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Kleine Box – großer Speicher

NAS-Server von Conceptronic

10.07.2008
Wird der Speicherplatz auf dem eigenen Rechner zu knapp, lohnt sich eventuell die Anschaffung eines Netzwerkspeichers. Die zusätzlichen Giga- oder Terabytes stehen dann automatisch im ganzen Heimnetz bereit.

Gibt es in Ihrem Haushalt mehrere Computer, sind diese vermutlich vernetzt. Ein Netzwerk ist jedoch viel zu schade, um darüber nur die Internetanbindung zu teilen. Mit einem Netzwerkspeicher können Sie zum Beispiel Dateien gemeinsam verwalten und nutzen, ohne dazu einen Server einrichten zu müssen. Der Handel bietet zurzeit zwei Arten von Netzwerkspeichern für den Heimgebrauch an: Es gibt so genannte NAS-Geräte (Network Attached Storage), welche als kleine Server agieren und in der Regel den Zugriff über Samba oder einen FTP-Server erlauben. Dazu verfügen die Geräte über eine eigene Netzwerkadresse. Oft bringen NAS-Geräte auch weitere Funktionen mit wie Mediaserver, Backup-Funktion, Download-Manager usw. NAS-Geräte arbeiten in der Regel problemlos mit Linux zusammen.

Neben den NAS-Speichern gibt es auch vermehrt NDAS-Geräte. Diese Abkürzung steht für Network Direct Attached Storage, was bedeutet, dass solche Speicher keine Netzwerkadresse benötigen und sich quasi als lokales Laufwerk am Rechner anmelden. Dazu sind aber unter allen Betriebssystemen zusätzliche Treiber nötig, und Sie müssen auf jedem Rechner, der den Speicher nutzen möchte, ein spezielles Programm installieren. Viele NDAS-Geräte funktionieren auch unter Linux, das Setup ist allerdings recht kompliziert [1].

Media Store

Dieser Artikel beschreibt das Setup des Grab'n'Go Media Store der niederländischen Firma Conceptronic (siehe Tabelle "CH3SNAS"). Ein kurzes Video zum Gerät finden Sie auch auf der Homepage des Linux-Magazins [2]Es handelt sich dabei um ein NAS-Gerät mit einem Terabyte Speicher und diversen Zusatzfunktionen. So verbergen sich im Gehäuse des Media-Store-Geräts zwei Festplatten, und der NAS-Server bietet neben der Grundfunktionalität auch einen MP3-Server sowie einen Download-Manager an. Über den USB-Anschluss können Sie zudem einen Drucker im Netzwerk bereitstellen.

Im Inneren des CH3SNAS werkelt ein 500 MHz schneller Intel-FreeScale-Prozessor, auf dem die Linux-Distribution Busybox mit Kernel 2.6.12 ihren Dienst verrichtet. Für Interessierte gibt es im Internet auch einige Anleitungen, wie Sie sich zum Beispiel auf dem Netzwerkspeicher einloggen und zusätzliche Dienste installieren oder freischalten. Sämtliche Programme sind über die Conceptronic-Homepage auch im Source-Code erreichbar [3]. Die aktuelle Firmware 1.03 finden Sie ebenfalls auf dem FTP-Server von Conceptronic [4]. Auch das gedruckte Handbuch listet die benutzten Programme und die komplette GPL auf. Den CH3SNAS gibt es auch als 500-, 750- und 1500-GByte-Variante, das Testmodell mit 2 x 500 GByte kostet rund 300 Euro.

Arbeitet in Ihrem lokalen Netzwerk bereits ein DHCP-Server, gestaltet sich das Setup denkbar einfach:

  1. Verbinden Sie den Ethernet-Anschluss des CH3SNAS mit Ihrem Router oder Switch.
  2. Öffnen Sie in Konqueror die Adresse smb://workgroup. Der KDE-Browser zeigt Ihnen nun den NAS-Server Ch3snas (Grab'n'GO Media Store) an (Abbildung 1). Erscheint hingegen die Fehlermeldung, dass keine Rechner gefunden wurden, müssen Sie die Firewall Ihres Linux-Rechners ausschalten. Unter OpenSuse geben Sie dazu als Root in einem Terminalfenster den Befehl rcSuSEfirewall2 stop ein, für Mandriva-Benutzer lautet der entsprechende Befehl /etc/init.d/iptables stop. Ubuntu startet normalerweise keine Firewall.
  3. Klicken Sie auf den Eintrag Ch3snas, danach wählen Sie web_page / configuration.htm. Über den letzten Link erreichen Sie das Web-Interface der NAS-Box.

Conceptronic hat das Setup sehr elegant gelöst, da Sie über den Samba-Browser automatisch auf die Konfigurationsseite gelangen, ohne dazu die IP-Adresse des NAS kennen zu müssen. Hier melden Sie sich mit dem Benutzernamen admin an, ein Passwort benötigen Sie nicht.

Abbildung 1: Über den Samba-Browser von Konqueror finden Sie den Media Store von Conceptronic auch ohne Kenntnis der IP-Adresse.

Benutzen Sie statische IP-Adressen, finden Sie die Administrationsoberfläche unter der Adresse 192.168.0.20. Um die Seite aufrufen zu können, müssen Sie die eigene IP-Adresse entsprechend anpassen. Gibt es in Ihrem Netz noch keinen DHCP-Server, kann diese Funktion auch der Media Store übernehmen.

CH3SNAS

Hersteller Conceptronic
Modell Media Store Grab'n'Go
Festplatte 2 x 500 GByte
Unterstützte RAID-Versionen JBOD, RAID0, RAID1
Ethernet-Anschluss Gigabit
Serverfunktionen Samba, FTP, iTunes, UPnP, DHCP
Besonderes Programmierbarer Download-Manager, USB-Anschluss für Drucker
Stromverbrauch 20-25 Watt
Preis Testkonfiguration (ca.) 280 Euro
Preis ohne Festplatten (ca.) 130 Euro

RAID oder Nicht-RAID

Bevor Sie den Netzwerkspeicher in Betrieb nehmen können, müssen Sie sich entscheiden, wie Sie die 2 x 500 GByte nutzen wollen. Die Administrationsoberfläche bietet dazu vier Möglichkeiten an (Abbildung 2).

  • Sie nutzen beide Platten unabhängig voneinander (der Client sieht 2 x 500 GByte Speicher)
  • Sie nutzen beide Platten zusammen (der Client sieht 1 x 1 TByte Speicher)
  • Sie nutzen die Platten in einem RAID-0-Verbund (schneller Datentransfer, 1 x 1 TByte)
  • Sie nutzen die Platten in einem RAID-1-Verbund (Ausfallsicher, 1 x 500 GByte)

Wenn Sie den letzten Punkt wählen, sind Sie auf der sicheren Seite, falls eine Platte kaputt gehen sollte: RAID 1 spiegelt den Inhalt der ersten Platte auf der zweiten – fällt eines der Laufwerke aus, enthält das funktionierende noch alle Daten. Das ist aber kein Backup-Mechanismus, der Sie vor versehentlichem Löschen schützt: entfernen Sie eine Datei auf dem Gerät, wird sie auf beiden Platen gelöscht.

Abbildung 2: Vor der ersten Inbetriebnahme müssen Sie angeben, wie Sie den Plattenplatz nutzen möchten.

Wie Sie eine Platte bei Defekt austauschen, erklärt ein nicht zu übersehender Aufkleber über dem Einschaltknopf. Seltsamerweise befindet sich aber über dem erwähnten Lock-Schalter ein Siegel mit dem Aufdruck "Warranty Void if seal is removed or damaged". Der englische Text erklärt, dass Sie durch das Entfernen des Siegels Ihre Garantieansprüche verlieren. (Abbildung 3). Auf unsere Anfrage bei Conceptronic hieß es, dass das Siegel in erster Linie als Schutz vor Missbräuchen dient. So soll es verhindern, dass ein Käufer behauptet, dass sich keine oder andere Festplatten im Gehäuse befunden hätten.

Abbildung 3: Ein Siegel (oben) versperrt den Zugriff zu den Festplatten. Sie dürfen diese aber wie auf dem unteren Aufkleber beschrieben austauschen.

Entscheiden Sie sich für eine der zwei RAID-Varianten, können Sie im nächsten Schritt festlegen, wie viel Speicher das RAID beanspruchen darf, so können Sie noch ein separates Volume (zum Beispiel für Backups) anlegen. Das Formatieren dauert je nach gewähltem Modus mehrere Minuten. Als Dateisystem kommt das Linux-Filesystem Ext2 zum Einsatz.

Nach der erfolgreichen Formatierung mussten wir das Gerät komplett aus- und neu anschalten, damit beim zweiten Aufruf der Administrationsseite nicht erneut der Festplatten-Dialog erschien. Möchten Sie später die Formatierung ändern, rufen Sie auf der Weboberfläche den Menüpunkt Tools / RAID auf und klicken auf Set RAID Type and Re-Format. Dabei gehen sämtliche Daten auf dem Netzwerkspeicher verloren.

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