Aufmacher Artikel

Farbenspiel

Gimp-Vorschauversion 2.3.12

11.01.2007
Die aktuelle Entwicklerversion des Bildbearbeitungsprogramms Gimp 2.3.13 enthält zahlreiche neue Features und Werkzeuge. Welche das sind und wem sie nützen, verrät dieser Artikel.

Rund um das Thema Bildbearbeitung herrscht seit Jahren ein Glaubenskrieg: Während Windows-Anwender auf das kommerzielle Produkt Photoshop schwören, hängen Linux-User wortwörtlich an Gimp: nicht zuletzt deswegen, weil das Programm derzeit die einzige Alternative zu Photoshop darstellt. Im Gegensatz zu Photoshop allerdings eine sparsame, denn Gimp unterliegt der GPL und ist zum Nulltarif erhältlich.

Gimp steht für GNU Image Manipulation Program und eignet sich nicht nur für die Bildbearbeitung, sondern auch zum Erstellen von Grafiken und für die Fotoretusche. Gerade zum Nachbearbeiten von Fotos besitzt die neue Version viele interessante Funktionen, von denen wir Ihnen einige vorstellen. Da das deutsche Sprachpaket derzeit unvollständig ist, sind im Artikel einige Werkzeugnamen und Menüpunkte frei übersetzt. Bei der Bezeichnung kann es somit zu geringfügigen Namensabweichungen in der finalen Version 2.4 kommen.

Der aktuellen Vorschauversion 2.3.13 vom November 2006 spendierten die Entwickler zahlreiche neue Features, die Webdesignern die Arbeit erleichtern und für den nötigen Kreativitätsschub sorgen.

Neue Möglichkeiten und Features

Ein Blick in die Featureliste verrät, dass die kommende Gimp-Version mit sehr vielen Erweiterungen und Verbesserungen aufwarten wird. Eine davon macht sich bereits beim Programmstart bemerkbar, der laut Entwicklerangaben stark beschleunigt wurde. Die signifikanteste Veränderung, die Sie nach dem Start sehen, ist sicherlich die neue Optik des Werkzeugkastens (Abbildung 1).

Das im Vergleich zu anderen Bildbearbeitungsprogrammen ungewohnte Erscheinungsbild der Benutzeroberfläche wurde schon bei älteren Gimp-Versionen oft bemängelt. Diesen Kritikpunkt nahmen die entwickler zum Anlass, die Oberfläche erneut anzupassen. Das Ergebnis: Die Werkzeugpalette verfügt jetzt nicht nur über farbenfrohere Werkzeug-Icons, sondern enthält auch einige zusätzliche Tools.

Abbildung 1: Vergleich der Werkzeugboxen: links Version 2.3 und rechts Version 2.2.

Das interessanteste davon ist das Auswahlwerkzeug SIOX (Simple Interactive Object Extraction). Mit diesem Tool wählen Sie aus einem Bild Vordergrundobjekte wie Menschen, Tiere oder Pflanzen mit relativ geringem Aufwand aus und stellen Sie frei. Bisher musste der Anwender entweder mit der Freihandauswahl oder dem Pfadwerkzeug Bildmotive exakt auswählen. Im neuen Werkzeug legen Sie den Auswahlbereich nur grob fest. Anschließend bemalen Sie das gewünschte Objekt mit der Vordergrundfarbe und erhalten einen Auswahlvorschlag, den Sie bei Bedarf nachbearbeiten. Ein kleines Präsentationsvideo [1] des an der Freien Universität Berlin entwickelten Auswahlwerkzeugs steht auf der Internetseite der Entwicklergruppe zum Download bereit.

Abbildung 2: Das neue Auswahlwerkzeug SIOX erleichtert Ihnen das Freistellen von Vordergrundobjekten.

Das ebenfalls neue Heilen-Werkzeug enthalten andere Bildbearbeitungsprogramme schon länger, und es findet mit Sicherheit auch bei den Gimpanwendern seine Anhänger. Es stellt eine Weiterentwicklung des bisher bekannten Klonstempels dar und dient als gute Ergänzung für professionelle Retuschearbeiten, nicht nur im Portraitbereich. Besonders zum Ausbessern eingescannter Fotos erweist sich dieses Werkzeug als äußerst hilfreich. Sie entfernen damit einfach kleine Macken oder Kratzer, wie in Abbildung 3 zu sehen. Da sich das Werkzeug Struktur und Farbe des angewählten Bereichs merkt, erlaubt es im Nachhinein nicht mehr erkennbares Retuschieren. Die Bedienung ist einfach und funktioniert im Prinzip wie beim Stempelwerkzeug.

Abbildung 3: Die neue Gimp-Version enthält das Reparaturwerkzeug "Heilen", mit dem Sie unkompliziert Kratzer und Beschädigungen aus Bildern entfernen.

Der Blick in das Bildmenü Filter | Verbessern zeigt das neue Werkzeug Rote Augen entfernen, mit dem Sie durch Kamerablitze verursachten Nebeneffekte behandeln. Die Bedienung ist denkbar einfach: Sie erfassen den roten Augenbereich mit Hilfe des Auswahlwerkzeugs und rufen den Filter auf. Das Ergebnis ist zwar nicht optimal, weil der Übergang an den Randbereichen etwas hart ausfällt, aber durchaus akzeptabel. Notfalls korrigieren Sie die Schwellwerteinstellungen, bis das Ergebnis Ihren Wünschen entspricht.

Falls Sie zu den Anwendern gehören, die bisher Probleme damit hatten, eine Textebene mittig anzuordnen, hält die neue Gimp-Version ebenfalls eine Lösung für Sie bereit. Das Anordnen-Werkzeug ([Q]) ermöglicht es Ihnen jetzt, Ebenen mit wenigen Mausklicks exakt an einer bestimmten Stelle im Bild zu positionieren. Sie brauchen also nicht mehr manuell und mit bloßem Auge die korrekte Position abzuschätzen, sondern lassen Gimp diesen Vorgang ausführen.

Verbesserungen

Neben den neuen Tools bringt Gimp 2.3 auch eine eine Reihe verbesserter Werkzeuge mit, zum Beispiel die Formwerkzeuge Rechteckige Auswahl ([R]) und Elliptische Auswahl ([E]). Auf den ersten Blick nicht zu erkennen, erlaubt es jetzt das nachträgliche Ändern der Auswahlgröße. Selbst wenn Sie diese bereits festgelegt haben, klicken Sie einfach wieder in die Auswahl und ziehen sie an den Ecken in die gewünschte Größe. Zudem erlaubt der neue Gimp das Anwenden von Transformationswerkzeugen im Bereich einer Auswahl.

Auch der Farbdialog Vordergrund- Hintergrundfarbe ändern kommt nicht ungeschoren davon. Wenn Sie bisher nach einer bestimmten Farbe gesucht haben, stand Ihnen die Farbauswahl zur Verfügung. Die neue Version besitzt eine Funktion, die vor allem Webdesigner begrüßen dürften: einen Farbwähler für den Desktop (Abbildung 4). Klicken Sie auf die Schaltfläche mit der Pipette und dann auf einen beliebigen Bereich Ihres Bildschirms, dessen Farbe Sie auswählen möchten. Wie gewohnt zeigt Gimp nicht nur die Farbe im Dialogfenster an, sondern auch den dazu gehörigen HTML-Farbcode als Hexadezimalwert.

Abbildung 4: Die Pipette für die Auswahl von Farbbereichen auf dem Desktop ist das ideale Werkzeug für Webdesigner.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Neues Gewand
    Die populäre und leistungsstarke Bildbearbeitungsprogramm Gimp erschien unlängst in einer neuen stabilen Version. Wir zeigen, welche zusätzlichen Funktionen das Programm mitbringt und was sich sonst noch geändert hat.
  • Effizienter arbeiten mit GIMP
    Die Gimp-Tipps bringen Ihnen Gimp-Funktionen und -Arbeitstechniken näher. In dieser Ausgabe zeigen wir, wie Sie ansprechende Fotomontagen erstellen. Alle Tipps beziehen sich auf die aktuelle Gimp-Version 2.3.14, die wir in der letzten Ausgabe vorgestellt haben.
  • Ausschneider
    Das mühselige Hantieren mit Pfaden und Lassos ist Vergangenheit: Siox extrahiert beinahe automatisch beliebige Bereiche aus Pixelgrafiken.
  • Gimp 2.4 ist da
  • GIMP 1.2
    Rechtzeitig zum letzten Weihnachtsfest wurde die lang erwartete, neue Version 1.2 der Bildbearbeitungssoftware GIMP im Internet zum Download freigegeben. Damit Sie sich die hohen Telefonkosten und den umständlichen Compilierungsvorgang ersparen können, haben wir die Bildverarbeitungs-Software auf unsere aktuelle Heft-CD gepresst. Passend dazu sagen wir Ihnen in diesem Artikel, was sich gegenüber der Vorversion geändert hat, und bieten eine erste Einstiegshilfe für Anfänger.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_04

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...