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Hinter den Kulissen

12.04.2007
Wer einen Desktop-PC besitzt, möchte an ihm ungestört arbeiten, statt sich mit der Administration herumzuschlagen. Dass dies nicht immer funktioniert, wissen nicht nur Linux-Nutzer, und so kommt man früher oder später nicht umhin, sich mit den Untiefen des Systems auseinanderzusetzen.

Entwickler aller Betriebssysteme und Anwendungen sehen eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin, den Nutzern die Konfiguration so weit wie möglich abzunehmen. Wenn ein Programm plötzlich nicht mehr funktioniert, liegt es meist an fehlerhaften Einstellungen. Im Idealfall führen dann die richtigen Schalter eines grafischen Dialogs zur Lösung des Problems. Kommt man einmal über die Optionen in den grafischen Werkzeugen nicht weiter, hilft es zu wissen, wo die entscheidenden Schrauben sitzen.

Systemweite Vorgaben

Einstellungsdateien, die für alle Benutzer gelten, liegen unter Linux im Verzeichnis /etc. Diese Vorgabe bestimmt der Filesystem Hierarchy Standard (FHS)[1]. Er definiert auch den Inhalt von Konfigurationsdateien: Sie dürfen nicht ausführbar sein und dienen der Steuerung von Programmen.

Bei Konfigurationsdateien handelt es sich um einfache Textdateien, die Sie mit einem Texteditor wie KWrite öffnen und auch ändern können. In ihnen sind für die Optionen des betreffenden Programms bestimmte Werte hinterlegt. Welche Optionen das sind und wie die Konfigurationsdatei aufgebaut ist, unterscheidet sich von Anwendung zu Anwendung. Manche Programme lesen ihre Einstellungen aus Dateien, in denen jede Zeile eine Option gefolgt von einem Wert enthält, andere Einstellungsdateien sind in mehrere Abschnitte untergliedert, wie Sie es vielleicht von .ini-Dateien unter Windows kennen. Abbildung 1 zeigt die Datei /etc/updatedb.conf, welche die Indizierung der im Dateisystem gefunden Einträge steuert. Die meisten Distributionen durchsuchen mit updatedb die Inhalte des Dateisystems und hinterlegen sie in einer Datenbank. Mit dem Kommando locate[2] gefolgt von einem Dateinamen fragen Sie diese ab und erfahren so schneller als mit find[3], wo sich die gesuchte Datei befindet.

Abbildung 1: Die meisten Programme speichern ihre Konfiguration in einfachen Textdateien, welche die Optionen enthalten, mit denen die Anwendungen laufen.

Die meisten auf einem System installierten Programmpakete legen eine oder mehrere Dateien im Verzeichnis /etc an. Das gilt sowohl für den X-Server, der die grafische Oberfläche bereitstellt, als auch für Anwendungsprogramme wie xpdf[4] und den Texteditor vim. Benötigt ein Programm mehrere Konfigurationsdateien, sammelt es diese gewöhnlich in einem eigenen Unterverzeichnis. So befinden sich die Einstellungsdateien des X-Servers im Ordner /etc/X11/.

Individuelle Einstellungen

Die unter /etc gespeicherten Konfigurationsdateien bestimmen die Standardeinstellungen, die einen Benutzer beim ersten Start der zugehörigen Anwendung erwarten. In der Folge haben Sie gewöhnlich die Möglichkeit, die Programmeinstellungen zu verändern. Damit das Progrann diese beim nächsten Start wieder vorfindet, muss es die neuen Vorgaben speichern. Die Konfigurationsdatei unter /etc kommt dafür nicht in Frage, denn in dem systemweiten Einstellungsverzeichnis darf nur der Administrator Dateien verändern. Das ist auch sinnvoll, denn bei einem Mehrbenutzersystem wie Linux kämen sich die Anwender mit den von ihnen bevorzugten Einstellungen ins Gehege.

Aus diesem Grund und um ungültige Einträge zu verhindern, hat ein normaler Benutzer nicht die zum Anpassen von /etc-Dateien nötigen Rechte. Nimmt ein Benutzer über die grafische Oberfläche eines Programms Änderungen an der Konfiguration vor, speichern die Anwendungen diese Einstellungen im Home-Verzeichnis des Benutzers.

Darin liegen Konfigurationsdateien oder -verzeichnisse gewöhnlich mit demselben Namen wie unter /etc, allerdings ergänzt durch einen führenden Punkt. Dateimanager wie Konqueror und Nautilus zeigen diese so genannten Punktdateien standardmäßig nicht an. Um zu sehen, wie viele Konfigurationsdateien sich schon in Ihrem Home-Verzeichnis angesammelt haben, können Sie diese im Konqueror über Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen ein- und auch wieder ausblenden.

Das Verzeichnis /etc/firefox enthält unter Ubuntu beispielsweise die systemweite Konfiguration des Firefox-Browsers. Ändert ein Benutzer die Einstellungen über das Menü, landen die neuen Vorgaben im Unterverzeichnis .firefox/ seines Home-Verzeichnisses. Der KDE-Desktop, dessen Einstellungen Sie im Kontrollzentrum anpassen, speichert die Konfiguration der Benutzer im Ordner .kde unterhalb des Home-Verzeichnisses.

Abbildung 2: Gewöhnlich passen Benutzer ihre persönliche Konfiguration mit grafischen Programmen wie KControl an.

Startet ein Benutzer ein Programm, sucht es zunächst in dessen Home-Verzeichnis nach der Konfiguration. Wird es dort nicht fündig, weicht es auf die Standardeinstellungen von /etc aus, die individuelle Konfiguration hat gewöhnlich Vorrang. Die meisten Anwendungen verfügen darüber hinaus über eine fest einprogrammierte Standardkonfiguration, die sie verwenden, wenn es weder unter /etc noch im Home-Verzeichnis des startenden Benutzers eine Einstellungsdatei gibt.

Eine individuelle Konfiguration im Home-Verzeichnis gibt es nur bei Programmen, die normale Benutzer selbst aufrufen dürfen. Systemdienste oder der X-Server beispielsweise, die das System bereits beim Hochfahren startet, konfiguriert ausschließlich der Benutzer root.

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