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Hydrogen, das Software-Schlagzeug

Frohes Trommeln

Mit der freien Schlagzeugsoftware Hydrogen macht das Trommeln am Computer Spaß. Das Programm beherrscht alle Taktarten, kennt feine Abstufungen für Anschlag und Sound und lässt sich durch eigene Klänge erweitern.

Das Schlagzeug ist ein wunderbares Instrument. Leider beansprucht es viel Platz, ist umständlich zu transportieren und bringt dem Musikenthusiasten gelegentlich Ärger mit dem Nachbarn ein. Wohnzimmervirtuosen greifen daher gerne zu einem Drumcomputer oder entsprechender Software. Für Linux-Anwender steht mit Hydrogen [1] ein leistungsfähiger Drum-Sequencer für Linux-Systeme mit Intel-Prozessoren zur Verfügung. Das freie Programm wird Ihnen Spaß machen, denn der erste Beat ist in wenigen Minuten zusammengeklickt.

Auch als anspruchsvoller PC-Trommler finden Sie alles, was Sie für einen professionellen Rhythmustrack mit bis zu 32 Stimmen benötigen: Hydrogen kann einen Takt in Einheiten bis zur 64stel-Note auflösen – auch in Triolen (bis zur 32stel-Triole), die für einige Musikstile unverzichtbar sind. Auf der Hydrogen-Homepage gibt es fertige Drumkits für zahlreiche Musikstile von Elektro bis Jazz zum Download, die Sie um eigene Audiodateien erweitern können. Der Gesamtsound wird mit einem Stereomixer gemischt, den Klang jedes einzelnen Instruments können Sie durch zahlreiche Einstellungen gestalten.

Installation

Die Installation von Hydrogen gestaltet sich auf Kubuntu "Dapper Drake" am einfachsten, denn hier finden Sie ein fertiges Paket im Repository multiverse. Aktivieren Sie dazu im Paketmanager Synaptic diese Repository unter Einstellungen / Paketquellen und betätigen Sie danach den Button neu laden. Anschließend können Sie Hydrogen in der Paketverwaltung suchen und aus dem Internet installieren lassen.

Wenn Sie über keine schnelle Internetanbindung verfügen und den Download des rund 7 MByte großen Pakets scheuen, können Sie auch den Binär-Installer von der EasyLinux-DVD verwenden. Zu dieser Datei müssen auch die Anwender von Mandriva 2007 und Suse Linux greifen: Mandriva liefert das Programm nicht mit, die Hydrogen-Versionen in Suse 10 und 10.1 haben einen Bug: Während Hydrogen Klänge abspielt, reagiert die grafische Oberfläche äußerst langsam – mit Verzögerungen von mehreren Sekunden macht das Musizieren keinen Spaß.

Mit dem distributionsunabhängigen Binär-Installer können Sie die Installation einfach als normaler Benutzer ohne Root-Rechte innerhalb ihres Home-Verzeichnisses durchführen. Dazu kopieren Sie die Datei hydrogen-linux-installer-0.9.2-x86.run, die Sie auf der EasyLinux-CD finden in Ihr Home-Verzeichnis. Machen Sie die Datei ausführbar, indem Sie in Konqueror per Rchtsklick das Eigenschaften-Menü aufrufen. Aktivieren Sie dort unter Berechtigungen den Punkt Ausführbar. Ein einfacher Klick auf die Datei installiert nun Hydrogen im Verzeichnis /home/<§§I>Benutzer<§§I>/hydrogen-0.9.2-x86 und legt ein Desktop-Icon für das Programm an. Möchten Sie Hydrogen wieder entfernen, löschen Sie einfach Verzeichnis und Icon.

Unter Umständen müssen Sie vorher noch das Paket libsndfile mit Ihrem Paketmanager installieren. Daneben benötigt das Programm die Pakete Alsa und Qt, die allerdings auf einem Desktopsystem mit KDE ohnehin bereits installiert sind.

Die Arbeitsumgebung

Beim Komponieren von Rhythmustracks mit Hydrogen gehen Sie nach dem Schema vor, das Sie vielleicht schon von Hardware-Drumcomputern kennen: Sie erstellen eintaktige Einheiten (Patterns), die Sie als Bausteine in das komplette Stück (Song) einsetzen. Der Pattern-Editor und der Song-Editor sind zwei der frei beweglichen Fenster, die das Programm in seinem Hauptfenster (Abbildung 1) anzeigt. Am unteren Rand des Programmfensters befinden sich Stop-, Play- und weitere Steuertasten zum Abspielen eines einzelnen Patterns oder des kompletten Songs. Zwischen diesen beiden Wiedergabearten schalten Sie mit dem Button Mode um. In der selben Leiste geben Sie auch das Tempo in Beats per Minute (BPM) an – als Zahl, mit den Plus-/Minus-Tasten oder mit dem Mausrad. Ein nettes Detail: Drücken Sie rhythmisch [AltGr ]+[ ?], ermittelt Hydrogen wie ein BPM-Messgerät automatisch das Tempo. Auch andere Funktionen sowie die Instrumente einiger Drumkits können Sie per Tastatur bedienen, eine Liste finden Sie im Benutzerhandbuch [2] auf der Projekt-Homepage.

Abbildung 1: Das Hydrogen-Fenster enthält am unteren Rand die Steuerelemente zum Starten und Stoppen. Die anderen Editor-Fenster können Sie frei anordnen.

Ein Rhythmus-Track

Einen neuen Rhythmustrack erzeugen Sie mit dem Menüpunkt Datei / Neu, unter Ansicht blenden Sie die Editoren für Song und Pattern ein. Der Pattern-Editor öffnet sich mit dem ersten Takt, standardmäßig mit "Pattern 1" benannt. Planen Sie ein längeres Stück mit vielen verschiedenen Patterns, empfiehlt es sich, aussagekräftige Namen zu vergeben. Das erledigen Sie im Song-Editor – nach einem Rechtsklick auf den Pattern-Namen wählen Sie dazu aus dem Kontextmenü den Punkt Eigenschaften.

Vor dem Eingeben der ersten Töne legen Sie unter Resolution die Auflösung für das Pattern fest, den kleinsten benötigten Notenwert. Size gibt an, wie oft dieser Wert in einem Takt vorkommt – so könnten Sie beispielsweise sogar einen 7/8-Takt realisieren. Bei nachträglichen Änderungen an der Auflösung können sich Noten verschieben.

Nun geben Sie die Schläge für das Pattern ein, in dem Sie mit der Maus auf die entsprechenden Zählzeiten im Raster der Instrumentenspuren klicken. Ein zweiter Klick entfernt den Schlag wieder. Mit dem Play-Button starten Sie die Wiedergabe in einer Schleife – dabei können Sie das Pattern gleichzeitig weiter bearbeiten und Ihre Änderungen hören. Wenn Sie nicht mit der Maus musizieren möchten, können Sie den Button mit dem Kreissymbol aktvieren und Ihre Eingaben per PC-Tastatur vornehmen. Daneben lässt sich Hydrogen auch mit Keyboards und anderen Instrumenten steuern, die den MIDI-Standard benutzen.

Standardmäßig quantisiert Hydrogen die Eingaben, das heißt, es zwingt sie ins Raster der Auflösung. Der Button mit dem Q-Symbol schaltet dieses Verhalten ein und aus.

Des Kontextmenü, das Sie durch einen Rechtsklick auf den Instrumentennamen erreichen, stellt die nützliche Funktion Noten füllen zur Verfügung. Sie erspart es Ihnen beispielsweise, alle Sechzehntel auf dem Becken von Hand einzugeben: Haben Sie Sechzehntel als Auflösung gewählt, füllt Hydrogen die Spur automatisch mit sämtlichen Noten.

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