Die Anwendungen

Wie KDE hat Gnome das Ziel, neben der grafischen Oberfläche selbst alle im Alltag benötigten Programme bereitzustellen. Eine wichtige Komponente eines modernen Desktops ist das E-Mail-Programm. Mehr als nur elektronische Post senden und empfangen kann die Gnome-Applikation Evolution (Abbildung 6). Sie verwaltet beliebig viele Mail-Konten und bietet ein umfangreiches Regelsystem zum automatischen Sortieren der ankommenden Nachrichten; auch das Aussortieren von Spam erledigt das Programm.

Abbildung 6: Evolution ist das Standard-Mailprogramm für Gnome. Es verwaltet auf Wunsch mehrere E-Mail-Accounts und bietet Kalender- und Groupware-Funktionen.

Hinzu kommen eine Kontaktverwaltung, die neben E-Mail-Adressen zahlreiche Daten speichert, sowie eine umfangreiche Kalenderfunktion. Sie synchronisiert die Termine und Aufgaben auch mit tragbaren Palm-PDAs und Web-Kalendern. Groupware-Funktionen zur Organisation gemeinsamer Terminabsprachen und Aufgaben gehören ebenfalls zum Umfang von Evolution.

Auch in Sachen Web setzt Gnome auf eine eigene Lösung. Der bereits angesprochene Browser Epiphany (Abbildung 6) ist hier die Standardanwendung. Sie setzt zur Verarbeitung von Webseiten auf dieselbe Engine wie der bekannte Firefox, die Darstellung sieht deshalb genauso aus. Das Ziel der Epiphany-Entwickler ist es auch nicht, die Anzeige von Webseiten zu verbessern, sondern die Integration in den Desktop zu optimieren.

Abbildung 7: Epiphany heißt der Gnome-Webbrowser. Er stellt Seiten genau wie Firefox dar, integriert sich aber besser in den Desktop.

Firefox und Epiphany unterscheiden sich also vor allem in der Oberfläche. Im Einstellungsdialog folgt Epiphany der Gnome-Philosophie und verfügt über wesentlich weniger Optionen als Firefox. Einige Linux-Distributoren wie Ubuntu und OpenSuse finden allerdings, dass der Übersichtlichkeit hier zu viel an Funktionsvielfalt geopfert wurde und konfigurieren die Gnome-Oberfläche mit Firefox als Standard-Browser.

Multimedia

Die Anzeige beliebiger Medien zählt ebenfalls zu den Standardaufgaben eines modernen Desktops. Für die Wiedergabe von Multimediadateien setzt Gnome auf ein System namens GStreamer. Es bereitet Video- und Tondaten für die Anwendungen Totem (Abbildung 8) und Rhythmbox (Abbildung 9) auf. Das hat den Vorteil, dass sich neue Codecs über GStreamer-Plug-ins integrieren lassen und allen Gnome-Applikationen zur Verfügung stehen.

Abbildung 8: Videos spielt der Gnome-Desktop in der Standardeinstellung mit Totem ab.
Abbildung 9: Für Musik kommt Rhythmbox zum Einsatz, das wie Totem auf GStreamer setzt.

Die Entwickler von Rhythmbox – das am ehesten vergleichbare KDE-Programm heißt Amarok [8] – bekennen sich dazu, durch das Programm iTunes der Firma Apple inspiriert worden zu sein. Das Programm behält die Musiksammlung im Blick und präsentiert sie nach Merkmalen wie Interpreten und Alben sortiert. Rhythmbox übernimmt auch die Verwaltung von Podcasts und bringt Musikstücke direkt auf tragbare MP3-Player oder brennt sie auf CD.

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