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Was Linux-Kernel- und Programmversionen bedeuten

Linux 10.1 oder 2.6.16?

Versionsnummern sollen für Übersicht sorgen: Ist die aktuellste Version installiert oder ist es Zeit für ein Update? Leider sind Programmierer auch hier sehr kreativ, so dass es zahlreiche Varianten gibt, die Software-Releases durchzuzählen.

Die Linux-Pappschachtel im Laden versprach aktuellste Software: Auf der Packung standen viele durch Punkte unterteilte Zahlen, darunter 10.1, 2.6.16, 6.9.0 und 3.5.1. Doch der Linux-Experte in der Firma sagte am nächsten Tag: Das ist doch schon ein halbes Jahr alt.

In Internetforen und auch auf der EasyLinux-Mailingliste liest man oft Aussagen wie "Ich arbeite mit Linux 10.0" – in diesem Fall meint der Autor vermutlich Suse Linux 10.0, aber es könnte auch Mandrake Linux 10.0 gemeint sein. Auch von Slackware Linux (einer weiteren Distribution) gibt es eine Version 10.0. Zusammen mit der Versionsnummer sollte man also immer angeben, um welche Distribution es sich handelt:

Jeder Linux-Anbieter verwendet sein eigenes Rechensystem, um die Neuerscheinungen durchzuzählen, und gelegentlich gibt es sogar Umstellungen: So hatte etwa Mandriva Linux (als es noch Mandrake hieß) klassische Versionsnummern x.y; seit Mitte 2005 dienen stattdessen Jahreszahlen als Versionsbezeichner. Ebenfalls nach dem Datum zählt das Ubuntu-Team: Version 6.10 heißt so, weil sie im Jahr 6 (2006) und im Monat 10 erschienen ist.

Etwas ganz anderes ist die Kernel-Version – sie ist einer der wichtigsten Anhaltspunkte dafür, wie aktuell eine Distribution ist: Der verwendete Linux-Kernel entscheidet darüber, welche Hardware das System unterstützt (und wie gut es dies tut). Leider ist die Kernel-Version noch nicht ausreichend aussagekräftig: Die meisten Linux-Distributoren liefern nicht den Standard-Kernel aus, wie er auf dem Linux-FTP-Server http://kernel.org erhältlich ist, sondern übersetzen eine eigene, stark angepasste (gepatchte) Version für ihr Produkt. Trotz gleicher Versionsnummer kann der Kernel dann ganz andere Eigenschaften als das Original haben.

Kernel-Versionen

Traditionell folgten Linux-Kernel-Versionen einem komplexen Nummerierungsschema, das so aussah: Kernel-Versionen hatten stets die Form a.x.y (z. B. 2.6.12), und die Stellen hatten diese Bedeutungen:

  • Die erste Zahl (a) stand für ganz große Sprünge, Kernel-Versionen 2.x.y arbeiten fundamental anders als deutlich ältere Versionen 1.x.y.
  • Die mittlere Zahl (x) drückte aus, ob es sich um einen stabilen Code-Zweig (gerade Zahlen) oder um Entwickler-Kernel-Versionen (ungerade Zahlen) handelte – also waren etwa Kernel 2.4.1 und 2.2.1 stabile Kernel-Versionen, 2.5.1 und 2.3.1 hingegen unstabile Testvarianten, die im produktiven Einsatz nichts zu suchen hatten.
  • Die letzte Zahl (y) zählte einfach die verschiedenen Aktualisierungen innerhalb einer Reihe durch (2.4.1, 2.4.2, 2.4.3, …).

So weit die Geschichte. Die (Weiter-) Entwicklung der stabilen und instabilen Linien erfolgte bis Kernel 2.6 immer parallel, aber seit der Veröffentlichung von Kernel 2.6.0 ist damit Schluss: Statt mit Versionsnummern 2.7.x einen neuen instabilen Zweig zu eröffnen, fließen Neuentwicklungen nun in die aktuellen stabilen Versionen ein.

Mit Kernel 2.6.8 wurden sogar vierstellige Versionsnummern eingeführt: So enthielt Version 2.6.8.1 eine kleine Fehlerkorrektur für Kernel 2.6.8. In den letzten Monaten sind solche Mini-Updates sehr häufig geworden: Ein Blick auf http://kernel.org (Abbildung 1) zeigt, dass teilweise nur wenige Tage zwischen Versionen mit geänderter vierter Stelle lagen.

Abbildung 1: Um einen Eindruck von der Häufigkeit zu gewinnen, mit der neue Kernel-Versionen erscheinen, ist ein Blick auf die Sammlung der Kernel-Changelogs hilfreich.

KDE und Gnome

Auch die beliebten Desktop-Umgebungen zählen ihre Versionsnummern mehrstellig nach oben, aktuell sind zum Beispiel derzeit KDE 3.5.5 und Gnome 2.16. Bei den Nummern orientieren sich die Desktops (nur sehr grob) an den Versionsnummern der verwendeten GUI-Toolkits Qt und Gtk. So wird beispielsweise die neue KDE-Version 4.0 auf Qt 4.0 basieren, während KDE 3.5.x eine Qt-Version 3.3.x verwendet. Auch hier ist ein Vergleich der Versionsnummern von KDE und Gnome wie das beliebte Addieren von Äpfeln und Birnen: Er ergibt keinen Sinn.

Abbildung 2: Welche KDE-Version läuft? Das verrät Ihnen jedes KDE-Programm über den Menüpunkt "Hilfe / Über KDE".

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