Aufmacher Artikel

Ausgebremst

Analogmodems im Test

12.04.2007
,
Steht Ihnen kein Breitbandanschluss zur Verfügung und besitzen Sie kein ISDN, hilft nur der Griff zum Analogmodem, um ins Internet zu kommen. Welche Gerät Linux-tauglich sind, zeigt dieser Artikel.

Nach wie vor gelten viele Landstriche Deutschlands als weiße Flecken auf der Breitband-Landkarte. Die abgehängten Anwender gelangen entweder über das relativ teure ISDN oder über eine analoge Telefonleitung ins Internet. Die Auswahl an solchen Geräten ist nach wie vor groß, allerdings eignen sich nicht alle gleichermaßen für Linux, da praktisch kein Anbieter eine generische Unterstützung für dieses Betriebssystem mitbringt.

Welche Geräte die unkomplizierteste Konfiguration und den problemlosesten Betrieb ermöglichen und von welchen Modemtypen Sie besser die Finger lassen, erklärt dieser Artikel.

Provider-Probleme

Gerade, wenn Sie mit dem Modem einen besonders günstigen Provider nutzen, klappt das Anmelden häufig nicht sofort – im Test oft erst im dritten Versuch. War der Provider nicht besetzt, erhielt der Client zwar eine IP-Adresse sowie die Adressen von Nameservern, rief aber trotzdem keine Internetseiten auf. Nutzen Sie also am besten immer die Protokollfunktion der Einwahl-Tools, um Problemen beim Anmelden auf die Spur zu kommen.

Alternative Faxmöglichkeiten

Faxen mit Linux ist eine Wissenschaft für sich: Entweder geht es problemlos oder gar nicht – nicht selten letzteres. Speziell nicht-serielle Analogmodems (USB oder PCI) schmälern die Chance, ohne aufwendige Konfiguration die Nachrichten über die heimische Anlage zu versenden. Wer den Aufwand scheut, den das Einrichten eines Faxdienstes potenziell mit sich bringt, dem bietet das Internet eine breite Auswahl an Online-Fax-Diensten [1]+[4].

Serielle Modems von Sitecom und Longshine

Kubuntu Dapper Drake kommt mit den seriellen Modems Sitecom Serial Modem V. 92 und Longshine 56K Fax Modem ohne größere Probleme zurecht. Installieren Sie zunächst über Adept das Paket kppp, falls Kubuntu es nicht bereits installiert hat. Schließen Sie dann das Modem an den seriellen Anschluss Ihres Rechners an und schalten Sie es ein. Im Startmenü finden Sie KPPP im Bereich Internet. Rufen Sie die Anwendung auf und konfigurieren Sie diese. Wählen Sie Einrichten, öffnet sich ein Fenster mit mehreren Reitern. In dem mit Zugänge beschrifteten klicken Sie auf Neu und entscheiden sich dann für eine Manuelle Einrichtung. Denken Sie sich einen Zugangsnamen für die Verbindung aus und geben Sie die Telefonnummer des Providers an. Nach einem Klick auf OK wählen Sie im Reiter Modems den Punkt Neu und entscheiden sich für einen Modem-Namen. Jetzt kommt der wichtigste Punkt: Tragen Sie neben Modemgerät die Schnittstelle für die Modems ein, die üblicherweise /dev/ttyS0 lautet. Dann geben Sie die Geschwindigkeit korrekt an. Mit OK schließen Sie die Konfiguration ab und ergänzen im Hauptfenster von KPPP noch Benutzername und Passwort des Providers. Bevor Sie allerdings über Verbinden den Absprung ins Internet wagen, folgt noch eine kleiner Eingriff (siehe Kasten "KPPP unter Kubuntu").

KPPP unter Kubuntu

KPPP zickt mitunter etwas, wenn es um fehlende Rechte geht. Drücken Sie [Alt]+[F2] und geben Sie konsole ein. Über das Kommando sudo pico /etc/ppp/peers/kppp-options öffnen Sie die Konfigurationsdatei von KPPP und entfernen dort das Doppelkreuz vor dem Eintrag noauth. Nun setzen Sie KPPP auch problemlos als "normaler" Anwender ein. Ein Klick auf Verbinden meldet den Rechner beim Provider an. Lehnen Sie sich zurück und lauschen Sie dem oft minutenlangen Pieps- und Pfeifkonzert bei der Einwahl.

Auch Mandriva Linux 2007 kommt mit den seriellen Modems weitgehend klar. Nach dem Anstecken der Geräte klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Verbindungsmanager im Systemabschnitt und wählen aus dem Kontextmenü Netzwerk konfigurieren. Legen Sie zuvor die Installations-DVD ein, da Mandriva Linux unter Umständen eigenständig Pakete vom Datenträger nachinstalliert. Nach Eingabe des Root-Passworts öffnet sich ein Fenster, in dem Sie den untersten Punkt Analoges Modem anwählen und danach auf Weiter klicken. Im folgenden Dialogfeld wählen Sie den Port, an dem Ihr Modem hängt – üblicherweise ttyS0 / COM1. Nach einem Klick auf Weiter öffnet sich das Fenster, in das Sie die Zugangsdaten eintragen. Sie überspringen die folgenden Fenster zur Eingabe von IP- und DNS-Parametern und wählen unter Verbindungskontrolle den Eintrag Ermöglichen den Benutzern die Verbindung zu verwalten. Damit verhindern Sie, dass der Dienst bei jeder Einwahl das Root-Passwort abfragt. Im letzten Fenster der Konfiguration testen Sie die Internetverbindung, indem Sie Ja auswählen und auf Weiter klicken. Um zukünftig eine Verbindung ins Internet aufzubauen, genügt es, aus dem Kontextmenü des Verbindungsmanagers den Punkt Verbinde ppp0 anzuwählen. Sowohl die Internetverbindungen als auch das Versenden von Faxen bereiteten mit dem seriellen Modem von Sitecom keinerlei Probleme, während sich das Longshine-Modem unter Mandriva Linux ausschließlich zum Faxen eignet.

Nutzer von Suse Linux 10.1 installieren über YaST das Paket kinternet und richten das Modem nach dem Anschließen ebenfalls über das Systemverwaltungstool ein. Rufen Sie dazu den Konfigurationspunkt Netzwerkgeräte / Modem auf. YaST sucht nun etwa eine Minute lang nach einem Modem, zeigt das gefundene Exemplar an und gibt dem Kind unter Gerät auch einen Namen – etwa modem0. Andernfalls richten Sie das Modem einfach über Hinzufügen ein. Wählen Sie als Modemgerät/dev/ttyS0, ein Klick auf Weiter bringt Sie zur Auswahl eines Providers. Nutzen Sie keinen der angebotenen Provider, klicken Sie auf Eigene Provider / Neu und geben Sie Telefonnummer und Benutzername Ihres Zugangs ein. Sie schließen die Konfiguration mit einem Klick auf Weiter ab – die Frage nach Mail nun konfigurieren verneinen Sie.

Anschließend rufen Sie über den Menüpunkt Internet / Einwahl im Startmenü Kinternet auf. Sie richten die Software über das Symbol in der Fußleiste ein, Kinternet holt seine Daten direkt von YaST. Ein Rechtsklick bringt mehrere Optionen zum Vorschein, wählen Sie als Schnittstellemodem0 aus, tragen Sie beim Provider den von Ihnen genutzten ein und klicken Sie auf Dial-In, um den Wählvorgang zu starten. Über die Option Protokoll ansehen (Abbildung 1) behalten Sie den Erfolg Ihrer Einstellungen im Auge.

Abbildung 1: Das Protokoll verrät Ihnen, ob sich das Modem erfolgreich beim Provider anmeldet. Bei Billig-Providern besteht jedoch keine Garantie, dass Sie auch ins Internet kommen.

Serielle Modems richten Sie unter OpenSuse 10.2 wie unter Suse Linux 10.1 ein. Während die Internetverbindung mit dem Sitecom-Modem problemlos funktionierte, klappte der Faxversand nicht. Zwar baute die Software die Verbindung zur Gegenstelle auf, die Datenübertragung scheiterte jedoch mit der Fehlermeldung Invalid Modem response. Anders verhielt es sich beim Longshine-Fax-Modem, das Faxe problemlos versandte, jedoch keine Internetverbindung aufbaute.

Sitecom PCI Modem V.92

Sitecoms PCI-Modem stecken Sie in einen freien PCI-Slot in Ihrem Rechner. Mit dem kommerziellen Linuxant-Treiber [5] bringen Sie das Softmodem unter Kubuntu Dapper Drake und Suse Linux 10.1 zum Laufen. Nach der Installation weist das System dem Modem die Schnittstelle /dev/SHSF0 zu und legt zugleich einen symbolischen Link nach /dev/modem (Abbildung 2). Unter Kubuntu wählen Sie sich über KPPP ein, Anwender von Suse Linux 10.1 greifen dazu auf Kinternet zurück. Das Ganze funktioniert wie bei den seriellen Modems, die Schnittstelle heißt nun aber nicht mehr /dev/ttyS0 (Abbildung 3).

Abbildung 2: Unter Kubuntu hangeln Sie sich beim Installieren der Linuxant-Treiber durch einen Dialog, dann weist das System dem Modem eine Schnittstelle zu.
Abbildung 3: Das Protokoll von Kinternet zeigt unter Suse Linux 10.1 an, welche Schnittstelle das Modem erhält.

Sowohl unter OpenSuse 10.2 als auch unter Mandriva Linux 2007 klappte die Installation des Linuxant-Treiber zwar reibungslos, auch die darauf folgende Standardkonfiguration funktionierte problemlos, allerdings misslang die Einwahl ins Internet in beiden Fällen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

  • out of the box
    Noch vor gar nicht allzulanger Zeit hätten Sie zahlreiche Konfigurationsdateien editieren und Skripte schreiben müssen, bevor Sie mit Ihrem Modem endlich im Internet surfen konnten. Heute ist zum Glück alles anders: Wenn Sie nicht zu den glücklichen Menschen gehören, die da den Durchblick haben, gibt es kppp.
  • Komfortable Modem-Konfiguration unter X
    Linux ist ein Kind des Internet. Auch wenn Sie in vielen Fällen Ihre Alltagsaufgaben mit der Software-Ausstattung Ihrer Linux-Distribution erledigen können, erschließt sich Ihnen erst mit einem Internet-Zugang das volle Potential von Linux. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was Sie vor der Anschaffung eines Modems beachten sollten und wie Sie schnell die zum Betrieb erforderlichen Konfigurationsschritte hinter sich bringen.
  • Drei analoge Modems im Test
    Lohnt der Internet-Konsum nicht für DSL oder einen teuren ISDN-Anschluss, bleibt das altbekannte analoge Telefon-Modem oft die einzige Alternative für den Internet-Zugang. Die Redaktion testete drei aktuelle Modems mit Linux-Unterstützung.
  • Modem-Konfigurations-Tools
    Mit einem Linux-Rechner ist die Anbindung an das Internet mittlerweile ebenso einfach zu realisieren wie mit einem Windows-Rechner. Verschiedene Distributionen bieten direkt Werkzeuge an zur Einrichtung eines Zugangs; außerdem gibt es beispielsweise bei KDE das Tool Kppp, mit dem sich auf allen Distributionen ein Account einrichten lässt.
  • Einfach und schnell faxen mit Efax-Gtk
    Das pfiffige kleine Skript Efax bietet im Prinzip alles, was man zum Faxen braucht. Das grafische Frontend Efax-gtk ergänzt das Ganze zu einer komfortablen Fax-Lösung, die kaum noch Wünsche offen lässt.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_03

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...
Öhm - wozu Benutzername, wenn man dann hier mit Klarnamen angezeigt wird?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:30, 1 Antworten
Hallo Team von Linux-Community, kleine Zwischenfrage: warum muß man beim Registrieren einen Us...
openSUSE 13.1 - Login-Problem wg. Fehler im Intel-Grafiktreiber?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:26, 8 Antworten
Hallo Linux-Community, habe hier ein sogenanntes Hybrid-Notebook laufen, mit einer Intel-HD460...
Fernwartung für Linux?
Alfred Böllmann, 20.06.2014 15:30, 7 Antworten
Hi liebe Linux-Freunde, bin beim klassischen Probleme googeln auf www.expertiger.de gestoßen, ei...