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Die exotischen Vier

Dreamlinux, Sabayon, PCLinuxOS und Freespire

10.01.2008
Neben bekannten Distributionen wie OpenSuse, Ubuntu, Debian und Fedora buhlen noch weniger bekannte Linuxe um die Gunst der Anwender. Wir haben ein paar begutachtet und fanden für jeden etwas.

Wenn es um Linux geht, kommen Blogs und Zeitschriften meist nur auf eine handvoll Distributionen zu sprechen: OpenSuse, Ubuntu, Fedora Core, Debian und Mandriva geben meist den Ton an. In den einschlägigen Linux-Hilfe-Foren spiegelt sich derselbe Eindruck wieder. Von einer Monokultur zu sprechen, ist hier sicherlich fehl am Platze, dennoch fallen viele Distributionen häufig unter den Tisch. Das hat auch Gründe: Hinter den großen Distris stehen meist Firmen, die zahlreichen Hauptentwickler verdienen Geld mit ihrer Arbeit. An den kleineren Distris basteln meist Linux-Enthusiasten in ihrer Freizeit oder kleine Firmen.

Wir vergleichen vier verschiedene Orchideen-Distributionen miteinander und schauen, wie sie im Test abschneiden. Alle Distris bringen so etwa 700 MByte auf die Waage, passen also auf eine CD und lassen sich daher vergleichsweise schnell herunterladen. Uns interessiert etwa, wie es um die Sprachunterstützung steht. Außerdem schauen wir, welche Software die Distris an Bord haben, wie Sie sie erweitern und wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Sie brennen die 700 MByte großen ISO-Dateien einfach als Abbilder mit K3b auf eine CD und booten diese dann. Auch diese Distributionen müssen Sie nicht gleich installieren, um sie zu testen. Es handelt sich in allen Fällen um später installierbare Live-Versionen. Sie können sie also booten und verändern, ohne Ihre Festplatte anzufassen.

Freespire 2.0.6

Bei Freespire handelt es sich um einen Klon von Linspire. Diese kommerzielle Linux-Variante wird vor allem in den USA verkauft. Die Anwender zahlen für die Software, die Sie über das so genannte Click'n'Run-Warenhaus (CNR) einkaufen. Dabei handelt es sich um einen Paketmanager, den man über den Browser bedient. Freespire soll nun als freie Variante die kommerzielle Distribution ergänzen – macht ihr aber ganz offensichtlich auch Konkurrenz.

Version 2.0.6 der freien Distribution hebt sich nicht stark von der kommerziellen Variante ab. Sie booten Freespire über den Eintrag Run Linspire from CD. Der Bootsplash erinnert gleich an Ubuntu: Kein Wunder, basiert das Linux doch zu großen Teilen auf Debian und Ubuntu. Unter der Haube verrichtet ein Real-Time-Kernel in Version 2.6.20 seinen Dienst. Eine deutsche Tastaturbelegung bringt die Distribution zunächst nicht mit. Sie müssen anfangs etwas auf der Tastatur suchen, bis Sie Zeichen wie / und = finden. Die deutsche Tastenbelegung stellen Sie erst bei der Installation ein.

Freespire richtet sich in erster Linie an ein Publikum, das von Windows kommt und bestimmte Standards kennt. Das merken Sie: Ein Wizard nimmt Sie bei der Begrüßung an die Hand und hilft Ihnen bei den ersten Schritten. Zuerst müssen Sie allerdings noch die Lizenzbedingungen (EULA) abnicken (Abbildung 1): Die nimmt Caitlyn Martin in ihrem Blog unter die Lupe und stellt fest, dass Freespire so frei garnicht ist [1]: Die Lizenz gilt nur für eine Person und diese darf sie nur im Privatbereich oder im Geschäftsbereich einsetzen – nicht beides. Ob die Lizenz überhaupt in Deutschland gilt, darf man allerdings bezweifeln, verstößt sie doch gegen die GPL.

Abbildung 1: Bevor Sie auf den Desktop gelangen, müssen Sie erstmal Freespires Lizenzbedingungen abnicken.

Nach dem Abnicken der EULA regeln Sie die Lautstärke des Sounds, stellen die korrekte Zeitzone ein und richten über Configure Network Settings das Netzwerk ein (Abbildung 2). Die eingesetzte WLAN-Karte DWL-122 erkannte Freespire nicht, also kam ein Netzwerkkabel zum Einsatz. Vergibt Ihr Router seine IP-Adressen per DHCP, steht die Verbindung nach dem Booten automatisch. Bevor Freespire Sie jedoch endlich auf den Desktop lässt, sollen Sie sich noch im CNR-Warenhaus registrieren. Den Punkt überspringen Sie aber zunächst und klicken auf Finish.

Abbildung 2: Vor dem Start von KDE richten Sie verschiedene Parameter für die Distribution ein, etwa die Zeitzone und das Netzwerk.

Nach der Konfiguration landen Sie auf einem angepassten KDE-Desktop, den Sie über das bekannte KDE-Kontrollzentrum einrichten. Um das System pakettechnisch zu erweitern, brauchen Sie Zugang zum CNR-Shop [2]. Der ist zwar gratis, Sie müssen sich jedoch online registrieren. Anschließend können Sie zahlreiche Software-Pakete auswählen, etwa Opera und OpenOffice. Sie klicken einfach auf einen Link, woraufhin ein so genannter Handler das Paket dann herunterlädt und installiert. Einfacher gehts nicht, allerdings funktioniert die Funktion nicht mit der Live-Version.

An Freespire macht Spaß, dass es auf Anhieb zahlreiche Codecs unterstützt: DVDs ließen sich in KPlayer, dem Filmanzeiger von Freespire, problemlos abspielen. AVI- und MPEG-Videos las der Player ohne zu murren. Der mitgelieferte Firefox-Browser unterstützt Flash 9, die Treiber für Grafikkarten von ATI und NVIDIA finden Sie im CNR-Shop.

Insgesamt weicht die Programmauswahl nur in einigen Punkten von den üblichen Standards ab: Neben OpenOffice 2.2 fürs Büro bringt Freespire ein eigenes Programm namens LSongs zum Abspielen von Musik mit. LPhoto heißt der integrierte Bildbetrachter. Gimp fehlt, dafür bringt die Distribution eine Firewall mit grafischem Interface namens Firestarter mit. Im Internetbereich sieht es insgesamt etwas üppiger aus: Freespire hat das E-Mail-Programm Thunderbird, die Chat-Anwendung Pidgin, Java, Ktorrent sowie den Knetworkmanager an Bord, der Netzwerkgeräte automatisch erkennt und aktiviert.

  1. Um Freespire zu installieren, klicken Sie auf Install Freespire auf dem Desktop.
  2. Im nächsten Fenster wählen Sie als Tastaturbelegung German aus und klicken auf Next.
  3. Anschließend folgt ein Klick auf Advanced Install. Dadurch verhindern Sie, dass Freespire die komplette Festplatte überschreibt. Das Häkchen bei Write MBR sorgt dafür, dass Freespire einen Bootloader einrichtet.
  4. Zum Schluss geben Sie noch den zukünftigen Benutzernamen und ein Passwort für den Administrator an.

Sabayon 3.4 MiniEdition

Das ziemliche Gegenteil von Freespire dürfte Gentoo Linux sein: Diese Distribution nutzt keine Pakete wie OpenSuse oder Ubuntu. Gentoo-Nutzer kompilieren ihr komplettes System selbst. Das dauert mitunter Stunden bis Tage, hat aber auch seinen Sinn. Die meiste quelloffene Software lässt sich beim Kompilieren an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Den Quellcode des Mplayers übersetzen Sie per Hand wahlweise mit oder ohne MP3-Unterstützung. Die fertigen Pakete von Ubuntu und OpenSuse treffen hingegen bereits eine Vorauswahl für Sie. Insofern lässt sich Gentoos System flexibler an die eigenen Bedürfnisse anpassen, was aber mitunter viel Zeit kostet.

Einen einfachen Einstieg in Gentoo bietet Sabayon Linux. Mit Portato (Abbildung 3) bringt es eine grafische Oberfläche mit, die das Aussuchen und Übersetzen der Software extrem vereinfacht. Verschiedene Anleitungen in englischer Sprache [3] helfen bei den ersten Schritten.

Abbildung 3: Sabayon vereinfacht die recht komplexe Gentoo-Distribution, ein bisschen Zeit sollten Sie aber mitbringen, um das System zu nutzen.

Um mit dem System im Live-Modus zu starten, wählen Sie erst [F2], um die Sprache auszusuchen und dann die Boot-Option Start Sabayon.... Als Highlight bringt Sabayon 3D-Desktop-Effekte mit, die Sie beim Booten konfigurieren. Daher fragt die Distribution Sie, welche Art der Desktop-Beschleunigung Sie nutzen wollen. Setzen Sie eine ältere Grafikkarte ein, ist hier No Desktop Acceleration die richtige Wahl. Bei neueren Karten von Nvidia und ATI sollten Sie einfach ausprobieren, welche Variante bei Ihnen funktioniert – AIGLX oder XGL. Das Login auf dem englischsprachigen KDE-Desktop erfolgt dann automatisch nach ein paar Sekunden, ein Passwort brauchen Sie nicht. Drücken Sie [Alt]+[Strg] und zugleich die linke Maustaste, verwandelt sich der Desktop in einen Würfel (Abbildung 4). Weitere Effekte stellen Sie über den Desktop-Button CompizConfig Setting ein. Über einen Klick auf das Icon Acceleration Manager im oberen Eintrag Settings im Startmenü schalten Sie die Effekte wieder ab.

Abbildung 4: Mit Sabayon lässt sich auch ein recht einfacher Blick auf die 3D-Desktop-Effekte werfen. Die Live-Distribution aktiviert sie automatisch.

Gewöhnlich finden Sie sich nach dem Login auf einem englischsprachigen KDE-Desktop wieder.

  1. Um die Sprache anzupassen, starten Sie zunächst Portato und geben das Passwort root für den Administratorzugang ein.
  2. Suchen Sie auf der linken Seite (unter Category) nach kde-base und rechts (unter Packages) den Eintrag kde-i18n-de.
  3. Betätigen Sie den Emerge-Button, um die Software zum Kompilieren auszuwählen.
  4. Wechseln Sie anschließend auf den Reiter Queue. Hier markieren Sie die Software wieder und klicken Sie auf Emerge.

Im Register Konsole können Sie nun beim Übersetzen der deutsche Sprachunterstützung zusehen. Irgendwann erscheinen zwei grüne Sterne im Fenster, daneben steht, dass es keine weiteren Aktualisierungen gibt. Sie können Portato nun schließen und aus dem Startmenü Settings / Region & Accessibility / Contry/Region & Language auswählen. Im nächsten Fenster suchen Sie Add language / german aus und klicken zum Übernehmen der Veränderungen auf Apply. Sie loggen sich dann aus KDE aus und melden sich neu an: Die meisten Menüs erscheinen nun in deutscher Sprache.

Das Kontrollzentrum von Sabayon finden Sie im Startmenü unter dem unteren Settings-Eintrag. Ansonsten leistet sich Sabayon keine weiteren extrem ausgefallenen Features und Software-Pakete: Es bringt statt OpenOffice die KDE-Büro-Suite KOffice mit, multimedial hat es den vorzüglichen Audioplayer Amarok an Bord. KNetworkManager hilft beim Einrichten von Netzwerken, die MPlayer-Variante SMPlayer spielt Filme ab. Es gibt auch eine grafische Oberfläche, um mit WPA_Supplicant WLAN-Karten zu konfigurieren, ansonsten gelangen Sie mit den KDE-Standard-Tools ins Netz: Kopete, Konqueror, Ktorrent, Firefox und Thunderbird. Um die Distri fest zu installieren, sollten Sie sich nicht nur gründlich einlesen, sondern auch etwas Zeit mitbringen: Klicken Sie erst dann auf Install on disk auf dem Desktop.

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