Verbindung herstellen

Die EasyLinux-Distributionen bringen inzwischen grafische Programme mit, die den Verbindungsaufbau per WLAN weitgehend automatisieren. Wenn möglich sollten Sie deshalb für den Kontakt zum Access Point die im Artikel "Moderne Dauerwellen" beschriebenen Tools verwenden. In einigen Fällen lässt sich jedoch der Einsatz der Kommandozeile nicht vermeiden.

  1. Öffnen Sie über [Alt]+ [F2] und den Befehl kdesu konsole ein KDE-Terminal mit Administratorrechten. Unter Suse und Mandriva Linux geben Sie dazu das Root-Passwort ein, Benutzer von Ubuntu das Benutzerpasswort.
  2. Geben Sie den Befehl iwconfig ein. Er listet Ihnen die gefundenen WLAN-Adapter auf. Bei USB-Sticks mit einem Ralink-Chipsatz lautet die entsprechende Schnittstelle rausb0; benutzen Sie den Ndiswrapper, heißt sie wlan0. Der Artikel beschreibt im Folgenden das Vorgehen für die Schnittstelle rausb0. Zeigt der Befehl kein WLAN-Gerät an, gibt es Probleme mit dem Treiber.
  3. Aktivieren Sie das gefundene Gerät über den Befehl ifconfig rausb0 up
  4. Suchen Sie mit dem Befehl iwlist rausb0 scan nach WLAN-Netzen. Die Ausgabe eines iwlist-Befehls zeigt der Kasten "Scanresultat". Notieren Sie sich die ESSID und die 12-stellige Nummer hinter Address.
  5. Führen Sie den Befehl iwconfig rausb0 essid ESSID ap Adresse aus. Anstelle von ESSID setzen Sie dabei die Netzwerk-ID Ihres WLAN-Netzes ein, für Adresse schreiben Sie den zwölfstelligen Wert hinter Address, zum Beispiel

    iwconfig rausb0 essid EasyLinux ap 00:13:46:1D:57:88
  6. Benutzen Sie WEP-Verschlüsselung, müssen Sie den entsprechenden Key setzen. Geben Sie dazu den Befehl iwconfig rausb0 enc Schlüssel ein. Schlüssel ersetzen Sie dabei durch den 64-stelligen HEX-Key. Die Ausgabe von iwconfig zeigt danach hinter Encryption den passenden Schlüssel an. Wenn Sie keine Verschlüsselung benutzen (nur zu Testzwecken empfohlen), können Sie diesen Schritt überspringen.
  7. Geben Sie nun den Befehl dhclient rausb0 ein. Er fordert beim Access Point per DHCP eine IP-Adresse an. Hat alles geklappt, zeigt ifconfig rausb0 an, welche IP-Adresse Ihr Rechner bekommen hat.

Scanresultat

rausb0      Scan completed :
          Cell 01 - Address: 00:13:46:1D:57:88
                    ESSID:"EasyLinux"
                    Protocol:IEEE 802.11bg
                    Mode:Master
                    Channel:6
                    Encryption key:off
                    Bit Rates:1 Mb/s; 2 Mb/s; 5.5 Mb/s; 11 Mb/s; 6 Mb/s
                              12 Mb/s; 24 Mb/s; 36 Mb/s
                    Quality:61  Signal level:0  Noise level:0
                    Extra: Last beacon: 124ms ago

Aber sicher

WLAN-Netze haben einen Nachteil: Sie lassen sich schlecht überwachen. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie Ihr Funknetz deshalb mit WPA oder WPA2 verschlüsseln. Versuche, das drahtlose Netz per WEP-Key, mit einer versteckten ESSID oder einer Kontrolle der MAC-Adresse abzuschirmen, halten vielleicht den neugierigen Nachbarn vom eigenen WLAN-Netz fern, gegen einen professionell geführten Einbruch bieten sie aber keinen ausreichenden Schutz. Wer sein Funknetz täglich länger als eine Stunde betreibt, sollte unbedingt eine WPA-Verschlüsselung benutzen. Der Artikel erklärt im Folgenden, wie Sie die WPA-PSK-Verschlüsselung einrichten.

Bei WPA handelt es sich um eine Erweiterung der WEP-Verschlüsselung. Um zu verhindern, dass ein Cracker einen WEP-Schlüssel knackt, tauscht ein spezielles Programm in regelmäßigen Abständen neue Schlüssel aus. Dem Einbrecher bleibt somit keine Zeit, den Schlüssel herauszufinden. Unter Linux ist das Tool wpa_supplicant für den Schlüsselaustausch verantwortlich. Die Ralink-Adapter arbeiten allerdings nicht mit wpa_supplicant zusammen. Hier lässt sich die WPA-Verschlüsselung nur per Skript einrichten. Ein Beispiel zeigt der Kasten "Alternative iwpriv".

Eine häufige Fehlerquelle beim Einrichten der WPA-Verschlüsselung stellt die Passphrase dar. Die sicherste Methode ist, diese auf dem Linux-Rechner über den Befehl

wpa_passphrase ESSID

zu erstellen. Anstelle von ESSID müssen Sie dazu die ESSID des Funknetzes angeben, zum Beispiel wpa_passphrase EasyLinux. Danach tippen Sie das gewünschte Passwort ein und bestätigen die Eingabe. Das Programm erstellt nun einen 64-stelligen HEX-Schlüssel. Diesen richten Sie in der Weboberfläche des Routers als WPA-PSK-Schlüssel ein. Nur so ist garantiert, dass der Networkmanager bei der Eingabe des Passworts den richtigen HEX-Schlüssel übermittelt.

Unter Suse Linux können Sie die Konfiguration des WLAN-Adapters mit YaST oder mit dem Netzwerkmanager vornehmen. Wechseln Sie häufig den Standort, benutzen Sie besser den Netzwerkmanager. Dies gilt auch für Ubuntu und Mandriva Linux. Der Text beschreibt im Folgenden, wie Sie unter Suse Linux die WPA-Verschlüsselung mit YaST einrichten.

  1. Starten Sie YaST über [Alt]+ [F2] und den Befehl kdesu yast2 und öffnen Sie das Modul Netzwerkgeräte / Netzwerkkarten.
  2. Wählen Sie als Netzwerkeinrichtungsmethode die traditionelle Methode mit ifup.
  3. Klicken Sie auf Hinzufügen und ändern Sie im neuen Dialog den Gerätetyp von ethernet auf drahtlos. Markieren Sie zudem die Checkbox USB.
  4. Klicken Sie im folgenden Dialog auf Weiter, um die Adressvergabe per DHCP zu übernehmen.
  5. Nach einem Klick auf Weiter stellen Sie die ESSID und die Verschlüsselung ein. Wählen Sie als Authentifizierungsmodus WPA-PSK. Den Schlüssel tragen Sie entweder im Klartext oder als HEX-Key ein (Abbildung 4).

Bei einigen Adaptern erkennt YaST nicht, dass es sich dabei um WLAN-Geräte handelt. Hier müssen Sie den Typ manuell von Ethernet auf Drahtlos umstellen. Die Warnmeldung von YaST können Sie ignorieren. YaST baut nun beim Booten automatisch eine Verbindung mit dem WLAN-Netz auf. Ob die WPA-Verschlüsselung funktioniert, erkennen Sie an der Ausgabe des Befehls iwconfig: Sie zeigt hinter Encryption einen 128 Zeichen langen Schlüssel an, der sich in regelmäßigen Abständen ändert.

Abbildung 4: Unter Suse Linux können Sie WLAN-Geräte über YaST einrichten. Für die WPA-Verschlüsselung geben Sie dazu am besten den HEX-Schlüssel an.

Alternative iwpriv

Der WPA-Supplicant unterstützt nicht alle WLAN-Geräte, unter anderem fehlt der Support für Ralink-Geräte. Bei den aktuellen Treibern ist dies kein Problem, da sie WPA von Haus aus unterstützen. Ist der Schlüssel einmal gesetzt, erfolgt der Austausch automatisch. Der Nachteil dieser Lösung besteht darin, dass sie nicht mit dem Networkmanager funktioniert. Bei Ralink-Geräten müssen Sie somit auf das bequeme Frontend verzichten.

  1. Legen Sie eine neue Datei mit folgendem Inhalt an. Die Einträge ESSID und HEX-KEY müssen Sie dabei durch Ihre eigene ESSID und den WPA-Schlüssel im HEX-Format ersetzen:

    #!/bin/bash
    IFACE=rausb0
    ifconfig $IFACE up
    iwconfig $IFACE mode managed
    iwpriv $IFACE set AuthMode=WPAPSK
    iwpriv $IFACE set EncrypType=TKIP
    iwconfig $IFACE essid ESSID
    iwpriv $IFACE set WPAPSK=HEX-KEY
    iwconfig $IFACE essid ESSID
    dhclient $IFACE
  2. Speichern Sie die Datei unter dem Namen wlan-start.sh in Ihrem Home-Verzeichnis.
  3. Klicken Sie in Konqueror mit der rechten Maustaste auf die Datei, wählen Sie Eigenschaften / Berechtigungen und markieren Sie die Checkbox Ausführbar.
  4. Öffnen Sie über [Alt]+ [F2] und den Befehl kdesu konsole ein KDE-Terminal mit Administratorrechten und geben Sie folgenden Befehl ein

    sh wlan-start.sh

Beispiele für WPA2-Verschlüsselung und andere Methoden finden Sie im Quellcode der Ralink-Treiber in der Datei rt73-treiber/Module/iwpriv_usage.txt.

Glossar

Firmware

Mini-Betriebssystem, das die Grundfunktion von Hardwarekomponenten zur Verfügung stellt.

Infos

[1] EasyLinux-Mailingliste: http://www.easylinux.de/Kontakt/Mailinglisten/

[2] Ralink-Treiber: http://rt2x00.serialmonkey.com

[3] Marcel Hilzinger, "G-Schwindigkeit – 18 WLAN-Adapter im Test": LinuxUser 03/2007, S. 30f.

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