"Ich packe meinen Koffer und stecke Sonnencreme, meine Badehose und ein Schlauchboot ein." So beginnt ein altes Kinderspiel. Die moderne Fortsetzung sieht so aus: "…und meine Digitalkamera, mein Stativ, eine mobile Festplatte, mein Notebook, ein paar Ersatz-Akkus, eine spritzfeste Tasche und zusätzliche Speicherkarten."

Da brauchen Sie aber einen großen Koffer! Ist das wirklich nötig? Die Antwort ist ein klares "Jein". Natürlich machen Sie Ihre Schnappschüsse in den Ferien auch ohne Stativ. Natürlich reichen auch 50 Fotos aus drei Wochen. Ja, und wenn der Akku leer ist, dann ist halt Schluss mit Knipsen. Muss auch so gehen.

Bessere Urlaubsfotos, Teil I

Scott Kelby, US-amerikanischer Bestseller-Autor, Fotograf und Designer, hat Das Digitale Fotografie Buch geschrieben (siehe Kasten "Buch-Tipp"). Wir veröffentlichen mit Erlaubnis des Verlags ein paar passende Tipps für das richtige Bild im Urlaub.

Die richtige Tageszeit für Fotos ist entweder die Morgendämmerung oder der frühe Abend. Das "goldene, magische Licht", so Kelby, eigne sich nicht nur für Landschaftsaufnahmen hervorragend. Auch Stadtbilder schössen sich morgens am besten, weil die Straßen noch leer seien: So lassen sich Gebäude und Plätze ungestört fotografieren.

Und das ist ja auch ansonsten eine gute Nachricht für den Urlaub: Sie planen Ihre Fototrips so, dass die besten Bilder morgens oder abends entstehen, und haben den ganzen Rest des Tages Zeit zum Entspannen!

Gehören Sie zu den Menschen, die nicht so denken, sollten Sie Ihre Urlaubsbilder ein wenig planen. Dazu gehört eine passende Ausrüstung: Ein Stativ ist fast immer wichtig; Profifotografen benutzen es, weil es für jede Aufnahmesituation eine ruhige Hand verspricht. Die besten Fotos werden Ihnen morgens und abends in der Dämmerung gelingen. Genau dann brauchen Sie ein Stativ, um scharfe Bilder schießen zu können. Also: Rein damit in den Koffer(raum)!

Eine mobile Festplatte nehmen Sie mit, wenn Sie zwischendurch Ihre Bilder sichern möchten. Das ist nicht nur dann sinnvoll, wenn die Speicherkarte Ihrer Kamera voll ist. Das sollten Sie vor allem tun, wenn Sie auf jeden Fall Bilder aus dem Urlaub mit heimbringen möchten. Die Traumreise nach Bali, der Städte-Trip nach New York: Wie oft machen Sie solche Ausflüge? Und selbst der Deutschland-Urlaub in Clausthal-Zellerfeld findet nicht jeden Tag statt; mit einer mobilen Festplatte als Bildspeicher gehen Sie hier auf Nummer Sicher: Auch nach Ihrer Rückkehr werden Sie von Ihrem wahrscheinlich einmaligen Urlaub zehren.

Aber es muss nicht unbedingt eine mobile Festplatte sein – zusätzliche Speicherkarten oder ein Notebook, auf dem Sie Ihre Bilder sichern, tun's auch. Der tragbare Computer ist zwar unhandlicher und benötigt zudem Strom, der im Ausland oft nur schwer zu kriegen ist, weil Stecker oder Netzspannung nicht passen. Dafür können Sie am Notebook schon vor Ort Ihre Fotos bearbeiten.

Ersatz-Akkus sind einfach wichtig, um gerade dann nicht mit leeren Batterien dazustehen, wenn der ultimative Urlaubsschnappschuss auf Sie wartet – eine reine Vorsichtsmaßnahme also. Um Vorsicht geht es auch beim letzten Zubehörteil, das wir Ihnen empfehlen, der spritzfesten Tasche: Die hält Staub und Dreck ebenso ab wie Spritzwasser.

Bessere Urlaubsfotos, Teil II

Nichts ist langweiliger, als Aufnahmen in der Totalen, die weniger zeigen, als sie verbergen. Daher zwei Ratschläge von Scott Kelby:

Konzentrieren Sie sich auf Details, anstatt ganze Gebäude oder große Panoramen zu fotografieren. Ornamente, Fenster, ein Wasserspeiher: Solche Bilder erzählen Geschichten.

Halten Sie nach starken, leuchtenden Farben Ausschau. Eine farbige Wand, Geschäfte, Zeichen, Autos: Je mehr man sich umschaue, so Kelby, desto mehr Farbe finde man. Und: Auch für das Aufnehmen von Farben eignen sich Morgen- und Abenddämmerung am besten.

Damit haben Sie die Fotoausrüstung für Ihren Urlaub zusammen. Und wie machen Sie gute Urlaubsbilder? Hinweise dazu finden Sie in unseren "Fototipps I-IV" in diesem Artikel. Denken Sie aber grundsätzlich daran, dass Urlaubsfotos festgehaltene Erinnerungen sind. Fotografieren Sie Ihre Eindrücke: das Essen am Hafen, das mit dem frischen, superleckeren Fisch; der Sonnenuntergang auf dem Felsen, hoch über der Bucht; der lustige Straßenmusiker in Badehose, als "Naked Cowboy" in New York am Times Square weltbekannt. Oder die Milchkannen, die morgens immer so scheppern, wenn der Bauer sie an die Straße stellt (Abbildung 1): Das sind die Bilder, mit denen Sie später an Ihren Urlaubsort zurückkehren können. Das sind gute Urlaubsfotos.

Abbildung 1: Fotografieren Sie nicht, erzählen Sie mit Ihren Bildern Geschichten aus Ihrem Urlaub, etwa von einem gelungenen Ausflug.

Die guten ins Töpfchen

Zu den wichtigsten Aufgaben nach Ihrer Rückkehr gehört – neben dem Auspacken des Koffers und der großen Wäsche – das Sichten Ihrer Bilder. Davon haben Sie, wenn alles geklappt hat, mehr als genug. Nur eine kleine Anzahl aber verdient es wahrscheinlich aufgehoben zu werden. Daher ist es wichtig auszusortieren; es erspart Ihnen wiederholtes stundenlanges Sichten.

Unter OpenSuse 10.2 bietet sich das Programm Gwenview dazu an, das Sie über das K-Menü im Bereich Anwendungen / Grafik / Bildbetrachter finden (Abbildung 2). Kubuntu präsentiert Gwenview im Untermenü Graphik. Bei Mandriva Linux 2007 nehmen Sie am besten Kuickshow. Sie erreichen es über das K-Menü im Bereich Multimedia / Grafik.

Abbildung 2: Mit Gwenview sichten und sortieren Sie Ihre Urlaubsbilder.

Mit diesen Programmen betrachten Sie Ihre Fotos als kleine Vorschaubilder (Thumbnails) oder – per Doppelklick – auch in voller Größe. Mit Gwenview können Sie zum Beispiel Kommentare zu den Bilder schreiben, die Ihnen später beim Erinnern helfen. Über das Kontextmenü der rechten Maustaste benennen Sie Bilder um, kopieren, verschieben oder löschen sie. In der Kuickshow starten Sie über [F2] eine Diashow aller Fotos aus Ihrem Bilderverzeichnis. Auch hier löschen Sie einzelne Aufnahmen. Markieren Sie eins, drücken Sie [Entf] und klicken Sie auf In den Mülleimer werfen.

Bessere Urlaubsfotos, Teil III

Machen Sie ein Backup Ihrer Fotos schon vor Ort. Urlaubsziele haben es an sich, dass man nicht oft hinfährt. Manchmal nur einmal. Fotos, die im Urlaub nichts werden, lassen sich später nicht mehr nachmachen. Also: Nehmen Sie sich ein Notebook mit, eine mobile Festplatte mit Anschluss an Ihre Digitalkamera oder überspielen Sie Ihre Fotos direkt ins Internet. So gehen Sie auf Nummer Sicher.

Bilder-Basisarbeit

Vielleicht haben Sie in Ihrem Urlaub mit verschiedenen Bildformaten gearbeitet. Auf jeden Fall hat Ihre Digitalkamera den Urlaubsbildern kryptische Namen wie DSC80447.jpg gegeben, die Ihnen nichts über die Aufnahmen verraten. So wäre es schön, wenn Sie alle Fotos in einem Rutsch – fremddeutsch "batch processing" – zum Beispiel in Alpenurlaub_2007#1 fortlaufend umbenennen könnten.

Leider haben wir für Linux kein Werkzeug gefunden, dass solche Basisarbeiten, dazu gehört auch das Ändern der Größe, der Farbtiefe oder des Dateiformats, an Ihren Bildern zufriedenstellend erledigt. Zwar gehört in den gängigen Distributionen das Programm ImageMagick zum Lieferumfang. Das lässt sich für solche Tätigkeiten aber nur über die Kommandozeile befriedigend bedienen. Wenn Sie es dennoch versuchen möchten: Unter [1] finden Sie ein Guru-Training zu ImageMagick, in dem Sie alle wichtigen Schritte kennen lernen. Ansonsten bleibt Ihnen nur übrig, diese Arbeiten von Hand auszuführen. Schade!

Bessere Urlaubsfotos, Teil IV

Auch Porträts gelingen am besten in der Dämmerung. Um zu verhindern, dass Ihr Modell als Silhouette erscheint, weil die Sonne noch zu hell ist, oder "verwaschen", weil Sie schon mit Blitz fotografieren müssen, rät Ihnen Scott Kelby: Schalten Sie den Blitz aus und zielen Sie auf den Himmel. Drücken Sie den Auslöser halb durch, um die Belichtung für den Himmel auszumessen. Richten Sie die Kamera mit halb gedrücktem Auslöser nun auf die Person, die Sie fotografieren möchten. Aktivieren Sie den Blitz, um die Person mit einem Aufhellblitz auszuleuchten. So haben Sie beides: Einen eindrucksvollen Himmel und ein gut ausgeleuchtetes Porträt.

Stellen Sie bei Porträts immer auf die Augen scharf. Die Augen gehören außerdem in das obere Drittel des Bildes. Achten Sie bei Porträts darauf, dass sie das ganze Bild ausfüllen.

Bilder verbessern

Wenn Sie sich an die Expertentipps zum richtigen Fotografieren gehalten haben, werden Sie überdurchschnittlich gutes Material aus den Ferien mitbringen. Prima: Das ist eine wunderbare Ausgangssituation zum weiteren Verbessern der Fotos.

Auch hier stehen Ihnen unter Linux diverse Programme zur Verfügung; neben Gimp, das wir hier verwenden, bietet sich auch das eben erwähnte ImageMagick an, das sich nicht nur über die Kommandozeile steuern lässt, sondern genau so gut über eine grafische Oberfläche. Starten Sie das Programm in Ihrem Bilderordner über die Konsole [F4]. Geben Sie display ein und drücken Sie [Eingabe]. Öffnen Sie per Doppelklick aus der Auswahlliste eins Ihrer Bilder. Um das Menü von ImageMagick einzublenden, klicken Sie mit der linken Maustaste in das Bild (Abbildung 3). Dann stehen Ihnen zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung.

Abbildung 3: Alternative zu Gimp: Auch mit ImageMagick optimieren Sie Ihre Ferienfotos.

Umfangreicher und intuitiver zu bedienen als ImageMagick ist aber Gimp. Daher zeigen wir Ihnen die besten Bearbeitungsmöglichkeiten für Ihre Bilder mit diesem Programm. Starten Sie es über die Schnellstartleiste [Alt]+ [F2] : Geben Sie dort gimp ein und drücken Sie [Eingabe].

Digitaler Workflow

In der Praxis professioneller Bildbearbeitung hat sich ein bestimmter Arbeitsablauf bewährt, den wir auch Ihnen ans Herz legen. Was wir Ihnen hier zunächst im Überblick erläutern, erklären wir im Anschluss daran im Detail.

  1. Der erste Schritt zur Verbesserung Ihrer Fotos besteht paradoxerweise darin, sie vor Bearbeitungen zu schützen. Gewöhnen Sie sich an, nur mit Kopien der Originale zu arbeiten. Am leichtesten ist es, Sie kopieren den ganzen Bilderordner und fügen ihn an anderer Stelle wieder ein.
  2. Öffnen Sie eine dieser Kopien und speichern Sie das Bild im Gimp-Format. So bleiben Ihnen zunächst alle Arbeitsebenen Ihres Bildes erhalten.
  3. Erstellen Sie eine Kopie der Hintergrundebene. Arbeiten Sie solange mit dieser Kopie, wie Sie noch nicht zufrieden sind mit dem Ergebnis. So steht Ihnen das Original immer zur Verfügung.
  4. Bessern Sie im ersten Schritt kleine Bildfehler aus (Retusche).
  5. Bearbeiten Sie dann Farben sowie Helligkeit und Kontrast des Bildes.
  6. Verwenden Sie erst zum Schluss Bildeffekte und Filter.
  7. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, löschen Sie die am Anfang ausgeblendete Originalebene sowie alle eventuell eingefügten weiteren Ebenen. Damit verringern Sie die Bildgröße.
  8. Speichern Sie am Ende das fertige Bild.

Originaldateien schützen

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen: Bevor Sie ein Bild bearbeiten, sichern Sie das Original an anderer Stelle. So passiert es nicht, dass Sie aus Versehen das Ausgangsbild mit einem experimentellen Zwischenergebnis überschreiben. Arbeiten Sie auch in Gimp am besten mit einer Kopie des Bildes. Mit der können Sie dann nach Herzenslust spielen und Einstellungen ausprobieren. Wählen Sie dazu aus dem Menü Ebene die Funktion Ebene duplizieren. Blenden Sie anschließend über [Strg]+ [L] die Ebenenpalette ein und klicken Sie auf das Auge neben der Ebene Hintergrund. Damit blenden Sie das Originalbild aus und schützen es so vor ungewolltem Verändern. Aktivieren Sie nun die Ebene Hintergrund-Kopie. Speichern Sie dann das Bild: Wählen Sie aus dem Menü Datei / Speichern unter und klicken sie auf Dateityp: Nach Endung. Entscheiden Sie sich für die Option GIMP XCF image und klicken Sie auf Speichern.

Retusche

Der erste Arbeitsschritt besteht im Ausbessern kleiner Bildfehler. Als Faustregel gilt: Sie bessern all' das aus, was Sie beim Betrachten des Bildes stört. Das können Staubfuseln im Foto sein, Kratzer auf Gegenständen im Bild, aber durchaus auch manche Gegenstände selbst, die die Bildkomposition beeinträchtigen. Allerdings sollten Sie vermeiden, Bilder komplett anders aussehen zu lassen als in der Wirklichkeit, weil es nur schwer möglich ist, große Bildteile unsichtbar zu retuschieren.

Auch das Bearbeiten von Personen hat Grenzen: Haben Sie alle Falten und Hautunreinheiten aus einem Porträt entfernt, wirkt der abgebildete Mensch oft zu perfekt und tendenziell leblos. Hier ist eine gesunde Mischung von Natur und Kunst am besten.

Um Retuschen vorzunehmen, rufen Sie in Gimp mit [C] den Kopierstempel auf. Halten Sie [Strg] gedrückt und wählen Sie mit der Maus eine Originalstelle aus. Dann lassen Sie [Strg] los und bessern auf der Grundlage des ausgewählten Originalbereichs einzelne Bildteile aus. Sauberer werden die Korrekturen, wenn Sie sich oft eine neue Originalstelle aussuchen und nur kleine Stellen mit einer Einstellung ausbessern. So verhindern Sie unschöne Wiederholungen in den ausgebesserten Bereichen.

Beachten Sie beim Bearbeiten auch die Werkzeugeinstellungen des Klonwerkzeugs (Abbildung 4). Klicken Sie auf den runden Kreis, können Sie andere Werkzeugspitzen auswählen. Hier müssen Sie einfach ausprobieren, welches Werkzeug zu welcher Korrektursituation am besten passt. Dabei ist nicht nur die Größe wichtig, sondern auch die Form: Gute Erfahrungen haben wir bei unseren Tests beispielsweise mit den unregelmäßigen Werkzeugspitzen wie Confetti, Galaxy oder Sand Dunes gemacht, weil sie für eine Struktur in den geklonten Bereichen sorgen, die das Ergebnis verbessert.

Abbildung 4: Die Werkzeugspitzen des Klon-Stempels bieten zahlreiche Optionen zum besseren Arbeiten.

Um nach Ihren Korrekturen eventuell entstandene harte Korrekturübergänge zu glätten, drücken Sie [S]. Damit rufen Sie das Werkzeug Bild verschmieren auf. Fahren Sie mit gedrückter linker Maustaste über korrigierte Stellen, um die Retuschen etwas organischer aussehen zu lassen.

Bildteile maskieren

Es gibt Bilder, die starke Kontraste zwischen Hell und Dunkel oder einzelnen Farben aufweisen. Hier ist es nicht sinnvoll, das komplette Bild weiter zu bearbeiten. Besser ist es, ausgewählte Bereiche zu optimieren und andere unbehelligt zu lassen oder später mit anderen Werten zu verändern. Um einzelne Bildteile zu maskieren, stehen Ihnen in Gimp verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, die Sie in der ersten Reihe des Werkzeug-Fensters finden. Mit dem Rechteck- und dem Kreiswerkzeug ziehen Sie bei gedrückter linker Maustaste eine symmetrische Maske auf. Mit dem Lasso malen Sie mit der Maus eine freie Maskierung ins Bild. Der Zauberstab hilft Ihnen bei der Auswahl zusammenhängender Bereiche mit ähnlichen Farben. Wie grob oder fein diese Auswahl ist, stellen Sie über den Regler Schwelle ein, den Sie in den Werkzeugeinstellungen finden.

Sie können im Bild auch einen Bereich nach Farben wählen, die nicht zusammenhängen müssen. Mit dem letzten Werkzeug dieser Reihe schließlich können Sie per multiplem Mausklick Umrisse des Bildes wählen, um einzelne Objekte sauber zu markieren.

Gimp erlaubt Ihnen, verschiedene Maskierungen zu mischen. Drücken Sie [Umschalt], vergrößern Sie eine Auswahl. Um eine Markierung zu löschen, drücken Sie [Strg] und umfahren mit gedrückter Maustaste die Markierung. Wenn Sie alle Markierungen aufheben möchten, drücken Sie [Strg]+ [Umschalt]+ [A] .

Alle Bearbeitungsschritte, die Sie nach einer Markierung vornehmen, wirken sich nur auf die markierten Bereiche aus. Um zu verhindern, dass Sie zwischen einzeln markierten Bildteilen zu harte Übergänge produzieren, empfehlen wir Ihnen, Ihre Masken mit einem weichen Rand zu versehen. Wählen Sie dafür ein Auswahlwerkzeug aus und klicken Sie in den Werkzeugeinstellungen auf Kanten ausblenden. Stellen Sie über den Schieberegler einen Wert von beispielsweise 20 ein. So sorgen Sie für weichere Übergänge zwischen maskierten und unmaskierten Bildteilen. Um den Teil des Bildes, der nicht mit einer solchen Markierung versehen ist, anschließend genauso mit fließenden Rändern zu bearbeiten, heben Sie die Markierung nicht einfach auf, sondern drehen Sie sie um: Wählen Sie aus dem Menü Auswahl die Funktion Invertieren oder drücken Sie [Strg]+ [I] .

Helligkeit, Kontrast, Farbe

Nun folgen die Optimierungen für Helligkeit & Kontrast sowie der Farben. Dazu bietet Gimp verschiedene Einstellungen. Wählen Sie aus dem Menü Farben beziehungsweise Werkzeuge / Farben zunächst die Werte. Stellen Sie hier getrennt für die einzelnen Kanäle die Tonwerte ein. Kontrollieren Sie die Auswirkungen in der Vorschau.

Schieben Sie das Fenster mit gedrückter linker Maustaste über die Titelleiste so an die Seite, dass Sie Ihr Bild gut erkennen können. Klicken Sie bei Kanal auf Wert und wählen Sie nacheinander die einzelnen Kanäle Rot, Grün und Blau aus. Korrigieren Sie die Farben dann über die Regler unter der Kurve mit den Quellwerten: Bewegen Sie das schwarze Dreieck nach rechts, verringern Sie einen Farbwert, schieben Sie das weiße Dreieck nach links, erhöhen Sie ihn. Der mittlere Regler sorgt für eine Balance zwischen diesen Extremen.

Wählen Sie anschließend aus dem Menü Farben die Funktion Farbabgleich (Abbildung 5). Hier bearbeiten Sie Ihr Bild in den speziellen Bereichen Schatten, Mitten und Glanzlichter sowie den Farben Cyan, Magenta und Gelb. Regeln Sie auch hier nach Sicht. Wählen Sie einen Bereich aus, zum Beispiel Schatten und stellen Sie anschließend die Farbwerte für den gewählten Bereich ein. Mit OK übernehmen Sie die Änderungen, mit Bereich zurücksetzen verwerfen Sie sie.

Abbildung 5: Getrennt nach Bildbereichen verbessern Sie im Farbabgleich gezielt einzelne Farben.

In der Funktion Farben / Helligkeit-Kontrast stehen Ihnen genau zwei Regler zur Verfügung: einer für Helligkeit und einer für Kontrast. Die Faustregel hier lautet: Regeln Sie diese Werte behutsam, sonst erhalten Sie drastische Ergebnisse, die mit dem Originalbild nur noch wenig zu tun haben, oder es gleich ganz unsichtbar machen.

Zum Abschluss Ihrer Bildverbesserung wählen Sie aus dem Menü Farben die Funktion Farbton-Sättigung (Abbildung 6). Hier können Sie die Farben Rot, Grün, Blau sowie Magenta, Cyan und Yellow anwählen und pro Farbe den Farbton, die Helligkeit und die Sättigung einstellen. Besonders über den Regler Farbton erreichen Sie interessante Verfremdungen, die den Charakter eines Bildes dramatisch verändern.

Abbildung 6: Besonders drastische Ergebnisse erzielen Sie mit dem Regler Farbton, mit dem Sie komplette Bildteile umfärben können.

Mit Filter

Nach diesen Retuschen haben Sie ein optimiertes Bild vorliegen. Erst jetzt sollten Sie sich mit den Filtereffekten von Gimp beschäftigen. Hier gilt wie so oft: Weniger ist mehr! Experimentieren Sie, aber seien Sie mit Effekten zurückhaltend: Ihr zuvor optimiertes Bild verbessern Sie mit solchen Eingriffen nicht mehr; Sie können es allenfalls – allerdings künstlerisch wertvoll – total verändern.

Abschlussarbeiten

Wenn Sie alle Arbeiten am Bild vorgenommen haben, bleiben zwei Dinge übrig: Erstens löschen Sie Ebenen, die Sie nicht mehr benötigen. Oder Sie führen, wenn Sie einzelne Bildteile auf unterschiedlichen Ebenen bearbeitet haben, diese zu einem Gesamtbild zusammen (über Ebene / Nach unten vereinen). Der Vorteil: Mit diesen Schritten reduzieren Sie die Bildgröße beträchtlich. Der Nachteil: Das spätere Bearbeiten einzelner Ebenen ist so nicht mehr möglich.

Zweitens speichern Sie Ihr Bild nun. Wählen Sie Datei / Speichern unter und klicken Sie auf Dateityp: Nach Endung. Suchen Sie sich ein Format aus, etwa PNG-Bild, TIFF-Bild oder JPEG-Bild, tragen Sie eventuell unter Name: einen neuen Namen für Ihr Bild ein und klicken Sie auf Speichern.

Hat sich der ganze Aufwand nun gelohnt, den Sie für Ihre Urlaubsbilder treiben mussten? Wie bitte, das war gar kein richtiger Aufwand? Hat sogar Spaß gemacht? Na prima, dann dürfen Sie sich jetzt schon auf den nächsten Urlaub freuen. Und auf die vielen schönen Bilder, die Sie mitbringen werden.

Die Alternative: Pixel

Nicht kostenlos, mit einem Preis von 89 US-Dollar (rund 68 Euro) aber immer noch sehr viel günstiger, als der Windows-Standard Adobe Photoshop, schickt sich das Bildbearbeitungsprogramm Pixel an, den Linux-Leuchttisch zu erobern. Die Ähnlichkeit von Pixel und Photoshop ist wohl kein Zufall, möchte das Programm doch dessen Funktionen auch unter Linux verfügbar machen. Und das klappt gerade in den beschriebenen Schritten zur Bildverbesserung hervorragend. Wenn Sie Photoshop oder seinen kleinen Bruder Photoshop Elements bereits kennen gelernt haben, werden Sie mit Pixel schnell arbeiten können.

Möchten Sie die Gimp-Alternative einmal ausprobieren? Unter [2] finden Sie die Webseite des Programmierers Pavel Kanzelsberger mit der Download-Möglichkeit einer Demo-Version. In unserer Schwesterzeitschrift Linux-User 05/2007 lesen Sie zudem im Detail, was das Programm alles kann [3].

Buch-Tipp

"Das Digitale Fotografie Buch" von Scott Kelby ist ein sehr praktischer und dabei äußerst kurzweiliger Ratgeber für ambitionierte Fotografen. Die Stärke des Buchs: Kelby hält sich nicht mit den theoretischen Grundlagen der Fotografie auf, sondern geht sofort voll ins richtige Leben. Das besteht eben nur selten aus Überlegungen über das richtige Verhältnis von Blende und Belichtungszeit unter besonderer Berücksichtigung bedeckten Himmels, sondern – gerade in der Fotopraxis – aus zackigen Entscheidungen wie "Blende 5,6 mit 1/125 Sekunde Belichtungszeit".

Sie haben in diesem Artikel ein paar gute Tipps von Kelby für Ihre Urlaubsbilder lesen können. Für alles weitere empfehlen wir Ihnen wärmstens den Erwerb dieses Buches. Noch ist Zeit, vor Ihrem Urlaub!

Scott Kelby, Das Digitale Fotografie Buch, Addison-Wesley, 2007, ISBN: 978-3-8273-2472-6, Preis: 19,95 Euro.

Infos

[1] Das Guru-Training zu ImageMagick: Daniel Molkentin, Serien-Bildmanipulation mit ImageMagick: Landschaftsmaler. easyLinux 04/2005, Seite 83

[2] Die englischsprachige Webseite von Pixel: http://www.kanzelsberger.com/pixel

[3] Artikel über Pixel: Jürgen Donauer, Pixel – professionelle Fotos zum kleinen Preis: Gute Karten. Linux-User 05/2007, Seite 50

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