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PCLinuxOS 2007

11.10.2007
PCLinuxOS steht bei Distrowatch auf Platz 1 der meistbesuchten Seiten und hat sogar Ubuntu überholt. Darum ist es Zeit, einen Blick auf diese Distribution zu werfen.

Beim Informationsportal Distrowatch [1], das zahlreiche Distributionen vorstellt, nimmt PCLinuxOS [2] die Position 1 in der Rangliste ein. Das bedeutet weder, dass PCLinuxOS die beste noch dass es die meistgenutzte oder beliebteste Linux-Distribution ist. Die Topplatzierung besagt lediglich, dass es in den letzten sechs Monaten die am häufigsten besuchte Seite auf Distrowatch ist. Überragend viele Besucher des Linux-Portals interessierten sich genau für diese Distribution. Grund genug, Ihnen das Betriebssystem vorzustellen.

PCLinuxOS wurde 2003 von einer Handvoll Linux-Enthusiasten auf Grundlage von Mandrake Linux (heute:Mndriva Linux) entwickelt. Im Mai dieses Jahres erschien die aktuelle Pclos-Version 2007, die neben dem Live-Betrieb die Möglichkeit bietet, das System fest auf dem Computer zu installieren.

Einfach weil einfach einfach ist?

Nach eigenen Aussagen konzipierten die Entwickler die Distribution speziell für Linux-Einsteiger. Den Ausdruck "radically simple" (deutsch: radikal einfach) machten sie zum Schlagwort, das jedes PCLinuxOS-Logo ziert. Die Heft-DVD ist so angelegt, dass Sie PCLinuxOS als Live-System starten können, ohne Ihr bestehendes Linux oder Windows zu verändern. Möchten Sie es ausprobieren, legen Sie die DVD in das Laufwerk ein und starten den Computer neu.

Die Distribution bootete in unserem Test zunächst ohne Schwierigkeiten. Noch bevor KDE startet, führen Sie mehrere Dialoge durch die Konfiguration der Internetanbindung. Läuft alles kabelgebunden über eine Netzwerkkarte und einen DHCP-Router, klappt die Einrichtung ohne Schwierigkeiten und vollständig automatisch. Problematisch wird es hingegen, wenn Sie ein USB-Modem benutzen oder sich über ein WLAN verbinden (Kasten "Internetanbindung")

Internetanbindung

Im Test verwendeten wir ein analoges USB-Modem (Typhoon Silver Crest), um eine Verbindung ins Netz aufzunehmen. Zwar erkannte PCLinuxOS das Modem, war aber auf Grund fehlender Pakete nicht in der Lage, die notwendigen Treiber zu aktivieren. Genauso unwillig gestaltete sich die Einbindung eines Wlan-USB-Sticks (im Test ein Dlink DWL-G122). Zwar ermittelte das Live-Betriebssystem den richtigen Typ, lud aber einen falschen Treiber. Eine Verbindung mit dem kabellosen Netzwerk kam ohne Weiteres nicht zustande.

Die Distribution setzt auf KDE 3.5.6 (Abbildung 1), das auch bei Kubuntu 7.04 seine Arbeit verrichtet. Andere Desktop-Environments wie Gnome oder Xfce können Sie nach der Installation auf den Rechner nachrüsten. Allerdings haben die Entwickler es nicht bei einem Standard-KDE belassen, sondern einiges aus den Mandriva-Schmieden hinzugefügt: Die Installation aus dem Live-Betrieb heraus übernimmt beispielsweise ein Drakx-Tool.

Die Live-CD enthält mehr als die Standardausrüstung für den Desktop. Neben den üblichen Applikationen wie Firefox, Gimp und OpenOffice sind Digikam, Amarok, MPlayer sowie K3B sofort mit an Bord. Auffallend aktuell sind die Programmversionen: Firefox 2.0.0.3, Gimp in Version 2.3.16 und OpenOffice 2.2. Ein Sahnehäubchen bringt PCLinuxOS mit der NTFS-Schreibunterstützung mit: Sie ermöglicht Ihnen das Lesen von und Schreiben auf Windows-Datenträger. Das Feature ist besonders für diejenigen interessant, die neben Linux auch mit Windows arbeiten. Zur Aktivierung gibt es auf dem Desktop ein Icon ntfs-config.

Abbildung 1: Die KDE-Oberfläche von PCLinuxOS. Gnome, Xfce und andere Windowmanager stellt die Distribution ebenfalls bereit.

Kontrolle behalten

Dreh- und Angelpunkt im PCLinuxOS-Universum ist das Control Center, nicht zu verwechseln mit dem KDE-Kontrollzentrum. Hier konfigurieren Sie mit Hilfe vieler kleiner Werkzeuge neben dem Computerinnenleben auch den Scanner, Monitor und Drucker (Abbildung 2). Die Kategorien sind übersichtlich angeordnet und lassen sich dank der gut verständlichen Einstellmöglichkeiten sicher bedienen. In diesem Zusammenhang ist sehr positiv aufgefallen, dass das Controll Center automatisch die für die Einrichtung einer Komponente notwendigen Pakete nachinstalliert, ohne dass Sie erst den Paketmanager bemühen müssen.

Abbildung 2: Übersichtlich und einfach zu bedienen: die Schaltzentrale von PCLinuxOS.

Ein echtes Highlight stellt die Installation und Einrichtung von Nvidia-Grafikkarten dar. Die Suche nach dem richtigen Treiber gestaltet sich einfach, da der Paketmanager APT (Advanced Packaging Tool) mit allen Paketquellen vorkonfiguriert ist und auch proprietäre Treiber gleich zur Auswahl stehen. Automatisch installiert die Distribution die zugehörigen Abhängigkeiten und passt die Treiber an den Kernel an. Einzig ein Neustart der grafischen Oberfläche ist notwendig, damit der neue Grafikkartentreiber seine Arbeit aufnimmt. Darüber hinaus spielt der Paketmanager ein Helferprogramm ein, das nach jedem Kernel-Update den Nvidia-Treiber selbständig erneuert. Sie brauchen also keine Extrapakete mehr und keine Befehle zum Kompilieren: Einfacher geht es nicht. Für Besitzer von ATI-Grafikkarten ist die Installation der Treiber nicht ganz so einfach. Das deutsche PCLinuxOS-Forum beschreibt aber in einer Anleitung, wie Sie die proprietären ATI-Treiber einspielen [3].

Mit der von Ubuntu bekannten APT-Bedienoberfläche Synaptic spielen Sie problemlos neue Pakete ein und aktualisieren das Betriebssystem mit wenigen Klicks. Ebenso einfach aktivieren Sie den 3D-Desktop: Alle notwendigen Pakete sind vorinstalliert, und im Control Center steht ein eigener Abschnitt zum Konfigurieren der 3D-Desktop-Effekte bereit. Entscheiden Sie sich ganz nach Ihrem Geschmack für Compiz oder Beryl und setzen Sie die notwendigen Häkchen – fertig (Abbildung 3).

Abbildung 3: Alle Pakte für den 3D-Desktop sind vorinstalliert.

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