Aufmacher Artikel

Virtuelles Fundbüro

Desktop durchsuchen

11.10.2007
"Ordnung muss sein", mahnt der Volksmund. "Nicht, wenn ich Google Desktop nehme!", entgegnet der Anwender und legt zufrieden die Füße hoch. Wir zeigen, ob er recht hat.

Nach dem Internet nun der Desktop: Mit Google Desktop finden Linux-Nutzer nicht nur verschollene Dokumente auf dem eigenen Rechner wieder, sondern durchforsten Textdateien, E-Mails und zahlreiche andere Dateiformate (siehe Kasten Durchsuchte Dateien). Fällt Ihnen also nicht mehr ein, in welchem Dokument sich Omas Geburtstagsdatum versteckt, drücken Sie zweimal [Strg] und geben den Suchbegriff ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Nach zweimaligem Drücken von Strg öffnet die Software eine Schnellsuchleiste.

Durchsuchte Dateien

  • Textdateien und Quellcode
  • PDF- und PS-Dateien
  • HTML-Dateien
  • E-Mails von Thunderbird
  • Gmail-Accounts
  • OpenOffice.org-Dokumente
  • Bild- und Musikdateien
  • Manpages und Info-Seiten
  • Datei- und Ordnernamen

Google einladen

Google ist benutzerfreundlich. Das riesige Unternehmen weiß recht genau, wie einfach Software sein muss, damit viele Menschen sie nutzen. Entsprechend leicht geht die Installation von Google Desktop von der Hand. Abhängigkeiten gibt es nicht, im Paket befinden sich alle nötigen Bibliotheken. Sie laden Google Desktop von der Webseite [1] herunter und legen es in einem selbst gewählten Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis ab. Benutzen Sie Mandriva Linux 2007, Suse Linux 10.1 oder OpenSuse 10.2, verwenden Sie das RPM-Paket, Kubuntu-Nutzer wählen das angebotene DEB-Archiv.

Als Suse-Nutzer drücken Sie [Alt]+[F2], geben konsole ein und navigieren über cd in das Download-Verzeichnis mit dem Google-Desktop-Archiv. Über su root erlangen Sie Root-Rechte und installieren das Paket dann via rpm -Uhv google-desktop-linux-1.0.1.0060.rpm. Das von Ihnen heruntergeladene Paket verfügt aber vermutlich bereits über eine andere als die hier genannte Versionsnummer.

Als Anwender von Mandriva Linux erlangen Sie ebenfalls Root-Rechte, wechseln in das Verzeichnis mit dem Software-Archiv und geben dort urpmi google-desktop-linux-1.0.1.0060.rpm ein. Die Installationsroutine fragt Sie, ob es die Software trotz fehlender Schlüssel zur Authentifizierung einspielen soll: Drücken Sie [j] und [Eingabe]. Eine ASCII-Grafik zeigt den Fortschritt beim Installieren.

Fehlt als Vierter im Bunde noch Ubuntu: Hier erlangen Sie Administratorrechte klassischerweise über sudo. Dementsprechend geben Sie sudo dpkg -i google-desktop-linux_1.0.1.0060_i386.deb ein, um das Paket einzuspielen.

Unter allen vier Distributionen schreibt Google Desktop Einträge ins Startmenü, über die Sie die Software bequem starten. Alternativ drücken Sie [Alt]+[F2] und tippen gdlinux. Zunächst folgt eine etwas irreführende Anfrage: Wollen Sie Erweiterte Funktionen aktivieren, Erweiterte Funktionen deaktivieren oder wollen Sie die Datenschutzbestimmungen lesen. Welche Daten Google von Ihnen erhält, wenn Sie die Funktionen aktivieren, lesen Sie im Kasten Google und Datenschutz. Per Mausklick treffen Sie eine Entscheidung, dann erscheint in der Systemleiste ein Google-Desktop-Icon – mehr passiert nicht.

Google und Datenschutz

Datenschützer gehen regelmäßig auf die Barrikaden, wenn es um Google geht. Dieser Wikipedia-Eintrag [2] und ein Artikel unter [3] beleuchten die Hintergründe. Der private Desktop ist ein sensibler Bereich, Sie sollten sich also die Bedingungen zum Datenschutz genau durchlesen, bevor Sie die Desktop-Suche einsetzen.

Einige Daten landen auf jeden Fall bei Google: "Ihre Google Desktop-Version verfügt über eine eindeutige Anwendungsnummer. Bei der Installation von Google Desktop werden diese Nummer und eine Nachricht an Google gesendet. Darin wird angegeben, ob die Installation erfolgreich war oder fehlgeschlagen ist. Außerdem überprüft Google Desktop automatisch, ob eine neue Softwareversion verfügbar ist." [4]

Erweiterte Funktionen aktivieren

Auf den Seiten zu Google Desktop für Linux beschreibt Google [5], was die "Erweiterten Funktionen" tun. Dabei "wird eine begrenzte Anzahl an nichtpersönlichen Daten auf Ihrem Computer gesammelt und an Google gesendet."

In der Google-Desktop-Hilfe liest sich das schon etwas anders: "Aktivieren Sie die "Erweiterte Funktionen" "werden Artikel, die Sie im Web oder in der Seitenleiste lesen, dazu verwendet, Ihnen im Gadget "News" relevantere Nachrichtenartikel zur Verfügung zu stellen. Um diese Personalisierung vorzunehmen, werden Informationen zu den von Ihnen besuchten Websites an Google gesendet. Wir können Ihnen versichern, dass persönliche Informationen wie Ihr Name oder Ihre E-Mail-Adresse nicht an Google gesendet wird." [6]

Überprüfen lässt sich die Nutzung der Daten nicht und die Formulierungen in den Datenschutzrichtlinien lassen keine Entwarnung zu – ein ungutes Gefühl bleibt.

Auf dem Index

Anfangs weiß auch Google nicht, was für Daten sich auf Ihrem Rechner befinden. Daher muss ihn die Software zunächst durchforsten, um sich ein Bild von Ihrem System zu machen. Diese so genannte Indizierung erfolgt gleich nach dem Start, der Google-Indexer versteckt sich allerdings wie ein scheues Reh im Hintergrund und kommt nur dann aus dem Dickicht der Prozesse, wenn Sie gerade nicht am System arbeiten. Das ergibt Sinn, schließlich brauchen Sie die Prozessor-Power für andere Dinge. Doch es gibt einen Weg um das scheue Reh aufzuspüren. Rufen Sie eine Konsole auf und geben Sie top ein, zeigt das Tool Ihnen, welche Systemprozesse gerade wieviel CPU-Leistung verbrauchen. Nun legen Sie sich auf die Lauer. Nach ein paar Minuten des Nichtstuns taucht der Indexer plötzlich auf dem Bildschirm, wo Sie ihn mit Ksnapshot erlegen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der scheue Indexer: Mit Ksnapshot und Top erwischen Sie die Software in einem unbeobachteten Moment bei der Arbeit.

Natürlich indizieren Sie noch auf anderen Wegen. Ein Rechtsklick auf das Icon in der Systemleiste bringt den Punkt Index zum Vorschein. Dahinter verbergen sich verschiedene Optionen zur Indizierung. Klicken Sie auf Indizierung anhalten tut Google Desktop genau das, ein Klick auf Indizierung fortsetzen nimmt den Faden wieder auf. Über Neu indizieren starten Sie eine neue Suche. Wollen Sie wissen, wie viele Dateien Google Desktop bereits auf dem Radar hat, wählen Sie IndexStatus. In diesem Fall öffnet Google ein Browserfenster, ruft die lokale Adresse 127.0.0.1 mit dem Port 34271 auf und zeigt im Browser eine Statistik über bereits indizierte Dateien.

Auf einem frisch aufgesetzten System zieht sich eine Indizierung schon eine ganze Weile hin. Die interne Statistik kalkuliert für OpenSuse 10.2 eine Dauer von sechs Stunden. Nehmen Sie über die Einstellungen bestimmte Dateien und Ordner von der Indizierung aus – wie in einem der folgenden Kapitel geschildert – geht das Ganze etwas fixer.

Schöne neue Suchwelt

Der einfachste Aufruf der Suchfunktion gelingt anfangs über das zweifache Drücken von [Strg]. In diesem Fall erscheint das so genannte Schnellsuchfeld (Abbildung 1), und Sie fahnden einfach nach einem Suchbegriff. Mit den Pfeiltasten durchstöbern Sie die gefundenen Resultate, die Google Desktop in der Rangfolge ihrer Wichtigkeit auflistet.

Alternativ führen noch zwei andere Wege zum Suchziel. Rufen Sie ganz regulär die deutsche Google-Seite in Ihrem Browser auf, erscheint ein zusätzliches Feld namens Desktop im Menü über der Suchzeile (Abbildung 3). Google sucht also nicht nur global im Internet, sondern zeigt in den Suchergebnissen auch lokale Treffer an.

Abbildung 3: Nach der Installation von Google Desktop erscheint auch bei normalen Google-Anfragen im Browser ein zusätzlicher Link, über den Sie eine Desktop-Suche starten.

Eine weitere Suchvariante besteht darin, über einen Rechtsklick auf das Google-Symbol den Menüpunkt Startseite anzeigen aufzurufen. In diesem Fall öffnet sich ein Browserfenster, das über zwei Buttons sowohl die Desktop-Suche als auch eine Websuche anpreist (Abbildung 3). Zusätzlich sehen Sie in oranger Schrift, wie viele Dateien Google Desktop bereits indiziert hat, ob es also bereits alle vorhandenen Dokumente kennt.

Mitunter findet Google Desktop hunderte von Ergebnissen. Da hilft es, die Suche sinnvoll einzugrenzen. Sie definieren entweder den Suchbegriff genauer oder klicken alternativ neben der Suchzeile von Google auf Erweiterte Suche und lassen die Software nur nach bestimmten Dateitypen forschen, etwa nach E-Mails oder Bildern (Abbildung 4).

Abbildung 4: Über die "Erweiterte Suche" gelangen Sie zu einem Menü, in dem Sie die Software nur nach bestimmten Dateitypen suchen lassen.

Google als Rettungsanker

Im Netz gibt es das häufig: Sie stellen eine Google-Anfrage, aber die Seite existiert nicht mehr. In diesem Fall klicken Sie auf den Link Im Cache neben dem Ergebnis und erhalten mit ein wenig Glück eine alte Version der Seite.

Auch mit Google Desktop passiert es, dass Sie ein Dokument zwar finden, dieses aber die Festplatte bereits in Richtung Jenseits verlassen hat. In diesem Fall bringt ein Klick auf 1 im Cache gespeichert den Inhalt an die Oberfläche zurück, denn Google lagert auch alte Dateien in einem Cache, also einer Art Zwischenspeicher. Damit funktioniert die Software zugleich als eine Art Notfall-Backup-Programm. Da Sie allerdings nicht wissen, wie weit zurück dieser Cache reicht, sollten Sie keinesfalls auf reguläre Backups verzichten.

Einstellungssache

Da die Standardeinstellungen nicht perfekt passen, tunen Sie Google Desktop, bevor Sie das Tool auf die eigenen Dateien loslassen. In das Konfigurationsmenü gelangen Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf das Google-Desktop-Symbol klicken und Einstellungen auswählen. Ein anderer Weg ist, neben Googles Eingabezeile dem Link Desktop-Einstellungen zu folgen.

Das Konfigurationsmenü besteht aus vier Reitern. Ein Klick auf den Button Einstellungen speichern sichert die vorgenommenen Änderungen. Die zentralen Einstellungen verpassen Sie dem Spürhund über Lokale Indizierung (Abbildung 5). Hier müssen Sie sich die Frage stellen, ob es wirklich Sinn ergibt, nach sämtlichen Suchtypen zu fahnden. Das dauert länger und manche Dateitypen werden Sie mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nie suchen, etwa OpenOffice-Impress-Dateien.

Abbildung 5: In den Einstellungen verpassen Sie der Desktop-Suche eine Verhaltenstherapie: Es spart zum Beispiel Zeit, wenn Sie nicht alle Dateitypen indizieren lassen.

Darunter fügen Sie externe Ordner hinzu, die Google Desktop ebenfalls durchforsten soll, das können zum Beispiel über das Netzwerk erreichbare Ordner sein oder gemountete Festplatten und Partitionen. Direkt darunter – neben Diese Elemente nicht durchsuchen – nehmen Sie wiederum Dateien und Ordner von der Suche aus. Sogar ganze Webadressen ignoriert Google auf Ihren Wunsch hin. Geben Sie dazu einfach den absoluten Pfad zum Verzeichnis oder zur Adresse im Internet an. Wollen Sie nicht, dass Google auch Dateien anzeigt, die nicht mehr auf Ihrem Rechner existieren, setzen Sie ein Kreuzchen unter Entfernen Sie gelöschte Dateien aus den Suchergebnissen.

Das Register Google Mail interessiert nur Benutzer mit einem Gmail-Account [7]. Geben Sie hier die Nutzerdaten ein, durchforstet die Suchmaschine zusätzlich Ihre E-Mails, die Google ohnehin bereits im Internet für Sie aufbewahrt.

Der Reiter Anzeige widmet sich dem Äußeren der Schnellsuche. Sie bestimmen, wie viele Ergebnisse diese anzeigen soll und ob Sie beim Aufrufen der regulären Google-Seite auch den bereits weiter oben erwähnten Desktop-Link wollen.

Fazit

Leicht zu bedienen und effektiv, so stellt sich Googles Desktop-Suche für Linux auf den ersten Blick dar. Wer nun aber schon die Füße hochlegt, überliest das Kleingedruckte. Legen Sie Wert auf Privatsphäre, sollten Sie sich den Einsatz der Software überlegen – zumal es freie Alternativen wie Beagle [8] oder Recoll [9] gibt.

Glossar

Ksnapshot

KDE-Programm, um Screenshots aufzunehmen. Sie starten es über [Alt]+[F2] und die Eingabe von "ksnapshot".

Infos

[1] Webseite von Google Desktop: http://desktop.google.com/linux/

[2] Kritik an Google in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Google#Datenschutz

[3] Telepolis-Beitrag zum selben Thema : http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/18/18603/1.html&words=Google%20desktop&T=google%20desktop

[4] Datenschutzrichtlinien von Google: http://desktop.google.com/de/linux/privacypolicy.html

[5] Google Desktop und die "Erweiterten Funktionen" (Teil 1): http://desktop.google.com/support/linux/bin/answer.py?answer=63220&topic=11384

[6] Google Desktop und die "Erweiterten Funktionen" (Teil 2): http://desktop.google.com/support/bin/answer.py?hl=de&answer=24819

[7] Google Mail: http://mail.google.com

[8] Freie Suchmaschine Beagle: http://beagle-project.org

[9] Such-Alternative Recoll: http://www.lesbonscomptes.com/recoll/

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare