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Ab ins Vergnügen

Linux und Multimedia

11.01.2007
Multimedia sorgt bei vielen Linux-Umsteigern für mehr Frust als Lust. Das muss nicht sein, geht Linux doch mindestens so gut wie Windows mit verschiedenen Mediadateien um. Dieser Workshop erklärt, wie Sie auch unter Linux zum Vergnügen kommen.

Linux eignet sich hervorragend dazu, Musik zu hören oder Filme anzuschauen. Dass es unter den meisten Linux-Varianten nicht von Anfang an funktioniert, hat nichts mit beschränkten Fähigkeiten oder schlechtem Willen des Distributors zu tun: Viele Codecs und Programme sind patentgeschützt. Ihre Verbreitung ist also nur nach Zahlung an den jeweiligen Rechteinhaber möglich.

Die Nachinstallation bestimmter Multimediakomponenten ist bei den meisten Distributionen unumgänglich. Dabei entsteht in der Regel ein Rattenschwanz von Abhängigkeiten. EasyLinux empfiehlt deshalb, die Installation generell über das Internet durchzuführen, da der Paketmanager dabei sämtliche Abhängigkeiten automatisch auflöst. Einige Programme finden Sie auch auf der Heft-DVD.

Audio

MP3 ist in aller Munde. Kaum jemand, der noch keinen MP3-Player besitzt oder nicht zumindest mit dem Kauf eines solchen liebäugelt. Noch vor drei bis vier Jahren spielten die meisten Linux-Distributionen MP3-Dateien problemlos ab, doch dann kamen die Rechteinhaber Thomson und Fraunhofner Institut auf die Idee, Geld für den Vertrieb von MP3-Software zu verlangen (http://www.mp3licensing.com/). So blieb den Distributoren nichts anderes üblich, als das MP3-Playback zu unterbinden. Einzig Mandriva liefert seine Distribution bis heute mit MP3-Support aus. Benutzen Sie Mandriva, können Sie diesen Abschnitt folglich überspringen. Zum Thema Kopierschutz finden Sie Informationen im Kasten "WMA und DRM".

WMA und DRM

Auch Windows will auf dem Musikmarkt mitmischen. Microsoft entwickelte deshalb das WMA-Format (Windows Media Audio). Möchten Sie WMA-Dateien unter Linux abspielen, benötigen Sie dazu spezielle Codecs von der MPlayer-Homepage. Details zur Installation lesen Sie im Video-Abschnitt dieses Artikels. Es gibt zurzeit keine Möglichkeit, unter Linux mit digitalem Rechtemanagement (DRM) geschützte Musik abzuspielen. Kaufen Sie deshalb Musik nur auf Seiten, die Downloads ohne DRM anbieten, zum Beispiel http://www.magnatune.com oder http://www.rockingape.de. In der Regel fahren Sie günstiger und besser, wenn Sie beim Online-Shopping die CD (Datenträger) kaufen, und diese danach selbst ins MP3- oder Ogg-Vorbis-Format umwandeln. Auf das WMA-Format sollten Sie nach Möglichkeit verzichten.

Unter Linux gibt es zwei zentrale Softwarekomponenten im Zusammenhang mit MP3: Lame (Lame Ain't no MPEG Encoder) [1] und den MPEG Audio Decoder Mad [2]. Als Decoder ist Mad für die Abspielfunktion zuständig, den Encoder Lame benötigen Sie nur, wenn Sie selbst Musik ins MP3-Format umwandeln möchten. Unter Suse Linux können Sie auch ohne Mad MP3-Dateien anhören, wenn Sie für die Abspielfunktion den RealPlayer benutzen. Details dazu lesen Sie im Kasten "Suse mit RealPlayer". Im Folgenden beschreibt der Artikel, wie Sie über Amarok und XMMS MP3-Dateien wiedergeben.

Der KDE-Player Amarok besitzt keine eigene Engine, sondern benutzt je nach Distribution und Einrichtung den RealPlayer, Xine oder Gstreamer für das Playback. Wir empfehlen ihnen, Xine als Engine zu benutzen, weil damit erfahrungsgemäß bei einem Update die kleinsten Probleme entstehen. Zudem greift auch der KDE-Mediaplayer Kaffeine auf Xine zurück. Sie machen also mit einer erfolgreichen Xine-Installation gleich zwei Player MP3-fähig.

Welche Engines auf Ihrem System installiert sind, sehen Sie, wenn Sie in Amarok Einstellungen / Amarok einrichten / Audio-Ausgabe wählen. Klicken Sie auf die Liste Audio-Ausgabe, sehen Sie die verfügbaren Programme (Abbildung 1). Wählen Sie hier den Eintrag xine und klicken Sie auf OK. Unter Ubuntu Linux müssen Sie eventuell noch das Paket libxine-extracodecs installieren. Benutzer unseres Starter Kits können diesen Schritt überspringen, da dieses Paket zum Umfang des Starter Kits gehört. Benutzen Sie eine andere Ubuntu-Version, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Starten Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu kate den Editor Kate mit den Rechten des Systemadministrators. Dazu müssen Sie Ihr Passwort eintippen.
  2. Öffnen Sie in Kate die Datei /etc/apt/sources.list und suchen Sie in der Nähe von Zeile 16 nach einem Eintrag, der mit deb http:// beginnt und auf universe endet.
  3. Entfernen Sie vor dieser Zeile das Rautezeichen (falls vorhanden) und ergänzen Sie die Zeile um den Eintrag multiverse, so dass der Eintrag mit universe multiverse endet. Speichern Sie die Datei und verlassen Sie den Editor.
  4. Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl konsole das KDE-Terminal und geben Sie hintereinander folgende Befehle ein:

    sudo apt-get update
    sudo apt-get install libxine-extracodecs

Für die Installation muss eine Internetverbindung bestehen. Der Befehl frischt automatisch sämtliche Pakete auf, die für die zusätzlichen Codecs benötigt werden. Je nach System kommt dabei auch eine neue Version von Xine auf die Platte. Nach der Installation starten Sie Amarok neu. Der KDE-Player sollte jetzt auch MP3-Dateien abspielen.

Abbildung 1: Die KDE-Jukebox Amarok bietet verschiedene Abspielmotoren (engines) zur Auswahl.

Suse mit RealPlayer

Novell vertreibt Suse Linux zusammen mit dem RealPlayer. Dieser Mediaplayer kommt auch mit MP3-Dateien zurecht. Die Linux-Version des RealPlayers basiert auf der so genannten Helix-Engine. Auf diese Engine können auch andere Programme zugreifen, zum Beispiel Amarok. Hören Sie Ihre MP3-Dateien mit Amarok an, können Sie deshalb auf die Installation von Mad verzichten. Statt dessen benötigen Sie dann das Paket amarok-helix. Bei der Box-Version von Suse Linux 10.1 ist die Helix-Engine bereits die Voreinstellung von Amarok. Bei unseren Starter Kits oder der Download-Version von Suse Linux ist das Paket amarok-helix in der Regel auch bereits installiert, hier fehlt allerdings der RealPlayer. Sie finden die aktuelle Version unter [3] für Suse Linux 10.0 und 10.1. In Zukunft will Novell über die RealPlayer-Engine auch das WMA-Format unterstützen (siehe Kasten "WMA und DRM"), allerdings ohne digitales Rechtemanagement.

Das Problem mit der Helix-Engine besteht darin, dass Sie bei jedem Update von Amarok auch das Paket amarok-helix auffrischen müssen. Für aktuelle Amarok-Versionen stellt Novell aber kein solches Paket mehr zur Verfügung. Sie müssen also entweder auf das Update oder auf die Helix-Engine verzichten.

Libxine oder xine-lib

Unter Suse Linux gibt es zwei Versionen der Xine-Engine. Das Originalpaket von Suse heißt xine-lib. Ist dieses Paket installiert, fehlen dem Medienplayer zahlreiche Funktionen. Sie sollten deshalb das xine-lib-Paket von Suse Linux entfernen und das libxine-Paket von Packman [4] installieren. Sie finden die Xine-Version von Packman auch auf der Heft-DVD. Da die zwei Xine-Pakete den gleichen Inhalt aber unterschiedliche Paketnamen haben, ist das Einspielen des Pakets als Update nicht möglich. Der Paketmanager beschwert sich über Abhängikeitsprobleme, die Sie ignorieren müssen. Welche Version von Xine installiert ist, erfahren Sie entweder im Paketmanager YaST oder auf der Kommandozeile über den Befehl

rpm -qa | grep xine

Das Zeichen mit dem senkrechten Strich finden Sie auf der Taste links vom [Y], auf Tastaturen mit deutschschweizer Layout mit [AltGr]+[1]. Nach der Installation von libxine spielen Amarok und Kaffeine auch MP3-Dateien ab.

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