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Buchstabensammlung

Schriftenmanagement für KDE

10.07.2008 Die passende Schrift gibt jedem Dokument das gewisse Etwas. Doch wie findet man unter mehreren Hundert Schriften die gesuchte? Fontmatrix bringt Ordnung in die Buchstabensammlung.

Die meisten Distributionen bringen neben den Linux-Standardschriften mit rund 20 verschiedenen Fonts auch noch zusätzliche Pakete mit freien Schriften mit. Bei 100 oder mehr Schriften wird es schwierig, den Überblick über die einzelnen Typen zu behalten. Hier setzt Fontmatrix [1] an. Das Tool bietet ein umfangreiches Schriftenmanagement für den Linux-Desktop. Obwohl die Software in erster Linie auf die Zusammenarbeit mit dem DTP-Programm Scribus [2] optimiert ist, eignet sich Fontmatrix auch als allgemeine Schriftenverwaltung. Sie finden das Programm für die EasyLinux-Distributionen auf der Heft-DVD.

Schnelleinstieg

Die linke Spalte des Fontmatrix-Fensters (Abbildung 1) zeigt eine Liste der gefunden Schriften an, darunter eine Auswahl der Fonts mit der Schnellvorschau hamburgefonstiv. Die rechte Fensterhälfte enthält die Reiter Font-Information, Beispieltext, Glyphen und Spielwiese. Nach dem Start ist der Reiter Font-Information zunächst leer. Das ändert sich, wenn Sie eine beliebige Schrift aus der linken Liste mit der Maus markieren: Sie erhalten dann detaillierte Informationen zur Schriftfamilie und zum einzelnen Font, darunter auch das Copyright.

Abbildung 1: Fontmatrix zeigt einen Beispieltext in der Schrift Zekton Regular an.

Wechseln Sie auf den Reiter Beispieltext, zeigt Fontmatrix das komplette Buchstabenset an. Dafür gibt es zwei Reiter: Absolute Ansicht und FreeType-Ansicht. Auf der absoluten Ansicht sehen Sie, wie groß der Font in etwa auf einem A4-Blatt wirkt. Dazu darf die Checkbox An Fenster anpassen nicht markiert sein. Markieren Sie die Checkbox, stellt Fontmatrix den Text so groß wie möglich dar, damit er genau in den Fensterinhalt passt. Über den Button mit dem Buchstaben "A" schalten Sie das Antialiasing ein und aus. Auf der FreeType-Ansicht erscheint der Beispieltext stets mit Antialiasing.

Unter dem Beispieltext gibt es noch die zwei Menüpunkte Erweitert und Textfortschritt. Der Menüpunkt Erweitert ist in erster Linie für Benutzer gedacht, die professionell mit Schriften arbeiten. Je nach Font können Sie hier Einstellungen zum Kerning und zum Schriftverhalten allgemein einstellen, zum Beispiel inwieweit bestimmte Buchstaben beim Schreiben aneinanderkommen oder überlappen dürfen. Die angebotenen Möglichkeiten sind für ein professionelles Schriftbild sehr wichtig, zurzeit gibt es außer Scribus aber kaum Linux-Programme, die davon Gebrauch machen.

Unter Textfortschritt legen Sie die Textrichtung und -ausrichtung fest. Der Reiter ist sehr schlecht als solcher zu erkennen. Er öffnet sich, wenn Sie auf den gleichnamigen Menüeintrag klicken.

Auf dem Reiter Glyphen zeigt Ihnen Fontmatrix die einzelnen Zeichen an. Per Klick auf eines der Symbole erscheint das Zeichen in einer Großansicht. Die Spielwiese eignet sich – wie der Name des Reiters bereits verrät – als Tummelplatz für allerlei Schriften und Zeichen (Abbildung 2). Geben Sie einen Buchstaben oder einen ganzen Satz in das Eingabefeld ein und drücken Sie die Eingabetaste, erscheint der Text auf der Spielwiese. Hier verschieben Sie einzelne Buchstaben beliebig mit der Maus per Drag & Drop. In den Tests gelang es uns allerdings nicht, die Zusammenstellung auch auf Papier zu bringen: Der Drucker lieferte stets eine leere Seite.

Abbildung 2: Viel Raum für Kreative: Auf der Spielwiese platzieren Sie nach Belieben Buchstaben und Wörter.

Eines der wichtigsten Elemente im Fontmatrix-Fenster ist der Schriftenindikator unten rechts. Er zeigt Ihnen stets den Namen der ausgewählten Schrift an. Um den Überblick über alle Schriften nicht zu verlieren, bietet Fontmatrix unter Datei / Schriftenbuch exportieren einen PDF-Katalog samt Beispieltext an. Dieser Export funktioniert allerdings in Version 0.4.2 nicht. Laut Hauptentwickler Pierre Marchand ist der Bug in der aktuellen Entwicklerversion bereits behoben.

Schriften verwalten

Mit Fontmatrix können Sie neue Schriften oder sogar einzelne Schriftschnitte (zum Beispiel nur kursiv oder nur fett) installieren und zur Benutzung freigeben bzw. sperren. Dazu wählen Sie den Menüpunkt Datei / Importieren und geben dann das Verzeichnis mit den Schriften an. Haben Sie unter Bearbeiten / Einstellungen die Checkbox Beim Import nach Tag-Namen fragen markiert, erscheint ein Dialog zur Tag-Auswahl. Kreuzen Sie die gewünschten Stichworte an oder fügen Sie neue hinzu. Zum Abschluss zeigt Ihnen ein weiteres Fenster die Anzahl und eine Liste der eingelesenen Fonts an (Abbildung 3). Fontmatrix importiert nur neue Schriften. Zeigt der Dialog deshalb weniger Schriften als erwartet an, befinden sich die fehlenden vermutlich bereits in Ihrer Sammlung.

Abbildung 3: Zum Abschluss des Imports zeigt Ihnen Fontmatrix an, wie viele und welche Schriften das Tool importiert hat.

Einträge zu aktivieren oder deaktivieren, ist nur bei den Schriften möglich, die Sie selbst importiert haben. Markieren Sie dazu die komplette Schrift oder den gewünschten Schnitt und klicken Sie auf die Checkbox vor dem Namen. Vergessen Sie nicht, die Änderungen mit [Strg]+[S] zu speichern.

Die Systemschriften lassen sich mit Fontmatrix nicht verwalten. Haben Sie zum Beispiel über ein RPM- oder DEB-Paket mehrere Schriften installiert, können Sie diese mit Fontmatrix nicht verwalten, da sie vermutlich zu den Systemschriften unter /usr/share/fonts zählen. Dieses Problem umgehen Sie zum Beispiel mit der Export-Funktion von Fontmatrix:

  1. Wählen Sie Datei / Schriften exportieren und stellen Sie das Tag auf Systemschriften.
  2. Im neuen Dialog legen Sie über einen Rechtsklick und die Auswahl von New Folder einen neuen Ordner an, wählen diesen aus und klicken auf Choose.
  3. Fontmatrix legt nun sämtliche Systemschriften in diesem Verzeichnis ab. Sie erhalten damit eine Kopie dieser Schriften.
  4. Löschen Sie mit dem Paketmanager die zusätzlichen Schriftpakete. Achten Sie darauf, keine echten Systemschriften zu löschen, sondern nur die zusätzlich installierten (meistens) TrueType-Schriften.
  5. Kopieren Sie die Schriften, die Sie mit Fontmatrix nutzen möchten, in ein neues Verzeichnis und importieren Sie diese über Datei / Importieren.

Für die aktivierten Schriften legt Fontmatrix im Ordner .fontmatrix einen Link auf die eigentliche Schrift ab. Löschen Sie aus Versehen eine Schrift, dann bleibt unter Umständen ein toter Link zurück. Solche Links finden Sie über Bearbeiten / Datenbank überprüfen.

Schriften deaktivieren Sie in erster Linie, um den Speicherverbrauch einer Anwendung zu minimieren. Die meisten Programme laden beim Start sämtliche Schriften in den Hauptspeicher. Das kostet Zeit und Speicher. Eine Schrift abzuschalten, bringt aber nur dann einen Vorteil, wenn die zugehörigen Anwendungen auch darüber Bescheid wissen. Leider sieht es damit bei aktuellen Linux-Programmen noch ziemlich schlecht aus. In den Tests reagierte nur Scribus unmittelbar auf die Änderungen in Fontmatrix. KDE mussten wir komplett neu starten, damit die Desktopumgebung von den neuen Schriften Kenntnis nahm. OpenOffice bemerkte die von uns installierten Schriften überhaupt nicht.

Einigen Schriften fehlen die deutschen Umlaute oder das scharfe S. Mit etwas Übung und viel Geduld können Sie die fehlenden Buchstaben selbst herstellen. Fontmatrix bietet dazu den Menüpunkt Bearbeiten | Ausgewählte Schrift bearbeiten an. In einem neuen Fenster startet er das Tool Fontforge, das allerdings nicht bei allen Distributionen zum Standardumfang gehört. Sie müssen es deshalb bei Bedarf über den Paketmanager nachinstallieren.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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