Explorer und Alternativen

Der Dateimanager Explorer zeigt nur noch in seltenen Fällen klassische Pfade à la c:\Dokumente und Einstellungen\Benutzer\ an, sondern versieht die Ordner mit sprechenden Namen ohne volle Pfade oder Laufwerksbuchstaben. Zusätzlich erscheinen dort die meisten Begriffe in lokalisierten Varianten, also etwa Programme, obwohl das damit angesprochene Verzeichnis C:\Program Files\ heißt. Für Computer-Einsteiger ist das sicher eine Erleichterung; wer aber parallel auf der Shell in die (dort nicht lokalisierten) Verzeichnisse wechseln will, muss einen zusätzlichen Übersetzungsschritt einlegen.

Im Vergleich mit KDEs Multitalent Konqueror ist der Explorer auch unter Vista kein großer Wurf. Viele Drittanbieter empfehlen darum ihre eigenen Dateimanager als Explorer-Ersatz, so z. B. File Commander [4] und Free Commander [5].

Zugriff auf Linux-Partitionen

Aktuelle Linux-Versionen bringen den neuen NTFS-Treiber ntfs-3g mit, der den Lese- und Schreibzugriff auf Windows-NTFS-Partitionen erlaubt; wo die entsprechenden Module fehlen, sind sie schnell nachgerüstet. Anders herum ist Windows immer noch blind für fremde Betriebssysteme: Linux-Partitionen, egal mit welchem Dateisystem sie formatiert wurden, erscheinen in der Datenträgerverwaltung als unbekannte Systeme (Abbildung 4), und ein Zugriff auf die dort gespeicherten Daten ist nur durch die Nachinstallation externer Software möglich.

Abbildung 4: Linux-Partitionen: Fehlanzeige – die Datenträgerverwaltung erkennt auch in der neusten Windows-Version nur die eigenen "Laufwerke".

Das Tool Ext2IFS [2] ist ein Freeware-IFS-Treiber und eigentlich nur für Windows 2000 und XP gedacht – im Test verweigerte es auch zunächst die Zusammenarbeit: Der Installer brach mit dem Hinweis auf eine nicht unterstützte Windows-Version ab. Über die Kompatibilitätseinstellungen – Rechtsklick auf das Programm-Icon, Eigenschaften und dann auf dem Reiter Kompatibilität die Option Programm im Kompatibilitätsmodus ausführen für Windows XP (Service Pack 2) – startet der Installer. Vista-typisch müssen Sie den Vorgang bestätigen, aber schließlich erscheint die Installationsroutine.

Bei der Frage, ob Sie das Large File Feature aktivieren wollen, können Sie meist unbeschwert mit "Ja" antworten, nur Linux-Kernel mit Version 2.2.x und älter kommen nicht mit dieser Ext2-Funktion klar, die es erlaubt, Dateien zu erzeugen, die größer als 4 GByte sind. Der wichtigste Punkt bei der Installation ist die Vergabe von Laufwerksbuchstaben für die verschiedenen Linux-Partitionen. Die Linux-typischen Gerätebezeichnungen ( /dev/hda5 etc.) zeigt der Installer nicht an, sie müssen also aus Reihenfolge und Größe der Partitionen zunächst erraten, welche Dateisysteme Sie hier einbinden. Im Zweifelsfall vergeben Sie einfach für jede Linux-Partition einen Buchstaben: Klicken Sie das Drop-down-Menü einer Partition an und wählen Sie einen der noch nicht vergebenen Laufwerksbuchstaben aus.

Nach der Einrichtung von Ext2ifs ist ein Neustart des Rechners fällig, denn den IFS-Treiber lädt das System beim Start. Danach zeigt ein Blick auf den virtuellen Ordner Computer im Explorer, dass Windows jetzt die Linux-Partitionen sieht (Abbildung 5): Im Zugriff gibt es nun keinen Unterschied mehr zwischen NTFS- und Ext2-Partitionen.

Abbildung 5: Lohn der Mühe: Der Windows Explorer zeigt die Ext3-Partition genau wie Windows-Partitionen an, und auch aus anderen Anwendungen heraus haben Sie direkten Zugriff auf die Linux-Daten.

Auch wenn Ext2ifs für den Ext2-Zugriff entwickelt wurde, kommt es genau so gut mit Ext3-Partitionen klar – das liegt einfach daran, dass Ext3 (im Wesentlichen) nur eine um Journaling erweiterte Version von Ext2 ist. Mit ReiserFS-Partitionen kann der Treiber hingegen nichts anfangen: Leider erkennt die Installationsroutine nicht selbständig den Dateisystemtyp, bietet also auch bei ReiserFS-Partitionen (die genau wie Ext2-/Ext3-Partitionen auf der Festplatte als Typ "Linux" gekennzeichnet sind) die Vergabe eines Buchstabens an. Greifen Sie auf eine solche Partition später zu, schlägt Windows vor, sie zu formatieren.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • High Noon
    Linux ist auf vielen Desktops angekommen und hat das etwas angestaubte Windows XP weggeputzt. Jetzt legt Microsoft mit Windows Vista nach. Hat das Greenhorn eine Chance, die Karten neu zu mischen?
  • Über den Tellerrand
    Nach wie vor kennt Windows Vista von Hause aus nur NTFS und FAT. Wer von Vista aus auf Linux-Dateisystem zugreifen möchte, braucht Werkzeuge wie Ext2ifs oder die Rfstools.
  • Hin und her
    Geht es darum, zwischen Windows und Linux Daten über das Netzwerk auszutauschen, gilt SMB nach wie vor als Standard. Aber klappt der Transfer auch mit Vista reibungslos – und welche Alternativen gibt es?
  • Wie kompatibel sind Windows Vista und Linux?
    Windows Vista und Linux vertragen sich gut – nur nicht im Netzwerk: Microsoft sperrt Linux-Anwender vom Zugriff auf Vista-Freigaben aus.
  • Starthilfe
    Wer Vista nicht nicht das Monopol auf seinem Rechner zugesteht, braucht adäquate Möglichkeiten, mehrere Systeme zu booten.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_04

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...