Aufmacher Artikel

Datensicherung unter Linux

Vernünftige Vorratshaltung

Eine vernünftige Vorratshaltung von Daten ist wichtig. Das merken Sie spätestens dann, wenn Sie unverzichtbare Dateien suchen, aber nicht mehr finden. Oder wenn Ihr Computer tatsächlich einmal crasht. Wohl dem, der Backups hat.

Datensicherung gehört nicht zu den beliebtesten Themen eines Computeranwenders. Dennoch: Indem Sie sich einmal ein bisschen und später nur noch ganz wenig Arbeit machen, treffen Sie für den Fall Vorsorge, dass Ihre Daten doch einmal auf Nimmerwiedersehen verschwinden möchten.

Datenstruktur unter Linux

Damit Sie sich überhaupt für Ihren PC eine Strategie zur Datensicherung überlegen können, sollten Sie wissen, wie Linux Ihre Dateien organisiert. Wenn Sie früher einmal mit Windows gearbeitet haben, kennen Sie so genannte Laufwerksbuchstaben. C: steht für die erste Windows-Partition, das Verzeichnis C:\windows enthält die wichtigsten Dateien des Betriebssystems. D: könnte Ihr CD-ROM-Laufwerk gewesen sein, Z: irgendein Netzlaufwerk auf dem Server. Diese Struktur werden Sie unter Linux nicht wiederfinden. Das freie Betriebssystem arbeitet stattdessen mit einem großen Verzeichnisbaum mit einem Wurzelverzeichnis (englisch: root directory) und beliebig vielen Unterverzeichnissen. Jede Partition, die Sie anlegen, jedes externe Speichermedium, wie CD- und DVD-Laufwerk oder Wechselplatte und USB-Stick, können Sie an beliebiger Stelle in diese Verzeichnishierarchie einbinden.

Trotz aller Flexibilität und Beliebigkeit: Natürlich gibt es eine Logik hinter dem Linux-Dateisystem, die Sie für Ihre Backup-Strategie nutzen können. Die oberste Ebene Ihres Dateisystems heißt Root-Verzeichnis. Sie erreichen es im Konqueror über den Pfad /. Im Root-Verzeichnis liegen alle Daten, die auf Ihrem PC gespeichert sind, und auch die aller externen Datenträger (Abbildung 1). Hier legen das Betriebssystem sowie die Programme, die Sie vielleicht nachträglich installieren, ihre Programmdaten ab.

Abbildung 1: Ein typischer Blick in den Konqueror verrät: Unter Linux gibt es keine Laufwerksbuchstaben. Alle Daten sind in Verzeichnissen gespeichert.

Das wichtigste Verzeichnis für Ihre persönlichen Daten ist /home/username. Der Username ist dabei identisch mit Ihrem Anmeldenamen. Linux ist prinzipiell ein Mehrbenutzersystem: Legen Sie als Administrator auf Ihrem Rechner einen neuen User an, bekommt der sofort ein eigenes Homeverzeichnis mit seinem Namen. Auch der Administrator hat ein eigenes Homeverzeichnis. Das liegt allerdings nicht im Home-, sondern im Verzeichnis /root, damit es auch beim Start im Single User Mode immer zu erreichen ist. Um sich dieses Verzeichnis anzuschauen, benötigen Sie Root-Rechte, die Sie so erlangen: Öffnen Sie über [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster und geben Sie kdesu konqueror ein. Damit starten Sie den Dateimanager Konqueror als Superuser. Danach geben Sie Ihr Administratorpasswort ein und können dann alle Verzeichnisse anschauen. Um tatsächlich auch sämtliche Dateien zu sehen, wählen Sie aus dem Menü Ansicht die Funktion Versteckte Dateien anzeigen (oder: View / Show Hidden Files). Dann sehen Sie auch solche, die vor dem Datei- oder Ordnernamen einen Punkt haben, der normalerweise dafür sorgt, dass diese Dateien nicht zu sehen sind.

Wann immer Sie eigene Daten erzeugen – etwa beim Schreiben eines Briefs, beim Bearbeiten einer Calc-Tabelle oder beim Verschönern eines Bilds in Gimp –, speichern Sie im Normalfall diese Daten in dem Home-Verzeichnis mit Ihrem Benutzernamen. Sie können dort der Übersichtlichkeit halber neue Unterverzeichnisse anlegen, zum Beispiel Dokumente oder Bilder, so dass Sie schnell wiederfinden, was Sie dort abgelegt haben.

Nicht von ganz so zentraler Bedeutung, aber dennoch wichtig sind die Konfigurationsdateien Ihres Linux-Systems im Verzeichnis /etc. Danach folgt lokal installierte Software, die Sie – wenn nicht in Ihrem Home-Verzeichnis – dann zum Beispiel unter /usr/local finden. Kein Backup sollten Sie von den Programmen machen, die Teil Ihrer Linux-Distribution sind: Die können Sie leicht von der CD oder DVD wiederherstellen, sollte da wirklich mal was verloren gehen.

Oft erzeugen aber auch das Betriebssystem oder von Ihnen verwendete Programme Daten sozusagen in Ihrem Auftrag, zum Beispiel, weil Sie die Konfiguration von Writer ändern oder im Webbrowser einen Bookmark hinzufügen. Solche Dateien landen ebenfalls in Ihrem Home-Verzeichnis, wenn auch oft in verborgenen Ordnern oder in irgendwo in der Dateihierarchie versteckten Verzeichnissen.

Daher reicht es im Prinzip aus, die Daten aus Ihrem Home-Verzeichnis zu sichern, damit keine wertvollen Daten verloren gehen. Mitunter nimmt ein solches Verzeichnis allerdings eine beträchtliche Größe an – wenn Sie Ihren PC alleine nutzen, ist das Home-Verzeichnis fast so groß wie die gesamte Festplatte. So bekommen Sie den gesamten Inhalt von home/username schwerlich auf einmal gesichert. Arbeiteten Sie mit DVD-Rs, benötigten Sie für eine 100 GByte große Platte mehr als 20 dieser Medien.

Daten im System sichern

Da ist es wesentlich sinnvoller, wichtige Daten im Dateisystem selbst zu sichern. Grundsätzlich bietet es sich an, dafür zwei Festplatten zu verwenden: Die eine enthält die Daten, die andere ihre Sicherung. Geht eine der Festplatten kaputt, finden Sie auf der anderen alle Daten wieder.

Die unkomplizierteste Art, Daten zu sichern, ist das Komplett-Backup ganzer Verzeichnisse. Öffnen Sie zweimal ein Konqueror-Fenster und ziehen Sie das eine Verzeichnis von dem einen in das andere Fenster. Lassen Sie die Maustaste los, haben Sie die Wahl zwischen An diese Stelle verschieben und An diese Stelle kopieren. Hier wählen Sie die zweite Option, denn Sie möchten Ihre Daten ja an anderer Stelle sichern, ohne sie am Ursprungsort aufzugeben. Diesen Vorgang wiederholen Sie in regelmäßigen Abständen. Fragt Konqueror nach, was er mit bereits vorhandenen Daten tun soll, wählen Sie Automatisch überspringen. Dann lässt das Programm die bereits gesicherten Dateien unverändert, was bei wiederholtem Backup eine Menge Zeit spart.

OpenSuse bietet mit seinem Systemwerkzeug YaST ebenfalls Möglichkeiten für einfache Backups. Sie erreichen dieses Tool unter System / Sicherungskopie der Systembereiche. Im Prinzip kann das Backup-Werkzeug nicht mehr als Sie im Konqueror, mit einer Ausnahme: Sie können das Tool so konfigurieren, dass es automatische Sicherheitskopien in einem einstellbaren Zeitraum macht. Dazu legen Sie über Profilverwaltung / Hinzufügen ein neues Profil an und weisen anschließend diesem Profil über die Profilverwaltung wieder die Option Automatische Sicherungskopie zu (Abbildung 2). Aktivieren Sie Sicherungskopie automatisch starten und stellen Sie eine Frequenz sowie einen Startzeitpunkt für Sicherungskopie ein. Damit haben Sie immerhin für regelmäßige Backups gesorgt. Damit die nicht zu viel Platz verbrauchen, bestimmen Sie hier auch die maximale Anzahl alter Sicherungskopien. Ist diese Zahl erreicht, löscht das Backup-Programm die älteren Kopien.

Abbildung 2: Über die Systemwerkzeuge von OpenSuse können Sie auch automatische Sicherungskopien erstellen lassen. So sparen Sie sich manuelle Arbeit beim Backup.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Angetestet
  • Gnomogramm
  • Daten sichern mit mintBackup
    Das clevere mintBackup sichert nicht nur Dateien, sondern auch eine Liste mit allen derzeit installierten Programmen.
  • Gut aufgehoben
    Der tatsächliche Nutzen eines Backup-Programms zeigt sich oft erst dann, wenn die Wiederherstellung ansteht. Mit Areca sind Ihre Daten auch in schwierigen Zeiten in guten Händen.
  • Doppelt gemoppelt
    Jeder weiß, wie wichtig regelmäßige Sicherheitskopien sind. Dass trotzdem so viele Benutzer darauf verzichten, hängt nicht zuletzt auch daran, dass es unter Linux nur wenige leicht zu bedienende Backup-Tools gibt. Hier setzt Keep an.
Kommentare

Infos zur Publikation

EL 08-10/2017: BACKUP

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet 9,80 Euro. Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 33,30 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 2 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...
Backup mit KUP unter Suse 42.3
Horst Schwarz, 24.09.2017 13:16, 3 Antworten
Ich möchte auch wieder unter Suse 42.3 mit Kup meine Backup durchführen. Eine Installationsmöglic...
kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 5 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...