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G statt K

Die Desktop-Umgebung Gnome

Office

Der Shooting-Star im Office-Bereich unter Linux ist OpenOffice, das Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationswerkzeug und weitere Applikationen unter freier Lizenz und auf professionellem Niveau liefert. Dennoch bemühen sich auch die Desktop-Umgebungen KDE und Gnome um für den jeweiligen Desktop angepasste Office-Suites; unter Gnome arbeitet daran das Projekt Gnome-Office.

Das Gnome-Büro besteht aus der Textverarbeitung Abiword (Abbildung 10), der Tabellenkalkulation Gnumeric und Mergeant, einer Oberfläche für die Verwaltung von Datenbanken. Die Bestandteile der Office-Suite haben sich unabhängig voneinander entwickelt und befinden sich deshalb auch in sehr unterschiedlichen Stadien. Abiword gibt es schon seit über acht Jahren, und es liegt mittlerweile in Version 2.4 vor; zwischenzeitliche Stabilitätsprobleme haben die Programmierer beseitigt, und auch in puncto Funktionalität bietet Abiword alles, was Benutzer zum Schreiben gewöhnlicher Texte benötigen.

Mergeant ist zwar nur wenig jünger als Abiword, doch hier verlief die Entwicklung zeitweise äußerst stockend. Deshalb gibt es auch noch keine stabile Programmversion, und die aktuelle Ausgabe 0.67 kann mit der Konkurrenz kaum mithalten. Gnumeric liegt etwa zwischen den beiden anderen Teilen der Gnome-Office-Suite und ist damit eine durchaus brauchbare Tabellenkalkulation.

Abbildung 10: Die Gnome-eigene Office-Suite kann noch nicht mit Spitzenreiter OpenOffice mithalten, integriert sich dafür aber elegant in den Desktop. Die Textverarbeitungskomponente Abiword erledigt alle wichtigen Aufgaben problemlos.

Desktop für alle

Schon lange stellt die so genannte Accessibility ein zentrales Anliegen der Gnome-Entwickler dar. Sie soll verhindern, dass Menschen mit körperlichen Behinderungen von der Benutzung des Desktops ausgeschlossen werden. Die namhaftesten Resultate dieser Bemühungen zeigen sich in den Anwendungen Orca und Dasher sowie ihrer Integration in den Gnome-Desktop; aber auch in OpenOffice und in die zukünftige Version 3.0 des Webbrowsers Firefox.

Orca kümmert sich um den visuellen Bereich. Es fasst mehrere Komponenten zusammen, die Menschen mit Sehschwächen die Arbeit mit Gnome erleichtern. Eine Sprachsynthetisierung liest beliebige Texte vom Bildschirm vor. Weiterhin unterstützt das Programm Braille-Zeilen, um das Lesen von Texten weiter zu erleichtern.

Um eine einfachere Eingabe von Texten zu erlauben, liefert Gnome in der Accessibility-Sparte das Programm Dasher. Der Benutzer fährt mit der Maus durch Blöcke, die Buchstaben oder anderen Zeichen entsprechen. Statistische Methoden vereinfachen die Suche nach den gewünschten Buchstaben: Je wahrscheinlicher es ist, dass ein Buchstabe in der eingestellten Sprache auf die bereits eingegebenen Zeichen folgt, desto größer stellt Dasher den zugehörigen Block dar [9].

Die Accessibility betreffend zeigt Gnome gegenüber KDE deutliche Vorteile, was schlicht daran liegt, dass dem Thema unter KDE noch nicht so lange Bedeutung zugemessen wird. Eine Erklärung dafür liegt in den unterschiedlichen Wurzeln der beiden Projekte: Während KDE in der Anfangsphase ein überwiegend europäisches Projekt war und sich vor allem in Deutschland als Standard-Desktop etabliert hat, stammt ein großer Teil der Entwickler- und Nutzerbasis von Gnome aus Nordamerika, wo die Ausgrenzung körperlich behinderter Menschen schon länger thematisiert wird.

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