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Stitching mit Hugin

Nähkurs

Nähen ist einfacher als gedacht! Zumindest das Aneinandernähen (stitchen) mehrerer Bilder oder Fotos zu einem Panorama gelingt mit Hugin in wenigen Schritten. Aber das Programm kann einiges mehr.

Panoramaaufnahmen sehen sehr beindruckend aus. Alle, die sich dieser Aufnahmesituation gestellt haben, wissen, dass sie mit einer Foto-Standardausrüstung schnell die Grenzen des Möglichen erreichen. Nicht jeder mag sich daraufhin ein für Panoramaaufnahmen geeignetes und teures Weitwinkelobjektiv für seine Spiegelreflexkamera kaufen. Zudem benutzt der Durchschnittsknipser Sucherkameras, an denen er kein anderes Objektiv ansetzen kann. Das Problem bei Panoramaaufnahmen ist der begrenzte horizontale Bildwinkel der Standardobjektive. Zum Glück gibt es für solche Fälle freie Software. Das Stitch-Programm Hugin [1] ist in der Lage, mehrere Bilder nahtlos aneinanderzuheften. Stitching (engl. nähen) bezeichnet in der Fotografie das Erstellen einer großen Fotografie aus einzelnen Aufnahmen. Das können z. B. in Folge und mit horizontalem Versatz aufgenommene Fotos einer Gebirgskette sein, die dann ein Panorama ergeben.

Damit ist der Funktionsumfang des Programms aber noch nicht erschöpft. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel auch, wie Sie mit Hugin stürzende Linien von Gebäuden ausgleichen oder große Scanvorlagen zu einem Bild zusammenfügen.

Hugin ist ein Frontend (GUI), also eine grafische Oberfläche, die im Hintergrund andere unabhängige Programme aufruft. Dazu gehören die Panorama-Tools [2] (PanoTools) und Enblend [3]. Erstere sorgen für das Aneinanderreihen der einzelnen Bilder anhand von Kontrollpunkten und mathematischen Berechnungen. Einen weichen und oft unsichtbaren Übergang an der Schnittstelle der Fotos schafft die Software Enblend.

Nadel, Faden und Schere: ein wenig Theorie

Wie funktioniert das Erstellen eines Panoramas theoretisch? Am Anfang steht die Aufnahme des Motivs, das in mehreren Bildern vollständig abgebildet wird. Am einfachsten ist es, von links zu beginnen und nach jedem Foto den Bildausschnitt etwas weiter nach rechts zu verschieben. Dabei ist es wichtig, dass sich die Bilder zu etwa 30 bis 50 Prozent überschneiden: Das hilft später dabei, viele Kontrollpunkte zu markieren und dadurch eine perfekte Überblendung zu erreichen. Wie viele Bilder für ein Panorama in Frage kommen, hängt vom Einzelfall ab. Der klassische Fall beschränkt sich auf drei Bilder, es können aber auch weitaus mehr sein.

Nachdem die Fotos von der Kamera auf den heimischen PC übertragen sind, kommt auch schon die Software zum Einsatz. Hier wählen Sie zuerst die Bilder aus und geben Aufnahme- sowie Objektivparameter an. Einer der wichtigsten Arbeitsschritte folgt auf dem Fuße: das Setzen von Kontrollpunkten. Diese ergeben sich aus hervorstechenden Merkmalen zweier aufeinanderfolgender Fotos und befinden sich in ihren Überlappungszonen. Sind genügend Punkte gefunden (es sollten pro Bildpaar mindestens zehn sein), berechnet Hugin daraus die Lage der einzelnen Fotos zueinander, um diese optimal aneinanderzufügen. Darauf folgt die Projektion. Dieser Vorgang ähnelt der Abbildung eines Dias auf eine Projektionsfläche. Das zusammengesetzte Panorama fungiert dabei als Dia und wird auf eine Leinwand geworfen, die die Form eines Zylinders (Innenseite) oder einer planen, rechtwinkligen Fläche hat.

Kostüm, Kleid oder Anzug? Das Panorama

Wie Sie Hugin auf Ihrem Computer installieren erfahren Sie in der Anleitung auf der Heft-DVD. Hugin starten Sie über das Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]). Geben Sie den Befehl hugin ein und bestätigen Sie mit [Eingabe]. Die wichtigsten Arbeitsschrite auf der Oberfläche über Reiter erreichbar. Zu Beginn fügen Sie im Reiter Bilder alle Fotos hinzu, die das Programm zusammensetzen soll. Auf der Heft-DVD finden Sie im Ordner hugin sechs Aufnahmen (muenchen-easy_artikel*.tif), die Sie für erste Tests benutzen können. Dabei stehen Ihnen zwei Möglichkeiten zur Auswahl, die sich am rechten Fensterrand befinden. In der Praxis bewährte sich die manuelle Auswahl der Fotos über den Knopf Einzelne Bilder hinzufügen.

Nachdem Sie sich für die richtigen Bilder entschieden haben (Mehrfachauswahl durch Drücken der Taste [Strg]), klicken Sie auf Öffnen. Im oberen Bereich der Hugin-Oberfläche sehen Sie jetzt alle ausgewählten Bilder (Abbildung 1). Bevor Sie zum nächsten Reiter wechseln, definieren Sie das mittlere Bild als Anker/Basis für das Panorama. Dazu wählen Sie das Foto aus der Liste aus und klicken im Bereich Ankerbilder (im unteren Teil des Fensters) jeweils einmal auf Positionsanker setzen und Belichtungsanker setzen. Hugin verwendet den Anker als Basis des Panoramas und richtet die anderen Fotos in Hinblick auf Position und Helligkeit darauf aus.

Abbildung 1: Übersicht behalten: Die Hugin-Oberfläche teilt sich in fünf Reiter auf.

Im nächsten Reiter teilen Sie Hugin mit, welchen Objektivtyp Sie benutzt haben und welche Eigenschaften es besitzt. In den meisten Fällen benötigen Sie hier nur drei Angaben: Das ist zum einen der Bildwinkel (v) und die bei der Aufnahme verwendete Brennweite sowie zum anderen der Objektivtyp. Besitzen Sie eine Digitalkamera, dann haben Sie es leicht, denn Hugin liest die EXIF-Informationen der Bilder aus und füllt die wichtigsten Felder im Bereich Designparameter automatisch aus. Die Checkbox Vererben sorgt für die Übertragung der Werte auf das oder die nächsten Bilder. Sie sparen also Tipparbeit.

Kennen Sie Ihr Objektiv gut und haben dafür ein Handbuch, dann finden Sie dort die Eigenschaften des Linsensystems. Übertragen Sie die Werte in die Felder Radiale Verzerrung, Verschiebung der Bildmitte, Bildscherung sowie Belichtung und Farbe. Besitzen Sie keine Angaben zu Ihrem Objektiv, dann verändern Sie die vorgegebenen Werte nicht. Hugin berücksichtigt die Abbildungsfehler des Objektivs und ermöglicht eine noch genauere Ausrichtung der Fotos zueinander. Alle Angaben des Objektivs können Sie separat speichern und bei Bedarf über den Knopf Objektiv laden für ein neues Projekt aufrufen. Dadurch verwalten Sie verschiedene Objektive oder Kameratypen. Darüber hinaus ist es möglich, in einem Projekt Fotos zu verwenden, die mit verschiedenen Objektiven gemacht wurden. Jedes Bild bekommt eine Objektivnummer zugewiesen, die Sie in der gleichnamigen Tabellenspalte festlegen.

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