Zwischen den Welten

Während Linux – mit Einschränkungen – Windows-Dateisysteme unterstützt, ist jeder Versuch, von Windows aus mit Bordmitteln auf Linux-Partitionen zuzugreifen, hoffnungslos. Erwünscht ist eine solche Möglichkeit aber immer dann, wann Linux und Windows sich den Rechner teilen. Es ist dann zum Beispiel nicht sinnvoll, MP3-Dateien doppelt auf der Linux- und der Windows-Partition zu speichern.

Der Treiber Ext2IFS [2] rüstet Ext2- und Ext3-Support für die Windows-Versionen 2000 und XP nach; mit Umwegen auch unter Vista. Wenn Sie eine Parallelinstallation planen, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie die Linux-Partition mit dem Ext3-Dateisystem formatieren, denn ReiserFS- oder XFS-Treiber für Windows gibt es nicht.

Zukunftsmusik

Was tut sich bei den Dateisystemen? Wie überall in der IT-Welt steht die Entwicklung auch hier nicht still. Bei allen großen Betriebssystemen arbeiten die Entwickler derzeit an bedeutenden Updates ihrer Standarddateisysteme. Linux ist in dieser Hinsicht gar ein echter Vorreiter: Seit Kernel 2.6.19 gehört das Fourth Extended Filesystem (Ext4) zum offiziellen Kernel, das der Nachfolger von Ext3 ist. Es zeichnet sich durch kleine aber feine Details aus: So hat sich die maximale Größe eines Dateisystems auf 1024 Petabyte vergrößert (Ext3 kam "nur" bis 8 Terabyte). Über Extents fasst das Dateisystem einzelne Blöcke auf der Platte zu einem logischen Block zusammen – das soll die Performance von Ext4 steigern. Schließlich haben sich die Ext4-Entwickler auch einige Tricks ausgedacht, um Ext4 im Falle von Festplattenbeschädigungen nicht ganz so alt aussehen zu lassen. Eines hat sich aber auch mit der neuesten Version nicht geändert: Bestehende Ext2- oder Ext3-Dateisysteme lassen sich ohne Neuformatierung in ein Ext4-System konvertieren. Nur der Rückweg ist nicht mehr möglich – sobald das System Extents verwendet, kann die Partition nicht mehr als Ext2- oder Ext3-System gemountet werden.

ReiserFS 4 haben wir bereits im Artikel kurz erwähnt: Es wurde (unabhängig von ReiserFS 3) völlig neu entwickelt und heißt deshalb offiziell auch nur Reiser4. In den Interna hat sich dann auch einiges geändert, so dass Reiser4 wie Ext4 eine bessere Performance bieten soll. Ein besonderes Schmankerl ist bei Reiser4 die Plug-in-Schnittstelle, die das Hinzufügen von Zusatzfunktionen wie Verschlüsselung und Komprimierung auf einfache Weise ermöglicht.

Auch in der Windows-Welt schläft man in Sachen Dateisystem nicht. Allerdings musste Microsoft in dieser Hinsicht kürzlich einen Rückschlag eingestehen: WinFS, das als Teil von Vista ausgeliefert werden sollte und ursprünglich als Erweiterung von NTFS auf Datenbankbasis konzipiert war, stellte sich als nicht realisierbar heraus, die Entwicklung wurde eingestellt. Eine der prestigeträchtigsten Veränderungen, die Vista bringen sollte, ist damit Geschichte. Microsoft kündigte allerdings an, verschiedene Ansätze aus WinFS in künftige Produkte wie den Vista-Nachfolger zu integrieren.

Glossar

Posix

Das Portable Operating System Interface (POSIX) ist ein Minimalstandard für Unix-Systeme, der garantiert, dass man nach Posix-Richtlinien entwickelte Programme unter Posix-kompatiblen Betriebssystemen übersetzen und ausführen kann.

Infos

[1] ntfs-3g: http://www.ntfs-3g.org/

[2] Ext2IFS für Windows: http://www.fs-driver.org/

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