Die Fotosafari im letzten Urlaub war erfolgreich: Gleich mehrere Speicherkarten füllte die Jagd nach dem schönsten Fotomotiv. Wieder am heimischen PC stellt sich die Frage: wie verwalte ich die Flut an Bildern? Denn hier gilt es, in mühevoller Kleinarbeit das Material zu sichten und verwackelte oder einfach nur hässliche Schnappschüsse auszusortieren. Viele der Aufnahmen wären sogar brauchbar, wenn die Belichtung oder Schärfe stimmen würde. Schließlich drohen noch zeitraubende Konvertierungsorgien, weil Sabine die schönsten Aufnahmen im kompakten PNG-Format per E-Mail geliefert bekommen möchte.

Zum Bewältigen dieser anstehenden Aufgaben eignet sich das für den privaten Gebrauch kostenlose Programm XnView [1] perfekt. Es unterstützt nicht nur über 400 verschiedene Anzeige-, sondern auch über 50 Ausgabeformate. Zum Betrachten der Bilder als Diashow bringt die Software ebenso passende Funktionen mit wie zum Erstellen von Contact Sheets.

So viel Flexibilität hat allerdings ihren Preis: Da einige der verwendeten Dateiformate patentrechtlich geschützt sind oder der jeweilige Hersteller nur unter bestimmten Bedingungen Informationen herausrückt, verlangt der Autor für den kommerziellen Einsatz eine Nutzungsgebühr von 26 Euro. Für private, schulische oder ähnliche nichtkommerzielle Zwecke ist XnView uneingeschränkt frei.

Installation

Anwender von Suse Linux 10.1 und Open Suse 10.2 installieren das Programm von der Heft-DVD über die Softwareverwaltung von YaST. Benutzer von Kubuntu kopieren das Paket XnView-x86-unknown-linux2.x-static-fc4.tgz aus dem Verzeichnis programme/andere/xnview in ihr Homeverzeichnis. Öffnen Sie dieses in Konqueror, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Paket und wählen Sie aus dem Kontextmenü Entpacken. Wechseln Sie danach im neuen Verzeichnis in den Unterordner bin und drücken Sie [F4], um eine Konsole zu öffnen. Geben Sie darin sudo bash install ein um das Programm zu installieren.

Dateitypen mit XnView verknüpfen

Anders als die Windows-Version von XnView verfügt diese nicht über eine automatische Dateitypenzuordnung. Gehen Sie deshalb wie folgt vor, um XnView als Standardbetrachter (Abbildung 1) für Ihre Bilder einzurichten:

  1. Öffnen Sie ein Konqueror-Fenster und wählen Sie den Menüpunkt Einstellungen / Konqueror einrichten...
  2. Klicken Sie im Einstellungsdialog auf den Eintrag Dateizuordnungen.
  3. Unter Bekannte Dateitypen klicken Sie auf Images und wählen aus der Auswahlliste das Dateiformat, beispielsweise png, mit dem Sie XnView verknüpfen möchten.
  4. Klicken Sie nun unter Rangfolge ausführender Programme auf XnView und schließen Sie den Vorgang mit einem Klick auf anwenden ab.
  5. Sollte XnView in der Liste der Programme nicht erscheinen, fügen Sie es mit einem Klick auf den Button Hinzufügen hinzu.
  6. Wiederholen Sie diesen Vorgang mit allen gewünschten Dateitypen.

    Abbildung 1: Unter Linux können Sie leicht die Standardanwendungen aller Dateitypen ändern.

Und los…

Nach dem Start zeigt die Bildverarbeitung zunächst ein recht kümmerliches Hauptfenster mit drei Menüeinträgen. Wie die englischen Beschriftungen verraten, fehlt der Linux-Version im Gegensatz zu ihrem Windows-Bruder eine deutsche Übersetzung. Nach einem Aufruf von File / Browse... erscheint der Bild-Browser des Programms (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Bild-Browser zeigt alle Bilder in einem Verzeichnis als Thumbnails an. Ein Doppelklick öffnet sie im Bildbetrachter.

Er verschafft einen ersten, schnellen Überblick über den Bildbestand und funktioniert ähnlich wie Ihr Dateimanager: Auf der linken Seite navigieren Sie durch die Verzeichnisstruktur, rechts oben erscheint der Inhalt des ausgewählten Verzeichnisses. Darin enthaltene Bilder stellt XnView direkt als kleine Thumbnails dar. Das Verhalten und Aussehen der einzelnen Fensterbereiche steuern Sie in den Untermenüs von View. So legen Sie beispielsweise über View / Thumbnail Size die Größe der Vorschaubilder fest. Sobald Sie mit der Maus eines der Bilder anklicken, erscheint es im bislang noch leeren unteren Teil des Fensters als vergrößerte Vorschau. Ein Doppelklick auf den Thumbnail öffnet das Bild im Bildbetrachter des Programms. In der Eingabeleiste unterhalb der Symbolleiste sehen Sie den Pfad, in dem Sie sich gerade befinden, der eckige Pfeil links daneben wechselt schnell eine Verzeichnisebene höher.

Im linken unteren Bereich des Fensters zeigt XnView wichtige Eckdaten wie Größe und Abmessungen des markierten Bildes. Als Spezialität erlaubt das Programm auch das Auslesen der EXIF-Informationen. Bilder, die solche enthalten, kennzeichnet das Programm mit einem gleichnamigen Verweis im Thumbnail. Um diese Informationen auszulesen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Vorschaubild und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Properties... Im Informationsfenster wählen Sie dann den Reiter EXIF.

Der ebenfalls unterstützte Standard IPTC dient zum Speichern von Textinformationen in Bildern. Er erlaubt Ihnen beispielsweise das Hinzufügen von Kommentaren, Kategorien oder Fotografennamen. Um diese Informationen für das aktuell markierte Bild einzusehen oder zu verändern, wählen Sie aus dem Menü Edit / IPTC...

Sobald sich der Rest der Familie um den PC schart, um die Urlaubsfotos zu bestaunen, wird eine kleine Diashow fällig. XnView startet sie über Tools / Slide Show... Im neuen Fenster (Abbildung 3) wählen Sie über die Schaltfläche Add... die Bilder für die Diashow. Weitere Einstellungen wie das Anzeigeformat und das Wechselintervall stellen Sie hier ebenfalls ein.

Abbildung 3: Die Slide Show zeigt die ausgewählten Bilder automatisch nacheinander an. Bei aktivierter Option "Use Random Order" wählt XnView die Bildreihenfolge selbst.

Um die Bilder auf einer Webseite im Internet zu veröffentlichen, wählen Sie Tools / Web Page... Diese Funktion erstellt automatisch eine Internetseite mit kleinen Vorschaubildern aller im Browser markierten Bilder. Im neuen Fenster bestimmen Sie, in wie vielen Zeilen ( Number of Rows) und Spalten ( Number of Columns) die Bilder angeordnet werden, und legen den Seitentitel ( Title) und das Dateiformat der Vorschaubilder ( Format) fest. Unter Directory geben Sie das Zielverzeichnis ein, in dem die generierte Seite samt erstellten Thumbnails landet, und klicken abschließend auf Create.

Der ebenfalls im Tools-Menü enthaltene Punkt Contact Sheet... presst die Miniaturen aller ausgewählten Bilder in eine einzige Datei. Auf diese Weise erhalten Sie das elektronische Pendant zum analogen Kontaktbogen, der einen schnellen Überblick über eine Bildersammlung ermöglicht.

Bildbetrachter

Der zweite Kernbestandteil von XnView ist der Bildbetrachter (Abbildung 4), der Bilder in voller Größe darstellt (sofern sie auf den Bildschirm passen). Sie erreichen Ihn über einen Doppelklick auf eienn Thumbnail in der Browseransicht.

Abbildung 4: Die Einzelbildansicht bietet gegenüber dem Browser einige spezielle Funktionen, darunter zahlreiche Effekt- und Korrekturfilter.

Während die beiden Lupen in der Symbolleiste hinein- und herauzoomen, navigieren Sie mit den beiden Doppelpfeilen rechts daneben bequem durch alle Bilder, die sich im gleichen Verzeichnis wie das derzeit angezeigte befinden. Alternativ verwenden Sie [Bild auf] und [Bild ab], um zwischen den Bildern zu wechseln. Mit [Strg]+ [F] aktivieren Sie die Vollbilddarstellung, die Sie mit [Esc] wieder verlassen.

Feinschliff

Über die beiden Menüpunkte Image und Filter erreichen die Werkzeuge zum Bearbeiten der Aufnahmen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bildbetrachtern bietet XnView unter Tools / JPEG Lossless Transformations eine Reihe verlustfreier Umwandlungswerkzeuge für Bilder im JPEG-Format. Dazu gehören sowohl nebem den Spiegeln auch das Drehen der Bilder.

Farbstichige oder falsch belichtete Urlaubsfotos korrigieren Sie mit dem Werkzeug Color Balance (Abbildung 5), das Sie über Image / Adjust / Brightness/Contrast/Color aufrufen. Sie passen damit sowohl die Farbwerte als auch die Helligkeit und den Kontrast an. Auf diese Weise verhelfen Sie beispielsweise einem grauen Himmel wieder zu einem satten Blau. Sofern dabei das Kästchen Auto view aktiviert ist, liefert XnView eine Vorschau im großen Hauptfenster.

Abbildung 5: Im Fenster "Color Balance" passen Sie die Helligkeit, den Kontrast und den Gammawert sowie die Farbeinstellung des Bilds an.

Modifikationen wie das Schärfen oder Weichzeichnen von Bildern erreichen Sie über das Filter-Menü. Für einige Aufgaben, beispielsweise das Verwischen ( Filter / Blur), stehen im Filter-Menü mehrere Verfahren zur Verfügung. Welches in Ihrem Fall das richtige ist, finden Sie am besten durch Probieren heraus. Die Undo-Funktion ( Edit / Undo oder schneller via [Strg]+ [Z] ) hilft, Fehlgriffe zu korrigieren, speichert allerdings nur den jeweils letzten Arbeitsschritt.

Alle auf einmal

Um beispielsweise für mehrere große Fotos in einem Rutsch das Format oder die Kompressionsrate zu ändern, wählen Sie aus dem Menü Tools / Multi Convert... (Abbildung 6). Hier zeigt Ihnen XnView in der Liste Input alle Bilder an, die im Folgenden konvertieren wird.

Abbildung 6: Die Funktion "Multi Convert" konvertiert die Bilder aus der Liste nicht nur in das eingestellte Dateiformat, sondern wendet auch beinahe beliebige Filter an.

Über Add... fügen Sie weitere hinzu, Add Folder... übernimmt den Inhalt eines ganzen Verzeichnisses. Im Eingabefeld hinter Directory stellen Sie das Zielverzeichnis ein, in dem die umgewandelten Bilder landen sollen. Direkt darunter wählen Sie im Pull-down-Menü eines von 40 Zielformaten. Eine gute Kompressionsrate erreichen Sie beispielsweise mit JPEG oder dem freien Format PNG.

XnView wandelt aber nicht nur das Dateiformat: Über Advanced Operations... schalten Sie zusätzlich noch einige der vorhandenen Filter ein, um so beispielsweise alle gelisteten Bilder automatisch einer Schärfkorrektur unterziehen. Wieder im Multi Convert-Fenster stoßen Sie die Umwandlung schließlich mit Go an.

Für Fotos aus Digitalkameras hält XnView einige spezielle Werkzeuge bereit. Mit Tools / Batch rename geben Sie allen im Browser markierten Dateien zunächst aussagekräftigere Namen. Aus IMG_20070201.jpg wird so ein urlaub2007_01.jpg. Im entsprechenden Fenster kreuzen sie User custom an und geben dann im darunter liegenden Eingabefeld das Präfix ein, mit dem die Dateinamen starten sollen. Für das Urlaubsbeispiel wäre dies winterurlaub2007_#. Die Raute ersetzt XnView durch eine fortlaufende Nummer.

Fazit

XnView ist klein, agil und kennt wesentlich mehr Bildformate als der Grafikkünstler Gimp. Gerade beim Verwalten umfangreicher Bildersammlungen leistet das Tool eine Menge zeitsparende Hilfestellungen, beispielsweise mit dem Batch-Konverter.

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Zwar wartet das Programm mit einem enormen Funktionsumfang auf, jedoch ist dieser weitgehend undokumentiert. Hier hilft nur, auf Entdeckungsreise zu gehen und selbst auszuprobieren.

Glossar

EXIF

EXIF steht für Exchangeable Image File Format. Es handelt sich dabei um Zusatzinformationen wie Blende, Verschlusszeit, Filter und Aufnahmedatum von Bildern, die beinahe jede Digitalkamera automatisch dem erstellten Bild anhängen. Auch einige Fotobearbeitungsprogramme wie Photoshop schreiben solche Metadaten in die bearbeiteten Bilder. Die Formate JPEG und TIFF unterstützen das Speichern von EXIF-Daten im Bild.

Infos

[1] XnView: http://www.xnview.de

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