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Gimp-Vorschauversion 2.3.12

Farbenspiel

Die aktuelle Entwicklerversion des Bildbearbeitungsprogramms Gimp 2.3.13 enthält zahlreiche neue Features und Werkzeuge. Welche das sind und wem sie nützen, verrät dieser Artikel.

Rund um das Thema Bildbearbeitung herrscht seit Jahren ein Glaubenskrieg: Während Windows-Anwender auf das kommerzielle Produkt Photoshop schwören, hängen Linux-User wortwörtlich an Gimp: nicht zuletzt deswegen, weil das Programm derzeit die einzige Alternative zu Photoshop darstellt. Im Gegensatz zu Photoshop allerdings eine sparsame, denn Gimp unterliegt der GPL und ist zum Nulltarif erhältlich.

Gimp steht für GNU Image Manipulation Program und eignet sich nicht nur für die Bildbearbeitung, sondern auch zum Erstellen von Grafiken und für die Fotoretusche. Gerade zum Nachbearbeiten von Fotos besitzt die neue Version viele interessante Funktionen, von denen wir Ihnen einige vorstellen. Da das deutsche Sprachpaket derzeit unvollständig ist, sind im Artikel einige Werkzeugnamen und Menüpunkte frei übersetzt. Bei der Bezeichnung kann es somit zu geringfügigen Namensabweichungen in der finalen Version 2.4 kommen.

Der aktuellen Vorschauversion 2.3.13 vom November 2006 spendierten die Entwickler zahlreiche neue Features, die Webdesignern die Arbeit erleichtern und für den nötigen Kreativitätsschub sorgen.

Neue Möglichkeiten und Features

Ein Blick in die Featureliste verrät, dass die kommende Gimp-Version mit sehr vielen Erweiterungen und Verbesserungen aufwarten wird. Eine davon macht sich bereits beim Programmstart bemerkbar, der laut Entwicklerangaben stark beschleunigt wurde. Die signifikanteste Veränderung, die Sie nach dem Start sehen, ist sicherlich die neue Optik des Werkzeugkastens (Abbildung 1).

Das im Vergleich zu anderen Bildbearbeitungsprogrammen ungewohnte Erscheinungsbild der Benutzeroberfläche wurde schon bei älteren Gimp-Versionen oft bemängelt. Diesen Kritikpunkt nahmen die entwickler zum Anlass, die Oberfläche erneut anzupassen. Das Ergebnis: Die Werkzeugpalette verfügt jetzt nicht nur über farbenfrohere Werkzeug-Icons, sondern enthält auch einige zusätzliche Tools.

Abbildung 1: Vergleich der Werkzeugboxen: links Version 2.3 und rechts Version 2.2.

Das interessanteste davon ist das Auswahlwerkzeug SIOX (Simple Interactive Object Extraction). Mit diesem Tool wählen Sie aus einem Bild Vordergrundobjekte wie Menschen, Tiere oder Pflanzen mit relativ geringem Aufwand aus und stellen Sie frei. Bisher musste der Anwender entweder mit der Freihandauswahl oder dem Pfadwerkzeug Bildmotive exakt auswählen. Im neuen Werkzeug legen Sie den Auswahlbereich nur grob fest. Anschließend bemalen Sie das gewünschte Objekt mit der Vordergrundfarbe und erhalten einen Auswahlvorschlag, den Sie bei Bedarf nachbearbeiten. Ein kleines Präsentationsvideo [1] des an der Freien Universität Berlin entwickelten Auswahlwerkzeugs steht auf der Internetseite der Entwicklergruppe zum Download bereit.

Abbildung 2: Das neue Auswahlwerkzeug SIOX erleichtert Ihnen das Freistellen von Vordergrundobjekten.

Das ebenfalls neue Heilen-Werkzeug enthalten andere Bildbearbeitungsprogramme schon länger, und es findet mit Sicherheit auch bei den Gimpanwendern seine Anhänger. Es stellt eine Weiterentwicklung des bisher bekannten Klonstempels dar und dient als gute Ergänzung für professionelle Retuschearbeiten, nicht nur im Portraitbereich. Besonders zum Ausbessern eingescannter Fotos erweist sich dieses Werkzeug als äußerst hilfreich. Sie entfernen damit einfach kleine Macken oder Kratzer, wie in Abbildung 3 zu sehen. Da sich das Werkzeug Struktur und Farbe des angewählten Bereichs merkt, erlaubt es im Nachhinein nicht mehr erkennbares Retuschieren. Die Bedienung ist einfach und funktioniert im Prinzip wie beim Stempelwerkzeug.

Abbildung 3: Die neue Gimp-Version enthält das Reparaturwerkzeug "Heilen", mit dem Sie unkompliziert Kratzer und Beschädigungen aus Bildern entfernen.

Der Blick in das Bildmenü Filter | Verbessern zeigt das neue Werkzeug Rote Augen entfernen, mit dem Sie durch Kamerablitze verursachten Nebeneffekte behandeln. Die Bedienung ist denkbar einfach: Sie erfassen den roten Augenbereich mit Hilfe des Auswahlwerkzeugs und rufen den Filter auf. Das Ergebnis ist zwar nicht optimal, weil der Übergang an den Randbereichen etwas hart ausfällt, aber durchaus akzeptabel. Notfalls korrigieren Sie die Schwellwerteinstellungen, bis das Ergebnis Ihren Wünschen entspricht.

Falls Sie zu den Anwendern gehören, die bisher Probleme damit hatten, eine Textebene mittig anzuordnen, hält die neue Gimp-Version ebenfalls eine Lösung für Sie bereit. Das Anordnen-Werkzeug ([Q]) ermöglicht es Ihnen jetzt, Ebenen mit wenigen Mausklicks exakt an einer bestimmten Stelle im Bild zu positionieren. Sie brauchen also nicht mehr manuell und mit bloßem Auge die korrekte Position abzuschätzen, sondern lassen Gimp diesen Vorgang ausführen.

Verbesserungen

Neben den neuen Tools bringt Gimp 2.3 auch eine eine Reihe verbesserter Werkzeuge mit, zum Beispiel die Formwerkzeuge Rechteckige Auswahl ([R]) und Elliptische Auswahl ([E]). Auf den ersten Blick nicht zu erkennen, erlaubt es jetzt das nachträgliche Ändern der Auswahlgröße. Selbst wenn Sie diese bereits festgelegt haben, klicken Sie einfach wieder in die Auswahl und ziehen sie an den Ecken in die gewünschte Größe. Zudem erlaubt der neue Gimp das Anwenden von Transformationswerkzeugen im Bereich einer Auswahl.

Auch der Farbdialog Vordergrund- Hintergrundfarbe ändern kommt nicht ungeschoren davon. Wenn Sie bisher nach einer bestimmten Farbe gesucht haben, stand Ihnen die Farbauswahl zur Verfügung. Die neue Version besitzt eine Funktion, die vor allem Webdesigner begrüßen dürften: einen Farbwähler für den Desktop (Abbildung 4). Klicken Sie auf die Schaltfläche mit der Pipette und dann auf einen beliebigen Bereich Ihres Bildschirms, dessen Farbe Sie auswählen möchten. Wie gewohnt zeigt Gimp nicht nur die Farbe im Dialogfenster an, sondern auch den dazu gehörigen HTML-Farbcode als Hexadezimalwert.

Abbildung 4: Die Pipette für die Auswahl von Farbbereichen auf dem Desktop ist das ideale Werkzeug für Webdesigner.

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