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Tipptopp transportiert

FTP-Client FileZilla

10.04.2008
FTP-Clients gibt's wie Sand am Meer: Ob per Shellbefehl oder bequem aus den Dateimanagern Konqueror und Nautilus heraus transportieren sie Ihre Daten. FileZilla steckt die meisten Kollegen in die Tasche und besticht unter anderem durch eine übersichtliche grafische Oberfläche und zahlreiche Features.

Das File Transfer Protocol (FTP) ist ein echter Klassiker und hat schon einige Jährchen auf dem Buckel. Auch wenn das Protokoll wegen der Datenübertragung im Klartext als unsicher gilt, erfreut es sich nach wie vor großer Beliebtheit. Viele Freie-Software-Projekte bieten Programme auf FTP-Servern zum Download an, und bei den meisten Anbietern von Webspace läuft die Datenübertragung ebenfalls über FTP.

Die bekannten Dateimanager Konqueror und Nautilus beherrschen FTP, und auch für die Linux-Kommandozeile gibt es mehrere Clients. Wer sich jedoch nach mehr Komfort sehnt, sollte einen Blick auf FileZilla [1] werfen. Sie finden das Programm für alle von EasyLinux unterstützten Distributionen zusammen mit einer Installationsanleitung auf der Heft-DVD. Versionen für Windows und Mac OS finden Sie auf der Webseite. Dieser Workshop stellt die grundlegende Arbeit mit dem plattformübergreifenden FTP-Client vor.

Auftakt

Beim ersten Start des Programms begrüßt Sie ein Dialogfenster, das Sie auf Englisch bittet, alle eventuellen Fehler zu melden. Sollten Sie über Bugs stolpern und die Entwickler informieren wollen, können Sie dies im Bugtracker [2] erledigen. Klicken Sie auf OK – der Hinweis erscheint danach nicht wieder. Ebenfalls beim ersten Start legt FileZilla einen versteckten Ordner (~/.filezilla) für die Konfiguration im eigenen Home-Verzeichnis an.

Die FileZilla-Entwickler arbeiten fleißig an neuen Programmversionen und zusätzlichen Features, und für ganz neugierige Anwender stellen sie die so genannten Nightly Builds zur Verfügung [3]. Eventuell ist die auf der Heft-DVD vorhandene Programmversion bereits veraltet. Darüber informiert im Fall der Fälle eine Dialogbox nach dem Programmstart (Abbildung 1). Wenn Sie aktualisieren möchten, klicken Sie auf Next und wählen aus, in welchem Ordner das .tar.bz2-Archiv landen soll. Dieses installieren Sie genauso wie auf der Heft-DVD beschrieben. Alternativ brechen Sie den Vorgang ab; Updates laden Sie jederzeit bequem über den Menüpunkt Hilfe herunter. Die automatische Suche nach neuen Versionen und viele weitere Funktionen konfigurieren Sie im Dialog Einstellungen, siehe Kasten Richtig eingerichtet.

Abbildung 1: Der eingebaute Assistent bietet an, die eigene FileZilla-Version zu aktualisieren.

Richtig eingerichtet

Alle über den Einrichtungsdialog (Bearbeiten / Einstellungen) vorgenommenen Konfigurationen landen in der Datei filezilla.xml im versteckten Ordner .filezilla Ihres Home-Verzeichnisses. Die bereits angesprochene automatische Suche nach aktuelleren Programmversionen finden Sie in der linken Baumansicht unter Suche nach Updates.

Im Bereich Verbindung müssen Sie in der Regel nichts verändern; hier finden sich fortgeschrittene Einrichtungsmöglichkeiten zu aktivem und passivem FTP sowie zur Konfiguration eines zwischengeschalteten Proxy-Servers. Weiterhin haben Sie hier die Möglichkeit, einen privaten SSH-Schlüssel für SFTP-Verbindungen zu hinterlegen [4].

Interessant ist die Rubrik Übertragungen: Hier legen Sie nicht nur die maximale Anzahl von Up- und Downloads fest, sondern drosseln die Geschwindigkeit in beide Richtungen, damit der FTP-Client sich nicht die gesamte Bandbreite unter den Nagel reißt. Über das Drop-down-Menü Toleranzgrenze bestimmen Sie, wie strikt sich FileZilla an Ihre Angaben hält. Die Voreinstellungen im Bereich Dateitypen sind sinnvoll gewählt: Lassen Sie FileZilla den Transfertyp (Binär oder ASCII) automatisch wählen.

Im Bereich Ansicht finden Sie nicht nur Einrichtungsmöglichkeiten zum verwendeten Icon-Set (Designs) und zum Datums- und Zeitformat, sondern legen auch fest, wie FileZilla den Heimatrechner und den entfernten Server im Hauptfenster präsentiert. Wenn Sie im Drop-down-Menü Datei- und Verzeichnisansicht etwas verändern, können Sie den neuen Look im Hauptfenster direkt bewundern.

Interessant ist noch der Punkt Bearbeiten von Dateien: FileZilla bietet als besonderes Feature an, Dateien auf dem entfernten Server wie auf dem lokalen Rechner zu bearbeiten. Hier geben Sie Ihren Lieblings-Texteditor an, der dann diese Aufgabe übernimmt (Abbildung 2).

Abbildung 2: FileZilla bietet viel Komfort – unter anderem die Bearbeitung entfernter Dateien im eigenen Lieblingseditor.

Da FileZilla die Konfiguration, das Ansichtsprofil, die aktuelle Warteschlange und so weiter in XML-Dateien im Home-Verzeichnis ablegt, ist ein Umzug dieser Dateien auf einen anderen PC problemlos möglich.

Kontaktaufnahme

Um mit einem FTP-Server Verbindung aufzunehmen, geben Sie ins Feld Server die Adresse ein, zum Beispiel ftp://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/ für einen der deutschen OpenSuse-Spiegelserver. Dabei ist die Angabe des Protokolls (hier: ftp) für FTP-Server optional: sunsite.informatik.rwth-aachen.de reicht aus. Handelt es sich hingegen um einen SFTP-Server, muss die eingetragene Adresse mit sftp:// beginnen, damit FileZilla das richtige Protokoll wählt.

Verlangt die Gegenstelle eine Authentifizierung mit Benutzername und Passwort, füllen Sie die entsprechenden Felder aus. Für das so genannte Anonymous FTP trägt FileZilla selbstständig den Benutzernamen anonymous ein und wählt als Passwort anon@localhost. Die Port-Nummer wählt der Client ebenfalls in Eigenregie aus (21 für FTP, 22 für SFTP); sollte sie vom Standard abweichen, dürfen Sie aber auch eigene Werte eintragen. Ein Klick auf Verbinden oder Drücken der Eingabetaste reicht aus, damit FileZilla die Verbindung aufbaut.

Das Drop-down-Menü Verbinden hat noch weitere Aufgaben: Hier finden Sie einen Verlauf der zuletzt besuchten Adressen. Leider gibt es in FileZilla selbst keine Möglichkeit, einzelne Einträge aus dieser Liste zu löschen, so dass auch eventuelle Vertipper nach wie vor im Menü auftauchen. Wer den Griff zum Texteditor nicht scheut, löst das Problem aber schnell von Hand:

  1. Beenden Sie den FTP-Client und öffnen Sie die Datei recentservers.xml im versteckten Ordner .filezilla im Home-Verzeichnis mit dem Editor Ihrer Wahl, zum Beispiel über [Alt]+[F2] und kate ~/.filezilla/recentservers.xml.
  2. Die zuletzt besuchten Adressen befinden sich jeweils in den Abschnitten zwischen <Server> und </Server>. Löschen Sie den gesamten Bereich für den Störenfried, speichern Sie die Änderungen und schließen Sie die Datei – fertig.

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