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Manuelle Ablage

Flexible Backups mit Shell-Befehlen

11.10.2007
Datensicherung gelingt am schnellsten in der Shell, wenn Sie die passenden Kommandos kennen – dieser Artikel stellt sie vor und präsentiert zudem ein kleines Skript für inkrementelle Backups.

In der Titelstrecke haben Sie erfahren, wie Sie mit grafischen Tools (Ark, X Archiver und X Archive Manager) Sicherungen wichtiger Dateien anlegen. Im Hintergrund arbeiten dabei immer tar und eines der beiden Komprimierprogramme gzip und bzip2. Wenn Sie auf eine komfortable Oberfläche verzichten können, nutzen Sie diese Kommandozeilentools deutlich flexibler, etwa für inkrementelle Backups.

Szenario und Vorbereitungen

Wir gehen in diesem Artikel davon aus, dass Sie für das Backup eine zweite Festplatte verwenden – die kann im Rechner fest eingebaut sein, besser ist es aber, eine externe USB-Platte zu verwenden, die Sie räumlich vom PC getrennt aufbewahren: Das erhöht die Sicherheit.

Beim Anschließen der zweiten Platte wird Linux diese automatisch einbinden. Sie müssen darauf mindestens eine Linux-Partition angelegt haben. Für alle folgenden Schritte benötigen Sie eine Shell mit Root-Rechten. Öffnen Sie also mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster und geben Sie dort den Befehl su und anschließend Ihr Root-Passwort ein. (Ubuntu-Anwender geben sudo su und dann das Benutzerpasswort ein.)

  1. Zunächst müssen Sie heraus finden, unter welchen Gerätedateinamen Sie die Partitionen Ihrer zweiten Festplatte erreichen. Das erreichen Sie über den Befehl fdisk -l – der listet sämtliche Partitionen aller Festplatten auf. Listing 1 zeigt eine beispielhafte Ausgabe von fdisk.
Listing 1

Ausgabe von fdisk

# fdisk -l
Platte /dev/hda: 80.0 GByte, 80026361856 Byte
255 Köpfe, 63 Sektoren/Spuren, 9729 Zylinder
Einheiten = Zylinder von 16065 × 512 = 8225280 Bytes
   Gerät  boot.   Anfang    Ende    Blöcke   Id  System
/dev/hda1             1     131    1052226   82  Linux Swap / Solaris
/dev/hda2           132    9729   77095935    f  W95 Erw. (LBA)
/dev/hda5           132    2742   20972826   83  Linux
/dev/hda6          2743    5353   20972826   83  Linux
/dev/hda7          5354    9139   30411013+  83  Linux
/dev/hda8          9140    9729    4739143+   c  W95 FAT32 (LBA)
Platte /dev/sda: 300.0 GByte, 300090728448 Byte
255 Köpfe, 63 Sektoren/Spuren, 36483 Zylinder
Einheiten = Zylinder von 16065 × 512 = 8225280 Bytes
   Gerät  boot.   Anfang    Ende    Blöcke   Id  System
/dev/sda1   *         1   36483  477806080    7  Linux
  1. Im Beispiel ist auf der zweiten Festplatte (/dev/sda) nur eine einzige Partition vorhanden: /dev/sda1. Wenn Sie diese bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit einem Linux-Dateisystem formatiert haben, können Sie den folgenden (dritten) Schritt überspringen.
  2. Die Partition muss ein Linux-Dateisystem erhalten, Standard dafür ist das Ext3-Format. Sie formatieren die Partition mit

    mkfs.ext3 /dev/sda1

    Hier ist wichtig, dass Sie sda1 durch den korrekten Partitionsnamen ersetzen, den Sie in Schritt 1 ermittelt haben, damit Sie keine Daten überschreiben!

  3. Legen Sie nun unter /media ein neues Verzeichnis an, das der Mountpoint für die Backup-Partition wird:

    mkdir /media/backup
  4. Dann tragen Sie die Partition in die Datei /etc/fstab ein, damit Linux sie künftig automatisch einbindet. Wenn es sich um eine USB-Platte handelt, können Sie in der folgenden Zeile die Option defaults durch noauto,user ersetzen, damit das System nicht automatisch versucht, die Platte einzubinden, Sie dies aber (ohne Root-Rechte) nach dem Anschließen nachholen können.

    /dev/sda1  /media/backup  ext3  defaults  0  0

    (Hier ersetzen Sie wieder sda1 durch die korrekte Gerätebezeichnung.) Speichern Sie die Datei und verlassen Sie den Editor.

  5. Mounten Sie nun die Partition mit dem Befehl mount /media/backup.
  6. Auf der Backup-Platte legen Sie nun ein Unterverzeichnis für Ihre Sicherungen an und tragen sich selbst als Eigentümer dieses Verzeichnisses ein:

    mkdir /media/backup/sicherungen
    chown Username /media/backup/sicherungen

    Im chown-Aufruf müssen Sie also Ihren eigenen Benutzernamen eintragen.

Damit sind die Vorbereitungen abgeschlossen.

Datensicherung

Für die Sicherung Ihrer privaten Daten benötigen Sie in diesem Szenario keine Root-Rechte: Lesen dürfen Sie die Dateien in Ihrem Home-Verzeichnis ohnehin, und für das Backup-Verzeichnis haben Sie sich bei der Einrichtung die nötigen Rechte gegeben. Wollen Sie sämtliche Home-Verzeichnisse sichern, müssen Sie anders vorgehen und mit Root-Rechten arbeiten.

Im einfachsten Fall sichern Sie Ihr gesamtes privates Home-Verzeichnis, das den Pfad /home/Benutzername hat. Wechseln Sie mit cd (ohne Argumente) dort hin – wenn Sie die Shell gerade erst gestartet haben, befinden Sie sich bereits am richtigen Ort.

Der folgende Befehl erzeugt ein komprimiertes Archiv (vergleichbar mit einem zip-Archiv):

tar -c -j -f /media/backup/sicherungen/backup-2007-09-20.tar.bz2 .

Die Optionen, die Sie tar hier übergeben, haben die folgenden Bedeutungen:

  • Mit -c (create) erzeugen Sie eine neue Archivdatei.
  • Über -j weisen Sie tar an, das erzeugte Archiv mit dem Komprimierer bzip2 Platz sparend anzulegen. Alternativ könnten Sie hier auch -z (also: tar -c -z -f ...) angeben, um gzip statt bzip2 zu verwenden, müssten dem Archiv dann aber eine andere Dateiendung (tar.gz) geben. Mit bzip2 erreichen Sie eine etwas höhere Kompressionsrate als mit gzip.
  • Schließlich gibt -f (file) den Dateinamen für das Archiv an.

Es ist üblich, beim Tippen etwas Zeit zu sparen und alle Optionen zusammenzufassen: Statt tar -c -j -f /media/... schreiben Sie kurz tar -cjf /media/... und benötigen damit vier Tastenanschläge weniger.

Auf diese Weise aufgerufen, erledigt tar seine Arbeit kommentarlos. Wollen Sie beim Erstellen des Archivs beobachten, welche Dateien aus Ihrem Home-Verzeichnis das Programm sichert, geben Sie zusätzlich die Option -v an, die Sie auch in die Optionensammlung integrieren können (tar -cvjf ...):

$ tar -cvjf /media/backup/sicherungen/backup-2007-09-20.tar.bz2 .
./
./.qt/
./bin/
./.kde/
./.kde/share/
./.kde/share/apps/
./.kde/share/apps/kconf_update/
./.kde/share/apps/kconf_update/log/
./.kde/share/apps/kconf_update/log/update.log
[…]

Wichtig ist, dass Sie in diesem Befehl nicht den Punkt vergessen, der ganz am Ende hinter dem Archivnamen und einem Leerzeichen folgt: Der Punkt . gibt immer das aktuelle Verzeichnis an, hier also Ihr Home-Verzeichnis.

Welche Dateien das Archiv enthält, können Sie auch nachträglich bequem feststellen: Dazu rufen Sie tar mit den Optionen -tjf und dem Archivdateinamen auf, im Beispiel:

$ tar -tjf /media/backup/sicherungen/backup-2007-09-20.tar.bz2
./
./.qt/
./bin/
./.kde/
[…]

Um bei einem gut gefüllten Archiv nicht den Überblick zu verlieren, leiten Sie die Ausgabe an den Dateibetrachter less weiter, indem Sie hinter den Befehl noch | less schreiben; dann können Sie mit den Cursortasten, [Seite hoch] und [Seite runter] durch die Dateiliste blättern. Sie beenden die Anzeige mit [Q] (für "quit").

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