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Virtuelles Fundbüro

"Ordnung muss sein", mahnt der Volksmund. "Nicht, wenn ich Google Desktop nehme!", entgegnet der Anwender und legt zufrieden die Füße hoch. Wir zeigen, ob er recht hat.

Nach dem Internet nun der Desktop: Mit Google Desktop finden Linux-Nutzer nicht nur verschollene Dokumente auf dem eigenen Rechner wieder, sondern durchforsten Textdateien, E-Mails und zahlreiche andere Dateiformate (siehe Kasten Durchsuchte Dateien). Fällt Ihnen also nicht mehr ein, in welchem Dokument sich Omas Geburtstagsdatum versteckt, drücken Sie zweimal [Strg] und geben den Suchbegriff ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Nach zweimaligem Drücken von Strg öffnet die Software eine Schnellsuchleiste.

Durchsuchte Dateien

  • Textdateien und Quellcode
  • PDF- und PS-Dateien
  • HTML-Dateien
  • E-Mails von Thunderbird
  • Gmail-Accounts
  • OpenOffice.org-Dokumente
  • Bild- und Musikdateien
  • Manpages und Info-Seiten
  • Datei- und Ordnernamen

Google einladen

Google ist benutzerfreundlich. Das riesige Unternehmen weiß recht genau, wie einfach Software sein muss, damit viele Menschen sie nutzen. Entsprechend leicht geht die Installation von Google Desktop von der Hand. Abhängigkeiten gibt es nicht, im Paket befinden sich alle nötigen Bibliotheken. Sie laden Google Desktop von der Webseite [1] herunter und legen es in einem selbst gewählten Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis ab. Benutzen Sie Mandriva Linux 2007, Suse Linux 10.1 oder OpenSuse 10.2, verwenden Sie das RPM-Paket, Kubuntu-Nutzer wählen das angebotene DEB-Archiv.

Als Suse-Nutzer drücken Sie [Alt]+[F2], geben konsole ein und navigieren über cd in das Download-Verzeichnis mit dem Google-Desktop-Archiv. Über su root erlangen Sie Root-Rechte und installieren das Paket dann via rpm -Uhv google-desktop-linux-1.0.1.0060.rpm. Das von Ihnen heruntergeladene Paket verfügt aber vermutlich bereits über eine andere als die hier genannte Versionsnummer.

Als Anwender von Mandriva Linux erlangen Sie ebenfalls Root-Rechte, wechseln in das Verzeichnis mit dem Software-Archiv und geben dort urpmi google-desktop-linux-1.0.1.0060.rpm ein. Die Installationsroutine fragt Sie, ob es die Software trotz fehlender Schlüssel zur Authentifizierung einspielen soll: Drücken Sie [j] und [Eingabe]. Eine ASCII-Grafik zeigt den Fortschritt beim Installieren.

Fehlt als Vierter im Bunde noch Ubuntu: Hier erlangen Sie Administratorrechte klassischerweise über sudo. Dementsprechend geben Sie sudo dpkg -i google-desktop-linux_1.0.1.0060_i386.deb ein, um das Paket einzuspielen.

Unter allen vier Distributionen schreibt Google Desktop Einträge ins Startmenü, über die Sie die Software bequem starten. Alternativ drücken Sie [Alt]+[F2] und tippen gdlinux. Zunächst folgt eine etwas irreführende Anfrage: Wollen Sie Erweiterte Funktionen aktivieren, Erweiterte Funktionen deaktivieren oder wollen Sie die Datenschutzbestimmungen lesen. Welche Daten Google von Ihnen erhält, wenn Sie die Funktionen aktivieren, lesen Sie im Kasten Google und Datenschutz. Per Mausklick treffen Sie eine Entscheidung, dann erscheint in der Systemleiste ein Google-Desktop-Icon – mehr passiert nicht.

Google und Datenschutz

Datenschützer gehen regelmäßig auf die Barrikaden, wenn es um Google geht. Dieser Wikipedia-Eintrag [2] und ein Artikel unter [3] beleuchten die Hintergründe. Der private Desktop ist ein sensibler Bereich, Sie sollten sich also die Bedingungen zum Datenschutz genau durchlesen, bevor Sie die Desktop-Suche einsetzen.

Einige Daten landen auf jeden Fall bei Google: "Ihre Google Desktop-Version verfügt über eine eindeutige Anwendungsnummer. Bei der Installation von Google Desktop werden diese Nummer und eine Nachricht an Google gesendet. Darin wird angegeben, ob die Installation erfolgreich war oder fehlgeschlagen ist. Außerdem überprüft Google Desktop automatisch, ob eine neue Softwareversion verfügbar ist." [4]

Erweiterte Funktionen aktivieren

Auf den Seiten zu Google Desktop für Linux beschreibt Google [5], was die "Erweiterten Funktionen" tun. Dabei "wird eine begrenzte Anzahl an nichtpersönlichen Daten auf Ihrem Computer gesammelt und an Google gesendet."

In der Google-Desktop-Hilfe liest sich das schon etwas anders: "Aktivieren Sie die "Erweiterte Funktionen" "werden Artikel, die Sie im Web oder in der Seitenleiste lesen, dazu verwendet, Ihnen im Gadget "News" relevantere Nachrichtenartikel zur Verfügung zu stellen. Um diese Personalisierung vorzunehmen, werden Informationen zu den von Ihnen besuchten Websites an Google gesendet. Wir können Ihnen versichern, dass persönliche Informationen wie Ihr Name oder Ihre E-Mail-Adresse nicht an Google gesendet wird." [6]

Überprüfen lässt sich die Nutzung der Daten nicht und die Formulierungen in den Datenschutzrichtlinien lassen keine Entwarnung zu – ein ungutes Gefühl bleibt.

Auf dem Index

Anfangs weiß auch Google nicht, was für Daten sich auf Ihrem Rechner befinden. Daher muss ihn die Software zunächst durchforsten, um sich ein Bild von Ihrem System zu machen. Diese so genannte Indizierung erfolgt gleich nach dem Start, der Google-Indexer versteckt sich allerdings wie ein scheues Reh im Hintergrund und kommt nur dann aus dem Dickicht der Prozesse, wenn Sie gerade nicht am System arbeiten. Das ergibt Sinn, schließlich brauchen Sie die Prozessor-Power für andere Dinge. Doch es gibt einen Weg um das scheue Reh aufzuspüren. Rufen Sie eine Konsole auf und geben Sie top ein, zeigt das Tool Ihnen, welche Systemprozesse gerade wieviel CPU-Leistung verbrauchen. Nun legen Sie sich auf die Lauer. Nach ein paar Minuten des Nichtstuns taucht der Indexer plötzlich auf dem Bildschirm, wo Sie ihn mit Ksnapshot erlegen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der scheue Indexer: Mit Ksnapshot und Top erwischen Sie die Software in einem unbeobachteten Moment bei der Arbeit.

Natürlich indizieren Sie noch auf anderen Wegen. Ein Rechtsklick auf das Icon in der Systemleiste bringt den Punkt Index zum Vorschein. Dahinter verbergen sich verschiedene Optionen zur Indizierung. Klicken Sie auf Indizierung anhalten tut Google Desktop genau das, ein Klick auf Indizierung fortsetzen nimmt den Faden wieder auf. Über Neu indizieren starten Sie eine neue Suche. Wollen Sie wissen, wie viele Dateien Google Desktop bereits auf dem Radar hat, wählen Sie IndexStatus. In diesem Fall öffnet Google ein Browserfenster, ruft die lokale Adresse 127.0.0.1 mit dem Port 34271 auf und zeigt im Browser eine Statistik über bereits indizierte Dateien.

Auf einem frisch aufgesetzten System zieht sich eine Indizierung schon eine ganze Weile hin. Die interne Statistik kalkuliert für OpenSuse 10.2 eine Dauer von sechs Stunden. Nehmen Sie über die Einstellungen bestimmte Dateien und Ordner von der Indizierung aus – wie in einem der folgenden Kapitel geschildert – geht das Ganze etwas fixer.

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