. Dann fügen Sie wie in Abbildung 8 die Zeile

deb http://packages.medibuntu.org hardy free non-free

ein und klicken auf OK. Anschließend aktualisiert Adept automatisch die Paketliste, und Sie finden darin auch Software wie Adobes Acrobat Reader (acroread). Dank Medibuntu können Sie nun Amarok mit MP3-Unterstützung, Google Earth, Skype sowie diverse Videocodecs installieren.

Abbildung 8

Abbildung 8: Statt einzelner Pakete binden Sie komplette Paketquellen in Adept ein.

Wollen Sie den Flashplayer von Adobe nutzen, installieren Sie das Paket flashplugin-nonfree. Anschließend starten Sie den Konqueror, wählen Einstellungen / Konqueror einrichten / Plugins und klicken auf der rechten Seite auf den Knopf Nach neuen Plugins suchen (Abbildung 9) und starten den Browser neu.

Abbildung 9

Abbildung 9: Noch weiß der Browser Konqueror nichts von den neuen Plug-ins, doch das wird sich gleich ändern.

Fazit

Sicher lassen sich in einer kurzen Anleitung nicht alle Fragen klären, die sonst ganze Bücher füllen. Eine gute Anlaufstelle für die Probleme nach der Installation bieten die erwähnte EasyLinux-Mailingliste und das Wiki von Ubuntuusers.de. Denn – ein weiteres Argument für Kubuntu – hinter der Distribution steht eine extrem hilfsbereite Community.

Glossar

Kernel

Der Linux-Kernel ist quasi das eigentliche Linux, er enthält unter anderem die Treiber für die Hardware. Distributionen sammeln lediglich Open-Source-Software (wie OpenOffice, Firefox, aber auch KDE) und installieren sie zusammen mit dem Linux-Kernel.

Initial Ramdisk

Das Initrd-Archiv stellt dem Kernel während des Bootprozesses in einem reservierten Bereich des RAMs ein einfaches Dateisystem zur Verfügung. Das dient vorübergehend als Root-Verzeichnis und enthält eigene ausführbare Programme.

UUID

Beim Universally Unique Identifier handelt es sich um eine sehr lange Zahl zur Identifikation von Geräten. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Festplatten in einem Rechner dieselbe UUID erhalten, ist verschwindend gering.

Infos

[1] Bootmanager Grub: Andrea Müller, "Boot-Manager im Griff", EasyLinux 11/2004, S. 20ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/11/020-bootmanager/

[2] Bootdiskette mit Grub: Kalle Gerwien, "Retter in der Not", EasyLinux 11/2004, S. 74ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/11/074-grub-diskette/

[3] Ubuntu-Mailingliste von EasyLinux: http://www.easylinux.de/Kontakt/Mailinglisten/listinfo/ubuntu

[4] Wiki von Ubuntuusers.de: http://wiki.ubuntuusers.de/Startseite

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