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G statt K

Die Desktop-Umgebung Gnome

10.01.2008
Im deutschsprachigen Raum hat sich KDE als Bedienoberfläche für Linux fast zum Standard gemausert. Mit Gnome gibt es eine Alternative, die andere Ansätze verfolgt, aber nicht weniger bietet.

Gemessen an der Zahl der Installationen ist Linux nach wie vor eine etwas exotische Alternative zum Quasistandard Windows – zumindest was Desktop-Computer angeht. Seine dominierende Marktposition befähigt den Windows-Hersteller Microsoft, Standards zu setzen, und nach über zehn Jahren weitgehender Monokultur stellt sich ein typischer Benutzer unter der Oberfläche eines PCs eben etwas vor, das wie Windows aussieht.

Diese Realität zu ignorieren, wäre sicherlich kein kluger Schachzug bei der Entwicklung einer benutzerfreundlichen Oberfläche für Linux. Dennoch hat sich herumgesprochen, dass das Windows-GUI in vielen Aspekten alles andere als eine perfekte Lösung darstellt, und der Anspruch von Linux-Oberflächendesignern geht weit darüber hinaus, sie möglichst gut nachzuahmen.

Um die Linux-Nutzerschaft buhlen gleich drei Desktop-Umgebungen: Das den meisten Anwendern bekannte KDE [1], Gnome [2] und Xfce [3]; daneben sorgen zahlreiche Window-Manager ebenfalls für eine grafische Benutzeroberfläche, gestalten aber kein vollständiges Desktop-System. Xfce setzt sich als Hauptziel den sparsamen Umgang mit den Ressourcen des Computers und eignet sich somit zwar sehr gut für ältere Rechner, allerdings leidet darunter naturgemäß die Funktionsvielfalt. So bleibt als Hauptkonkurrent für KDE noch Gnome übrig.

Frühe Spaltung

Dass diese beiden freien Desktop-Umgebungen überhaupt nebeneinander existieren, hat historische Gründe: KDE basiert auf der Bibliothek Qt [4], die der Programmierung grafischer Benutzeroberflächen dient und die von der norwegischen Firma Trolltech stammt. Als 1998 die erste KDE-Version erschien, stand Qt unter keiner gänzlich freien Softwarelizenz, deshalb fürchteten viele Programmierer, dass ein späteres Umschwenken in der Trolltech-Firmenpolitik die freie Weiterentwicklung von KDE gefährden könnte.

Um unabhängig von Trolltech zu bleiben, riefen die Qt-Skeptiker die Desktop-Umgebung Gnome ins Leben. Sie basiert statt auf Qt auf der Bibliothek Gtk [5], die ursprünglich für das freie Grafikprogramm Gimp [6] entwickelt wurde und daher zu ihrem Namen Gimp Toolkit gekommen ist.

Inzwischen haben sich die Befürchtungen der Gnome-Initiatoren erübrigt, weil Trolltech auch Qt unter eine freie Lizenz gestellt hat; ob die Existenz einer konkurrierenden Desktop-Umgebung hinter dieser Entscheidung steckt, bleibt ein Firmengeheimnis. Gnome und KDE unterscheiden sich technisch jedoch so grundlegend, dass eine Vereinigung der beiden Projekte nicht mehr möglich ist.

Outfit

Unterschiede zwischen Gnome und KDE zeigen sich Benutzern auch ganz ohne tiefer gehendes technisches Wissen direkt nach dem Start. Abbildung 1 deutet bereits auf die eher zurückhaltende Herangehensweise der Gnome-Oberfläche hin: Über zwei unscheinbare Panels interagiert der Benutzer mit ihr. Das obere enthält das Programmmenü sowie Applets, die den Anwender mit Informationen versorgen. Das untere enthält lediglich die Umschaltfläche für den Wechsel zwischen den offenen Fenstern und den Arbeitsflächen.

Abbildung 1: Zwei unscheinbare Panels umgeben die Gnome-Oberfläche in der Standardvorgabe – das Menü und die Applets befinden sich am oberen Bildrand.

Das Gnome-Menü unterscheidet sich auch strukturell von dem der KDE-Oberfläche. Das eigentliche Startmenü findet sich im Bereich Anwendungen und bietet Zugriff auf die in Kategorien wie Internet, Unterhaltungsmedien oder auch Systemwerkzeuge einsortierten Programme. Daneben gibt es die Bereiche Orte und System. Die Einträge im ersterer Sparte öffnen gebräuchliche Verzeichnisse im Dateimanager; neben dem persönlichen Ordner stehen hier beispielsweise Wechseldatenträger und das Netzwerk zur Auswahl. Unter System gibt es persönliche sowie systemweite Einstellungen, die Hilfe und den Abmeldedialog.

Dass unter KDE das Startmenü anders aussieht und sich in der Standardeinstellung am unteren Bildrand befindet, ist allerdings kein sehr bedeutender Unterschied zwischen den Desktop-Umgebungen, zumal der Benutzer das Aussehen beider Oberflächen sehr weit aneinander angleichen könnte. Prinzipiell andere Auffassungen über die Gestaltung der Benutzeroberfläche zeigen sich an anderen Stellen.

Am Umgang mit dem Thema Funktionsvielfalt scheiden sich die Geister der Gnome-Entwickler und -Nutzer auf der einen sowie der KDE-Pendents auf der anderen Seite. KDE-Anhänger argumentieren oftmals, möglichst viele Optionen müssten offen über Einstellungsdialoge zugänglich sein: Die Entwickler dürften nicht die Entscheidung vorwegnehmen, welche Optionen relevant sind, da sie damit Benutzer bevormunden und ausschließen würden.

Unter Gnome gilt dagegen eher die Regel, dass wichtige Optionen ohne Ablenkung ins Auge fallen sollen, seltener gebrauchte Einstellungen bleiben deshalb beispielsweise hinter einer ausklappbaren Liste verborgen. In einigen Fällen hat der Benutzer gar keine Möglichkeit, die Standardvorgaben von Gnome-Anwendungen mit Hilfe des grafischen Interfaces zu verändern.

Die Abbildungen 2 und 3 demonstrieren anhand der Einstellungen der Webbrowser Epiphany (Gnome) und Konqueror (KDE), wie sehr sich die entsprechenden Dialogfenster in puncto Umfang unterscheiden. Oft zeigt sich, dass Laien bei der KDE-Herangehensweise in Schwierigkeiten geraten, wenn sie unter den zahlreichen Optionen wählen und ihre Folgen interpretieren müssen. Dies zu vermeiden, ist ein zentraler Aspekt der Gnome-Philosophie – mit dem in Kauf genommenen Risiko, den Anwender in seinen Möglichkeiten zu beschneiden.

Abbildung 2: Der Gnome-Standardbrowser Epiphany fasst alle verfügbaren Optionen in vier Tabs mit wenigen Unteroptionen zusammen.
Abbildung 3: Konqueror unterteilt seinen Einstellungsdialog in 17 Teilbereiche, in denen der Benutzer das Verhalten des KDE-Browsers sehr detailliert verändern kann – wenn er die passende Option findet.

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