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SIM

12.04.2007
Alle Ihre Freunde nutzen Windows? Macht nichts: Dank SIM müssen Sie nicht auf einen kleinen Chat am Arbeitsplatz verzichten. Der Instant Messenger macht den Platzhirschen Gaim und Kopete Konkurrenz.

Zu den bekanntesten Instant Messengern im Linux-Bereich gehören Gaim (für Gnome) und Kopete (für KDE). Über die beiden Werkzeuge tauschen Linux-Anwender auch Nachrichten und Dateien mit Windows-Nutzern aus, die proprietäre Instant Messenger wie AOLs AIM, ICQ oder den MSN-Messenger einsetzen. Zwar nennt Microsoft den Nachrichtendienst jetzt Windows Live Messenger, SIM führt ihn aber noch unter der Bezeichnung MSN.

SIM [2] – der Simple Instant Messenger für KDE – bietet sich als schlanke Alternative zu den Standards an und bringt auch ein paar Vorteile mit. In der Praxis scheitert die Echtzeitkommunikation mit Nutzern nicht-freier Software oft daran, dass die Unternehmen regelmäßig die Protokolle verändern, über die ihre Messenger Nachrichten austauschen. Linux-Nutzer klopfen dann mitunter vergeblich an die proprietäre Tür. Es dauert meist eine Weile, bis Kopete oder Gaim wieder mit AIM oder ICQ reden. Kleine Projekte wie AMSN oder SIM scheinen da etwas flexibler zu reagieren und stellen recht schnell neue Versionen bereit, die mit den veränderten Protokollen klarkommen.

Ein zweiter Vorteil besteht im Umfang der Software. SIM braucht zwar auch einige der wichtigsten KDE-Bibliotheken, geht aber nicht so eine starke Symbiose mit dem KDE-Desktop ein wie Kopete. Neue Versionen lassen sich also ohne große Umstände einspielen.

Über SIM kommunizieren Sie mit anderen Linux-Anwendern, aber auch Windows- und Mac-Benutzern. Die Software versteht sich mit Kopete, Gaim und mit den Messengern von AOL, Microsoft und Yahoo!. Auch Nutzer des freien Jabber-Netzwerkes kontaktieren Sie mit SIM. Lediglich IRC unterstützt der Client zur Zeit noch nicht, auch bei Video- und Audioübertragungen muss er passen. Dafür lässt er sich über Plug-ins erweitern: Die laden Sie nicht von einer Webseite herunter, sie stecken bereits im Programm und warten auf ihre Aktivierung.

Installation & erste Schritte

Eine gute Nachricht: Die Installation von SIM ist ausgesprochen einfach. Sie müssen keine externen Paketquellen anzapfen. Es genügt, die Pakete über die Heft-DVD einzuspielen. Eine Anleitung auf der DVD beschreibt die dazu notwendigen Schritte. Da die Distributionen auf verschiedene Versionen der Software setzen, weichen einzelne Dialogfenster mitunter leicht voneinander ab.

Um SIM aufzurufen, drücken Sie [Alt]+ [F2] und geben sim ein. Alternativ suchen Sie den entsprechenden Eintrag im Startmenü. Zur Begrüßung trötet fröhlich ein Schiffshorn, und ein Fenster mit einem Drop-down-Menü erscheint. Zunächst konfigurieren Sie den Client: Sie legen einen Account für einen der oben erwähnten Dienste an, melden sich dort an, suchen in diesem Netzwerk nach Ihrem Gesprächspartner und tauschen dann Nachrichten aus.

Zu Diensten

Setzt Ihr potentieller Gesprächspartner einen ICQ-Client ein, richten Sie auch einen ICQ-Zugang ein. Wählen Sie aus dem angezeigten Drop-down-Menü also ICQ und klicken Sie auf Weiter. Im nächsten Menü stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl.

  1. Wollen Sie einen neuen ICQ-Zugang anlegen, lassen Sie das Häkchen am Platz, geben ein Passwort an, das aus mehr als sechs Zeichen besteht, und wählen Weiter.
  2. Nach einem Augenblick poppt ein weiteres Fenster auf, das eine schlecht lesbare Kombination aus Zahlen und Buchstaben anzeigt. Versuchen Sie, diese zu entziffern, und geben Sie die Kombination in die leere Zeile ein. Es handelt sich dabei um einen Spam-Schutz, der Spammer davon abhält, automatisiert Accounts zu eröffnen und Werbemüll zu verschicken. Vertippen Sie sich, erscheint einfach ein neues Bild. Das passiert oft, denn die Zeichen sind auch für Menschen sehr schlecht zu entziffern.
  3. Über einen Klick auf Abschließen beenden Sie den Vorgang und wählen eine Kodierung für die angezeigten Buchstaben aus – SIM bietet nur ISO 8859-1 und ISO 8859-15 an (siehe Kasten "Buchstabensuppe"). Wählen Sie ISO 8859-15.

Das wars: Sie verfügen nun über einen neuen ICQ-Account. Um zusätzlich einen MSN-Account anzulegen, gehen Sie auf ähnliche Weise vor. Der Kasten "MSN-Nutzer" erklärt die Schritte im Detail.

Buchstabensuppe

Ein Problem beim Austauschen von Nachrichten besteht darin, dass die kommunizierenden Rechner Schriftzeichen unterschiedlich kodieren. Schickt zum Beispiel Person A über einen Messenger, der UTF-8 verwendet, ein Wort wie "Römtömtöm" an Person B, deren Messenger auf ISO 8859-1 setzt, kommen die Umlaute verstümmelt an. Person B empfängt statt eines ö nur merkwürdigen Zeichensalat. Wollen Sie nachträglich die Kodierung ändern, klicken Sie auf das kleine schwarze Dreieck rechts oben im Hauptfenster von SIM und wählen Einstellungen. Dann suchen Sie einen Dienst wie ICQ aus und stellen rechts bei Kodierung eine andere Kodierung ein. Nicht alle Dienste bieten diese Option an.

Um einen bereits vorhandenen ICQ-Zugang zu nutzen, entfernen Sie das in Schritt 1 angesprochene Häkchen, geben Ihre UIN-Nummer und das Passwort ein und klicken auf Weiter und Beenden. ICQ verwaltet die Zugänge bzw. Profile seiner Nutzer auf zentralen Servern. Das hat den Vorteil, dass Sie als bereits registrierter Nutzer nach dem Anmelden stets Ihre sämtlichen Kontakte vorfinden. SIM listet diese zunächst in grauer Farbe im Hauptfenster auf (Abbildung 1). Das Tool meldet Sie zwar automatisch bei ICQ an, Ihren augenblicklichen Status setzen Sie allerdings selbst. Oben mittig im Hauptfenster steht zunächst Offline, ein Klick mit der rechten Maustaste auf die Schrift ruft ein Kontextmenü auf, aus dem Sie Online auswählen, um Ihren Status zu ändern. Die rote Blume färbt sich grün, und Ihre Gesprächspartner erfahren, dass Sie gerade erreichbar sind.

Abbildung 1: Ihre Kontakte erscheinen zunächst in grauer Farbe. Wer gerade online ist, erfahren Sie erst, wenn Sie den Status für den Dienst auf "Online" setzen.

MSN-Nutzer

Um neben ICQ- auch MSN-Anwender zu kontaktieren, richten Sie zusätzlich einen entsprechenden Zugang ein. Wählen Sie aus dem Menü, das Sie über das schwarze Dreieck erreichen (Abbildung 2), Verbindungen / Benutzerkontenmanager aus und fügen Sie über Neue Verbindung auf die oben beschriebene Weise einen MSN-Benutzer hinzu. Yahoo!- und Jabber-Zugänge melden Sie auf demselben Weg an. Über die Schaltfläche Konfigurieren ändern Sie übrigens die Zugangsdaten für diese Dienste. Nutzen Sie mehr als einen, verändert sich auch die grafische Oberfläche von SIM. Nach dem Start erscheinen die Logos der gewählten Dienste unten rechts im Hauptfenster (Abbildung 3). Den Status legen Sie einzeln für jeden Dienst fest, indem Sie ihn mit einem Rechtsklick auf das Symbol des Dienstes ändern.

Abbildung 2: Über das schwarze Dreieck oben rechts im Hauptfenster von SIM erreichen Sie nicht nur die Einstellungen, sondern verwalten auch die Benutzerkonten.
Abbildung 3: Richten Sie mehrere Dienste ein, um mit Benutzern verschiedener Betriebssysteme zu reden, erscheint für jeden ein kleines Symbol in der Fußleiste von SIM.

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