Wer sich mit Fotografie auseinandersetzt, weiß, dass es Aufnahmesituationen gibt, die auf dem Foto anders aussehen als in der Wirklichkeit. Dazu gehören vor allem Motive mit großem Kontrastumfang, also sehr dunklen und sehr hellen Bildbereichen. In der Regel zeigen sich in diesen Partien nur sehr wenige Details: Schattenbereiche des Bildes erscheinen nur schwarz; sonnige, helle Bildregionen nur weiß. Das liegt am begrenzten Kontrastumfang eines herkömmlichen Digitalfotos: Während eine Tageslichtszene einen Kontrast von 100 000:1 aufweist, können Digitalkameras nur einen Kontrast von 1000:1 aufzeichnen. Im digitalen Foto fehlen also Bildinformationen.
Abhilfe schafft hier das sogenannte DRI. Dynamic Range Increase, deutsch Erhöhung des Dynamikumfangs, hat in der Digitalfotografie die Abbildung des Gesamtkontrasts einer Szene zum Ziel. Als Grundlage dienen mehrere Aufnahmen mit geringem Kontrastumfang (LDR-Bilder), wie sie Digitalkameras liefern. Die Einzelbilder sind in einer Belichtungsreihe aufgenommen und enthalten unter- sowie überbelichtete Aufnahmen. Die Software Qtpfsgui [1] erstellt aus den Vorlagen ein Bild mit hohem Kontrastumfang. Der Begriff HDR hat sich als Bezeichung für ein solches Bild durchgesetzt, das auch in sehr hellen und dunklen Bereichen Detailreichtum aufweist.
Vorarbeiten
Sie benötigen einen Fotoapparat, mit dem Sie Blende, Verschlusszeit und die Empfindlichkeit manuell einstellen können oder der zumindest eine automatische Belichtungsreihe (AEB) beherrscht. Das ist insofern wichtig, als Sie mehrere Aufnahmen eines Motivs benötigen, die absichtlich unter- und überbelichtet sind. Sie zeigen zusammengenommen viele Details eines kontrastreichen Motivs: Unterbelichtete Aufnahmen bringen Zeichnung in die hellen Bereiche (Lichter) und überbelichtete Fotos Details in die dunklen Abschnitte (Schatten). Nachdem Sie die Fotos auf den Computer übertragen haben, nutzen Sie mit Qtpfsgui ein kostenloses und grafisches Programm, das aus den Einzelaufnahmen ein HDR-Bild erzeugt. Um das Ergebnis auf Ihrem Monitor in seinem ganzen Kontrastumfang zu betrachten, benötigen Sie entweder ein unerschwingliches HDR-Display oder die Tone-Mapping-Funktion von Qtpfsgui. Der Grund: Herkömmliche Computermonitore sind nicht in der Lage, die Kontrastinformationen eines HDR-Bildes darzustellen. Das Tone-Mapping komprimiert den Kontrastumfang und bereitet das Bild für so genannte LDR-Medien (LDR-Monitor) auf. Aus dem HDR- wird also wieder ein LDR-Bild.
Fotos aufnehmen
Die Fotos sollten Sie mit einem Stativ aufnehmen, da schon leichte Unterschiede des Bildausschnitts beispielsweise durch Verwacklung unbrauchbare Ergebnisse liefern. Jetzt messen Sie bei festem Blendenwert (Blende 9 ist eine gute Orientierung) die Verschlusszeit der Kamera jeweils in der hellsten und dunkelsten Bildpartie. Am besten funktioniert das mit der punktgenauen Spotmessung. Die Zeiten geben einen Anhaltspunkt über den Kontrastumfang des Motivs und über die notwendigen Aufnahmen. Eine Belichtungsreihe sollte die längste, die kürzeste sowie dazwischen liegende Verschlusszeiten enthalten. Zeigt die Kamera die Werte 1/30 s Sekunde im dunkelsten und 1/250 s im hellsten Bereich an, erstellen Sie weitere Fotos mit 1/60 s und 1/125 s. Insgesamt haben Sie nun vier Fotos als Vorlage für das HDR-Bild. Die Anzahl der Fotos ist aber nicht begrenzt, es sollten dennoch mindestens drei sein.
Um zu den Vorlagefotos zu kommen, können Sie auch die Bracketing-Funktion (AEB) der Kamera nutzen, die das manuelle Über- und Unterbelichten für Sie übernimmt (Abbildung 1, rotes umrandet). Jetzt übertragen Sie die Fotos auf den Computer und können damit beginnen, das HDR-Bild zu erstellen.



