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Softmodems unter Linux einrichten

12.04.2007
Schadsoftware aus dem Internet ist ein Grund, warum Nutzer von Windows zu Linux wechseln. Doch was tun, wenn das Modem sich weigert, unter Linux eine Internetverbindung aufzubauen? Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie Geräte zur Zusammenarbeit bewegen, die eigentlich nicht für Linux gedacht sind.

Benutzer analoger Modems haben es schwer unter Linux: Viele Distributionen unterstützen von Haus aus nur serielle Geräte. Passende Linux-Treiber müssen Sie über Windows oder einen anderen Rechner herunterladen. Bei Fragen, die während der Installation auftreten, sind sie ebenfalls auf einen zweiten Rechner oder Windows angewiesen.

Dieser Artikel erklärt Ihnen die Problematik der Winmodems und zeigt, wie Sie die Linuxant-Treiber [1] für die am weitesten verbreiteten Winmodems installieren. Den eigentlichen Download der Treiber können wir Ihnen aus rechtlichen Gründen nicht ersparen. Einige Winmodems funktionieren auch mit den Smartlink-Treibern [2]. Details dazu lesen Sie im Kasten "Smartlink-Treiber".

Smartlink-Treiber

In Laptops sind Modems der Firma Smartlink weit verbreitet. Auch dafür gibt es spezielle Linux-Treiber, die allerdings nicht alle Smartlink-Geräte unterstützen. In einigen Fällen benötigen Sie auch für Smartlink-Modems die Treiber von Linuxant. Die Smartlink-Treiber sind nicht komplett frei, im Unterschied zu den Linuxant-Treibern gibt es hier jedoch funktionell keine Beschränkungen. Die meisten Distributionen stellen für Smartlink-Modems fertige Treiber bereit. Die Bezugsquellen listet dieTabelle "Smartlink-Downloads" auf. Achten Sie bei den Paketen auf die zum benutzten Kernel passende Versionsnummer.

In der Regel genügt es, nach der Installation der zwei Smartlink-Pakete den Rechner neu zu starten und dann das Modem mit den distributionseigenen Tools einzurichten. Der Treiber legt einen Link /dev/modem an, der auf die zugehörige Gerätedatei verweist. Je nach Modem sind allerdings einige Besonderheiten zu berücksichtigen. So müssen Sie den Wählbefehl bei einigen Typen auf ATX0DT ändern. Andere Benutzer berichten davon, dass das System das Modul snd-intel8x0m nicht automatisch lädt. Tragen Sie dann dieses Modul unter MODULES_LOAD_ON_BOOT in die Datei /etc/sysconfig/kernel ein (Suse Linux). Bei Ubuntu tragen Sie den Namen des Kernelmoduls in die Datei /etc/modules ein. Benutzer von Mandriva Linux fügen den entsprechenden Modulnamen in die Datei /etc/modprobe.preload ein. Eine Liste von getesteten Geräten mit Bemerkungen zum Setup finden Sie im deutschen Ubuntu-Wiki [3].

Smartlink-Downloads

Distribution Quelle Paketname
Suse Linux 10.1 http://download.opensuse.org/distribution/SL-10.1/non-oss-inst-source/suse/i586/ smartlink-softmodem, smartlink-softmodem-kmp-default
OpenSuse 10.2 http://download.opensuse.org/distribution/10.2/repo/non-oss/suse/i586/ smartlink-softmodem, smartlink-softmodem-kmp-default
Mandriva Linux 2007 ftp://gd.tuwien.ac.at/pub/linux/Mandriva/devel/2007.1/i586/media/non-free/release/ slmodem, slmodem-kernel
Ubuntu 6.06 http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu/pool/multiverse/s/sl-modem/ sl-modem-daemon, sl-modem

Welches Modem

Wenn Sie vor der Anschaffung eines neuen analogen Modems stehen, sollten Sie in jedem Fall ein serielles Modem kaufen, da Linux diese Geräte in der Regel problemlos unterstützt. Besitzen Sie bereits ein analoges Modem, hilft Ihnen dieser Artikel, den passenden Treiber zu finden. Kopieren Sie dazu das Skript scanModem von der Heft-DVD aus dem Verzeichnis heft-cd/modems in Ihr Home-Verzeichnis, und gehen Sie dann nach der folgenden Anleitung vor:

  1. Starten Sie über [Alt]+ [F2] und den Befehl kdesu konsole ein KDE-Terminal mit den Rechten des Systemadministrators.
  2. Rufen Sie das Skript über den Befehl

    sh scanModem

    auf und folgen Sie den Anweisungen des Testprogramms. Es zeigt als Resultat den Typ des Modems an (Abbildung 1, grün markiert).

In den meisten Fällen erledigt das Skript seine Arbeit ohne weitere manuelle Eingriffe, manchmal müssen Sie allerdings noch ein spezielles Kernelmodul laden (Abbildung 1, rot markiert). Geben Sie dann die geforderten Befehle auf der Konsole ein und starten Sie sh scanModem erneut.

Abbildung 1: Welches Modem sich in Ihrem Rechner verbirgt, ermitteln Sie am einfachsten mit dem Programm "scanModem" von der Heft-DVD.

Das Tool findet allerdings nur interne Modems (PCI-Steckkarten oder Notebook-Modems), keine USB-Geräte. Besitzen Sie ein USB-Modem mit Conexant-Chipsatz, können Sie den Modemtest über die Linuxant-Website [1] auch online durchführen, zum Beispiel über die Ethernet-Verbindung oder unter Windows.

In den meisten Fällen findet das Skript ein HSF- oder HCF-Modem mit Conexant-Chipsatz (S=Softmodem, C=Controllerless Modem). Um dazu die passenden Treiber zu installieren, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Wissen Sie bereits, welchen Treiber Sie benötigen, laden Sie von der Linuxant-Homepage die passende Software herunter und installieren diese. Die Seite bietet für viele Distributionen und Kernelversionen fertige RPM- und Debian-Pakete an.
  • Wissen Sie noch nicht, mit welchem Treiber das Modem funktioniert, laden Sie das Installationsprogramm herunter und starten dieses auf der Kommandozeile. Dazu gehen Sie folgendermaßen vor:
  1. Laden Sie von [4] die Datei cnxtinstall.run herunter und speichern Sie diese in Ihrem Home-Verzeichnis.
  2. Öffnen Sie über [Alt]+ [F2] und den Befehl kdesu konsole ein Terminalfenster mit Root-Rechten.
  3. Wechseln Sie mit dem Befehl cd /home/ Benutzername in Ihr Benutzerverzeichnis.
  4. Starten Sie das Installationsprogramm über den Befehl

    sh cnxtinstall.run – --tty

    Achten Sie auf die insgesamt vier Minuszeichen. Theoretisch können Sie die Installation mit dem Befehl sh cnxtinstall.run auch mithilfe eines Browsers vornehmen. In unseren Tests hat dies jedoch unter Suse Linux nicht zuverlässig funktioniert.

Im ersten Schritt überprüft das Programm seine eigenen Bestandteile. Im Terminal erscheint die Meldung Press enter to continue. Drücken Sie hier die Eingabetaste, um fortzufahren. Das Installationsprogramm sammelt dann Informationen über das System und das Modem und schlägt Ihnen einen Treiber zur Installation vor (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Installationsskript untersucht Ihr System und schlägt dann einen Treiber vor ("hsfmodem", "hcfmodem" oder "riptide").

Möchten Sie mit der Installation fortfahren, benötigen Sie eine aktive Internetverbindung. Alternativ laden Sie sich den Treiber über eine der drei anzeigten HTTP-Adressen selbst herunter. Per [Eingabe] holt sich das Skript den passenden Treiber. Die meisten Modems funktionieren mit dem HFS-Treiber. Die HCF- und Riptide-Paket benötigen nur wenige Modelle.

Je nach Distribution schlägt Ihnen das Installationsprogramm danach mehrere Lösungen vor (Abbildung 3). In der Regel gelingt die Installation am besten, wenn Sie ein Paket auswählen, das genau zu Ihrer Distribution passt ( Pre-compiled package). Sie erkennen das an der Versionsnummer des Kernels und des Pakets. Probleme hat das Installationsprogramm, wenn die gefundene Distribution und die Kernelversion nicht passen. (Der Testrechner benutzte Suse Linux 10.1 aber mit dem Kernel von OpenSuse 10.2.) Es schlägt dann vor, ein allgemeines Paket zu installieren ( Generic Package) und die benötigten Treiber selber zu bauen. Dazu müssen auf Ihrem Rechner die Kernel-Quellen und die Programme gcc und make installiert sein. Details zur manuellen Installation eines Treibers lesen Sie im Artikel Altes Handwerk. Weitere Informationen zu den einzelnen Möglichkeiten erhalten Sie auf Englisch über die Eingabe von help.

Abbildung 3: Qual der Wahl: Sind die Kernelquellen und Entwicklerwerkzeuge installiert, entscheiden Sie sich besser für das "Generic Package".

Tippen Sie die gewünschte Zahl ein um fortzufahren. Das Installationsskript lädt sich dann den Treiber aus dem Internet herunter und baut daraus passende Kernelmodule. Haben Sie sich für die Auswahl eines vorkompilierten Pakets entschieden, lädt das Skript dieses herunter und installiert es. Danach richtet es das Modem ein und legt einen symbolischen Link /dev/modem an, der auf die eigentliche Gerätedatei (je nach Treiber verschieden) verweist. Zum Schluss zeigt der Installer Ihnen sämtliche Informationen zum Gerät an (Abbildung 4). Am besten speichern Sie diese Daten in einer Textdatei oder drucken sie aus. Markieren Sie dazu den Text im Terminalfenster und fügen Sie ihn per Klick mit der mittleren Maustaste/dem Mausrad in ein Textdokument ein.

Abbildung 4: Nach der Installation zeigt Ihnen das Skript wichtige Informationen zum Modem an.

In den meisten Fällen überschreibt der Linuxant-Treiber einige Kernelmodule, beziehungsweise ersetzt bestehende Kernelmodule. Gerade auf Laptops kann es dabei zu negativen Folgen für das Powermanagement kommen. So funktioniert zum Beispiel Suspend-to-RAM mit den Linuxant-Treibern nicht immer zuverlässig. Möchten Sie den Linuxant-Treiber wieder entfernen, geben Sie folgenden Befehl in einer Konsole mit den Rechten des Systemadministrators ein:

hsfconfig --uninstall

Beim HCF-Treiber ersetzen Sie hsfconfig dabei durch hcfconfig.

Nach der Installation des Treibers können Sie das Modem über YaST (Suse Linux/OpenSuse) oder Kppp (Ubuntu, Mandriva) einrichten. Beachten Sie, dass es sich beim freien Linuxant-Treiber um eine beschränkte Version handelt: Sie bietet keine Faxfunktion, und die maximale Downloadgeschwindigkeit liegt bei 14,4 Kbit/s. Die Vollversion mit Faxfunktionalität und kostet rund 20 Dollar

Fazit

Die internen Modems von Notebooks lassen sich in den meisten Fällen auch unter Linux nutzen. Hier lohnt sich auch der Aufwand, da dann keine zusätzliche Hardware angeschafft werden muss. Wer hingegen ein externes Modem sucht, sollte nach Möglichkeit ein serielles Gerät kaufen (zum Beispiel gebraucht), da diese bei den meisten Distributionen problemlos funktionieren. Für aktuelle Rechner ohne serielle Schnittstelle bleibt immer noch die Möglichkeit, den Internetzugang über ein spezielles Ethernet-Modem herzustellen, wie im Modemtest beschrieben.

Glossar

Winmodems

Auch Softmodem genannt. Spezielle Modems, bei denen einige zentrale Aufgaben nicht das Modem selbst übernimmt, sondern das Betriebssystem. Da diese Modems auf Windows zugeschnitten sind, lassen sie sich nicht immer zur Zusammenarbeit mit Linux bewegen.

Infos

[1] Linuxant: http://www.linuxant.com/drivers/

[2] Smartlink: http://www.smlink.com

[3] Ubuntu-Wiki: http://wiki.ubuntuusers.de/SmartLink

[4] Linuxant-Installationsprogramm: http://www.linuxant.com/drivers/hsf/full/archive/cnxtinstall.run

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