PCLinuxOS

PCLinuxOS gehört zu den in Deutschland eher unbekannten Distributionen. Auf Distrowatch, einer Seite, die neue Distributionen im Blick behält, belegt PCLinuxOS aber bereits seit Monaten Platz 1 der Beliebtheitsskala – vor Ubuntu und OpenSuse. Was also macht den Reiz dieser Distribution aus? Den Slogan "Radically simple" (also "radikal einfach"), versucht PCLinuxOS wo es geht in die Tat umzusetzen: Es gibt kaum überflüssigen Schnickschnack, das Layout ist schlicht und die Distribution gibt den Anwendern viele grafische Einrichtungswerkzeuge an die Hand.

Auch PCLinuxOS lässt sich als Live-CD booten und dabei gleich einrichten. Nacheinander fragen Dialogfenster diverse Parameter ab. Zunächst geben Sie German (no dead keys) als Tastaturbelegung an. Die Timezone ist Europa/Berlin. Im Dialog, in dem Sie das Datum einstellen, können Sie auch einen NTP-Server auswählen, der beim Booten automatisch die aktuelle Zeit aus dem Internet holt. Es folgt die Konfiguration der Netzwerkkarten: Wählen Sie Wireless aus, um Ihre WLAN-Karte einzurichten und Ethernet, wenn es um die kabelgebundene Netzwerkkarte geht.

PCLinuxOS bringt bereits ein paar Kernel-Module mit, die Ethernet und WLAN-Karten antreiben. Die Distribution bietet Ihnen zunächst einen der Treiber zur Auswahl an. Anschließend tragen Sie über eine grafische Oberfläche die ESSID und weitere Details Ihrer WLAN-Verbindung ein, etwa die Art der Verschlüsselung und das Passwort. Handelt es sich um einen kabelgebundenen Ethernet-Zugang, fragt die Distribution, ob Sie eine Automatic IP brauchen (meist ist das der Fall) oder eine Konfiguration der IP-Adresse per Hand vorziehen (Manual Configuration). Das Einrichten klappt also recht gut, aber nicht mit allen Karten gleich gut. Zudem müssen Sie eventuell im Reiter DNS noch die IP-Adresse Ihres Routers bzw. Access Points eingeben, wie im Abschnitt zu Dreamlinux beschrieben.

Der Kernel von PCLinuxOS ist nicht der allerneueste (2.6.18), als Paketmanager bringt er Synaptic mit, das in diesem Fall allerdings RPM-Pakete verwaltet. Als Desktop kommt ein aufgeräumtes KDE zum Einsatz. Ein Kontrollzentrum, das stark an Mandriva erinnert (Abbildung 5), erreichen Sie, wenn Sie das Icon mit dem Werkzeug in der Fußleiste anklicken. Im Bereich Hardware richten Sie zum Beispiel 3D-Desktop-Effekte ein.

Abbildung 5: Das Kontrollzentrum von PCLinuxOS erinnert stark an Mandriva, lässt aber kaum Wünsche offen.

Um den Desktop mit deutscher Sprache aufzurufen, installieren Sie über Synaptic das Paket kde-i18n-de – nach demselben Muster wie bei Sabayon-Linux. An Software bringt Sabayon im wesentlichen das mit, was es bei den anderen Distributionen auch gibt: Die Bürosoftware OpenOffice, Firefox und Co. Etwas aus dem Rahmen fallen da vermutlich die bereits installierten Pakete DVD/CD Video Creator, TVtime Television Viewer und Kover, um CD-Cover zu erzeugen.

PCLinuxOS stammt von Mandriva ab. Das zeigt sich unter anderem, wenn Sie das System installieren wollen: Klicken Sie auf das Icon Install PCLinuxOS auf dem Desktop, startet das Mandriva-Tool Draklive. Ein Wizard fragt Sie, ob Sie das System auf die Festplatte oder einen USB-Stick spielen wollen. Beim Partitionieren sollten Sie Use existing partitions auswählen, um nicht etwa die ganze Festplatte zu überspielen. Die Partition, in die Sie PCLinuxOS installieren wollen, versehen Sie mit einem /. Um auf den Bootmanager zu verzichten, wählen Sie aus dem Drop-down-Menü einfach das Diskettenlaufwerk /dev/fd0, legen aber kein Medium ein.

Dreamlinux 2.2 MMGL

Ein Traum für alle Fans von Mac OS X dürfte das brasilianische Dreamlinux sein: Die Entwickler haben die auf Debian, Morphix und Kanotix basierende Distribution ordentlich augetakelt, so dass sich Freunde polierter Software-Oberflächen schnell zu Hause fühlen. Der schlanke XFCE-Desktop bringt etwa eine Fußleiste mit, deren Elemente sich wellenförmig bewegen, sobald Sie sie mit der Maus berühren. Die Icons wirken sehr hübsch und passen mit der Fenster-Deko und den Menüs zusammen (Abbildung 6). Einen 3D-Desktop mit Spezialeffekten richten Sie in ein paar Schritten ein – sogar in der Live-Variante.

Abbildung 6: Dreamlinux dürfte insbesondere Mac-Fans ansprechen: Aber die Distribution sieht nicht nur gut aus, sondern bringt auch Multimedia-Programme mit.

Pakete installieren Sie über eine Funktion namens EasyInstall oder den Paketmanager Synaptic. Wie PCLinuxOS setzt auch Dreamlinux auf die ältere Kernel-Version 2.6.18. Neben den üblichen Verdächtigen wie OpenOffice, Mplayer, Firefox und Gimp bringt Dreamlinux ein paar recht außergewöhnliche Programme mit, die Sie bei den anderen Distributionen nachinstallieren müssen. Dazu gehören Blender (eine komplexe Animations-Software), Scribus (ein Layout-Programm), Kino (ein Schnittprogramm für Filme) und DVD::Rip (eine Software zum Auslesen von DVDs).

Beim Booten richtet sich ein eigenes Unterverzeichnis an deutschsprachige Linuxer: Wählen Sie Submenu -> Supported languages und dann Dream | Deutsch aus, um das System mit weitgehend deutscher Sprachunterstützung zu booten. Dreamlinux kann durchaus wählerisch sein, was Systeme angeht: Während es auf einem Testrechner ohne zu Murren bootete, blieb es auf einem ähnlichen Gerät bei der Konfiguration von XFCE hängen. Im nächsten Schritt erfahren Sie, wie Sie im Live-System eine Nvidia-Karte einrichten, um dann die 3D-Desktop-Effekte zu aktivieren.

  1. Das eingebaute Kontrollzentrum erreichen Sie über das Startmenü unter System / DCP-Control Panel.
  2. Um die Netzwerkkarte zu aktivieren, klicken Sie auf Network Admin. Meist genügt es nun, die Netzwerkkarte auszuwählen und Aktivieren zu wählen.
  3. Im Test mussten wir aber zunächst zum Reiter DNS wechseln und die IP-Adresse des Router eingeben: 192.168.1.1. Häufig kann das auch die 192.168.0.1 sein, schauen Sie im Handbuch Ihres Routers nach.
  4. Dann wechseln Sie zurück zum anfänglichen Register, wählen die Netzwerkkarte aus und klicken nun auf Aktivieren.

Wenn Sie an einem Router hängen, der DHCP beherrscht, gelangen Sie auf diese Weise ins Netzwerk. Nun wechseln Sie mit [Alt]+[Strg]+[F2] auf die Kommandozeile und geben passwd root ein, um ein neues Root-Passwort einzurichten. Der einfache Benutzer im Live-System heißt "morph", ändern Sie auch sein Passwort über passwd morph. In beiden Fällen geben Sie das neue Passwort zweimal ein. Als nächstes installieren Sie den Nvidia-Treiber über nvidia-install. Dreamlinux holt den Treiber nun aus dem Internet und installiert ihn. Sobald auf der Konsole ein Fertig erscheint, wechseln Sie via [Alt]+[Strg]+[F7] zurück auf die grafische Oberfläche und warten einen Augenblick. Spätestens nach etwa einer Minute lädt Dreamlinux den Desktop neu – diesmal mit Nvidia-Treiber. Melden Sie sich als Nutzer morph an. Öffnen Sie auf dem Desktop eine Konsole, indem Sie das linke Icon in der Fußleiste anklicken und geben Sie ativar-beryl.rb ein. Der portugiesische Ausdruck für "Aktivieren" sorgt dafür, dass ein Konfigurationsfenster erscheint (Abbildung 7), in dem Sie einfach Enable Beryl/GL-Session wählen und dann auf OK klicken. Abschließend melden Sie sich erneut beim XFCE-Desktop an. Bevor Sie den Benutzernamen morph und Ihr eben gesetztes Passwort eingeben, wählen Sie als Session einfach Beryl/GL-Session und klicken dann auf Change Session. Der Desktop unterstützt nun 3D-Effekte.

Abbildung 7: Das Skript "ativar beryl.rb" führen Sie aus, um in der Live-Version von Dreamlinux den 3D-Desktop anzuschalten.

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