In den vergangenen Jahren versuchten Open-Source-Entwickler, neue Nutzer von Linux zu überzeugen, indem sie den Umgang mit der Software vereinfachten. Nachdem es mittlerweile GUIs für die meisten Kommandozeilen-Tools gibt, richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine neue Attraktion: das Bling. Denn während gestandenen Linux-Hackern die funktionale Vielfalt der Kommandozeile genügt, wünschen sich normale Anwender häufig einen Desktop, der auch das Auge anspricht.
Dank XGL, AIGLX, Compiz und Beryl kommen nun auch Linux-Anwender in den Genuss einer hohen Dosis Bling. Das X Window System geht dabei eine Symbiose mit OpenGL ein. Die dadurch ermöglichten 3D-Effekte müssen Sie aber noch recht umständlich einrichten [1]. Anders 3ddesktop [2]: Das Tool erzeugt 3D-Effekte beim Wechseln zwischen virtuellen Arbeitsflächen. Statt schnöde auf eines der zwei oder vier Felder in der KDE-Fußzeile zu klicken, bewegen Sie die virtuellen Oberflächen in Würfelform um die eigene Achse und suchen sich das passende Fenster aus (Abbildung 1).
Drehwurm installieren
Abhängig vom Geschmack bietet 3ddesktop unterschiedliche Visualisierungsformen an. Da die Software OpenGL benutzt, müssen Sie die 3D-Beschleunigung für Ihre Grafikkarte aktivieren. Wie das unter Suse Linux 10.0/10.1, Mandriva Linux 2007 und Kubuntu funktioniert, erklären die Artikel, die den Starter Kits beiliegen, sowie – für Mandriva 2007 – einige Internetseiten [3,4].
Die Software selbst installieren Sie auf den von EasyLinux unterstützten Distributionen einfach über die Heft-DVD. Wie das geht, beschreibt die Anleitung auf der DVD.
3Daemonen
3ddesktop setzt sich aus einem Daemon – 3ddeskd – und dem eigentlichen Programm 3ddesk zusammen. Sie starten anfangs den Daemon, der über die Option --acquire die Oberflächen der virtuellen Arbeitsflächen "fotografiert". Rufen Sie also eine Konsole auf und geben Sie 3ddeskd --acquire ein.
Der Daemon übernimmt nun – wie in einem Computerspiel – den Bildschirm und nimmt Screenshots der virtuellen Desktops auf. Sie merken das daran, dass der Desktop kurz zwischen den virtuellen Arbeitsflächen hin und her wechselt. Verwenden Sie die Option --acquire=1000, geben Sie dem Knipser 1000 Millisekunden Zeit. Bei langsameren Rechnern kopieren Sie über den Schalter --mirror das Bild einer Arbeitsfläche auf alle anderen. Das geht schneller, sieht aber natürlich nicht so gut aus.
Kennt der Daemon alle Desktops, aktivieren Sie die eigentlichen Effekte über den Befehl 3ddesk. Verschiedene zusätzliche Parameter bestimmen, wie sich die Fenster beim Wechseln zwischen den Desktops verhalten. Geben Sie in die Konsole
3ddesk --mode=cylinder --zoomspeed=10
ein, präsentieren sich die virtuellen Desktops als mehrseitiger rotierender Polyeder. Die Rotation erzeugen Sie über [Pfeil]+[Rechts] und [Pfeil links], die Zahl der Seiten hängt davon ab, wie viele virtuelle Desktops Sie benutzen.
Sie geben 3ddesk also direkt Argumente mit auf den Weg oder greifen alternativ über die Option --view (Ansicht) auf eine Konfigurationsdatei zurück. Tippen Sie 3ddesk --view=linear in die Konsole, benutzt 3ddesk Werte, die es in der Datei /etc/3ddesktop/3ddesktop.conf unter dem Eintrag view linear findet (Abbildung 2). In dieser Konfigurationsdatei definieren Sie auch eigene Views, die das Verhalten der virtuellen Desktops steuern.
Angenommen Sie möchten, dass sich vier virtuelle Desktops in einen Würfel verwandeln. Der soll auf Tastendruck schnell erscheinen, aber nicht zu weit hinauszoomen, eine weiße Zahl signalisiert zudem, welchen Desktop der Würfel Ihnen gerade zuwendet. Rufen Sie dazu über kdesu kate einen Editor mit Root-Rechten auf und öffnen Sie die oben erwähnte Konfigurationsdatei von 3ddesktop. Nun geben Sie Folgendes ein:
view meineansicht mode cylinder depth 3 digit_color white zoomspeed 10
Das erzeugt einen Würfel (mode cylinder), der recht schnell (zoomspeed 10) und nicht zu weit weg vom Betrachter (depth 3) erscheint. Eine weiße Zahl zeigt zudem die Nummer des Desktops an. Geben Sie 3ddesk --view=meineansicht ein, um die Konfiguration einzusetzen (Abbildung 3). Rühren Sie den Würfel für eine Weile nicht an, dreht er sich von ganz allein. Diese Bewegungen verursacht das Programm selbst. So funktioniert 3ddesktop auch als Bildschirmschoner. Weitere Beispiele für Ansichten zeigt die Datei 3ddesktop.conf. Sie führt auch – auskommentiert – eine Reihe weiterer Parameter auf, die Sie benutzen können. So zeigt --view=linear die Desktops nebeneinander an.



