Aufmacher Artikel

Sanfter Helfer

Es muss nicht immer OpenOffice sein

12.07.2007
Schneller, kleiner, kompatibler: Das ist die Essenz der Herstelleraussage. Auch das neue SoftMaker Office 2006 für Linux besteht wieder aus den zwei bekannten Programmen TextMaker und PlanMaker. Wir haben die beiden Programme getestet.

Fünf Minuten zum Booten des Linux-PCs, fünf weitere Minuten, bis der KDE-Desktop vollständig sichtbar ist, und dann noch mal fünf Minuten, bis ein Klick auf das OpenOffice-Icon die Textverarbeitung aktiviert – wenn Ihnen das Szenario bekannt vorkommt, arbeiten Sie mit einem älteren PC, der sich vor allem durch einen langsamen Prozessor und wenig Hauptspeicher auszeichnet.

Nicht nur für Alt-PCs empfiehlt SoftMaker sein aktuelles Office-Paket, das trotz der Jahreszahl 2006 im Namen noch recht frisch ist: Die Linux-Version ist Weihnachten 2006 erschienen. Der Kasten Installation beschreibt, wie Sie die Office-Suite auf Ihrem PC einrichten. Damit landen die Textverarbeitung TextMaker und die Tabellenkalkulation PlanMaker auf der Platte. Ein Präsentationsprogramm im Stil von OpenOffice Impress oder Microsoft PowerPoint gibt es noch nicht, aber das dürfte sich bald ändern: Windows-Anwender dürfen derzeit schon die Betaversion von SoftMaker Presentations ausprobieren.

Installation (Vollversion und Demoversion)

Die SoftMaker-CD enthält im Unterverzeichnis Linux zwei tgz-Archive; Sie benötigen in der Regel nur das Archiv ofl06.tgz: Die zweite Datei (ofl06dict.tgz) enthält Wörterbücher in zusätzlichen Sprachen, darunter auch Schweizerdeutsch. Als Schweizer entpacken Sie also beide Dateien. Um die Demoversion von der Heft-DVD zu installieren, verwenden Sie statt der angegebenen Datei das Archiv programme/andere/softmaker/softmaker-office-trial.tgz.

Die Installation können Sie über den Konqueror durchführen, den Sie dazu mit Root-Rechten starten müssen:

  1. Öffnen Sie ein Konqueror-Fenster mit Root-Rechten, indem Sie im Startmenü den Eintrag System / Dateiverwaltung / Konqueror (Systemverwaltungsmodus) auswählen oder in ein mit [Alt]+[F2] geöffnetes Schnellstartfenster kdesu konqueror eingeben. In beiden Fällen erscheint ein Dialog, in den Sie das Root-Passwort eingeben. Ubuntu-Anwender geben ihr eigenes Passwort ein.

    Je nach Linux-Version und Voreinstellungen erscheint der Dateimanager mit englischsprachiger Benutzerführung, was für die Zwecke der Installation aber nicht weiter tragisch ist.

  2. Navigieren Sie im Konqueror-Fenster zum Verzeichnis, unter dem Linux die CD eingebunden hat – unter Suse Linux heißt es beispielsweise /media/SoftMaker/ (oder bei der Heft-DVD /media/EL200703/). Wechseln Sie dort in das in der Einleitung genannte Unterverzeichnis.
  3. Klicken Sie die Datei ofl06.tgz (softmaker-office-trial.tgz) mit der rechten Maustaste an und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Eintrag Extract To (Entpacken nach).

  4. Es erscheinen zwei neue Fenster des Archivmanagers Ark – wenn der Konqueror sich auf Englisch präsentiert hat, gilt dies auch für die Ark-Fenster. Das kleinere der beiden Fenster fragt nach dem Verzeichnis, in den es das Archiv entpacken soll. Vorgegeben ist hier /root – der richtige Ort ist aber /opt. Klicken Sie doppelt in das Feld Destination folder (Zielordner) und überschreiben Sie den Vorgabewert mit /opt (Abbildung 1). Klicken Sie dann auf OK.

    Das Kopieren der Dateien benötigt nur wenige Sekunden. Danach schließen sich die Ark-Fenster selbständig.

    Abbildung 1: Entpacken Sie das Archiv ins Unterverzeichnis "/opt".
  5. Benötigen Sie die Schweizer Sprachpakete (oder eine der übrigen Sprachen), wiederholen Sie die Schritte 3 und 4 mit dem zweiten Archiv, ofl06dict.tgz. (Das geht nur bei der Kauf-CD.)
  6. Mit einem Klick auf den X-Button oder mit [Alt]+[F4] schließen Sie zuletzt auch das Konqueror-Fenster mit Root-Rechten.

TextMaker und PlanMaker liegen nun im Verzeichnis /opt/office/ bzw. /opt/officetrial. Für etwas mehr Komfort legen Sie Startmenüeinträge an. Wollen Sie nicht darauf warten, starten Sie eines der Programme direkt, indem Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster öffnen und dort

/opt/office/textmaker

für die Textverarbeitung oder

/opt/office/planmaker

für die Tabellenkalkulation eingeben. Bei der Demoversion von der Heft-DVD heißt das Verzeichnis nicht /opt/office/, sondern /opt/officetrial/ – dieses Verzeichnis können Sie auch in /opt/office/ umbenennen, wenn Sie nicht parallel eine ältere Version von SoftMaker Office verwenden.

Erster Start

TextMaker schlägt die Verzeichnisse SoftMaker und SoftMaker/Templates in Ihrem Home-Verzeichnis als Standardablagen für Office-Dokumente und Vorlagen vor. Wollen Sie bestehende Dokumentenverzeichnisse (etwa von OpenOffice) auch für SoftMaker Office verwenden, passen Sie die Vorgaben an: OpenOffice speichert Dokumente im Verzeichnis Documents und Dokumentvorlagen in unterschiedlichen Ordnern, beispielsweise .ooo-2.0/user/template.

Danach folgt (bei der Vollversion) die Registrierung des Programms; hier geben Sie Name, Mail-Adresse und die Seriennummer ein. Sie sehen dann den "Tipp des Tages" (Abbildung 2), der künftig bei jedem Start erscheint, sofern Sie diese Funktion nicht abstellen, indem Sie das Häkchen vor Tipp des Tages beim Programmstart anzeigen entfernen. Die Tipps gibt es in zwei Varianten: für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Durch Auswahl des Tabs Fortgeschrittene zeigen Sie den aktuellen Profi-Tipp an. Schließen Sie das Tipp-Fenster mit OK.

Abbildung 2: Der Tipp des Tages versorgt Sie mit Tipps und Tricks.

TextMaker fragt nun in zwei Dialogen Ihre privaten und dienstlichen Kontaktinformationen ab; das dient dazu, später Briefe und andere Dokumente automatisch mit den richtigen Informationen zu füllen. Damit ist die Ersteinrichtung abgeschlossen, und Sie können mit TextMaker arbeiten.

Geschwindigkeit

Die SoftMaker-Anwendungen arbeiten sehr schnell. Auf einem veralteten Testrechner (Pentium 4 Mobile, 1,2 GHz, 512 MByte RAM) benötigte die Textverarbeitung zum Starten sieben Sekunden für den ersten und vier Sekunden bei jedem folgenden Start (wenn Teile des Programms noch im Hauptspeicher lagen), die Tabellenkalkulation erreichte die gleichen Startzeiten. OpenOffice Writer 2.1 benötigte im Vergleich 35 Sekunden für den ersten Start und 20 Sekunden bei weiteren Aufrufen. Auf aktuellen PCs starten die SoftMaker-Anwendungen praktisch ohne jede Verzögerung – da fällt aber auch ein OpenOffice-Start nicht mehr sonderlich ins Gewicht.

Auch beim Öffnen von Dokumenten zeigt sich SoftMaker Office erfrischend fix: Für das Importieren eines 550 Seiten großen Word-Dokuments benötigte das Programm 90 Sekunden. Anderthalb Minuten klingen lang, aber im Vergleich zu OpenOffice 2.1, das mit derselben Aufgabe geschlagene 25 (fünfundzwanzig!) Minuten beschäftigt war, bedeutet dies doch einen deutlichen Unterschied. Auf einem aktuellen Rechner mit 1 GByte RAM sah die Situation ähnlich aus (TextMaker: 16 Sekunden, OpenOffice: vier Minuten).

Fairerweise haben wir die Tests anschließend mit Dokumentversionen in den jeweiligen nativen Dateiformaten (also tmd für TextMaker und odt für OpenOffice Writer) wiederholt – hier änderten sich die Ergebnisse aber nur geringfügig: TextMaker führt mit sportlichen 13 Sekunden vor OpenOffice (100 Sekunden).

Eine weitere populäre Funktion ist der PDF-Export, den SoftMakers Programme auch bieten. Für die PDF-Erstellung aus der großen Beispieldatei benötigte TextMaker drei Minuten; OpenOffice schaffte es in 40 Sekunden, ist hier also deutlich schneller. Auf dem aktuellen Testrechner waren die Zeiten für den PDF-Export umgekehrt (TextMaker: 17 Sekunden, OpenOffice Writer: 30 Sekunden). Dabei hängt TextMakers PDF-Schreib-Performance aber auch deutlich vom Hilfsprogramm GhostScript ab, das die Textverarbeitung verwendet: Anders als OpenOffice, das direkt eine PDF-Datei erstellt, schreibt TextMaker eine PostScript-Datei und konvertiert diese ins PDF-Format.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Weder PowerPoint noch Impress
    Softmakers Officepaket hat sich einen Namen als schlanke Alternative zum Boliden OpenOffice gemacht – bisher gab es aber nur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Version 2008 macht das Paket mit einem PowerPoint-Ersatz komplett.
  • Test der Betaversion von SoftMaker Office
    Schon seit vielen Jahren versorgt die Nürnberger Softwareschmiede SoftMaker auch Linux-Anwender mit ihrem Officepaket. Die neue Version 2012 steht kurz vor dem Verkaufsstart, wir haben die zweite Beta getestet.
  • TextMaker 2002 im Test
    Die Zeiten, in denen es Linux vor allem an Office-Programmen mangelte, sind schon länger vorbei. Für noch mehr Auswahl sorgt nun die in Nürnberg ansässige Firma SoftMaker mit ihrer nativen Portierung der Textverarbeitung TextMaker 2002.
  • SoftMaker spendet für jeden Download seines kostenlosen FreeOffice
    Die SoftMaker Software GmbH hat auch in diesem Jahr wieder eine Spendenaktion gestartet: Für jeden Download des kostenlosen FreeOffice-Pakets spendet der nürnberger Entwickler 10 Cent an ausgewählte Hilfsprojekte. Die Aktion läuft noch bis zum 24. Dezember.
  • PlanMaker
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_03

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...