Aufmacher Artikel

Tux zu Haus bei Gates

Mit Wubi Ubuntu unter Windows installieren

10.01.2008 Mit dem Windows-Programm Wubi ist es möglich, Ubuntu auf eine Windows-Partition zu installieren. Linux wählen Sie dann im Windows-Bootmenü aus. Die Installation ist sehr leicht und erlaubt es auch unerfahrenen Anwendern, einen Blick auf Linux zu werfen.

Mit Wubi – dem Windows-based Ubuntu Installer – installieren Sie Ubuntu von Windows aus: Den Installer verwenden Sie wie andere Windows-Installationstools. Statt eine Partition zu erstellen, legt er einen Ordner an und speichert darin die Linux-Daten. Beim Einschalten des Rechners erscheint dann der Windows-eigene Bootmanager, und Sie wählen dort aus, ob Windows oder Linux startet. Im Gegensatz zu einer normalen Linux-Installation läuft Wubi etwas langsamer.

Der Wubi-Installer erstellt eine Image-Datei, die das Linux-System wie eine normale Linux-Partition behandelt. Dafür nutzt er einen "Loop-mounted Virtual Partition Manager (LVPM). Wubi befindet sich noch im Betastadium: Hier und da kann es zu Problemen kommen. Zum Ausprobieren eignet sich das System jedoch sehr gut. Sie benötigen einen Rechner mit einer installierten Windows-XP- oder Vista-Version.

Die Systemanforderungen sind nicht übermäßig hoch und sollten für keinen aktuellen PC ein Problem darstellen: Ihr Rechner muss mindestens 256 MByte Arbeitsspeicher und einen 1-GHz-Prozessor besitzen. Für die Installation benötigen Sie auf der Festplatte mindestens 4 GByte freien Speicherplatz.

Vorbereitungen

Überprüfen Sie, ob unter Windows genügend Platz für die Installation von Wubi zur Verfügung steht, und defragmentieren Sie die Partition oder in Windows-Sprache das "Laufwerk" (etwa C:), das Sie für Ubuntu verwenden wollen.

Laden Sie den Installer aus dem Internet [1]. Er ist dafür verantwortlich Ubuntu auf Ihren Rechner zu laden. Es ist aber auch möglich, das Ubuntu-Image vor der Installation aus dem Internet herunterzuladen [2]. Das ist insbesonders dann notwendig, wenn Sie Linux auf einen Rechner installieren wollen, der über keinen direkten Zugang zum Internet verfügt. Beachten Sie dabei Folgendes: Verwenden Sie ein CD-Image und Ubuntu 7.04 (Feisty Fawn). Die aktuellste Version 7.10 und DVD-Images unterstützt derzeit nur die Entwicklerversion von Wubi. Das Linux-Image brennen Sie nicht auf CD/DVD, sondern legen Sie es in dem gleichen Ordner ab, in dem sich auch der Wubi-Installer befindet (Abbildung 1). Wenn Sie möchten, greifen Sie zu einem der vielen Ubuntu-Derivate. Bei der Standardversion wird die Desktop-Umgebung Gnome verwendet. Möchten Sie lieber die Desktopumgebung KDE nutzen, greifen Sie zu Kubuntu. Mit Xubuntu erhalten Sie die Desktopumgebung Xfce. Edebuntu richtet sich an Schüler und bringt eine ganze Reihe Lernprogramme mit. Ubuntu Studio ist eine ganz auf Multimedia ausgerichtete Distribution.

Abbildung 1

Abbildung 1: Legen Sie vor der Installation das Ubuntu-Image und den Wubi-Installer im gleichen Verzeichnis ab.

Wubi starten und konfigurieren

Öffnen Sie unter Windows XP den Explorer und führen Sie den Installationsassistenten von Wubi durch einen Doppelklick auf die Datei Wubi-7.04.04.exe aus. Beim Start des Wubi-Installers unter Windows Vista meldet sich zunächst die Benutzerkontensteuerung. Wählen Sie an dieser Stelle Zulassen, damit Windows das Programm als vertrauenswürdig einstuft und der Installer startet. Das weitere Vorgehen unterscheidet sich nicht von dem unter Windows XP. Alle Einstellungen zum Einspielen von Ubuntu legen Sie jetzt in dem sich öffneneden Dialog fest (Abbildung 2). Das Windows-typische Durchschalten einzelner Dialogfenster in einem Assistenten, gibt es bei der Installation von Wubi nicht.

Abbildung 2

Abbildung 2: Der Installer von Wubi fragt alle Einstellungen in einem einzigen Dialogfenster ab.

Haben Sie mehrere Partitionen (Laufwerke) auf Ihrem Windows-PC angelegt, wählen Sie im Drop-down-Menü Installations drive die Partition, auf der Sie Wubi installieren möchten. Der Installer legt auf diesem Laufwerk selbstständig ein Unterverzeichnis an. Die Spracheinstellung unter Language sollte bereits auf German stehen. Hier brauchen Sie keine Änderung vornehmen. Im Feld Installation Size legen Sie fest, welche Größe das Wubi-Verzeichnis besitzen soll: vier bis zehn GByte sind möglich. Beachten Sie, das Sie zusätzlichen Platz für verschiedene Dateien und zusätzliche Programme in die Berechnung der Verzeichnisgröße einbeziehen. In diesem Workshop haben wir einen Wert von acht GB gewählt. Wie bei einer Standard-Linux Installation richten Sie einen Benutzer ein. Dazu tragen Sie unter Username einen Namen ein. Darunter geben Sie das Passwort zwei mal ein. In der linken unteren Ecke des Fensters (Desktop Environment) legen Sie abschließend fest, welche Ubuntu-Variante Sie verwenden wollen. Haben Sie alle Einstellungen getroffen, klicken Sie auf Installieren. Jetzt legt der Installer das Verzeichnis Wubi und eine Reihe Unterverzeichnisse an und erstellt die Startdateien. Nachdem das Programm das Ubuntu-Image in das neue Verzeichnis verschoben hat, fordert er Sie auf Windows neu zu starten (Abbildung 3). Folgen Sie der Anweisung und wählen im Windows-Bootmenü den neuen Eintrag Ubuntu aus.

Jetzt führt der Wubi-Installer die Hardwareerkennung- und -konfiguration ebenso automatisch aus, wie die Installation des Linux-Basissystems und der Anwendungspakete. Nach einem wiederholten Neustart steht Ubuntu zur Verfügung.

Abbildung 3

Abbildung 3: Nach dem Anlegen der Wubi-Verzeichnisse und der Bootdateien starten Sie Windows neu.

Das System einrichten

Die Linux-Distribution versucht vieles automatisch einzustellen. Das gelingt in der Regel auch ohne Probleme. Dennoch gibt es etwas nachzuarbeiten: Nach dem Einloggen gelangen Sie auf den Gnome-Desktop (Abbildung 4). In der linken oberen Bereich finden Sie das Programmmenü (Applications) und die Konfigurationseinstellungen (System). Ein Schnellstart-Symbol, mit dem Sie die Windows-Verzeichnisse zugreifen, ist bereits angelegt.

In den meisten Fällen erkennt das System die Netzwerkkarte korrekt und bindet diese richtig ein. Ist das bei Ihnen nicht der Fall, richten Sie diese über System / Systemverwaltung / Netzwerk nachträglich ein. Ist der Computer an einen schnellen Internetanschluss angeschlossen, bringen Sie das System nach der Installation auf am besten gleich auf den neuesten Stand. Öffnen Sie dazu den Dialog mit der Anzeige der Updates durch einen Klick auf das Update-Icon (rechts im oberen Panel) und bestätigen Sie die Auswahl der Pakete.

Abbildung 4

Abbildung 4: Der Ubuntu-Desktop sieht aufgeräumt und etwas leer aus. Für den Zugriff auf die Windows-Partition gibt es bereits ein Icon.

Ein Account für den Systemadministrator Root erstellt das System automatisch; der Benutzername dazu ist root. Das Passwort ist das gleiche, dass Sie im Installer für den Benutzeracccount eingegeben haben. Um ein anderes Passwort für den Admin festzulegen, wählen Sie System / Administration / Benutzer und Gruppen. Geben Sie das bisherige Passwort ein. Markieren Sie die Zeile root und klicken Sie auf Eigenschaften. Jetzt tragen Sie ein neues Passwort in das Eingabefeld Benutzerpasswort ein und bestätigen Sie es, indem Sie es unter Bestätigung erneut eingeben. Mit OK und Schließen beenden Sie den Dialog.

Wie Ihnen sicherlich aufgefallen ist, befinden sich auf dem Ubuntu-Image keine deutschen Sprachpakete. Möchten Sie diese nachträglich hinzufügen, wählen Sie den Eintrag Sprachunterstützung im Menü System / Systemverwaltung aus. Hier haben Sie die Möglichkeit, das Paket German zu installieren (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Die deutsche Sprachunterstützung muss nachträglich hinzugefügt werden.

Sie haben mehrere Möglichkeiten, zusätzliche Anwendungen auf dem System zu installieren. Mit dem Standardpaketanwendung Synaptic, das Sie über den Menüeintrag System / Administration / Synaptic-Paketverwaltung aufrufen, sehen Sie alle verfügbaren Pakete (Abbildung 6). Diese sind übersichtlich in Gruppen einsortiert. Auf diese Weise finden Sie schnell das gesuchte Programm. Möchten Sie einen Bildbetrachter installieren, suchen Sie diesen in der Gruppe Grafik. Markieren Sie diese und scrollen Sie rechts durch die Liste der Anwendungen. Ein grünes Kästchen zeigt an, das es bereits installiert ist. Möchten Sie ein Paket installieren, klicken Sie mit der Maus in das Kästchen vor dem Paketnamen und wählen Sie aus dem Kontextmenü Zum Installieren vormerken aus. Haben Sie auf diese Weise alle gewünschten Pakete markiert, starten Sie die Installation mit einem Klick auf die Schaltfläche Anwenden. Synaptic zeigt jetzt die Programmpakete und zusätzlich benötigte in einer Zusammenfassung an. Abschließend klicken Sie auf Anwenden. Um die Paketabhängigkeiten brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ubuntu prüft, welche Bibliotheken und Programmpakete notwendig sind und wählt bei Bedarf weitere Pakete aus.

Abbildung 6

Abbildung 6: Mit der Synaptic-Paketverwaltung fügen Sie zusätzliche Programmpakete hinzu oder entfernen nicht benötigte Anwendungen.

Finden Sie eine Anwendung nicht in der Paktliste, ist es möglich, dass Sie eine weitere Softwarequelle hinzufügen müssen. Über den Menüeintrag System / Administration / Software-Quellen richten Sie zusätzliche Paketquellen ein. Für die ersten Schritte mit Linux genügen jedoch die Programmpakete, die Sie in den vorgegebenen Quellen finden. Die in Klammer gesetzten Hinweise universe und multiverse weisen auf zwei weitere Paketquellen hin.

Eine weitere Möglichkeit, Pakete einzuspielen, finden Sie unter Anwendungen / Hinzufügen/Entfernen. Auch hier sehen Sie Programmpakete nach Gruppen aufgeteilt. Der Dialog ist einsteigerfreundlicher bietet aber nicht so detaillierte Informationen und Einstellungen. Es genügt, ein Häkchen in das Kästchen vor einem Paket zu setzen und die Auswahl mit OK zu bestätigen.

Aus rechtlichen Gründen fehlen der Distribution einige Komponenten. Das trifft vor allem die Multimediafähigkeit des Systems. Codecs für die Wiedergabe von Audio- und Videodateien, Flash-Wiedergabe und die Unterstützung von Java-Anwendungen sowie kommerzielle Browser-Plugins fehlen. Verzichten brauchen Sie dennoch nicht auf die Wiedergabe vom mp3-Dateien oder Videos in Microsoft-Formaten. Ubuntu in Zusammenspiel mit dem Gnome-Desktop besitzt ein ausgereiftes System zur Nachinstallation von Multimediacodecs. Versuchen Sie Videos und Musik in einem geschütztem Format mit dem Gnome-Player Totem abzuspielen, erkennt das das Programm und bietet Ihnen die Suche nach passenden Paketen und deren Installation an. Dabei greift der Paketmanager auch auf die Quellen universe und multiverse zu. In diesen finden Sie unter anderem auch Pakete, die nicht offiziell von Ubuntu unterstützt werden. Schauen Sie Webseiten mit Flash-Inhalt (z. B. YouTube) an, benötigen Sie das Paket flashplugin-nonfree.

Ubuntu von der Windows-Festplatte entfernen

Möchten Sie Ubuntu nicht mehr verwenden, starten Sie Windows und entfernen Linux über die Systemsteuerung. Die Deinstallation löscht auch den Eintrag im Windows-Startmenü.

  1. Wählen Sie unter Windows Start / Systemsteuerung.
  2. Doppelklicken Sie auf Software. Scrollen Sie nach unten und markieren Sie den Eintrag Wubi (Abbildung 7). Er umfasst das komplette Linux-Verzeichnis. Um Ubuntu zu entfernen, klicken Sie in der Systemsteuerung auf Ändern/Entfernen.
  3. Daraufhin startet das Tool für die Deinstallation von Wubi. Aktivieren Sie beide Backup-Optionen (Abbildung 8). Nur dadurch entfernt der Assistent das Ubuntu-Image und das virtuelle Verzeichnis. Bestätigen Sie den Vorgang abschließend mit Deinstallieren.

    Abbildung 7

    Abbildung 7: Ubuntu-Linux wird in der Windows-Systemsteuerung als "Wubi" angezeigt. Wie ein normales Programm können Sie hier Linux von der Festplatte entfernen.

    Abbildung 8

    Abbildung 8: Bei der Deinstallation von Ubuntu entscheiden Sie, ob Sie das ISO-Image und das virtuelle Verzeichnis behalten möchten oder nicht.

Haben Sie die beiden Optionen Backup der heruntergeladenen Dateien und Backup ubuntu documents im Deinstallationsdialog von Wubi deaktiviert, finden Sie auf Ihrem Windows-System ein Verzeichnis mit dem Namen wubi-save. Hier liegt das ISO-Image der Ubuntu-Installation und eine Sicherung des virtuellen Verzeichnisses. Aufgrund der Größe des virtuellen Linux-Ordners empfiehlt es sich, nach dem Entfernen die Windows-Partition zu defragmentieren.

Unter Windows Vista verfahren Sie ähnlich: Zuerst starten Sie Windows Vista. Öffnen Sie das Programmmenü und öffnen Sie die Systemsteuerung. Ganz links unten finden Sie die Kategorie Programme. Wählen Sie Programme deinstallieren. Ubuntu erscheint auch unter Vista mit dem Namen des Installers Wubi. Markieren Sie diesen Eintrag und klicken im Tabellenkopf auf Deinstallieren/ändern. Bestätigen Sie das Entfernen in der sich öffnenden Benutzerkontensteuerung mit einem Klick auf Fortsetzen.

Fazit

Wubi erlaubt neugierigen Anwendern, einen Blick auf Linux zu werfen, ohne die Festplatte neu partitionieren zu müssen. Es ist auch nicht notwendig, sich durch mehrere Einrichtungsdialoge zu hangeln. Die Einrichtung und das Entfernen des Systems erfolgt weitgehend automatisch. Mit nur wenig Nacharbeit haben Sie die Möglichkeit, effektiv mit Ubuntu zu arbeiten. Die Automatisierung hat aber auch einen Haken: Nur wenn Ubuntu die Hardware des Rechners erkennt, unterstützt und einbindet, kommen Sie in den vollen Genuss des Linuxsystems. Gefällt Ihnen Linux, installieren Sie das System fest auf eine eigene Partition.

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare