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Kühnes Kitz

So spielen Sie Ubuntu 7.04 auf Ihren Rechner

12.07.2007
Ubuntu gehört zu den benutzerfreundlichsten Linux-Systemen überhaupt. Auch die Installation der südafrikanischen Distribution gestaltet sich einfacher denn je, wovon Sie sich in diesem Artikel überzeugen können.

Die Installation von Feisty Fawn (etwa ''kühnes Kitz'') stellt selbst für Computer-Anfänger kein sonderliches Problem dar: Sie legen die Ubuntu-Scheibe ins Laufwerk ein, starten den Rechner von der DVD und klicken dann auf dem Desktop auf das Symbol Installieren. Funktioniert der Systemstart von der DVD nicht, müssen Sie im BIOS die Boot-Reihenfolge der Laufwerke ändern, so dass das CD/DVD-Laufwerk an erster Stelle steht. Dazu drücken Sie beim Rechnerstart je nach BIOS-Version [Entf], [F2] oder [F1]. Haben Sie die richten Einstellungen gefunden und geändert, drücken Sie [F10], um das BIOS zu verlassen. Achten Sie bei Rückfragen darauf, dass die Tasten [Y] und [Z] vertauscht sind, weil der PC mit einer amerikanischen Tastaturbelegung startet.

Klappt der Start von der DVD, sehen Sie den Bootbildschirm von Ubuntu 7.04 (Abbildung 1). Drücken Sie hier [F2], um die Sprache auf Deutsch umzustellen. Der erste Menüpunkt ändert sich dann zu Ubuntu starten oder installieren. Wählen Sie diesen aus und drücken Sie die Eingabetaste. Sollte die hier beschriebene Installation über die Live-DVD nicht glücken, müssen Sie eventuell die manuelle Installation wählen. Details dazu lesen Sie im Kasten "Installation im Textmodus". Möchten Sie ein bestehendes Dapper-System auf Feisty updaten, müssen Sie nicht von der DVD aus booten, sondern können diese einfach als Installationsquelle einbinden. Dapper Drake erkennt die neue DVD automatisch und bietet das Upgrade an. Dazu muss Ihre Distribution allerdings auf dem aktuellsten Stand sein. Updates von älteren Ubuntu-Versionen sind nicht zu empfehlen. Details zum Update finden Sie auch auf der offiziellen Ubuntu-Homepage [1].

Abbildung 1: Der Bootbildschirm von Ubuntu 7.04 bietet verschiedene Möglichkeiten zur Installation an.

Installation im Textmodus

Gelingt die Installation im grafischen Modus nicht, probieren Sie zunächst den Menüpunkt Ubuntu im sicheren Grafikmodus starten. Klappt es auch so nicht, bleibt die Installation im Textmodus. Hier wählen Sie in der ersten Maske Ihr Land aus. Kubuntu startet dann die automatische Hardwareüberprüfung und versucht eine Internetverbindung aufzubauen. Im folgenden Dialog legen Sie den Rechnernamen fest und starten anschließend die Partitionierung.

Das textbasierte Partitionierungsprogramm bietet die gleichen Funktionen wie der grafische Installer. Beachten Sie allerdings, dass einige Menüpunkte bei kleiner Auflösung nicht sichtbar sind. Erscheint auf der rechten Fensterseite ein grauer (Scroll-) Balken, müssen Sie mit den Pfeiltasten nach unten navigieren, um diese Menüpunkte zu sehen. Um eine Partition zu verändern, markieren Sie diese mit den Pfeiltasten und drücken dann [Eingabe]. Mit mehrmaligem Drücken von [Esc] können Sie das Installationsprogramm jederzeit verlassen oder zu einem früheren Punkt springen. Hier können Sie auch einige Einstellungen ändern, die bei der normalen Installation nicht abgefragt werden.

Nach erfolgreichem Partitionieren formatiert das Installationsprogramm die Bereiche für den virtuellen Speicher (Swap) und das Wurzelverzeichnis. Dann installiert es die Pakete. Zum Abschluss legen Sie einen Benutzer an und starten dann die grafische Oberfläche. Bei Problemen hilft die EasyLinux-Mailingliste [2].

Das Live-System

Nach dem Systemstart von DVD sehen Sie den Standard-Desktop von Ubuntu (Abbildung 2). Sie können das System nun nach Belieben ausprobieren. Je nach Hauptspeicher Ihres PCs reagieren die meisten Anwendungen etwas zäh, da Ubuntu für jedes Programm auf die DVD zugreifen muss. Im Ordner Examples finden Sie einige Beispieldateien. Öffnen Sie die Office-Dokumente nur, wenn Ihr Rechner 512 MByte Hauptspeicher oder mehr besitzt. Der Start von OpenOffice dauert sonst mehrere Minuten.

Abbildung 2: Der Standard-Desktop von Ubuntu gibt sich in einem warmen Braun mit einigen orangefarbenen Elementen.

Um die Installation zu starten, klicken Sie auf Installieren. Bevor Sie sich für diesen Schritt entscheiden, sollten Sie folgende Vorbereitungen treffen:

  • Möchten Sie Ubuntu neben ein bestehendes Windows-System installieren, müssen Sie zunächst unter Windows Laufwerk C:\ defragmentieren.
  • Besitzt Ihr Rechner eine Festplatte mit mehreren Partitionen (unter Windows Laufwerke genannt), können Sie eine dieser Partitionen für die Installation von Linux benutzen. Sichern Sie dann sämtliche Daten der Partition auf einen USB-Speicher oder ein anderes Laufwerk, da das Installationsprogramm von Ubuntu das ausgewählte Laufwerk formatieren wird.

Befinden sich in Ihrem Rechner mehrere Festplatten, sollten Sie sich notieren, auf welcher Platte Sie Linux installieren möchten. Dazu müssen Sie zunächst herausfinden, welche Platte an welchem Kabel hängt. Diese Informationen finden Sie im BIOS. Öffnen Sie das Menü Standard BIOS Options (oder ähnlich) und suchen Sie nach den Einträgen für Primary Master, Primary Slave, Secondary Master und Secondary Slave. Bei neuen Mainboards mit SATA-Festplatten heißen diese Einträge eventuell First SATA-Master und First IDE-Master. Merken Sie sich, zu welchen Einträgen Festplatten gehören und zu welchen CD/DVD-Laufwerke. Am besten starten Sie dazu im Live-System über [Alt]+ [F2] und den Befehl gnome-terminal eine Konsole und geben hier den Befehl

sudo fdisk -l

ein. Vergleichen Sie dann die Ausgabe des fdisk-Befehls mit der Tabelle "Gerätedateien" und den BIOS-Einträgen. Achten Sie darauf, dass Ubuntu 7.04 auch einige parallelle ATA-Festplatten über /dev/sdX anspricht. USB-Festplatten entfernen Sie für die Installation am besten ganz von Ihrem Rechner.

Gerätedateien

Datei Erklärung
/dev/hda Erstes Laufwerk an der ersten IDE-Schnittstelle (Primary Master)
/dev/hda1 Erste primäre Partition auf dem ersten Laufwerk (nur bei Festplatten)
/dev/hda4 Vierte primäre Partition auf dem ersten Laufwerk
/dev/hda5 Erste logische Partition auf dem ersten Laufwerk
/dev/hda6 Zweite logische Partition auf dem ersten Laufwerk
/dev/hdb Zweites Laufwerk an der ersten IDE-Schnittstelle (Primary Slave)
/dev/hdc Erstes Laufwerk an der zweiten IDE-Schnittstelle (Secondary Master)
/dev/hdd Zweites Laufwerk an der zweiten IDE-Schnittstelle (Secondary Slave)
/dev/sda Erstes Laufwerk an der ersten SATA-, SCSI- oder USB-Schnittstelle
/dev/sdb Zweites Laufwerk an der ersten SATA-, SCSI- oder USB-Schnittstelle

Installation

Nach einem Doppelklick auf das Symbol Installieren begrüßt Sie der Installationsassistent von Ubuntu 7.04 (Abbildung 3). Verfügen Sie über eine aktive Internetverbindung, können Sie sich hier über einen Klick auf Informationen zur aktuellen Version die wichtigsten Neuerungen in Feisty Fawn anzeigen lassen. Wählen Sie die gewünschte Sprache aus und klicken Sie dann auf Vor.

Abbildung 3: Der Installationsassistent von Ubuntu führt Sie in sieben Schritten ans Ziel.

Im zweiten Dialog wählen Sie Land und Zeitzone aus. Haben Sie als Sprache Deutsch gewählt, schlägt Ubuntu automatisch Berlin als Stadt vor und richtet die Zeitzone entsprechend ein. Mit Vor wechseln Sie zum nächsten Schritt. Hier zeigt Ihnen der Installer einige Tastaturbelegungen zur Auswahl an. Benutzen Sie ein spezielles Layout (zum Beispiel Schweiz), suchen Sie das passende aus der Liste. In der Regel können Sie den Vorschlag nach einem kurzen Test im Tippfeld mit Klick auf Vor übernehmen.

Im vierten Schritt lädt Ubuntu das Partitionierungstool (Abbildung 4). Es hilft Ihnen, die Festplatte einzurichten. Dabei können Sie zwischen automatisch erstellten Vorschlägen (die Ubuntu als ''geführt'' ins Deutsche übersetzt hat) und der manuellen Partitionierung wählen. Die ''geführte'' Methode können Sie zum Beispiel benutzen, wenn Sie Ubuntu auf eine zweite, freie Festplatte installieren möchten ( Geführt -- verwende vollständige Festplatte) oder auf der Festplatte bereits für Ubuntu Platz gemacht haben ( Geführt -- den größten freien Speicher benutzen). Entscheiden Sie sich bei Zweifeln lieber für Manuell. Wählen Sie einen der automatisch erstellten Vorschläge, gelangen Sie nach einem Klick auf Vor zu Schritt 5 der Installation. Entscheiden Sie sich für die manuelle Variante, erscheint ein weiterer Partitonierungsdialog. Details dazu entnehmen Sie dem Kasten "Richtig partitionieren".

Abbildung 4: In den meisten Fällen können Sie für die Partitionierung einen der geführten Vorschläge übernehmen.

Richtig partitionieren

Unter Linux ordnet man jeder Partition einen so genannten Einhängepunkt (mount point) zu. Das Laufwerk C: einer Standard-Windows-Installation entspricht unter Linux dem Wurzelverzeichnis. Hier liegt das eigentliche System. Es benutzt einen Schrägstrich / als Einhängepunkt. Für das Wurzelverzeichnis / müssen Sie eine eigene Partition anlegen, da Sie sonst Linux nicht installieren können. Die Größe der Partition hängt von der Festplatte ab. Mindestens 2 GByte sollten es sein, mehr als 10 GByte lohnen sich kaum. Eine weitere Partition müssen Sie für den so genannten Swap-Bereich anlegen. Diese Partition wird oft so groß, wie der Arbeitsspeicher des Rechners gewählt. Mit 1 bis 2 GByte sind Sie auf der sicheren Seite. Die Swap-Partition benötigt keinen Einhängepunkt.

Im Dialog Die Partitionen vorbereiten (Abbildung 5) erstellen Sie neue Partitionen oder löschen bestehende, um neue anzulegen. Haben Sie bereits vor der Installation von Ubuntu die benötigten Partitionen erstellt (zum Beispiel unter Windows), markieren Sie den gewünschten Eintrag und klicken auf Edit partition. Im neuen Dialog richten Sie dann den Einhängepunkt ein. Befindet sich auf Ihrer Festplatte noch ein unpartitionierter Bereich, markieren Sie den Eintrag free space und klicken dann auf New partition. Finden Sie anstelle von free space einen Eintrag unben., sind auf Ihrem System bereits vier primäre Partitionen vorhanden. Sie müssen dann eine primäre Partition löschen, um auf dem freien Platz logische Laufwerke anlegen zu können. Über Edit partition können Sie auch die Größe einer Partition ändern, falls der verfügbare freie Platz nicht ausreicht.

Abbildung 5: Für die Installation von Ubuntu müssen Sie mindestens zwei neue Partitionen anlegen.

Um die zwei neuen Partitionen anzulegen, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Markieren Sie den Eintrag free space und klicken Sie auf New partition.
  2. Wählen Sie im neuen Dialog (Abbildung 6) als Type den Eintrag Logical.
  3. Passen Sie die Größe der Partition an. Mindestens 4096 MBytes (4 GByte) sollten Sie für das Wurzelverzeichnis einrichten.
  4. Den Eintrag Location for the new partition lassen Sie unverändert.
  5. Wählen Sie als Partitionstyp (Use as:) ext3 und geben Sie als Mount point einen Schrägstrich ein ( /).

Wiederholen Sie obige Schritte für die Swap-Partition. Hier wählen Sie als Größe einen Wert zwischen 512 und 2000 MByte. Als Typ wählen Sie swap. Einen Mount point benötigt die Swap-Partition nicht, die entsprechende Option ist deshalb inaktiv.

Abbildung 6: Das Wurzelverzeichnis sollte mindestens 4 GByte groß sein, 8 bis 10 GByte sind empfohlen.

Nach erfolgreicher Partitionierung sehen Sie mindestens einen Eintrag vom Typ linux-swap und mindestens einen vom Typ ext3. Klicken Sie auf Vor, führt das Installationsprogramm die gewünschten Änderungen durch und Sie können bei Schritt 5 fortfahren.

Ist auf der Festplatte genug Platz vorhanden, können Sie noch weitere Partitionen anlegen. Das hilft, Ordnung zu schaffen und erleichtert das regelmäßige Backup. Wenn immer möglich, sollten Sie für das Verzeichnis /home ebenfalls eine separate Partition anlegen. Diese entspricht ungefähr dem Verzeichnis Eigene Dateien unter Windows. Linux speichert hier aber nicht nur Dokumente, sondern auch sämtliche persönlichen Einstellungen, Schriften, Symbole, Hintergrundbilder und so weiter. Je größer /home, desto mehr Platz haben Sie für Ihre Daten.

Optional legen Sie neben / und /home noch eine zusätzliche Datenpartition an. Dieser können Sie einen beliebigen Einhängepunkt zuordnen, zum Beispiel /daten, /downloads oder /dokumente. Wenn Sie nicht genau wissen, was Sie tun, sollten Sie für die übrigen Verzeichnisse keine eigene Partition anlegen.

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