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Die lieben Kleinen

Vier schlanke Linux-Distributionen im Test

10.01.2008 Abseits vom Mainstream buhlen zunehmend kleine Distributionen um die Gunst der Nutzer: Sie geben sich mit dem wenigen Platz auf einer CD oder einem USB-Stick zufrieden und bescheren altersschwachen Rechnern einen zweiten Frühling.

Aktuelle Linux-Distributionen bringen immer mehr Features mit und protzen buchstäblich mit tausenden von Software-Paketen. Wollen Sie allerdings nur ein wenig im Internet surfen, E-Mails abholen, Texte schreiben und ab und zu mit einem Bekannten chatten, brauchen Sie diesen gut gemeinten Überfluss nicht. Tröpfeln dann Ihre Daten noch über ein lahmes 56K-Modem ins Haus, verbraucht allein der Download einer neuen Distribution Ihren gesamten Jahresurlaub.

Ein paar Distribution versuchen, diesen speziellen Ansprüchen gerecht zu werden. Sie wenden sich an Benutzer, die es schlank und schnell mögen. Dazu setzen sie bewusst auf einfache Fenstermanager und nutzen Desktops, denen wenig Arbeitsspeicher genügt. Anfallende Aufgaben verteilen sie auf kleine schlanke Tools. Die lassen sich im Einzelfall weniger komfortabel bedienen als die großen Brüder. Dafür sparen Sie eine Menge Platz und Ressourcen und kommen auch ans Ziel. Da es sich zudem um Live-Systeme handelt, müssen Sie die eigene Festplatte nicht antasten, um die Distribution zu testen.

Wir stellen vier, um die 100 MByte kleinen, Exemplare vor. Dabei zeigen wir, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie die ersten Schritte in der Welt der Mini-Distributionen aussehen.

Hier brennt das ISO

Zunächst kopieren Sie die jeweiligen ISO-Dateien der Distributionen von der Heft-DVD in Ihr Home-Verzeichnis und brennen sie als Abbild-Dateien auf CDs. Dazu legen Sie ein leeres Medium in Ihren CD-Schreiber, geben [Alt] +[F2] ein und rufen das KDE-Programm K3b auf, indem Sie k3b eintippen. Über Extras / CD-Abbilddatei brennen (Abbildung 1) brennen Sie die ISO-Dateien dann auf CDs.

Abbildung 1

Abbildung 1: Unter KDE hilft Ihnen K3b, die ISO-Dateien auf CDs zu brennen.

SLAX Popcorn 5.1.8

Eine der ersten Linux-Distributionen hieß Slackware. Es gibt sie noch immer – mittlerweile aber mit zahlreiche Nachfahren. Einer davon heißt SLAX-Linux. Das selbst ernannte Taschen-System gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die sich im Umfang voneinander unterscheiden. Die schlanke SLAX-Popcorn-Variante bringt gerade einmal 115 MByte auf die Waage.

Sie legen die gebrannte CD ins Laufwerk und starten den Rechner neu. Erkennt er das Betriebssystem nicht, sondern bootet das gewohnte System, stellen Sie zunächst im BIOS sicher, dass der Rechner Ihr CD-ROM-Laufwerk in der Bootreihenfolge bevorzugt. Meist gelangen Sie direkt nach dem Start über [Esc] oder [F1] in das BIOS des Rechners.

Nach dem Umstellen, greift der Rechner beim Booten direkt auf die SLAX-CD zu und lädt einen Boot-Prompt. Damit SLAX nicht sofort startet, drücken Sie schnell [F1] oder [F2]. Sie sehen nun eine Liste mit so genannten Kernel-Parametern, die Sie dem System beim Booten mit auf den Weg geben (Abbildung 2). Tippen Sie etwa slax copy2ram, kopiert Linux den Inhalt der CD in den Arbeitsspeicher und kann später deutlich schneller auf die Inhalte zugreifen. Allerdings benötigt diese Operation mindestens 320 MByte freien RAM. Ein kleines Problem gibt es: Im Boot-Menü geht das System von einer englischen Tastaturbelegung aus: Um also ein = einzugeben, drücken Sie zum Beispiel ['`].

Abbildung 2

Abbildung 2: Allen hier getesteten Distributionen geben Sie im Boot-Menü Kernel-Parameter mit auf den Weg.

Drücken Sie einfach [Enter], lädt SLAX ein Standardsystem. Zum Einloggen auf der Konsole geben Sie als Benutzername root und als Passwort toor ein. Alternativ tragen Sie den Kernel-Parameter passwd=neu ein und ersetzen neu durch ein selbst gewähltes Root-Passwort. Wollen Sie mit der Distribution ins Internet, sollten Sie später einen neuen Nutzer mit eingeschränkten Rechten anlegen, andernfalls schaffen Sie eine Schwachstelle für potentielle Angreifer.

Die Distribution startet nach dem Anmelden nicht mit einem grafischen Desktop, sondern bietet Ihnen verschiedene grafische Modi an: Geben Sie mc ein, startet SLAX nur einen Konsolen-Dateimanager wie Norton Commander. Über flux rufen Sie den sehr schlichten, aber auch komplizierter einzurichtenden Desktop Fluxbox auf. Experten, die SLAX auf die Festplatte bannen wollen, hilft an dieser Stelle der Befehl slax-install weiter.

Für Nutzer mit durchschnittlich schnellen Rechnern kommen meist die Parameter startx und xconf in Frage. Geben Sie xconf ein, passt die Distribution den Desktop an Ihrer Hardware an, was die Performance verbessert. Unter Umständen bleibt Ihr Bildschirm nach dem anschließenden Aufruf von startx erst einmal schwarz. Drücken Sie mehrmals [Strg]+[Alt]+[+], erscheint das Bild, das sich erst an ihre Monitorauflösung anpasst. Alternativ geben Sie statt xconf einfach nur startx ein.

Nun startet eine XFCE-Oberfläche (Abbildung 3), die – wie alle hier vorgestellten Oberflächen – nur sehr begrenzt die deutsche Sprache beherrscht. XFCE ist schlanker als die bekannten Gnome- und KDE-Desktops, bietet aber auch etwas weniger Komfort. Leider lässt sich die englische Tastaturbelegung nicht verändern, was im Dauerbetrieb ein großes Manko ist.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die XFCE-Oberfläche von SLAX Popcorn: Sie sieht im Vergleich mit den anderen Distris recht modern aus.

Internet gibt es zwar – allerdings nur für Leute, die mit einem Kabel an einem Router hängen, der per DHCP automatisch IP-Adressen verteilt. Rufen Sie über [Alt]+[F2] und die Eingabe von xfterm4 eine Konsole auf und geben Sie ping www.easylinux.de ein. Steht dort Host unreachable, prüfen Sie die Einstellungen des Routers. WLAN, Modems oder gar ISDN können Sie mit dieser Variante von SLAX gar nicht oder nur mit großem Aufwand nutzen. Das klappt besser mit der SLAX Standard Edition v 5.1.8.1, die KDE mitbringt. Doch selbst hier müssen Sie auf die Kommandozeile, um die Netzwerkkomponenten zum Laufen zu bringen, eine Anleitung auf der SLAX-Seite hilft weiter [1]. Dort finden Sie auch die so genannten Module [2], über die Sie die Distribution erweitern. Sie laden ein Modul herunter, wechseln auf der Konsole in das Downloadverzeichnis und geben uselivemod modulname ein, um es zu aktivieren. Dauerhaft speichern können Sie die Module jedoch nur, wenn Sie die Distribution fest installieren.

Die Programmauswahl beschränkt sich auf Firefox und Gaim für die Internet-Kommunikation, mit Abiword können Sie Texte schreiben und mit Mplayer und Beep Filme sehen und Musik anhören. Ihre vorhandenen Dateien betrachten Sie mit dem Dateimanager namens FFM (Fast File Manager). Den erreichen Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf den Desktop klicken und ihn über Accessories / Xfce Browse Filesystem aufrufen. Der Eintrag Fstab links im FFM-Tab zeigt ins Gastsystem eingebundene Partitionen und Geräte an, die SLAX automatisch mountet. Insgesamt hilft Ihnen die Distribution dabei, schnell ins Netz zu gelangen, um mit Bekannten zu chatten, einen Text zu schreiben oder einen Film zu sehen.

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