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Suchspiel

Test: Desktop-Suchpmaschinen

10.01.2008
Im Laufe der Zeit wachsen die Datenmengen auf dem Rechner in beinahe unüberschaubare Dimensionen. Desktop-Suchprogramme helfen Ihnen, den Überblick zu behalten.

Jeder Computer-Anwender steht über Kurz oder Lang vor dem Problem, dass sich im Laufe der Jahre eine Unmenge an Daten ansammelt, bei der auch der ordnungsliebendste Mensch leicht den Überblick verliert. Finden Sie Dateien noch relativ leicht anhand ihrer Erweiterungen und des Alters, ist das Ende der Fahnenstange erreicht, wenn es um die Suche in deren Inhalten geht.

Hier helfen Volltextsuchprogramme, die nicht nur Namen speichern, sondern den kompletten Inhalt von Textdokumenten indizieren, während normale Suchprogramme wie die GNU Find Utilities (siehe Kasten Suchen mit Locate) lediglich die Suche nach Namen und Erweiterung ermöglichen. Damit sind die Fähigkeiten solcher Suchmaschinen aber noch lange nicht erschöpft. So zeigen sie beispielsweise gefundene Bild- und HTML-Dateien als Thumbnails in der Trefferliste oder Zusatzinformationen von Audio-Dateien.

Der Klassiker unter diesen Programmen ist Beagle [1]. Doch auch Google stellt seit einiger Zeit den Google Desktop [2] für Linux zur Verfügung, und bietet dem Platzhirschen paroli. Das bislang eher unbekannte Strigi [3] hat in Kubuntu 7.10 den Einzug in eine große Distribution gehalten. Da das Programm fester Bestandteil von KDE 4 ist, wird es in absehbarer Zeit auch in anderen Distributionen seine Dienste verrichten. Einen Ausblick lesen Sie im Kasten Wer ist Strigi.

Wer ist Strigi?

Strigi erlangt derzeit vor allem als Standardsuchmaschine im aktuellen Kubuntu 7.10 Aufmerksamkeit. Das im Gegensatz zu Beagle rudimentär anmutende Suchprogramm verfügt über verschiedene Bedienoberflächen. Unter Kubuntu stellt der KIO-Slave strigi die grafische Oberfläche, mit der Sie das Programm verwalten und Suchanfragen abschicken.

Der erste Test verlief jedoch ernüchternd. Zwar indizierte Strigi die Testdateien (2 GByte aus verschiedenen Dateitypen zusammengestellt) in einer annehmbaren Geschwindigkeit, von einer geringen Ressourcenauslastung konnte jedoch nicht die Rede sein. Während der Indexerstellung stieg die CPU-Auslastung auf 98%, der Suchindex wurde satte 324 MByte groß. Im Vergleich benötigten Google und Beagle mit jeweils etwa 50 MByte deutlich weniger Platz.

Punkten konnte Strigi bei der Volltextsuche: Jede Anfrage beantwortete das Programm in Sekundenbruchteilen. Die Suche nach Programmnamen verlief jedoch deutlich langsamer und benötigte im Schnitt etwa drei Sekunden. Da die getestete Version aus Kubuntu 7.10 keinerlei Kategorisierungen der Trefferanzeige besaß, war es oft schwierig, aus den Ergebnissen das gewünschte herauszufinden. Die Suche nach einem Begriff in Dateien eines bestimmten Typs unterstützt das Programm nicht. Die Ausgabe ist – wie der Rest der Verwaltungsoberfläche – spartanisch, die Informationen zu den Treffern sind vergleichsweise spärlich (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Anzeige der Suchergebnisse von Strigi ist aufs Wesentliche reduziert. Eine Untergliederung der Treffer in Kategorien fehlte.

Negativ aufgefallen ist darüber hinaus die mangelhafte Dokumentation. Weder eine Man-Page, noch eine integrierte Hilfe oder Online-Ratgeber unterstützen Sie beim Bedienen des Programms. So lassen sich Funktionsweisen und Fähigkeiten des Tools einzig durch Ausprobieren ermitteln.

Derzeit ist Strigi für Beagle und Google Desktop keine ernsthafte Konkurrenz. Das Programm zeigt jedoch gute Ansätze, so dass es in absehbarer Zukunft zu einer echten Alternative werden könnte.

Suchen mit "locate"

Anders als die hier vorgestellten Programme erlaubt locate lediglich die Suche nach Datei- und Verzeichnisnamen – das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Das Programm ist Bestandteil des OpenSuse-Paketes findutils-locate, das neben dem Suchprogramm auch das Indizierungsprogramm updatedb enthält. Sowohl in Kubuntu 7.10 als auch in Mandriva 2008 ist locate bereits vorinstalliert. Da das Programm bei der Installation einen Cronjob-Eintrag erstellt, brauchen Sie sich um die Aktualisierungen des Indexes nicht mehr zu kümmern.

Die Suche starten Sie mit dem Aufruf locate "Suchbegriff" in der Konsole. Da die Ausgabe unter Umständen sehr lang gerät, hilft ein angehängtes | less, das sie seitenweise anzeigt. Eine sehr elegante Lösung, locate zu verwenden bietet der KIO-Slave kio-locate: Dieser erlaubt die Suche über die Adresszeile von Konqueror (Abbildung 2). Um ihn zu verwenden, stellen sie dem Suchbegriff ein locate: voran.

Abbildung 2: Der KIO-Slave "kio-locate" erlaubt die Suche direkt über die Adressleiste von Konqueror.

Kerry Beagle

Das für das Mono-Framework entwickelte Open-Source-Programm Beagle kam in der Vergangenheit vorwiegend in Distributionen mit Gnome-Desktops, beispielsweise Ubuntu, zum Einsatz. Mit der durchdachten und gut bedienbaren Oberfläche Kerry-Beagle hält es jetzt auch mehr und mehr in KDE-basierte Systeme wie Mandriva 2008 und OpenSuse 10.2/10.3 als Standardsuchprogramm Einzug. Kubuntu verwendet standardmäßig Strigi, Beagle ist jedoch bereits Bestandteil des DVD-Repositories. Zur Installation verwenden Sie den Paketmanager Adept und suchen nach beagle sowie kerry beagle.

Funktionsübersicht

Beagle unterstützt nicht nur die Volltextsuche in einer ganzen Reihe verschiedener Dateiformate, sondern findet auch Treffer in Histories und Logfiles von Programmen wie Kopete, Gaim oder Liferea. Darüber hinaus indiziert das Programm auch Mails von KMail und Thunderbird sowie Einträge in Adressbüchern und Kalender wie KOrganizer oder KAddressbook. Auch die Suche in komprimierten Formaten wie zip und tar.gz bewältigt die Applikation problemlos. Eine Übersicht finden Sie in der Tabelle Bewertungsmatrix.

Der Baegle-Daemon läuft kontinuierlich im Hintergrund. Kommen neue Dateien hinzu oder ändern sich deren Inhalte, registriert Beagle das in kürzester Zeit, meist weniger als eine Minute, und aktualisiert den Suchindex entsprechend. Anders als Google Desktop löscht Beagle nicht mehr vorhandene Dateien umgehend aus dem Suchindex.

In der Grundeinstellung indiziert das Programm das Home-Verzeichnis des angemeldeten Anwenders sowie Pfade zu Programmdokumentationen wie /usr/share/doc.

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