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Auf halbem Weg

Neue und alte KDE-4-Programme

10.04.2008 Bis KDE 4 die bewährte 3.5.x-Serie komplett ersetzen kann, müssen die Entwickler noch einige Steine bewegen. Doch viele Programme sind bereits fertig. Dieser Artikel stellt Ihnen die wichtigsten darunter vor und zeigt, was sich gegenüber KDE 3 geändert hat.

Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Für die tägliche Arbeit eignet sich KDE 4.0 noch nicht. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass eine der wichtigsten Komponenten – die KDE-PIM-Suite Kontact – noch nicht auf KDE 4 portiert ist (siehe Kasten "KMail & Co."). Mit Version 4.0.1 steht aber erstmals eine brauchbare Testumgebung des neuen KDE-Desktops bereit, die auch weniger erfahrene Benutzer problemlos ausprobieren können.

KMail & Co.

Für KDE 4 haben sich die Entwickler von Kontact, der Personal Information Management Suite von KDE 4, sehr viel vorgenommen. Nicht nur die einzelnen Anwendungen sollen überarbeitet und auf Qt 4 portiert werden, sondern ein gemeinsames Backend – Akonadi – soll dafür sorgen, dass KMail, KOrganizer, das KDE-Adressbuch und viele weitere PIM-Anwendungen auf dieselbe Datenbasis zugreifen. Aus Stabilitätsgründen und weil noch viele Funktionen ausstehen, fehlen all diese Anwendungen in der aktuellen KDE-Version 4.0.1. Zurzeit planen die Entwickler, mit KDE 4.1 ein erstes Release zu veröffentlichen, allerdings noch ohne das Akonadi-Backend. Halbwegs fertig ist lediglich KMail. Die instabile Version des Mail-Clients zu installieren, lohnt sich allerdings nicht, da sie abgesehen von den Oxygen-Symbolen genau gleich aussieht wie KMail unter KDE 3.5.x und keine neuen Features mitbringt.

Der kleine Unterschied

Sieht man von der neuen Plasma-Oberfläche ab, wirken die meisten Anwendungen weitgehend unverändert. Doch die KDE-4-Entwickler haben sich beim Umschreiben auf Qt 4 Zeit genommen, um die Benutzeroberfläche anzupassen und besser zu gestalten.

Durch die neuen Widgets von Qt 4 und das Iconset Oxygen sehen sämtliche KDE-Programme etwas moderner aus. Es gibt jedoch noch weitere Neuerungen im Design: So zeigen KDE-4-Programme in der Werkzeugleiste nicht nur ein Symbol, sondern auch eine Beschriftung an. Dies erleichtert die Bedienung bei Programmen mit vielen ähnlichen oder wenig aussagekräftigen Icons. Bei Ark unter KDE 3 (Abbildung 1, links) ist der Unterschied zwischen Datei hinzufügen und Verzeichnis hinzufügen mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Die besseren Symbole und die zusätzliche Beschriftung lösen dieses Problem im neuen Ark. Die zwei Menüeinträge Bearbeiten und Aktion sind nun in einem zusammengefasst (der allerdings noch nicht übersetzt ist). Zudem zeigt das neue Ark irrelevante Informationen wie die Komprimierungsmethode (Defl:N) nicht mehr an.

Abbildung 1: Beim alten Ark (links) erkennt man am Symbol nicht unbedingt, welche Funktion gemeint ist. Die KDE-4-Version lässt sich dank zusätzlicher Beschriftung und eindeutigerer Symbole einfacher bedienen.

Die Werkzeugleiste enthält bei den meisten Programmen weniger Einträge, wodurch die Anwendungen übersichtlicher wirken. Wo nötig, sind neue Beschriftungen hinzugekommen. So steht im neuen Speichern-Dialog vor der Auswahlliste für die Zeichenkodierung der Eintrag Kodierung. Die entsprechende Aufklappliste wanderte zudem von der oberen rechten Fensterecke nach unten in die Mitte (Abbildung 2). Sämtliche Eingabefelder lassen sich über das Symbol mit dem schwarzen Fünfeck und dem weißen Kreuz leeren.

Abbildung 2: Beim neuen Speicherdialog von Kate (unten) erkennt man, dass es sich bei UTF-8 um die Kodierung handelt.

Einige KDE-3-Programme weigern sich, das Fenster unter eine gewisse Größe zu verkleinern. Dazu gehört auch Kaudiocreator zum Auslesen und Kodieren von Audio-CDs. Obwohl das KDE-4-Fenster des Programms praktisch wie die KDE-3-Version aussieht, bringt die neue Variante drei wichtige Vorteile mit (Abbildung 3):

  • Die Auswahl für das Laufwerk zeigt nicht nur den Namen der Gerätedatei an, sondern auch den Namen des Laufwerks.
  • In der Spalte für das Auslesen einzelner Dateien sind die Checkboxen zu erkennen.
  • Das Fenster lässt sich deutlich besser verkleinern.

Abbildung 3: Die neue Version von Kaudiocreator (unten) ist zwar noch nicht ins Deutsche übersetzt, sie lässt sich aber intuitiver bedienen.

Auch die Konsole hat deutliche Verbesserungen erfahren. Reiter verfügen über eine gewisse Intelligenz und zeigen auf dem Tab automatisch eine zum aktuellen Prozess passende Beschriftung an. Die einzelnen Menüs wurden gekürzt und überarbeitet, für den Verlaufsspeicher steht nun ein separater Menüpunkt bereit. Das Programmfenster lässt sich senkrecht oder waagerecht unterteilen. (Es öffnet sich keine neue Shell, die Konsole stellt die Inhalte doppelt dar.) Diese Funktion ist vor allem dann praktisch, wenn Sie zwei Reiter geöffnet haben und gleichzeitig beide Fensterinhalte verfolgen möchten. Anstatt den einen Reiter unabhängig zu machen und manuell die zweite Konsole unter/neben die erste zu stellen (KDE-3-Weg), wählen Sie nun einfach Ansicht / Ansicht teilen.

Ab- und Zugänge

Die meisten Programme, die Sie von KDE 3 kennen, haben ihren Weg in die neue Version gefunden. Es gibt jedoch auch einige Neuzugänge, zum Beispiel den Mediaplayer Dragon (Abbildung 4). Er spielt normale Videofilme sowie DVDs und Video-CDs ab. Das Besondere an Dragon Player ist sein minimalistisches Design. Beim Start fragt Sie das Programm, ob Sie eine Datei oder eine Disc abspielen möchten. Entscheiden Sie sich für eine DVD, startet Dragon automatisch die Wiedergabe, bei Datei erscheint der übliche Dateibrowser-Dialog. Die Liste der von Dragon unterstützten Video- und Audioformate hängt vom KDE-4-Multimedia-Framework Phonon ab. in KDE 4.0.1 setzt Phonon das Xine-Backend ein. Das bedeutet, dass jedes Programm, das Phonon benutzt, sämtliche von der Xine-Bibliothek unterstützten Dateien abspielen kann. Mit installierten Windows-Codecs und der libdvdcss sind das praktisch alle aktuellen Medienformate inklusive MP3, Windows Media und Realmedia.

Abbildung 4: Klein aber fein: Der neue KDE-4-Mediaplayer Dragon.

Vom Multimedia-Framework Phonon profitiert auch die KDE-4-Jukebox Juk, die weiterhin der Standard-Audioplayer von KDE ist. Noatun-Fans müssen sich vom KDE-3-Mediaplayer verabschieden. Amarok und Kaffeine sind noch nicht in KDE 4 integriert (siehe unten).

Wer unter KDE PDF- oder Postscript-Dateien lesen will, nutzt dazu Kpdf oder Kghostview. Diese zwei Programme gibt es unter KDE 4 nicht mehr. An ihrer Stelle verrichtet der neue Dokumentenbetrachter Okular seinen Dienst (Abbildung 5). Er dient aber nicht nur als bloßer Ersatz für die zwei erwähnten Programme (das Programm baut teilweise auf den Code von Kpdf auf), sondern das neue Tool unterstützt deutlich mehr Dateiformate und zeigt zum Beispiel auch mit Gimp erstellte Bilder, OpenOffice-Textdokumente und sogar Windows-Hilfeseiten an. Okular ist zudem mehr als nur ein Dokumentenbetrachter: Mit dem KDE-4-Tool können Sie jedem Dokument auch Notizen hinzufügen oder mit einem Stift frei zeichnen, um zum Beispiel einen Bereich zu markieren. Dazu drücken Sie [F6] und wählen dann die gewünschte Funktion aus. Die Anmerkungen speichert Okular nicht im Dokument selbst, sondern als Zusatz. Das Programm hält auch fest, welcher Benutzer welche Änderungen vorgenommen hat. Da Okular am Original selbst keine Änderungen vornimmt, lassen sich die Bemerkungen nicht per Mail verschicken. Für die persönlichen Notizen oder zum Drucken eignet sich das Feature aber sehr gut.

Abbildung 5: Der neue Dokumentenbetrachter Okular unterstützt nicht nur sehr viele Dateiformate, sondern ermöglicht auch den kreativen Umgang mit diesen.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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