Barrierefreiheit verschafft Menschen in einer Gesellschaft die Autonomie und Mittel, um ein aktives soziales und wirtschaftliches Leben zu führen, heißt es sinngemäß in der Accessibility-Agenda 2010 der Europäischen Union (EU). Im übertragenen Sinne gilt das auch für Informationstechnologien.

Was Barrierefreiheit genau ist, legt das deutsche Behindertengleichstellungsgesetz fest: "Barrierefrei sind (…) Systeme der Informationsverarbeitung (…), wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind."

Im Gegensatz dazu erschweren moderne Betriebssysteme immer noch durch eine ganze Reihe von Barrieren Menschen mit Behinderungen den Umgang mit Informationstechnologie. So ist es zum Beispiel für sehbehinderte Menschen kaum möglich, mit den Schriftgrößen zu arbeiten, die Programme ihnen in den Grundeinstellungen bieten. Auch die voreingestellten Kontraste – etwa schwarze Schrift auf weißem Untergrund – erschweren unter Umständen den Umgang mit dem Computer. Körperbehinderte Menschen haben oft Probleme, Programme mit der Maus zu bedienen. Software mit rein grafischer Oberfläche wird in diesem Fall eher zu einer unüberwindbaren Hürde als zu einer Erleichterung.

Es bewegt sich was

Von offizieller Stelle wie von engagierten Entwicklern wird allerdings einiges dafür getan, Menschen mit Behinderungen einen barrierefreien Zugang zu Informationstechnologien zu ermöglichen. So ist es zum Beispiel mittlerweile vorgeschrieben, dass Internetseiten von Behörden und öffentlichen Einrichtungen ihre Besucher ohne Hindernisse empfangen müssen. Dazu gehören zum Beispiel die Skalierbarkeit der Schrift, der Verzicht auf rein grafische Menüs, die Screenreader nicht vorlesen können, sowie die Option, statt mit der Maus über Tastenkürzel auf einer Seite zu navigieren. Genauso wichtig ist es zudem, Inhalte leicht verständlich und übersichtlich zu präsentieren.

Sie können sich auch selber helfen, wenn Sie Probleme mit Internetseiten haben: Benutzen Sie den Webbrowsers Firefox und stellen Sie einfach eine größere Schrift ein! Halten Sie [Strg] gedrückt und ziehen Sie das Scrollrad der Maus nach hinten. So vergrößern Sie die Ansicht. Denselben Effekt erzielen Sie, indem Sie die Tastenkombination [Strg]+[+] zum Vergrößern benutzen. Das Verkleinern geht entsprechend über [Strg]. Sie können den Schriftgrad aber auch dauerhaft umstellen: Klicken Sie dazu in den Einstellungen von Firefox, die Sie über Bearbeiten erreichen, im Register Allgemein auf Schriftarten & Farben. Stellen Sie dort bei Größe (Pixel) einen höheren Wert ein, zum Beispiel 18. Im Bereich Bildschirmauflösung bei Minimale Schriftgröße nehmen Sie ebenfalls einen höheren Wert, zum Beispiel 18. Klicken Sie zweimal auf OK, um die Einstellungen zu übernehmen.

Allerdings kann es mit diesen Einstellungen passieren, dass Sie das Layout mancher Internetseiten "zerschießen", es also auf Ihrem Monitor ganz anders aussieht, als von den Anbietern beabsichtigt. Andererseits ermöglichen diese Einstellungen aber, dass mehr Leute die Inhalte solcher Seiten lesen können.

Wenn Sie das vergrößerte Layout einer Seite zu sehr stört, schalten Sie es einfach ab. Dann sehen Sie nur noch den – allerdings schmucklosen – Inhalt. Wählen Sie dazu im Firefox Ansicht / Webseiten-Stil / Kein Stil.

Barrierefrei mit Bordmitteln

Auch das freie Betriebssystem Linux mit seinen vielen verschiedenen Distributionen muss sich daran messen lassen, wie barrierefrei es für seine Benutzer ist. Schon in der Standardinstallation bringen OpenSuse 10.2, Mandriva Linux oder Kubuntu und die mitinstallierten Programme dieser Distributionen die wichtigsten Optionen für Barrierefreiheit mit. Allerdings präsentiert sich so gut wie kein Programm von Hause aus behindertenfreundlich. Ohne fremde Unterstützung ist es zudem kaum möglich, die Grundeinstellungen zu ändern. Daher sollten sich Menschen mit Behinderungen beim Einrichten Ihres Computers helfen lassen.

Aktivieren Sie zunächst die Zugangshilfen Ihres Betriebssystems. Unter OpenSuse 10.2 und Kubuntu drücken Sie zum Öffnen des Schnellstartfensters [Alt]+[F2] und geben dort kcmaccess ein. So öffnen Sie das KDE-Kontrollmodul Einrichten. Bei Mandriva Linux 2007 erreichen Sie diese Einstellungen über das K-Menü. Wählen Sie dort System / Einstellungen / Kontrollzentrum und dann unter Regionaleinstellungen & Zugangshilfen die Zugangshilfen.

Im selben Modul stellen Sie auch die Signale Ihres Computers ein. Auf Wunsch warnt Ihr PC Sie bei einer Fehlbedienung mit einem akustischen Signal. Sie können das aber auch in ein sichtbares Signal ändern, wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Signalton des Systems zu hören.

Sind Sie motorisch eingeschränkt, sorgen Sie dafür, dass die Tasten [Umschalt],[Strg] und [Alt] einrasten, so dass Sie künftig Tastenkombinationen hintereinander ausführen. Wechseln Sie dafür in das Register Klebende Tasten (Abbildung 1) und aktivieren Sie die Option Klebende Tasten verwenden. Bestätigen Sie die Einstellung mit Anwenden. Ab jetzt drücken Sie zum Beispiel einmal [Alt] und danach die Taste [F2], um die Schnellstartleiste zu aktivieren. Drücken Sie noch einmal [Alt], schalten Sie die klebende Taste wieder aus.

Abbildung 1: Tasten, die rasten: Im Register "Klebende Tasten" stellen Sie ein, dass Umschalt, Strg und Alt einrasten, wenn Sie diese drücken.

Auch das Register Verlangsamte Tasten bietet Hilfe für Personen mit motorischen Einschränkungen. Bei Tasten verlangsamen stellen Sie eine Zeitspanne ein, die vergeht, bis der Computer eine gedrückte Taste akzeptiert. Entsprechendes gilt für wiederholtes Drücken bei Zurückschnellende Tasten. So verhindern Sie das unbeabsichtigte Drücken von Tasten und die unerwünschten Folgen, die das haben kann. Haben Sie alles eingestellt, klicken Sie auf OK, um die Änderungen zu übernehmen.

Um die Lesbarkeit der Bildschirmelemente allgemein zu verbessern, können Sie in KDE auf vorgefertigte Schemen zurückgreifen. Drücken Sie [Alt]+[F2] und geben Sie in das Schnellstartfenster kcmshell kthememanager ein. Im Thememanager (Abbildung 2) sind verschiedene Einstellungen zusammengefasst, die Hintergrundgestaltung, Farben, Schriftarten und Stil betreffen. HighContrastDark-big etwa zeigt große, helle Symbole auf einem dunklen Hintergrund an und ist damit deutlich behindertenfreundlicher als die normalen Vorgaben.

Abbildung 2: Themen und Schemen: Im KDE-Thememanager wählen Sie eine kontrastreiche Darstellung aus, die beim Lesen hilft.

Zusätzliche Hilfsmittel installieren

OpenSuse und Mandriva Linux – bei Kubuntu fehlt das Paket – bieten eine Programmsammlung mit dem Namen Kdeaccessibility an. Sie können die Sammlung leicht über die Paketmanager einrichten. Nach der Installation rufen Sie die einzelnen Tools über [Alt]+[F2] mit ihren Namen auf: Die Anwendung ksayIt liest Ihnen Texte vor, die Sie in das Eingabefenster schreiben, kmag ist eine Bildschirmlupe, die alles deutlich vergrößert anzeigt. kmouth (Abbildung 3) spricht – allerdings mit deutlich amerikanischem Akzent – für Menschen, die das nicht selber können. kmousetool schließlich nimmt seinem Benutzer Mausklicks und – mit ein wenig Übung – auch das Bewegen der Maus ab.

Abbildung 3: Spricht, wenn Sie nicht selber sprechen können: KMouth liest Bildschirmtexte vor.

OpenOffice einrichten

Der im Zusammenhang mit dem IWebbrowser Firefox erwähnte Trick mit [Strg] plus Scrollrad der Maus funktioniert auch in anderen Linux-Anwendungen, zum Beispiel in den OpenOffice-Programmen Writer und Calc. Allerdings kann es sein, dass Sie die Scrollrichtung des Rades umkehren müssen, um die Ansicht zu vergrößern. Probieren Sie die richtige Drehrichtung einfach aus.

In OpenOffice können Sie auch die Menüs und Symbolleisten anpassen, wenn Sie Probleme mit der Ansicht haben. Im Menü finden Sie unter Extras die Optionen. Wechseln Sie dort im Bereich OpenOffice.org ins Register Ansicht, um die Einstellungen für alle OpenOffice-Programme zu ändern (Abbildung 4). Stellen Sie bei Symbolgröße zum Beispiel Groß ein und wählen Sie zusätzlich bei Skalierung einen höheren Wert als 100%. Probieren Sie aus, wie Sie am besten sehen. Bestätigen Sie die Änderungen mit OK.

Abbildung 4: Größere Symbolkraft: So ändern Sie die Menüdarstellung im OpenOffice.

Editoren anpassen

Leider funktionieren diese Skalierungsmöglichkeiten nicht mit allen Programmen unter Linux gleich gut. So weigern sich Editoren wie Kate oder KWrite, Menüs vergrößert anzuzeigen. Immerhin können Sie aber auch hier die Größe der Standardschriftart verändern, um zumindest Ihre eigenen Texte besser lesen zu können. Wählen Sie in KWriteEinstellungen / Editor einrichten und klicken Sie im Bereich Schriften und Farben auf das Register Schriftart. Stellen Sie einfach eine andere Größe ein, zum Beispiel 18 und bestätigen Sie die Einstellung mit OK. Im Editor Kate funktioniert das ganz ähnlich: Wählen Sie Einstellungen / Kate einrichten und klicken Sie bei Editor auf Schriften & Farben. Auch hier stellen Sie im Register Schriftart eine größere Schrift ein und bestätigen mit OK.

Konqueror einstellen

Auch der Dateimanager Konqueror bietet Optionen für Sehbehinderte. Unter Einstellungen / Konqueror einrichten wechseln Sie ins Register Erscheinungsbild und stellen bei Schriftgröße einen höheren Wert ein, zum Beispiel 14 (Abbildung 5). Bestätigen Sie die Änderungen mit OK.

Abbildung 5: Auch der Dateimanager Konqueror lässt sich leicht zu einer vergrößerten Darstellung der Schrift bewegen.

Linaccess-Knoppix

Seit einigen Monaten existiert ein gemeinsames Projekt von Knoppix und der Initiative Linaccess mit dem Ziel, eine Knoppix-Version zu entwickeln, die speziell an die Anforderungen von Blinden und Sehbehinderten angepasst ist. Dazu gehören die Integration des Screenreaders Suse-Blinux, die automatische Hardwareerkennung von Braillezeilen und das Einbinden einer lizenzfreien Softwaresprachausgabe wie Festival.

Außerdem arbeitet die Projektgruppe daran, die grafische Oberfläche für Sehbehinderte anzupassen, etwa durch Auswahl von kontrastreichen Farbschemata sowie einem vergrößerten Mauscursor und besser lesbaren Schriften.

Ein Release-Termin für die erste Version von Linaccess-Knoppix steht noch nicht fest. Mehr Informationen zu dem Gemeinschaftsprojekt und zum Veröffentlichungstermin finden Sie unter [1].

Suse-Blinux

Seit Suse-Linux 7.0 gehört bei jeder regulären Distribution Suse-Blinux zum Lieferumfang. Das Programm ermöglicht es blinden Anwendern, unter Linux mit einer Braillezeile oder via Sprachausgabe komfortabel auf der Textkonsole zu arbeiten und dort viele Anwendungen zu nutzen. Eine Anleitung zu Blinux sowie Angaben zut benötigten Hardware finden Sie unter [2].

  1. Um Blinux unter OpenSuse zu installieren, starten Sie über [Alt]+[F2] die Paketverwaltung YAST und melden sich mit Ihrem Adminstratorpasswort an.
  2. Klicken Sie im Kontrollzentrum auf Software installieren oder löschen.
  3. Geben Sie in der Zeile Suche: das gesuchte Programm Blinux ein und klicken Sie auf Suchen oder drücken Sie [Eingabe]. YAST zeigt Ihnen anschließend im rechten Fenster das gefundene Programm unter dem Namen sbl. Setzen Sie per Mausklick ein Häkchen neben den Programmnamen. Haben Sie den Eintrag markiert, hat das Drücken der Leertaste denselben Erfolg.
  4. Klicken Sie auf Übernehmen oder drücken Sie [Alt]+[N]. Dann startet die Installation. Für das Einrichten des Programms benötigen Sie Ihre OpenSuse-CD oder -DVD. Beantworten Sie die Frage nach weiteren Paketen mit Nein.

Suse-Blinux läuft wie erwähnt nicht unter den grafischen Oberflächen von OpenSuse, sondern allein in der Textkonsole. Zudem verwenden Sie für die Arbeit mit Blinux den Angaben des Entwicklers zufolge am besten eine Braillezeile für Ein- und Ausgabe von Text.

Für Screenreader wie Suse-Blinux und Gnopernicus, den wir Ihnen weiter unten vorstellen, braucht Ihr PC eine installierte Sprachausgabe. Unter OpenSuse 10.2, Mandriva Linux und Kubuntu ist der Speech Synthesizer Festival erste Wahl, weil er schon mit der Standardinstallation eingerichtet wird. Sollte das nicht der Fall sein, können Sie das Sprechprogramm über die Softwareverwaltung leicht nachinstallieren.

Gnopernicus

Bei Mandriva Linux und Kubuntu ist mit Gnopernicus ein weiterer Screenreader an Bord, der unter OpenSuse zudem eine Alternative zu Blinux ist.

In Kubuntu installieren Sie das Programm über den Paketmanager Adept. Suchen Sie hier nach Screen Reader, aktivieren Sie das Häkchen neben dem Programmnamen und klicken Sie auf Änderungen akzeptieren. Bei bestehender Onlineverbindung lädt Adept die nötigen Pakete aus dem Internet und installiert Gnopernicus.

Bei OpenSuse recherchieren Sie im Kontrollzentrum YAST direkt nach Gnopernicus. Aktivieren Sie die erste Option gnopernicus (Abbildung 6) und klicken Sie auf Übernehmen und Fortfahren, um die festgestellten Abhängigkeiten des Programms zu akzeptieren. Auch hier benötigen Sie das Installationsmedium von OpenSuse 10.2. Die Frage nach weiteren Paketen beantworten Sie mit Nein, um den Paketmanager zu beenden.

Abbildung 6: Ist unter OpenSuse leicht zu installieren: Der Screenreader Gnopernicus.

Unter Mandriva Linux 2007 schließlich können Sie ebenfalls diesen Screen Reader installieren. Mandriva ist übrigens die einzige hier berücksichtigte Distribution, die dem barrierefreien Zugang ein eigenes Untermenü widmet: vorbildlich. Die RPM-Datei für Mandriva Linux finden Sie auf der Heft-DVD. Doppelklicken Sie zum Einrichten von Gnopernicus diese Datei und wählen Sie die Option Installieren. Geben Sie anschließend Ihr Administratorenpasswort ein und bestätigen Sie das Auflösen der Abhängigkeiten mit OK. Nach der Installation klicken Sie auf Fertig. Bereits in der Standardinstallation hat Mandriva Linux das Programm Orca-Bildschirmleser und -lupe an Bord, das Sie unter Weitere Anwendungen / Zugangshilfen finden. Der Initiative Linaccess zufolge handelt es sich bei Orca allerdings um "kein fertiges, für den Alltag einsetzbares Produkt": Es befinde sich noch in der Entwicklung, zeige aber bereits gute Ergebnisse. Zudem benötige man für die Konfiguration des Programms "ein gewisses Linux-Know-how", heißt es auf der Webseite von Linaccess.

Gnopernicus verwenden

In allen Distributionen starten Sie Gnopernicus am besten über das Schnellstartfenster. Drücken Sie dazu [Alt]+[F2] und geben Sie den Programmnamen gnopernicus ein. Klicken Sie – wenn der Hinweis auf fehlende Hilfstechnologien erscheint – auf Unterstützung aktivieren. Danach müssen Sie Ihren Rechner Neu starten. Danach öffnen Sie auch Gnopernicus wieder. Anschließend sehen Sie in der Ecke links oben das Menü des Hilfsprogramms (Abbildung 7). Hier stellen Sie alle Optionen so ein, wie Sie es benötigen. Ab sofort liest Gnopernicus Tastatureingaben und Texte vor.

Abbildung 7: Gnopernicus liest Texte und sorgt mit der Bildschirmlupe für besseren Durchblick.

Navigation in YAST

Um sich in YAST auch ohne Maus bewegen zu können, helfen Ihnen folgende Tasten bei der Steuerung:
[Tab] springt zum nächsten Element
[Leertaste] aktiviert/deaktiviert Checkboxen oder Radiobuttons
[Pfeil nach oben] und [Pfeil nach unten] Bewegen in Listen
[Eingabe] Auswahl akzeptieren

Programmübersicht

Im Internet finden Sie auf den folgenden Seiten Übersichten über das Software-Angebot für Menschen mit Behinderungen.

<U>www.linaccess.org/view.php?pageid=5100<U>
<U>www.barrierefrei-kommunizieren.de/datenbank/index_produkte.php?art=wwi&katid=108<U>

Zusammengefasst

Alle Linux-Distributionen und die meisten mitgelieferten Programme sind in der Lage, auf die Bedürfnisse behinderter Menschen einzugehen. Sie bieten zum Beispiel Optionen zum Vergrößern von Menüs und Schriften oder zur Auswahl von Hinter- und Vordergrundfarbe für bessere Kontraste, und sie verweigern sich einer Bedienung über die Tastatur in der Regel nicht. Zudem berücksichtigt Linux etwa mit klebenden Tasten auf Wunsch auch motorische Einschränkungen.

Leider sind diese Funktionen mitunter sehr versteckt und nur mit guten Kenntnissen der Struktur eines Linux-Systems zu entdecken. Das gilt auch für die Spezialprogramme, etwa für Screenreader und Magnifier (Bildschirmlupen). Die lassen sich nicht immer leicht installieren und tragen sich zudem nicht alle in die Programmmenüs der Distributionen ein. "Accessibility" im Sinne eines barrierefreien Zugriffs und einer leichten Bedienung bieten selbst diese Anwendungen also nicht.

Aber Besserung ist in Sicht: Das für den Herbst erwartete KDE 4 verspricht beispielsweise einen leichteren Zugriff auf alle Bedienhilfen.

Positiv für Sehbehinderte und Blinde ist zu vermelden, dass Linux die meisten auf dem Markt angebotenen Braillezeilen unterstützt. Möchte ein blinder Anwender, der bereits eine Braillezeile besitzt, auf Linux umsteigen, sollte er beim Linux-Distributor oder beim Anbieter des Geräts nachfragen, ob dieses auch unter Linux läuft.

Wenn Sie sich im Internet weiter über Programme für Menschen mit Behinderungen informieren möchten, finden Sie unter [3] entsprechende Quellen.

Fazit

Ist Linux also für Menschen mit Behinderungen ein geeignetes Betriebssystem? Lars Stetten, Sprecher von Linaccess, antwortet auf diese Frage aus der Sicht eines Sehbehinderten mit einem klaren "Jein": "Auf der Textkonsole ist es sehr einsetzbar, sowohl für Blinde als auch für Sehbehinderte", so Stetten. Im grafischen Bereich sei derzeit zudem viel in Entwicklung, gerade was die Nutzung von Screenreadern, also das Arbeiten mit Braillezeile und Sprachausgabe, angehe. Die größten Probleme gebe es aber bei der Stabilität der Anwendungen.

Auch auf die Frage nach dem besten Desktop-System unter Linux gibt es keine klare Antwort vom Experten: "Für Sehbehinderte spielt das nur eine untergeordnete Rolle, da man sowohl KDE als auch Gnome anpassen kann." Allerdings gebe es in Deutschland mehr KDE-Entwickler, die sich in Fragen der Accessibility engagierten. "Bei Gnome ist mir da keiner bekannt", so Stetten. Und das, so kann man auf jeden Fall festhalten, sollte sich in nächster Zeit ändern, damit auch für Menschen mit Behinderungen Linux-Systeme zu einer echten Alternative werden können.

Glossar

Screenreader

Ein Hilfsprogramm für Sehbehinderte, das Texte vom Bildschirm laut vorliest.

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